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Adrenalin

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Wiebke Raue • Medizinredakteurin

Bei Angst, Stress oder Aufregung steht der Körper förmlich unter Strom und plötzlich ist man hellwach. Für diesen schnellen Energieschub ist das Hormon Adrenalin verantwortlich – in Belastungssituationen versetzt es den Körper in Alarmbereitschaft. Es sorgt dafür, dass der Organismus Energiereserven mobilisiert und dadurch innerhalb kürzester Zeit leistungsfähiger wird.

Allgemeines

Der Begriff Adrenalin stammt aus dem Lateinischen (adrenal = bei der Niere) und gibt Hinweise auf den Entstehungsort des Hormons im Körper: Es wird im Nebennierenmark gebildet. Neben körperlichem und emotionalem Stress, Angst und Aufregung können auch Kälte, Schock, Erschöpfung oder eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) die Ausschüttung von Adrenalin auslösen.

Hormone sind Botenstoffe, die lebenswichtige Funktionen wie zum Beispiel Stoffwechsel, Kreislauf und Atmung steuern und regulieren. Adrenalin gehört neben Noradrenalin und Dopamin zu einer Gruppe von Hormonen (Katecholaminen), die für Hemmung und Erregung zuständig sind.

Wie die meisten anderen Hormone auch, gelangt Adrenalin über den Blutkreislauf in den ganzen Körper. Die einzelnen Körperzellen verfügen jedoch über spezifische Andockstellen (Rezeptoren), sodass sie immer nur bestimmte Hormone binden können. Auf Adrenalin sprechen beispielsweise die Herzmuskel- und Leberzellen an. Dort bindet sich Adrenalin an die Rezeptoren und aktiviert Prozesse, die der Energiebereitstellung dienen. So bewirkt es zum Beispiel, dass die Leberzellen vermehrt Zucker (Glukose) abgeben und dass Fettsäuren aus den Fettdepots ins Blut gelangen und den Zellen zur Energiegewinnung bereitstehen.

Die Ausschüttung Adrenalin ist für den Körper wichtig, um in Belastungssituationen bestehen zu können. Ein Zuviel an Adrenalin kann sich jedoch auch negativ auf die Gesundheit auswirken: Wenn der Körper ständig unter Strom steht, kann es zu Bluthochdruck und einem überaktiven Stoffwechsel kommen.

Funktionen im Körper

Adrenalin zählt zu den sogenannten Stresshormonen. In Stresssituationen ist der Energiebedarf des Körpers besonders hoch. Zu den Funktionen von Adrenalin im Körper gehört es, Kräfte bereitzustellen (z.B. bei einer drohenden Gefahr oder einer emotionalen Belastung). Dafür braucht der Körper Zucker (Glukose) und Fette. Adrenalin überträgt an die Leberzellen ein Signal, vermehrt Glukose freizugeben. In der Folge erhöht sich der Blutzuckerspiegel.

Außerdem aktiviert Adrenalin ein Enzym, das Fett aus den Fettdepots in Fettsäuren umwandelt. Diese gelangen über das Blut zu anderen Geweben, wo sie zur Energiegewinnung benötigt werden.

Adrenalin verbessert darüber hinaus die Sauerstoffversorgung des Organismus: Durch seine Ausschüttung beschleunigt sich der Herzschlag, der Atem geht schneller und Pupillen und Bronchien weiten sich. Der Sauerstoffgehalt im Blut nimmt zu, sodass die Zellen gut mit Sauerstoff versorgt werden, den sie zur Energiegewinnung brauchen. Auch der Blutdruck steigt. Durch den Adrenalinstoß steht dem Körper kurzfristig zusätzliche Energie zur Verfügung – er ist für den Notfall gerüstet.

Andere Organe, die in einer Gefahrensituation nicht von Bedeutung sind, werden bei einer Adrenalinausschüttung quasi "heruntergefahren". So verlangsamt sich zum Beispiel die Darmbewegung und die Darmdurchblutung nimmt ab. Im Gehirn steigert Adrenalin die Aufmerksamkeit und erzeugt eine starke Erregung, die mit Angstgefühlen einhergehen kann.

Auch äußerlich zeigt sich ein Adrenalin-Kick: Kalter Schweiß rinnt, die Haut erblasst und das Herz rast. Wenn das erhöhte Energiepotenzial nicht abgebaut wird, beginnen die Muskeln zu zittern – der Körper steht förmlich unter Hochspannung.

Einsatzbereit in Sekundenschnelle

Diese Reaktion des Körpers auf Stress, Angst und Aufregung ist für den Menschen überlebenswichtig: Sie wappnet ihn für Notsituationen, sodass er auf plötzlich eintretende Gefahren rasch reagieren kann. Durch die Ausschüttung von Adrenalin kann der Körper in Sekundenschnelle seine Energiereserven mobilisieren und bestimmte Funktionen auf eine Gefahrensituation einstellen. In früheren Zeiten war dies besonders wichtig; der Mensch war dadurch in der Lage, zum Beispiel vor plötzlich auftauchenden wilden Tieren zu flüchten oder unerwartete Feinde zu bekämpfen.

Heute ist man nur noch selten solchen Situationen ausgesetzt – die körperlichen Reaktionen treten bei Angst oder Stress jedoch trotzdem auf, um Sinne, Muskeln, Kreislauf und Atmung für den Notfall zu rüsten.

Diese Reaktion lässt sich nicht ausschalten: Wenn dem Körper eine Notsituation signalisiert wird, übernimmt das vegetative Nervensystem automatisch die Kontrolle – bestimmte Körperbereiche lassen sich dann nicht mehr willentlich steuern.

Erhöhte Adrenalinausschüttung

Wenn jemand dauerhaft unter körperlicher oder emotionaler Anspannung steht, schüttet der Körper über einen längeren Zeitraum permanent Adrenalin aus – der Körper steht ständig unter Strom. Dies kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Ein langfristig erhöhter Adrenalinspiegel im Blut kann zu Bluthochdruck (und in der Folge zu Arteriosklerose) und einem überaktiven Stoffwechsel führen. Es treten Beschwerden auf wie:

Äußere Anzeichen für eine erhöhte Adrenalinausschüttung sind:

Darüber hinaus weisen eine erhöhte Konzentration von Glukose im Blut (Hyperglykämie) und eine erhöhte Ausscheidung von Glukose im Harn (Glukosurie) auf einen hohen Adrenalinspiegel hin.

Wer also häufig gestresst oder emotional angespannt ist, sollte versuchen, Stress abzubauen und hin und wieder eine Pause einlegen. Entspannungstechniken wie zum Beispiel autogenes Training, Yoga oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobson können dabei helfen.

Weitere Informationen

Buchtipps:

Hormone und Hormonsystem

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358 Seiten Springer Verlag

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Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2010)

Kleine, B., Rossmanith, W.G.: Hormone und Hormonsystem. Springer Verlag, Berlin 2010

Faller, A., Schünke, M.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2008

Silbernagel, S., Despopoulos, A.: Taschenatlas Physiologie. Thieme, Stuttgart 2007

Schmidt, R.F. et. al: Physiologie des Menschen. Springer-Medizin-Verlag, Berlin 2005

Online-Information der Neurologen und Psychiater im Netz: www.neurologen-psychiater-im-netz.de (Stand: 2005)

Letzte inhaltliche Prüfung: 14.01.2011
Letzte Änderung: 12.03.2018