Telithromycin

Allgemeines

Telithryomycin ist ein relativ neues Antibiotikum, das nur bei Infektionen mit Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken eingesetzt werden sollte, die resistent gegen Antibiotika aus der Gruppe der Cephalosporine, Penicilline und Makrolid-Antibiotika sind. Insofern ist der Wirkstoff als Reservemedikament anzusehen, das nur zum Einsatz kommt, wenn andere Antibiotikatherapien aufgrund einer Unempfindlichkeit (Resistenz) der Erreger versagen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • bakterielle Infektionen behandeln
  • Bakterien abtöten

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Telithromycin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Telithromycin nicht verwendet werden?

Bei einer Überempfindlichkeit gegen Telithromycin und andere Makrolid-Antibiotika darf der Wirkstoff nicht angewendet werden.

Patienten, bei denen bestimmte Phasen des Herzschlags verlängert sind (Long-QT-Syndrom), dürfen Telithromycin nicht verwenden, da es sonst zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen kommen kann. Aus diesem Grund ist auch die Kombination mit Wirkstoffen, die ein Long-QT-Syndrom verursachen können wie etwa das Neuroleptikum Pimozid sowie Astemizol und Terfenadin (beide gegen Allergien) nicht erlaubt.

Des Weiteren ist die gleichzeitige Anwendung mit bestimmten Mitteln zur Absenkung der Blutfette (Statine) nicht gestattet. Auch Wirkstoffe wie Ergotamin, Dihydroergotamin sowie das Magenmittel Cisaprid dürfen nicht mit Telithromycin kombiniert werden.

HIV-1-Proteasehemmer oder das Pilzmittel Ketoconazol behindern den Abbau von Telithromycin und verstärken seine Lebergiftigkeit. Eine gleichzeitige Gabe ist daher bei Patienten mit stark eingeschränkter Nieren- und/oder Leberfunktion verboten.

Während und bis zu zwei Wochen nach der Behandlung mit Wirkstoffen wie dem Tuberkulose-Mittel Rifampicin, den Epilepsie-Mitteln Phenytoin, Carbamazepin und Phenobarbital sowie Johanniskraut gegen Depressionen sollte Telithromycin nicht angewendet werden. Sein Abbau wäre dann beschleunigt und die Wirkung unsicher.

Auch bei Herzkranzgefäßverengungen (Angina Pectoris), Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutmagnesium- oder Blutkaliumkonzentration (Hypomagnesiämie, Hypokaliämie) sowie niedrigem Puls (weniger als 50 Schläge pro Minute) sollte die Anwendung nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Weil Telithromycin eine Verschlechterung der Krankheit verursachen kann, ist die Anwendung des Wirkstoffes bei Myasthenia gravis verboten.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Schwangerschaft darf Telithromycin nicht eingenommen werden, es sei denn, der Arzt hält es für unbedingt notwendig. Beim Menschen gibt es noch keine ausreichenden Erfahrungen mit der Anwendung von Telithromycin in der Schwangerschaft. In Tierexperimenten hat sich jedoch eine schädliche Wirkung auf die Ungeborenen gezeigt.

In der Stillzeit ist die Einnahme von Telithromycin nicht gestattet, da der Nachweis der Unbedenklichkeit für die Anwendung in dieser Zeit noch nicht erbracht wurde.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern unter zwölf Jahren darf Telithromycin nicht angewendet werden.

Welche Nebenwirkungen kann Telithromycin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Telithromycin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Durchfall

Häufige Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, Blähungen), Leber-Enzym-Wertanstieg (Transaminasen), Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen, Geschmacksstörungen, Pilzinfektionen der Scheide.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Verstopfung, Appetitlosigkeit, Pilzinfektionen im Mund, Mundschleimhautentzündung, Schlafstörungen, Nervosität, Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie), Hautentzündungen, Hautrötung, Hitzegefühl, Nesselsucht, Juckreiz, Herzklopfen, Sehstörungen (vorübergehend).

Seltene Nebenwirkungen:
Gelbsucht, Gallenstau (Cholestase), Missempfindungen (Kribbeln, Brennen, Parästhesien), Ohnmachtsanfall (vorübergehend), Doppeltsehen (vorübergehend), Hautausschlag, Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck, Pulsverlangsamung.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Besiedelung des Darmes mit widerstandsfähigen Erregern (Pseudomembranöse Colitis), Geruchsstörungen, Hautrötungen (Erythema multiforme), Muskelkrämpfe.

Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe:
Gesichtsschwellung (angioneurotisches Ödem), allergische Reaktionen einschließlich allergischem Schock, Herzrhythmusstörungen (Verlängerung des QT/QTc-Intervalls), Bauchspeicheldrüsenentzündung, schwere Leberentzündung, Leberversagen, schnelle Verschlimmerung einer Myasthenia gravis.

Besonderheiten:
Die Auslösung eines Schubes von Myasthenia gravis durch Telithromycin kann in Einzelfällen zu einer lebensbedrohlichen Atemlähmung führen.

Seit der Markteinführung des Wirkstoffes wurde durch die Anwendung ein akutes Leberversagen verursacht. Bemerken Patienten während der Therapie eine Gelbfärbung von Augen oder Haut, sollten sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Treten Sehstörungen und/oder Bewußtseinsverlust auf, sollten die dazu neigenden Patienten während der Einnahme von Telithromycin keine Tätigkeiten ausführen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern. Des weiteren sollte der Wirkstoff in solchen Fällen vor dem Schlafengehen eingenommen werden, um die Auswirkungen der uerwünschten Effekte zu begrenzen. Werden Sehstörungen bemerkt, sollten sie vom Augenarzt untersucht werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Telithromycin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die Kombination von Ergotamin oder Dihydroergotamin mit Telithromycin ist wegen der Gefahr einer übermäßig starken Blutgefäßverengung (Gefahr von Sauerstoffunterversorgung und Ohnmachtsanfall) nicht gestattet.

Telithromycin verstärkt die Aufnahme und damit Wirkung beziehungsweise Nebenwirkungen folgender Substanzen:
  • des Neuroleptikums Pimozid sowie Astemizol und Terfenadin (beide gegen Allergien). Dadurch kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen.
  • Statinen (Mitteln zur Senkung der Blutfettwerte) wie Atorvastatin, Lovastatin, Simvastatin und Cerivastatin. Die Kombination der ersten drei mit Telithromycin ist verboten. Da Cerivastatin im Verdacht steht, zusammen mit Telithromycin zu Muskelschäden zu führen, muss eine mögliche Kombinationsbehandlung besonders sorgfältig ärztlich überwacht werden.
  • von Immunologika wie Ciclosporin, Tacrolimus und Sirolimus
  • des Herzmittels Digoxin
  • des Betablockers Metoprolol
  • der Benzodiazepine Alprazolam, Midazolam, Triazolam
  • der Blutverdünner zum Einnehmen wie Warfarin. Hier kann es zu einer erhöhten Blutungsneigung kommen, die ärztlich überwacht werden muss.
Es wird aber auch die Wirkung von Telithromycin selbst durch andere Wirkstoffe verändert:
  • Der Abbau von Telithromycin wird durch das Tuberkulose-Mittel Rifampicin, die Antiepileptika Phenytoin, Phenobarbital und Carbamazepin sowie Johanniskraut (gegen Depressionen) beschleunigt und damit die Wirkung abgeschwächt. Der Beginn der Therapie mit Telithromycin sollte daher frühestens zwei Wochen nach der letzten Einnahme dieser Wirkstoffe erfolgen.
  • Pilzmittel wie Itraconazol und Ketoconazol erhöhen die Blutkonzentrationen an Telithromycin.
  • Bei Leberfunktionsstörungen wird Telithromycin nur verlangsamt abgebaut, so dass mit verstärkten Wirkungen und Nebenwirkungen zu rechnen ist. Diese Abbauhemmung kann durch andere Wirkstoffe noch verstärkt werden. Dazu gehören HIV-1-Protease-Hemmer (Mittel zur Behandlung von AIDS wie Ritonavir), das Pilzmittel Ketoconazol, einige Benzodiazepine (Midazolam, Triazolam und Alprazolam) sowie den Blutfett-senkenden Statinen Atorvastatin, Lovastatin, Simvastatin und Cerivastatin verursacht werden.

    Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

    • Bei Gelbfärbung der Augen oder Haut während der Behandlung mit dem Wirkstoff ist unverzüglich eine Arzt aufzusuchen.
    • Bei anhaltendem und/oder blutigem Durchfall ist die Behandlung mit dem Medikament sofort abzubrechen.
    • Der Einsatz des Medikaments bei Kindern ab zwölf Jahren ist nur bei Mandel- und/oder Rachenentzündungen erlaubt, die durch beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (Labornachweis!) verursacht sind.
    • Treten Sehstörungen (Doppelbilder, Störungen der Fern-Nah-Sicht) auf, solle ein Augenarzt aufgesucht werden.
    • Das Reaktionsvermögen kann so weit beeinträchtigt sein, dass Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind.
    • Bei Neigung zu Sehstörungen und Bewusstseinsverlust sollte das Medikament ausschließlich vor dem Schlafengehen eingenommen werden, um die Auswirkungen der unerwünschten Effekte zu begrenzen.

    Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

    Welche Medikamente beinhalten Telithromycin?

    Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Telithromycin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

    Medikament
    Darreichungsform

    So wirkt Telithromycin

    Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Telithromycin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antibiotika, zu welcher der Wirkstoff Telithromycin gehört.

    Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Telithromycin

    Telithryomycin ist ein relativ neues Antibiotikum, das nur bei Infektionen mit Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken eingesetzt werden sollte, die resistent gegen Antibiotika aus der Gruppe der Cephalosporine, Penicilline und Makrolid-Antibiotika sind. Insofern ist der Wirkstoff als Reservemedikament anzusehen, das nur zum Einsatz kommt, wenn andere Antibiotikatherapien aufgrund einer Unempfindlichkeit (Resistenz) der Erreger versagen.

    Anwendungsgebiete für Telithromycin sind wieder aufgeflammte chronische Bronchitis, leichte bis mittelschwere Lungenentzündung (allerdings nur, wenn der Patient sich in seiner alltäglichen Umgebung infiziert hat) und Nasennebenhöhlenentzündungen bei Personen über 18 Jahren.

    Mandelentzündungen und Rachenentzündungen, sofern sie durch besonders widerstandfähige Bakterien (beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A) verursacht werden und mit anderen Antibiotika nicht zu bekämpfen sind, dürfen mit Telithromycin bereits bei Kindern ab zwölf Jahren behandelt werden.

    Aufgrund der schweren Nebenwirkungen von Telithromycin wie schnelle Leberschädigung, Sehstörungen, Bewußtseinsverlust und Verschlimmerung einer Myasthenia gravis schlug der Informationsdienst für Ärzt und Apotheker vor, Telithromycin ausschließlich nur im Krankenhaus bei schweren und ansonsten nicht bekämpfbaren Infektionen einzusetzen.

    In Studien an Asthmatikern konnte Telithromycin die Lungenfunktion in Akutphasen der Erkrankung bessern. Worauf dieser Effekt beruht, wird zur Zeit in weiteren Studien untersucht, daher ist bisher von einem Einsatz des Antibiotikums zur Asthma-Behandlung abzuraten. (F. Little: Treating acute asthma with antibiotics - not quite yet. N. Engl.J.Med. 354,1632-1634 (2007))

    Zu folgenden Anwendungsgebieten von Telithromycin sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Telithromycin

    Telithromycin ist eine Abwandlung des Antibiotikums Erythromycin und ähnelt daher in seiner Wirkung der Gruppe der Makrolid-Antibiotika, zu denen Erythromycin gehört. Wie die Makrolide greift auch Telithromycin in die Eiweiß-Produktion der Bakterien ein. Der Bauplan für die Eiweiße ist in der Erbinformation, der strickleiterförmigen DNA, enthalten. Eiweiße bestehen aus einer langen Kette verschiedener so genannter Aminosäuren. Art und Gestalt des entstehenden Eiweißes wird durch die Abfolge der Aminosäuren bestimmt, die in der Erbinformation festgelegt ist. Zusammengebaut werden die Eiweiße von kleinen Organen der Erregerzellen, den so genannten Ribosomen. Die Ribosomen gleiten an der Strickleiter der DNA entlang, lesen die Information ab und hängen die Aminosäuren wie in der DNA vorgegeben aneinander.

    Makrolid-Antibiotika greifen in den Prozeß der Eiweißbildung ein, indem sie sich an die Ribosomen heften und diese blockieren. Damit stockt die für die Bakterien lebenswichtige Eiweißherstellung. Da sich Telithromycin besonders fest an die Ribosomen bindet, wirkt es nicht nur Wachstums-hemmend, sondern auch abtötend auf die Bakterien. Zudem wirkt es auch gegen Bakterienstämme, die gelernt haben, sich gegen Makrolide zu verteidigen, also gegen diese Antibiotika resistent geworden sind.

    Darüber hinaus besitzt Telithromycin noch einen weiteren Vorteil: Der Wirkstoff wird durch die Magensäure nicht zersetzt, so dass seine Dosis geringer gewählt werden kann als bei Magensäure-empfindlichen Antibiotika.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.