Midazolam

Allgemeines

Midazolam ist ein Schlafmittel mit kurzer Wirkungsdauer und folgenden Anwendungsgebieten:

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Midazolam im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Midazolam nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Benzodiazepine, bei Patienten mit schwerer Atemfunktionsstörung, akuten Atemaussetzern oder der Nervenkrankheit Myasthenia gravis darf der Wirkstoff nicht angewendet werden. Auch bei Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion ist der Einsatz von Midazolam verboten.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Midazolam eingesetzt werden bei
  • Patienten mit beeinträchtigter Atemfunktion oder chronischen Atemfunktionsstörungen
  • Kindern unter drei Monaten, weil deren Atemfunktion besonders empfindlich ist, und Kinder mit Kreislaufschwäche
  • Patienten über 60 Jahre
  • schlechtem Allgemeinzustand
  • chronischer Nieren- oder Leberfunktionsstörung, weil beide die Ausscheidung des Wirkstoffs behindern
  • Herzmuskelschwäche, weil diese die Wirkung verlängert
  • der Muskelschwächekrankheit Myasthenia gravis
  • Patienten mit Alkohol- und/oder Drogenmissbrauch in der Vorgeschichte, weil diese besonders schnell von dem Wirkstoff abhängig werden.
Hinweis:
Midazolam darf bei Narkosen nur von erfahrenen Ärzten verabreicht werden. Es müssen eine vollständige Einrichtung zur Überwachung und Unterstützung der Atem- und Herzkreislauf-Funktion vorhanden sein und Personen, die besonders in der Erkennung und Behandlung von möglichen Nebenwirkungen auf Herz, Kreislauf und Atmung geschult wurden.

Zur Bekämpfung von Krämpfen darf der Wirkstoff von Eltern/Betreuungspersonen nur dann verabreicht werden, wenn ein Arzt bei dem Patienten Epilepsie festgestellt hat. Bei Säuglingen im Alter von drei bis sechs Monaten sollte die Behandlung nur in einer Klinik erfolgen, in der Überwachungsmöglichkeiten und eine entsprechende Ausrüstung zur Wiederbelebung vorhanden sind.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Erkenntnislage für eine Beurteilung der Sicherheit einer Anwendung von Midazolam in der Schwangerschaft reicht momentan nicht aus. Aus Tierexperimenten haben sich keine Hinweise auf Missbildungen ergeben, aber andere Benzodiazepine verursachten tödliche Schäden an den Ungeborenen.

Zur Anwendung von Midazolam im ersten Schwangerschaftdrittel gibt es keine Erfahrungswerte. Die Anwendung von hochdosiertem Midazolam im letzten Schwangerschaftsdrittel, während der Geburt oder bei Gabe zur Narkoseeinleitung bei Kaiserschnitt hat zu Nebenwirkungen bei Mutter und Kind geführt. Säuglinge, deren Mütter während der letzten Schwangerschaftsphase längerfristig mit Benzodiazepinen behandelt wurden, können eine körperliche Abhängigkeit entwickeln und daher dem Risiko von Entzugserscheinungen nach der Geburt ausgesetzt sein. Deshalb darf Midazolam während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es der Arzt für unabdingbar hält.

Midazolam geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Nach einer Midazolam-Gabe sollten stillende Frauen ihre Kinder 24 Stunden lang nicht stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Früh- und Neugeborene müssen mit besonderer Vorsicht behandelt werden, da sie ein hohes Risiko für einen Atemstillstand haben. In diesen Fällen wird der Arzt die Atmung und den Sauerstoffgehalt des Blutes besonders sorgfältig überwachen.

Bei Neugeborenen wird der Arzt den Wirkstoff besonders langsam einspritzen. Die Organfunktionen von Neugeborenen sind verlangsamt beziehungsweise nicht ausgereift, außerdem sind diese Kinder anfällig für die ausgeprägten und nachhaltigen Nebenwirkungen von Midazolam auf die Atemwege.

Bei Kindern mit Herz-Kreislauf-Schwäche muss der Arzt ebenso auf eine langsame Gabe des Wirkstoffs achten.

Kinder unter sechs Monaten dürfen mit Midazolam nur auf der Intensivstation behandelt werden, da sie besonders anfällig für Atemwegskrämpfe und für zu schnelles und tiefes Atmen (Hyperventilation) sind. Der Arzt wird daher die Dosierung bis zur Wirkung in kleinen Schritten vornehmen und die kindlichen Patienten sorgfältig beobachten.

Welche Nebenwirkungen kann Midazolam haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Midazolam. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Überempfindlichkeit, allergischer Schock, Verwirrtheitszustände, Übersteigerung, Halluzinationen, Aufregung, Feindseligkeit, Wut, Aggressionen, Erregung, körperliche Arzneimittelabhängigkeit und Entzugserscheinungen, unwillkürliche Bewegungen, Muskelzittern, Überaktivität, Ruhigstellung (verlängert und und auch nach der Operation), herabgesetzte Aufmerksamkeit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Gangunsicherheit, Gedächtnisverlust (Dauer direkt dosisabhängig), Entzugskrämpfe, Herzstillstand, verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck, Weitstellung der Blutgefäße, Venenentzündung, Venenverstopfung, Atemfunktionsstörung, Atemstillstand, Atemnot, Kehlkopfkrampf, Schluckauf, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Hautausschlag, Nesselsucht, Juckreiz, Schmerzen am Verabreichungsort, Müdigkeit, Hautrötung, Stürze, Knochenbrüche, Tätlichkeiten.
Bei Frühgeborenen und Neugeborenen:
Krämpfe.

Welche Wechselwirkungen zeigt Midazolam?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Midazolam verändert die Wirkung anderer Substanzen nur im Falle von Narkosemitteln zum Einatmen, deren Wirkung es abschwächt.

Andererseits wird Midazolam aber selbst von vielen Wirkstoffen in seiner Wirkung beeinflusst: Pilzmittel, die den Abbau von Midazolam hemmen, verstärken seine Wirkung um das Vielfache. Das ist beispielsweise bei der gleichzeitigen Gabe von Fluconazol, Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol und Voriconazol zu bedenken. Gleiches gilt fürAndere Wirkstoffe fördern den Abbau von Midazolam im Körper und schwächen daher seine Wirkung ab. Dazu gehören
  • das Tuberkulose-Mittel Rifampicin
  • die Antiepileptika Carbamazepin und Phenytoin
  • das virenhemmde Mittel Efavirenz (bei AIDS eingesetzt)
  • das Antidepressivum Johanniskraut.
Die gleichzeitige Anwendung von Midazolam mit anderen Beruhigungs- oder Schlafmitteln einschließlich Alkohol führt zu einer verstärkten Ruhigstellung und Unterdrückung der Atemfunktion. Dies gilt vor allem für opioide Schmerzmittel, aber auch Codein und das Drogen-Ersatzmittel Methadon, Neuroleptika, andere Benzodiazepine (bei Anwendung als Angstlöser oder Schlafmittel), Barbiturate, die Narkosemittel Propofol, Ketamin und Etomidat, ruhigstellende Antidepressiva, ältere H1-Antihistaminika (gegen Allergien und Übelkeit) und gehirnwirksame Blutdrucksenker wie Clonidin.

Weil Alkohol besonders verstärkend auf Midazolam wirkt, ist gleichzeitiger Alkoholgenuss streng untersagt.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit dem Medikament darf kein Alkohol getrunken werden.
  • Ab einer Einzeldosis von 50 Milligramm gilt das Medikament als Betäubungsmittel und darf vom Arzt nur auf einem entsprechenden Spezialrezept verordnet werden.
  • Das Medikament beeinflusst die Reaktionsfähigkeit massiv, was Autofahren und das Führen von Maschinen sehr gefährlich macht.
  • Nach einer Behandlung mit dem Medikament sollte der Patient nach Hause begleitet werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Midazolam?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Midazolam enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Midazolam

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Midazolam. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Benzodiazepine, Schlafmittel, zu welcher der Wirkstoff Midazolam gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Midazolam

Midazolam ist ein Schlafmittel mit kurzer Wirkungsdauer und folgenden Anwendungsgebieten:

Bei Erwachsenen und Kindern dient es der Schmerzstillung und Ruhigstellung vor und während medizinischen Eingriffen zu Diagnose oder Therapie mit oder ohne örtliche Betäubung. Ebenso dient es auf der Intensivstation als ruhigstellendes Mittel.

Bei der Narkose Erwachsener dient Midazolam zur Vorbehandlung und zur Narkoseeinleitung sowie als ruhigstellendes Mittel bei Kombinationsnarkosen. Bei Kindern ist es hingegen nicht zur Narkoseeinleitung gebräuchlich, kommt dafür aber als Narkosemittel selbst zum Einsatz.

Bei Säuglingen und Kindern bis zum 18. Lebensjahr wird Midazolam auch zur Bekämpfung akuter, länger anhaltender Krämpfe eingesetzt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Midazolam sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Midazolam

Midazolam gehört zur Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine. Chemisch ist Midazolam nur gering wasserlöslich, bildet aber mit Säuren wasserlösliche Salze, die dann eine stabile und gut verträgliche Lösung ergeben. diese Lösung kann gespritzt, in den Mund gegeben oder über den After verabreicht werden.

Die Wirkung von Midazolam ist aufgrund des raschen Abbaus im Stoffwechsel durch eine kurze Dauer gekennzeichnet. Midazolam ist stark beruhigend und schlaffördernd. Ferner hat es einen angst- und krampflösenden sowie entspannenden Effekt auf die Muskulatur.

Nach Injektion in den Muskel oder in ein Blutgefäß tritt ein Gedächtnisverlust von kurzer Dauer auf: Der Patient erinnert sich nicht an Ereignisse, die während der Höchstwirkung der Substanz geschahen.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.