Eisen(II)

Allgemeines

Mit zweiwertigem Eisen (Eisen(II)) wird Eisenmangel verschiedener Ursachen behandelt oder vorgebeugt. Insbesondere ist der Wirkstoff bei Blutarmut angezeigt, die durch Eisenmangel hervorgerufen wurde. Zu diesen auch Eisenmangelanämie genannten Formen der Blutarmut kann es zum einen nach Blutverlusten kommen. So vermindern übermäßig starke Regelblutungen, Operationen, versteckte Blutverluste im Magen-Darm-Bereich wie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren oder auch Blutspenden die Menge des Blutes.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • durch Eisenmangel verursachte Symptome behandeln
  • Eisenmangel vorbeugen
  • Erythrozytenzahl erhöhen
  • Hämoglobinwert erhöhen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Eisen(II) im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Eisen(II) nicht verwendet werden?

Zweiwertiges Eisen darf nicht gegeben werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Eisenverwertungsstörungen wie sideroachrestischen Anämien, Bleianämien, Thalassämien
  • Eisenspeicherkrankheiten wie Hämochromatosen
  • Blutarmut, die durch Tumore oder Infektionen ausgelöst wurde, sofern nicht gleichzeitig Eisenmangel besteht.
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Bewertung durch einen Arzt darf der Wirkstoff angewendet werden bei:
  • vorbestehenden Entzündungen in Magen und Darm und Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte eine Behandlung mit dem Wirkstoff nur nach einer sorgfältigen ärztlichen Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Über einen längeren Zeitraum verabreicht darf die Dosierung 80 Milligramm pro Tag nicht überschreiten.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Säuglinge und Kleinkinder können, wenn es der Arzt für notwendig hält, auch schon mit geeigneten Eisen-Präparaten in angepasster Dosierung behandelt werden.

In größerer Menge eingenommen, können Eisenverbindungen vor allem für Kinder, seltener bei Erwachsenen, tödlich sein. Bei Kleinkindern genügt bereits eine Gesamtdosis von einem Gramm Eisen(II), um einen lebensbedrohlichen Zustand zu erzeugen. Grundsätzlich sollte eine tägliche Dosis von 5 Milligramm Einsen(II)/Kilogramm Körpergewicht nicht überschritten werden. Dosierungen ab 20 Milligramm Einsen(II)/Kilogramm Körpergewicht können bereits zu Vergiftungserscheinungen führen. Es ist deshalb den Dosierungsangaben der Hersteller unbedigt Folge zu leisten

Bei einer Eisenvergiftung kommt es zuerst (innerhalb weniger Minuten bis zu etwas sechs Stunden nach der Einnahme) zu blutiger Magendarmentzündung, in schweren Fällen mit Kreislaufkollaps, Schock und Koma, Übelkeit, Erbrechen, Bluterbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Anstieg der weißen Blutkörperchen, Fieber, Trägheit und Blutdruckabfall. In dieser Phase ereignen sich 25 Prozent der gesamten Todesfälle. Nach vier bis sechs Stunden kommt es zunächst einmal zu einer Erholung. Nach weiteren zwölf bis 48 Stunden können Schock mit Absinken des Blutvolumens und Übersäuerung des Blutes und verminderter Harnausscheidung, häufig auch Gelbfärbung der Haut und Augen folgen. Auch Gehirn-Symptome und nach zwei bis vier Tagen ein Absterben von Leberzellen mit Krämpfen, Atemlähmung, Koma können dazukommen. (Die Mehrzahl aller Todesfälle tritt in dieser Phase auf.) Anschließend klingen die Symptome rasch ab. Es können aber Spätfolgen wie Verengung des Magenausgangs und narbige Verengungen im Magen-Darm-Bereich bestehen bleiben.

Welche Nebenwirkungen kann Eisen(II) haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Eisen(II). Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Beschwerden, Verstopfung.

Besonderheiten:
Während der Behandlung mit diesem Wirkstoff kommt es zu einer harmlosen Schwarzfärbung des Stuhls. Kinder können sich durch Eisentabletten vergiften.

Langjährige Einnahme von hohen Eisendosen, soweit sie für den individuellen Bedarf nicht benötigt werden, kann zum typischen Krankheitsbild einer Eisenüberladung (Hämochromatose) führen.

Als Gegenmittel bei einer Vergiftung empfiehlt sich eine Magenspülung mit ein- bis dreiprozentiger Natriumhydrogencarbonat-Lösung sowie die Gabe von drei bis fünf Gramm Deferoxamin (Erwachsene können bis zu zehn Gramm einnehmen). Auch Magnesiumsulfat, Milch und rohe Eier regen die Bildung von Eisen-Eiweiß-Komplexen an und können so bei der Entgiftung helfen.

Alle Eisen-Präparate, die direkt in die Blutbahn gegeben werden, können schwere und möglicherweise tödliche Überempfindlichkeitsreaktionen verursachen. Deren Auftreten kann auch durch die vorherige Gabe einer Testdosis nicht zuverlässig abgeklärt und verhindert werden. Eisen-Präparate zur Gabe in die Vene sollten daher nur dann angewendet werden, wenn geschulte Fachkräfte für die Erkennung und Behandlung allergischer Reaktionen sowie eine vollständige Ausrüstung zur Behandlung verfügbar sind.

Welche Wechselwirkungen zeigt Eisen(II)?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Zweiwertiges Eisen vermindert die Aufnahme von Antibiotika wie Tetracyclinen, von Penicillamin (gegen Eisenspeicherkrankheit), Goldverbindungen (gegen entzündlich rheumatische Erkrankungen) und der gegen die Parkinson-Krankheit eingesetzten Wirkstoffe Levodopa und Methyldopa. Auch die Aufnahme von Chinolon-Antibiotika wie zum Beispiel Ciprofloxacin, Levofloxacin, Norfloxacin, Ofloxacin oder von Thyroxin (Schilddrüsenhormon) wird durch Eisen-Ionen beeinflusst. Die Wirkung der genannten Wirkstoffe wird so durch gleichzeitige Einnahme von Eisen(II) abgeschwächt.

Umgekehrt wird die Aufnahme von Eisen(II) durch die gleichzeitige Gabe von Cholestyramin, säurebindenden Mitteln (Antazida) wie Kalziumsalzen, Magnesiumsalzen und Aluminiumsalzen sowie Kalzium- und Magnesium-Ergänzungsmitteln vermindert. So steht dem Blut weniger Eisen zur Verfügung.

Die gleichzeitige Einnahme von Eisen(II) mit Acetylsalicylsäure, anderen Salicylaten oder nicht-steroidalen Antirheumatika verstärkt die Reizung der Magen-Darm-Schleimhaut durch das Eisen.

Die gleichzeitige Aufnahme von Säuren verbessert die Aufnahme von Eisen(II) im Dünndarm. Eisenbindende pflanzliche Stoffe wie Phosphate, Phytate oder Oxalate sowie Milch, Kaffee und Tee hemmen die Eisenaufnahme. Deshalb sollten etwa zwei bis drei Stunden zwischen der Aufnahme der eisenhaltigen Mittel und diesen Nahrungsbestandteilen liegen.

Während einer Behandlung mit eisenhaltigen Mitteln können Tests zum Nachweis von Blut im Stuhl (Guajak-Test, Benzidin-Probe) falsch positiv ausfallen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Um das Risiko einer möglichen Eisen-Überdosierung zu vermeiden, sollten andere Nahrungsmittel oder Medikamente mit Eisen nicht verwendet werden.
  • Bei Kleinkindern kann eine Gesamtdosis von einem Gramm Eisen bereits zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen. Für Kinder liegt die tödliche Dosis zwischen 1,1 und 3,7 g Eisen(II).
  • Patienten mit Geschwüren oder Entzündungen der Magen- oder Darmschleimhaut müssen vorsichtig mit diesem Medikament sein.
  • Eine während der Behandlung mit dem Medikament möglicherweise auftretende Dunkelfärbung des Stuhls ist ohne Bedeutung.
  • Um Wechselwirkungen zu vermeiden, empfiehlt sich die Einnahme des Medikaments im zweistündigen Abstand zu anderen Medikamenten.
  • Die Einnahme des Medikaments kann im Labor zu falsch-positiven Testergebnissen beim Benzidin- und Guajak-Test führen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Eisen(II)?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Eisen(II) enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Eisen(II)

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Eisen(II). Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen blutbildende Mittel, Mineralstoffe (Mengenelemente und Spurenelemente), Eisen-Verbindungen, zu welcher der Wirkstoff Eisen(II) gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Eisen(II)

Mit zweiwertigem Eisen (Eisen(II)) wird Eisenmangel verschiedener Ursachen behandelt oder vorgebeugt. Insbesondere ist der Wirkstoff bei Blutarmut angezeigt, die durch Eisenmangel hervorgerufen wurde. Zu diesen auch Eisenmangelanämie genannten Formen der Blutarmut kann es zum einen nach Blutverlusten kommen. So vermindern übermäßig starke Regelblutungen, Operationen, versteckte Blutverluste im Magen-Darm-Bereich wie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren oder auch Blutspenden die Menge des Blutes.

Ein weiterer Grund für Blutarmut durch Eisenmangel kann eine Störung der Eisenaufnahme in den Körper sein. Diese tritt zum Beispiel ein, wenn durch eine Operation Teile des Dünndarmes entfernt werden mussten, in dem die Aufnahme des in der Nahrung befindlichen Eisens in das Blut erfolgt.

Mit Eisen(II) lässt sich auch ein erhöhter Bedarf an Eisen in der Schwangerschaft auffangen. Er entsteht durch den Eisenbedarf des Kindes, das sich aus den Eisenspeichern der Mutter "bedient".

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Eisen(II) sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Eisen(II)

Eisen ist ein wichtiger Rohstoff des menschlichen Körpers. Eisen kann im Gewebe Sauerstoff binden und es für die einzelnen Zellen verfügbar machen. Daher sind nahezu alle Prozesse des Körpers, die Sauerstoff benötigen, an eine ausreichende Eisenversorgung gekoppelt:
  • der Sauerstofftransport im Blut (Eisen ist ein Bestandteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin in den roten Blutkörperchen)
  • die Bereitstellung von Sauerstoff bei der Energiegewinnung der Zellen (die so genannte Atmungskette in den Mitochondrien)
  • die Sauerstoffversorgung bei der Muskelarbeit (durch das Eiweiß Myoglobin)
  • der Abbau und die Entgiftung von Schadstoffen und anderen (körperfremden) Substanzen wie etwa arzneilichen Wirkstoffen durch das Cytochrom-System der Leber.
Im Normalfall steht die tägliche Eisenaufnahme durch die Ernährung mit der Ausscheidung im Gleichgewicht. In bestimmten Lebenssituationen wie in der Schwangerschaft wird jedoch oft mehr Eisen benötigt, als mit der Nahrung aufgenommen werden kann. Ebenso kann ein Eisenverlust durch Blutungen oft nicht alleine durch die Ernährung ausgeglichen werden. Als Folge entsteht durch den Eisenmangel eine Blutarmut, die eine zusätzliche Zufuhr von Eisen notwendig macht.

Zweiwertiges Eisen gehört in die Gruppe der blutbildenden Mittel. Der Wirkstoff wird vom Körper aus dem Verdauungstrakt gut aufgenommen und in die verschiedenen Speicher-, Transport- und Enzymsysteme eingebaut. In Medikamenten ist zweiwertiges Eisen nur als Salz gebräuchlich. Solche Salze des zweiwertigen Eisens sind Eisen(II)-Aspartat, Eisen(II)-Chlorid, Eisen/II)-Fumarat, Eisen(II)-Gluconat, Eisen-Glycinsulfat, Eisen(II)-Succinat, und Eisen-Sulfat. Alle diese Eisensalze sind ausschließlich zur Einnahme geeignet. Muss das Eisen allerdings mittels einer Spritze gegeben werden, greift der Arzt zu Medikamenten mit dreiwertigem Eisen (Eisen(III)).

Die Dauer der Behandlung mit Eisen ist abhängig von der Eisenstoffwechsellage (verminderte Zufuhr, gesteigerter Bedarf, krankhafte Eisenverluste) und der Normalisierung der Zahl der roten Blutkörperchen (rotes Blutbild). Nach Normalisierung des roten Blutbildes sollte die Eisengabe zum Auffüllen der Eisenreserven noch mindestens ein bis zwei Monate fortgesetzt werden.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.