Avelumab

Allgemeines

Avelumab wird als alleinige Therapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit einem sogenannten Merkelzellkarzinom eingesetzt, der schon Tochtergeschwulste gebildet hat.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • krebsbedingte Hemmung der körpereigenen Abwehr blockieren
  • körpereigene Abwehr (T-Zellen und Killerzellen) aktivieren

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Avelumab im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Avelumab nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Avelumab nicht eingesetzt werden. Nicht untersucht wurde die Anwendung bei Tochtergeschwulsten im Gehirn, bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen, bei anderen Krebserkrankungen in den letzten fünf Jahren, Patienten mit transplantierten Organen, AIDS-Kranken oder Patienten mit Leberentzündung.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff verwendet werden bei
  • Patienten mit bestehenden Schilddrüsenerkrankungen
  • Leberschäden
  • Diabetes mellitus
  • beeinträchtigter Funktion der Nebenniere
  • beeinträchtigter Nieren-Funktion.
Alle diese Leiden können sich durch Avelumab verstärken.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Zwar gibt es keine Erfahrungen mit Schwangerschaften, doch weiß man aus Tierversuchen, dass Avelumab zu Fehlgeburten führt.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen daher während der Behandlung mit Avelumab eine Schwangerschaft vermeiden. Dazu ist während der Behandlung sowie bis mindestens einen Monat nach der letzten Anwendung eine zuverlässige Verhütungsmethode anzuwenden. Ein Einsatz von Avelumab während der Schwangerschaft wird der Arzt nur befürworten, wenn die Behandlung für die Gesundheit der Frau unbedingt erforderlich ist.

Es ist nicht bekannt, ob Avelumab in die Muttermilch gelangt, wie es üblicherweise bei anderen Antikörpern der Fall ist. Daher kann ein Risiko für das Neugeborene/Kind nicht ausgeschlossen werden. Behandelte Frauen sollten daher während der Behandlung und bis mindestens einen Monat danach nicht stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Avelumab bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist nicht erwiesen. Eine Anwendung liegt hier in der Verantwortung des Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Avelumab haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Avelumab. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Blutarmut, verminderter Appetit, Husten, Atembeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Gewichtsabnahme, infusionsbedingte allergische Reaktion

Häufige Nebenwirkungen:
Mangel an Lymphzellen, Schilddrüsenunterfunktion, Kopfschmerzen, Schwindel, Störungen der Nervenfunktion, Bluthochdruck, niedriger Blutdruck, Lungenentzündung, Mundtrockenheit, Ausschlag (auch fleckig-blasig), Juckreiz, trockene Haut, Muskelschmerzen, Schwäche, Schüttelfrost, Grippe-ähnliche Erkrankung, erhöhte Blutwerte (Gamma-GT, alkalische Phosphatase, Amylase, Lipase, Kreatinin)

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Arzneimittelüberempfindlichkeit, Überempfindlichkeitsreaktionen, (akute) Störungen der Nebennierenfunktion, Schilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenentzündung und Schilddrüsenunterfunktion (durch eine Autoimmunreaktion), Unterfunktion der Hirnanhangdrüse, Diabetes mellitus vom Typ 1, Nervenerkrankung (Guillain-Barré-Syndrom), Augapfelentzündung, fliegende Hitze, Dickdarmentzündung, Dickdarmentzündung durch Autoimmunreaktion, Entzündung von Dickdarm und Dünndarm, Darmverschluss, Leberentzündung, Leberentzündung durch Autoimmunrektion, (akutes) Leberversagen, Ausschlag (mit Juckreiz, Rötung, Flecken, Pusteln), Hautrötung, Hautausschlag am ganzen Körper, Schuppenflechte, schwere Hautreaktionen (abschälende Hautentzündung, Erythema multiforme), blasige Hautreaktion (Pemphigus), Juckreiz am ganzen Körper, Ekzem, Hautentzündung, Muskelentzündung, Entzündung der Nierenkanälchen, systemische Entzündungsreaktion im Körper, erhöhte Blutwerte (ASAT, ALAT, Kreatinkinase)

Seltene Nebenwirkungen:
Herzmuskelentzündung

Besonderheiten:
Der Arzt wird die Behandlung mit Avelumab beenden, wenn folgende Nebenwirkungen auftreten:
  • starke infusionsbedingte Reaktionen
  • heftige Lungenentzündung
  • Leberentzündung mit um das Fünffache erhöhten Werten an ALAT oder ASAT
  • heftiger Dickdarmentzündung
  • starker Nierentzündung oder Nierenfunktionsstörungen
  • allen starken immunbedingten Entzündungen oder Funktionsstörungen.
Die meisten immunvermittelten Nebenwirkungen, die unter Avelumab auftreten, sind vorübergehend. Sie können durch eine zeitweilige oder dauerhafte Therapie-Unterbrechung, Gabe von Glukokortikoiden und/oder unterstützende ärztliche Maßnahmen gebessert werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Avelumab?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Es sind keine Wechselwirkungen von Avelumab mit anderen Substanzen zu erwarten.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit dem Medikament sowie bis mindestens einen Monat nach der letzten Anwendung ist eine zuverlässige Verhütungsmethode anzuwenden.
  • Der Einsatz des Medikaments muss von einem Arzt überwacht werden, der erfahren in der Behandlung von Krebserkrankungen ist.
  • Es kann zu Ermüdung kommen, die Autofahren oder das Führen von Maschinen gefährlich macht.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Avelumab?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Avelumab enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Avelumab

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Avelumab. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Monoklonale Antikörper, zu welcher der Wirkstoff Avelumab gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Avelumab

Avelumab wird als alleinige Therapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit einem sogenannten Merkelzellkarzinom eingesetzt, der schon Tochtergeschwulste gebildet hat.

Das Merkelzellkarzinom ist eine Form von Hautkrebs. Er ist 30-mal seltener als beispielsweise der schwarze Hautkrebs, tritt jedoch in letzter Zeit vermehrt auf. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 600 Menschen daran. Hellhäutige sind besonders gefährdet, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Die Mehrheit der Patienten ist über 70 Jahre alt, aber auch jüngere Menschen können daran erkranken.

Das Merkelzellkarzinom ist besonders aggressiv, da er mehr als alle anderen Hautkrebs-Arten zur Bildung von Tochtergeschwulsten neigt. Was ihn so besonders tückisch macht, ist die Gefahr der Verwechslung mit weniger bösartigen Hautkrebsformen, wodurch wertvolle Zeit für eine gezielte Behandlung verloren geht.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Avelumab sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Avelumab

Avelumab gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika, aber auch der monoklonalen Antikörper.

In Hamsterzellen biotechnologisch hergestellt, entspricht Avelumab dem Immunglobulin G1 des Menschen. Es bindet sich gezielt an eine Eiweißstruktur (PD-L1) von Krebszellen. Diese Struktur unterdrückt normalerweise die Aktivität von bestimmten Zellen der körpereigenen Abwehr (CD8+T-Zellen), die sich gegen Krebszellen richtet. Wird PD-L1 durch Avelumab gehemmt, können die Abwehrzellen die Krebszellen bekämpfen.

Darüber hinaus hat Avelumab noch einen weiteren Weg, auf dem es Krebszellen besiegt. Es aktiviert die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), welche die Tumorzellen ebenfalls bekämpfen können.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.