Alemtuzumab

Allgemeines

Alemtuzumab wird zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Multipler Sklerose verwendet.



Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Zahl der T- und B-Zellen vermindern
  • Zerstörung der Nervenscheiden durch T- und B-Zellen aufhalten

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Alemtuzumab im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Alemtuzumab nicht verwendet werden?

Der Wirkstoff darf nicht eingesetzt werden bei
  • Überempfindlichkeit dagegen
  • schweren bestehenden Infektionen
  • unkontrolliertem Bluthochdruck
  • Rissen in Hals- oder Hirnarterien
  • Schlaganfall
  • Angina pectoris oder Herzinfarkt
  • Blutgerinnungsstörungen (auch Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern oder Antikoagulanzien)
  • bestehenden Autoimmunerkrankungen (außer multipler Sklerose).
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abschätzung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Alemtuzumab angewendet werden bei
  • bestehender Schilddrüsenerkrankung, weil sich diese verschlimmern kann
  • Patienten, die Träger von Viren der Hepatitis B oder C-Gruppe sind, weil sie dauerhafte Leberschäden davontragen können
  • überstandenen oder aktuellen Krebserkrankungen, weil diese gefördert werden können.
Alemtuzumab sollte nur eingesetzt werden, wenn die Erkrankung trotz der Therapie mit mindestens zwei anderen wirksamen Therapien hochaktiv ist oder bei denen andere Therapien nicht verwendet werden können. Patienten, die mit Alemtuzumab behandelt werden und davon profitieren, können die Behandlung in Absprache mit ihrem Arzt fortsetzen. Diese Maßnahme wurde nötig, da neue Berichte zu schweren Blutbildveränderungen und immunologisch bedingten Leberschäden, eingegangen sind. Darüber hinaus gibt es Berichte über Herz-Kreislauf-Probleme, die innerhalb von ein bis drei Tagen nach Anwendung von Alemtuzumab auftraten und Blutungen in der Lunge, Herzinfarkt und Schlaganfall oder Arterienrisse umfassten.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während und vier Monate lang nach der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

Alemtuzumab kann als Eiweißkörper den Mutterkuchen durchdringen. Es ist nicht bekannt, ob die Verabreichung bei schwangeren Frauen zur Fruchtschädigung oder zur Einschränkung der Fruchtbarkeit führen kann. Während einer Schwangerschaft wird der Arzt den Wirkstoff daher nur einsetzen, wenn sein Nutzen für die Mutter das Risiko für das Kind überwiegt. Eine Schilddrüsenerkrankung stellt ein spezielles Risiko für schwangere Frauen dar. Ohne eine Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion während der Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko eines Aborts und beim Kind das Risiko für eine geistige Behinderung und Zwergwuchs. Bei Müttern mit starker Schilddrüsenüberfunktion (Basedow-Krankheit) kann sich diese vorübergehend auf das Neugeborene übertragen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Alemtuzumab bei Kindern und Jugendlichen mit Multipler Sklerose im Alter von 0 bis 18 Jahren ist noch nicht belegt. Der Einsatz des Wirkstoffs bei Kindern im Alter von der Geburt bis unter zehn Jahren ist verboten.

Welche Nebenwirkungen kann Alemtuzumab haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Alemtuzumab. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Infektion der oberen Atemwege, Harnwegsinfektion, Mangel an Lymphzellen, Mangel an weißen Blutkörperchen, Kopfschmerz, Hitzegefühl, Übelkeit, Nesselsucht, Hautausschlag, Juckreiz, Fieber, Ermüdung.

Häufige Nebenwirkungen:
Infektion der unteren Atemwege, Gürtelrose, Magen-Darm-Entzündung, Herpes im Mund, Hefepilzinfektion des Mundes, Hefepilzinfektion der Scheide, Grippe, Ohreninfektion, Lymphdrüsenschwellung, übermäßige Freisetzung von Entzündungsfaktoren (Zytokinen), Basedow-Krankheit, Schilddrüsenüberfunktion, Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, Schilddrüsenunterfunktion, Kropf, positiver Schilddrüsen-Antikörpertest, Schlaflosigkeit, Ängstlichkeit, MS-Schub, Schwindelgefühl, Schwindel, Empfindungsstörung, nervliche Missempfindungen, Zittern, Geschmacksstörung, verschwommenes Sehen, Herzrasen, verlangsamter Herzschlag, Herzklopfen, niedriger Blutdruck, Bluthochdruck, Atembeschwerden, Husten, Nasenbluten, Hals-Rachen-Schmerzen, Bauchschmerz, Erbrechen, Durchfall, Verdauungsstörungen, Mundschleimhautentzündung, allgemeiner Ausschlag, Muskelschwäche, Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen, Schmerz in Armen oder Beinen, Muskelkrämpfe, Nackenschmerzen, Eiweiß im Urin, Blut im Urin, verminderte Monatsblutung, unregelmäßige Monatsblutung, Beklemmungsgefühl in der Brust, Schüttelfrost, Schmerz, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), Schwäche, Grippe-ähnliche Erkrankung, Unwohlsein, Schmerzen an der Infusionsstelle, Prellung.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Zahninfektion, Herpes an den Geschlechtsorganen, Nagelpilz, Unterhautblutungen (Idiopatische thrombozytopenische Purpura), Mangel an Blutplättchen, erniedrigtes Hämoglobin, erniedrigter Hämatokrit, Depression, Gefühlsstörung, Überempfindlichkeit, Bindehautentzündung, Engegefühl im Hals, Schluckauf, Rachenreizung, Verstopfung, Sodbrennen, Zahnfleischbluten, Schluckstörung, erhöhte Leberwerte (ASAT), Blasenbildung, nächtliche Schweißausbrüche, entartete Zellen am Gebärmutterhals, fehlende Monatsblutung, erniedrigtes Körpergewicht.

Besonderheiten:
Vor Beginn der Behandlung und danach monatlich bis 48 Monate nach der letzten Infusion muss der Arzt ein großes Blutbild erstellen.

Vor Beginn der Behandlung und danach monatlich bis 48 Monate nach der letzten Infusion wird der Arzt die Nierenfunktion sorgfältig überwachen.

Vor Beginn der Behandlung und danach alle drei Monate bis 48 Monate nach der letzten Infusion sind Schilddrüsenfunktionstests vorgeschrieben.

In der Praxis, in der die Infusion vorgenommen wird, muss die Ausrüstung zur Behandlung eines allergischen Schocks vorhanden sein.

Welche Wechselwirkungen zeigt Alemtuzumab?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Es wurden keine Wechselwirkungsstudien mit Alemtuzumab bei Patienten mit MS durchgeführt. In einer klinischen Studie zu MS mussten Patienten, die kürzlich mit beta-Interferon und Glatiramer behandelt worden waren, die Behandlungen 28 Tage vor Beginn der Behandlung mit Alemtuzumab beenden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Anwendung des Medikaments muss durch Ärzte erfolgen, die erfahren in der Behandlung der Multiplen Sklerose sind.
  • Die Infusion des Medikaments muss dort erfolgen, wo ein allergischer Schock oder mögliche Nebenwirkungen sofort intensivmedizinisch behandelt werden können.
  • Vor Beginn der Behandlung und danach alle drei Monate bis 48 Monate nach der letzten Infusion sind Schilddrüsenfunktionstests vorgeschrieben.
  • Vor Beginn der Behandlung und danach monatlich bis 48 Monate nach der letzten Infusion wird der Arzt die Nierenfunktion sorgfältig überwachen.
  • Vor Beginn der Behandlung und danach monatlich bis 48 Monate nach der letzten Infusion muss der Arzt ein großes Blutbild erstellen.
  • Bei Atemnot und Brustschmerzen in der Regel innerhalb von ein bis drei Tagen nach einnahme ist ein Arzt zu befragen.
  • Probleme beim Atmen und Husten von Blut sollten sofort dem Arzt gemeldet werden.
  • Eine herabhängende Gesichtshälfte, plötzliche starke Kopfschmerzen, einseitige Schwäche in Armen oder Beinen, Schwierigkeiten mit der Sprache oder Nackenschmerzen können Folge eines Schlaganfalls sein und müssen sofort dem Arzt berichtet werden.
  • Zeichen einer Leberschwäche wie Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunkler Urin und erhöhte Neigung zu Blutungen oder Blutergüssen erfordern eine sofortige Befragung des Arztes.
  • Kommt es zu Fieber, geschwollenen Drüsen, Blutergüssen und Hautausschlag, sollte baldmöglichst der Arzt aufgesucht werden.
  • Mit der Infusion kann Schwindel verbunden sein, der Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich macht.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Alemtuzumab?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Alemtuzumab enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Alemtuzumab

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Alemtuzumab. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Monoklonale Antikörper, zu welcher der Wirkstoff Alemtuzumab gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Alemtuzumab

Alemtuzumab wird zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Multipler Sklerose verwendet.

Der Einsatz beschränkt sich auf Erwachsene mit hochaktiver Erkrankung trotz angemessener Behandlung mit mindestens einer wirksamen Therapie und auf Patienten mit zwei oder mehr Schüben in einem Jahr mit zunehmender Behinderung. Außerdem müssen letztere im MRT eine oder mehr Gehirnstellen haben, die das Kontrastmittel Gadolinium anreichern oder eine deutliche Vermehrung der MS-Schäden im Vergleich zu einer kürzlich durchgeführten MRT aufweisen.




Der Einsatz ist auf solche Fälle beschränkt, bei denen die Krankheit sich trotz angemessener Behandlung mit mindestens einer grundlegenden Therapie nicht bessert. Des weiteren auf Fälle mit zwei oder mehr Schüben während eines Jahres, die die Behinderung verschlimmern und bei denen das rasche Fortschreiten im MRT zu sehen ist: Durch Anreicherung des Kontrastmittels Gadolinium oder stark vermehrte sogenannte T2-Schäden.

Weiterhin sollte Alemtuzumab nur in Krankenhäusern mit Intensivpflegebetten Anwendung finden und von Spezialisten angewendet werden, die die möglicherweise schweren Nebenwirkungen umgehend behandeln können.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Alemtuzumab sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Alemtuzumab

Alemtuzumab gehört zur Wirkstoffgruppe der Monoklonalen Antikörper. Es handelt sich um einen Eiweißstoff, der teils aus menschlichen Aminosäureketten besteht, andere Teile davon stammen von Ratten.

Bei Multipler Sklerose kommt es durch eine Fehlregulation der körpereigenen Abwehr zu einem Angriff der Immunzellen auf das Nervengewebe. Sogenannte T-Zellen und B-Zellen greifen die Hülle (Schwann´sche Scheide) an, die die Nerven im Sinne einer Isolationsschicht umgibt. Damit wird die Fähigkeit der Nerven für die Weiterleitung von Reizen gestört und es kommt zu Lähmungen.

Alemtuzumab bindet sich auf der Zelloberfläche an eine Eiweißstruktur (Antigen), die sich in hoher Konzentration auf T- und B-Zellen und in niedrigen Konzentrationen auf natürlichen Killerzellen, Monozyten und Makrophagen (Freßzellen) findet. Dadurch bewirkt Alemtuzumab eine Auflösung der T- und B-Zellen. Der Mechanismus, durch den Alemtuzmab auf den Krankheitsprozeß bei Multipler Sklerose wirkt, ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Nachweisbar sind
  • Veränderungen in der Anzahl, den Anteilen und Eigenschaften einiger Untergruppen Weißer Blutkörperchen nach der Behandlung
  • erhöhte Anteile an besonderen T-Zellen, die die Aktivität des Immunsystems regulieren
  • erhöhte Anteile an T- und B-Lymphozyten, die das "Gedächtnis" der körpereigenen Abwehr darstellen
  • vorübergehende Wirkungen auf Bestandteile der angeborenen körpereigenen Abwehr.
Durch die Verminderung der B- und T-Zellen und die Veränderung der Zusammensetzung des Heeres der Abwehrzellen wird das Risiko für einen MS-Schub verkleinert, was letztlich das Fortschreiten der Erkrankung verzögert.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.