Abirateron

Allgemeines

Abirateron wir zusammen mit den Glukokortikoiden Prednison oder Prednisolon zur Behandlung von Prostatakrebs bei erwachsenen Männern eingesetzt. Dieser Krebs muss allerdings schon Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet haben und trotz Entfernung der Hoden und einer Behandlung mit dem Zytostatikum Docetaxel weiterwachsen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Bildung männlicher Geschlechtshormone hemmen
  • Krebswachstum bremsen, das durch männliche Geschlechtshormone gesteuert wird

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Abirateron im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Abirateron nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Abirateron nicht angewendet werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Abirateron eingesetzt werden bei
  • Patienten mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung in der Vorgeschichte. Bluthochdruck oder ein Kaliummangel im Blut muss vor der Behandlung bereits korrigiert werden
  • schwerer oder schlecht behandelbarer Angina pectoris, kürzlich aufgetretenem Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen, da diese durch einen Blutdruckanstieg, einen Kaliummangel im Blut oder Flüssigkeitsansammlungen sowie einen Testosteron-Entzug verschlechtert werden können
  • schwerer Nierenfunktionsstörung
  • einer nachgewiesenen Leberentzündung oder Anzeichen derselben
  • Funktionsstörungen der Nebennierenrinde, wenn die Kombinationstherapie mit Prednison oder Prednisolon beendet wird. Es kann nämlich zu einem Überschuss an Hormonen kommen, die den Wasserhaushalt des Körpers regeln und damit zu Wasseransammlungen im Gewebe (Ödemen)
  • ungewohntem Stress, weil dieser bei Kombination mit Prednison oder Prednisolon eine erhöhte Dosis dieser Glukokortikoide erfordern kann
  • verminderter Knochendichte, weil diese durch den Wirkstoff und die Gabe von Glukokortikoiden noch verstärkt werden kann.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Der Wirkstoff ist nicht zur Anwendung bei Frauen im gebärfähigen Alter bestimmt. Daher entfallen Behandlungseinschränkungen für Schwangerschaft und Stillzeit.

Es ist nicht bekannt, ob Abirateron oder seine Stoffwechselprodukte im Sperma vorhanden sind. Ein Kondom ist erforderlich, wenn der Patient mit einer schwangeren Frau sexuell aktiv ist. Hat der Patient Geschlechtsverkehr mit einer Frau im gebärfähigen Alter, ist sowohl ein Kondom als auch eine andere zuverlässige Verhütungsmethode ("Pille", Diaphragma) erforderlich.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Abirateron hat bei Kindern und Jugendlichen keinen Nutzen, da Prostatakrebs in dieser Altersgruppe nicht vorkommt.

Welche Nebenwirkungen kann Abirateron haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Abirateron. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Harnwegsinfektion, Kaliummangel im Blut, Bluthochdruck, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme).

Häufige Nebenwirkungen:
Fettstoffwechselstörungen (Triglycerid-Überschuss im Blut), Herzmuskelschwäche, Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern, Herzrasen, Leber-Enzym-Werterhöhung (ALAT).

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Funktionsstörung der Nebenniere.

Besonderheiten:
Durch die Störung der Nebennierenfunktion kann der Wirkstoff Bluthochdruck, Kaliummangel im Blut und Wasserspeicherung im Gewebe hervorrufen. Die gleichzeitige Gabe eines Glukokortikoids unterdrückt die Ausschüttung des Hypothalamushormons ACTH, wodurch das Auftreten und die Schwere dieser Nebenwirkungen verringert werden. Blutdruck, Kaliumgehalt des Blutes und der Flüssigkeitshaushalt sollen vor der Behandlung und danach mindestens monatlich vom Arzt kontrolliert werden.

In den Studien mit dem Wirkstoff traten manchmal deutlich erhöhte Leber-Enzymwerte auf, die zur Beendigung der Behandlungs oder einer Dosisverringerung zwangen. Entsprechende ärztliche Tests sollen vor Beginn, in den ersten drei Monaten der Behandlung alle zwei Wochen und anschließend einmal im Monat bestimmt werden. Wenn Anzeichen einer Leberfunktionsstörung auftreten, muss besonders der Wert des Enzyms ALAT gemessen werden, damit der Arzt über Abbruch oder Dosisverminderung entscheiden kann. Eine schwere Leberfunktionsstörung verbietet jede weitere Behandlung mit Abirateron.

Welche Wechselwirkungen zeigt Abirateron?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die Gabe zusammen mit Nahrungsmitteln erhöht die Aufnahme von Abirateron in den Körper erheblich, daher darf der Wirkstoff nicht zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Es ist mindestens ein zeitlicher Abstand von zwei Stunden zur letzten Nahrungsaufnahme einzuhalten und nach der Einnahme der Tabletten soll mindestens eine Stunde lang nichts gegessen werden.

Abirateron (plus Prednison) kann die Wirkung anderer Substanzen zum Teil stark steigern. Dazu gehören die Hustenmittel Dextromethorphan und Codein, die Betablocker Metoprolol und Propranolol, die Psychopharmaka Desipramin, Venlafaxin, Haloperidol und Risperidon, die Antiarrhythmika Propafenon und Flecanid und die opioiden Schmerzmittel Oxycodon und Tramadol. In diesen Fällen muss der Arzt die Dosierung derselben gegebenenfalls senken.

Abirateron wird von einem Enzymsystem angebaut, das durch andere Wirkstoffe gehemmt oder begünstigt wird. Je nach dem kann sich seine Wirkung verstärken oder abschwächen. Ersteres ist zusammen mit den Pilzmitteln Ketoconazol, Itraconazol und Voriconazol, den Antibiotika Clarithromycin und Telithromycin, den AIDS-Mitteln Atazanavir, Saquinavir, Ritonavir, Indinavir und Nelfinavir sowie dem Antidepressivum Nefazodon der Fall, letzteres mit den Antiepileptika Phenytoin, Carbamazepin und Phenobarbital sowie den Tuberkulose-Mitteln Rifampicin, Rifabutin und Rifapentin. Die Kombination mit diesen Wirkstoffen sollte daher nach Möglichkeit vermieden oder vom Arzt mit Vorsicht angewendet werden.

Ein Testosteronmangel kann Herzrhythmusstörungen (Verlängerung des QT-Intervalls) nach sich ziehen. Daher wird der Arzt Abirateron mit Substanzen, die bekanntermaßen das QT-Intervall verlängern, oder Torsades de pointes hervorrufen können, nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung gleichzeitig verschreiben. Zu diesen Wirkstoffen gehören Antiarrhythmika der Klasse IA (wie Chinidin, Disopyramid) oder Klasse III (wie Amiodaron, Sotalol, Dofetilid, Ibutilid), der Drogen-Ersatzstoff Methadon, das Antibiotikum Moxifloxacin und Neuroleptika.

Besonderheiten:
Bei Patienten, die zuvor wegen eines Prostatakrebs mit dem Pilzmittel Ketoconazol behandelt wurden, ist Abirateron manchmal weniger wirksam.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Zwei Stunden vor und eine Stunde nach der Einnahme des Medikaments darf nichts gegessen werden.
  • Die Leberwerte (Transaminasen) sind vor Beginn der Behandlung, in den ersten drei Monaten alle zwei Wochen und anschließend einmal im Monat ärztlich zu kontrollieren.
  • Blutdruck, Kaliumgehalt des Blutes und Flüssigkeitshaushalt sollen während der Behandlung einmal im Monat ärztlich kontrolliert werden.
  • Behandelte Männer müssen beim Geschlechtsverkehr Kondome benutzen, eine Schwangerschaft der Frau muss zudem durch zusätzliche Verhütungsmittel verhindert werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Abirateron?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Abirateron enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Abirateron

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Abirateron. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Antiandrogene, Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Abirateron gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Abirateron

Abirateron wir zusammen mit den Glukokortikoiden Prednison oder Prednisolon zur Behandlung von Prostatakrebs bei erwachsenen Männern eingesetzt. Dieser Krebs muss allerdings schon Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet haben und trotz Entfernung der Hoden und einer Behandlung mit dem Zytostatikum Docetaxel weiterwachsen.

Die Kombination mit den Glukokortikoiden ist meist nötig, um Nebenwirkungen von Abirateron abzuschwächen. Der Wirkstoff verstärkt nämlich die Ausschüttung eines Hormons der Nebenniere (ACTH), das den Wasserhaushalt des Körpers regelt. Es kommt dadurch zu Wasseransammlungen im Gewebe (Ödemen), Bluthochdruck und Kaliummangel im Blut.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Abirateron sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Abirateron

Abirateron gehört zur Wirkstoffgruppe der Antiandrogene und wird als Zytostatikum eingesetzt. Der Wirkstoff hemmt ganz gezielt das Enzym CYP17, welches in Hoden, Nebennieren und Prostatakrebs-Gewebe gebildet wird. Dieses Enzym ist für die körpereigene Produktion von männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen) erforderlich. CYP17 bewirkt nämlich die Umwandlung der von den Nebennieren gebildeten Glukokortikoide Pregnenolon und Progesteron in Vorstufen des Hormons Testosteron.

Das Wachstum von Prostatakrebs wird in den meisten Fällen durch männliche Geschlechtshormone (Androgene) gefördert. Sinkt die Konzentration dieser Hormone im Blut, verzögert sich das Wachstum oder kommt ganz zum Erliegen. Durch die Gabe von Hypothalamushormonen oder mit einer Kastration kann man die Androgenproduktion in den Hoden abstellen, jedoch nicht in den Nebennieren oder im Krebsgewebe selbst. Das wird erst durch die zusätzliche Gabe von Abirateron erreicht. Es senkt den Blutgehalt von Testosteron auf nicht nachweisbare Konzentrationen.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.