Das Bild zeigt Brennnesseln auf einem Holztisch.
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Brennnessel als Heilpflanze anwenden

Die Brennnessel macht ihrem Namen alle Ehre: Wer sie berührt, riskiert, dass sich auf der Haut brennende und juckende Quaddeln bilden. Die Brennnessel hat aber auch positive Eigenschaften, die sie zu einer Nutz- und Heilpflanze machen.

Allgemeines

Die Brennnessel ist fast weltweit verbreitet und kommt in verschiedenen Arten vor. Auch in Deutschland finden sich mehrere Arten, von denen der Mensch zwei als Heilkräuter nutzt – die Große und die Kleine Brennnessel:

  • Die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist eine ausdauernde Pflanze, die eine Höhe von bis zu 150 Zentimetern erreichen kann und nur männliche oder weibliche Blüten besitzt.
  • Die Kleine Brennnessel (Urtica urens) ist einjährig, nur 15 bis 45 Zentimeter hoch und besitzt sowohl männliche als auch weibliche Blüten.

Die kleinen Blüten der Brennnessel sind in langen Rispen angeordnet. Ihre Früchte sind kleine, eiförmige Nüsschen, die meist von Kelchblättern umgeben sind. Die Stängel und Blätter der Brennnessel sind mit verkieselten Brennhaaren besetzt, deren Spitzen bei Berührung winzige Wunden in die Haut bohren, in die sich dann das Nesselgift (u.a. Ameisensäure, Amine) ergießt. Schon ein zehnmillionstel Gramm des Gifts reicht aus, um das gefürchtete Brennen und Jucken hervorzurufen.

Brennnesseln wuchsen schon immer in der Nähe menschlicher Siedlungen und können daher auf eine lange Geschichte und breite Anwendung als Heilpflanzen in der Volksmedizin zurückblicken. Die Brennnessel kam bereits im Jahr 63 nach Christus zur Behandlung rheumatischer Beschwerden zum Einsatz. Sogar das Peitschen der nackten Haut mit der Brennnessel galt dabei als empfehlenswert. Auch bei Gicht, Leber- und Gallenerkrankungen sprach man ihr Heilkraft zu. Die Blätter sollten – äußerlich verwendet – die Wundheilung unterstützen und auch gegen Venenentzündungen helfen. Aus der Wurzel bereitete man Auszüge, die angeblich den Haarausfall des Mannes verlangsamen.

Die Blätter (Urticae folium) und Wurzeln (Urticae radix) der Brennnessel finden auch heute noch medizinische Verwendung. Zudem dient die Brennnessel in der Landwirtschaft verbreitet als Futterpflanze und die aus ihren Stängeln gewonnene Faser als Baumwollersatz.

Wirkung und Inhaltsstoffe

Bei der Brennnessel geht die medizinische Wirkung auf verschiedene Inhaltsstoffe zurück: Die oberirdischen Teile der Brennnessel (d.h. die Blätter und Stängel) enthalten Mineralsstoffe wie Kalium und Calcium, Kiesel-, Ameisen- und Essigsäure, bestimmte Amine wie Histamin und Serotonin, Flavonoide, Karotinoide und Vitamin E.

Da der unterirdische Teil der Brennnessel (Wurzel) keine Brennhaare mit Brennflüssigkeit besitzt, unterscheiden sich seine Inhaltsstoffe von denen der Blätter und Stängel. Die Brennnesselwurzeln enthalten zum Beispiel Lektine, Phytosterole, Lignane und Mehrfachzucker .

Die Brennnessel fördert durch das Zusammenspiel ihrer Inhaltsstoffe beispielsweise die Ausscheidung von Harnsäure, erhöht den Harnfluss, schwemmt Ödeme aus und hebt die allgemeine Widerstandskraft. Außerdem hat die Brennnessel eine entzündungshemmende und abschwellende Wirkung, die beispielsweise bei rheumatischen Erkrankungen oder auch bei Prostatabeschwerden zum Tragen kommen.

Anwendungsgebiete

Die Brennnessel hat verschiedene traditionelle Anwendungsgebiete: Ihre Blätter kommen bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege sowie vorbeugend gegen Nierensteine und Blasensteine als Durchspülungstherapie zum Einsatz. Außerdem dient sie bei rheumatischen Beschwerden und entzündlichen Gelenkerkrankungen als Begleittherapie gegen Schmerzen.

Die Wurzel der Brennnessel findet traditionell Anwendung, um leichte Beschwerden beim Wasserlassen infolge einer gutartigen Prostatavergrößerung zu lindern. Voraussetzung hierfür ist aber, dass ein Arzt hat schwerwiegendere Ursachen für die Prostatabeschwerden ausgeschlossen hat. Indem die Brennnesselwurzel die krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit im Bindegewebe des Beckenbodens verringert, kann die Harnmenge beim Wasserlassen zu- und die Restharnmenge in der Blase abnehmen.

Dosierung und Anwendung

Wer die Brennnessel als Fertigarzneimittel anwenden möchte, kann sich bei der Dosierung nach den Angaben auf der Packungsbeilage richten. Die Anwendung dieser Fertigarzneimittel (die z.B. als Tee, Tabletten oder Frischpflanzensaft erhältlich sind) geschieht über den Mund. Während der Behandlung ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Wenn Sie Tee aus getrockneten Blättern oder Brennnesselkraut (= Blätter + Stängel) selber zubereiten möchten, achten Sie darauf, dass die Tagesdosis 8 bis 12 Gramm nicht übersteigt. Die Teezubereitung geht wie folgt:

  • Als Einzeldosis 2 bis 4 Gramm mit einer Tasse (150 ml) kochendem Wasser übergießen,
  • 10 Minuten ziehen lassen.
  • Täglich 3 bis 4 Tassen trinken.

Bei Tee aus getrockneter Wurzel der Brennnessel sind Dosierung und Zubereitung etwas anders:

  • Als Einzeldosis 1,5 Gramm mit einer Tasse (150 ml) kaltem Wasser übergießen,
  • kurz (ca. 1 min) aufkochen,
  • vom Herd nehmen und 10 Minuten ziehen lassen.
  • Täglich 3 bis 4 Tassen trinken.

Diese Angaben zur Dosierung gelten für Jugendliche und Erwachsene – für Kinder unter zwölf Jahren ist die Anwendung der Brennnessel nicht zu empfehlen.

Hinweise

Wer die Brennnessel als Arzneimittel verwenden möchte, sollte zunächst folgende Hinweise beachten:

  • Bei Kindern unter zwölf Jahren ist der Einsatz der Brennnessel als Heilpflanze nicht zu empfehlen.
  • Bei empfindlichen Personen kann die Brennnessel zu Überempfindlichkeitsreaktionen und Magenbeschwerden führen.
  • Während der Behandlung mit Brennnessel ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (keine koffeinhaltigen und alkoholischen Getränke) zu achten.
  • Für Menschen, bei denen (z.B. wegen eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit) eine geringe Flüssigkeitszufuhr wünschenswert ist, eignet sich die Brennnessel nicht als Heilkraut.
  • Auch die in der Volksmedizin empfohlene Anwendung als "Diabetikertee" ist mit Vorsicht zu genießen, da die Brennnessel eine Zuckerkrankheit in keiner Weise günstig beeinflussen kann.
  • Die Brennnessel ist außerdem nicht zur Behandlung von Gelenkschmerzen geeignet, wenn das schmerzende Gelenk geschwollen und gerötet ist oder Fieber besteht: Dies sind Anzeichen für eine akute Arthritis – und Anlass für einen Arztbesuch.
  • Auch wenn sich Beschwerden trotz einer Behandlung mit Brennnesseln verschlimmern (z.B. Fieber, Harnverhalt, Blut im Urin), ist unbedingt ärztlicher Rat einzuholen.