Windeldermatitis

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (24. November 2017)

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Jedes Baby hat hin und wieder einmal einen wunden Po – denn die Haut im Windelbereich ist permanent mit Urin und Stuhl in Kontakt und dadurch schnell gereizt.

Was ist eine Windeldermatitis?

Die Windeldermatitis ist eine entzündliche Hauterkrankung (griech.: derma = Haut, -itis = Entzündung) im Bereich der Windel, die durch einen Ausschlag gekennzeichnet ist. Entsprechend bezeichnet man die Windeldermatitis auch als Windelausschlag.

Häufigkeit

Die Windeldermatitis tritt besonders häufig bei sehr jungen Säuglingen auf. Ein wunder Po kann sich aber auch bei Erwachsenen bilden, wenn sie wegen einer Harninkontinenz oder Stuhlinkontinenz Windeln tragen müssen. Alter, Ernährung, soziale Bedingungen, Hygiene- und Klimafaktoren beeinflussen die Häufigkeit der Windeldermatitis.

Windeldermatitis: Ursachen

Eine Windeldermatitis ensteht, wenn durch die Windel Feuchtigkeit und Wärme im Genital- und Gesäßbereich angestaut sind. Diese Faktoren führen dazu, dass sich Keime im Windelbereich besonders gut vermehren können. Außerdem schädigen sie die Hornschichtbarriere der Haut. Dadurch können aggressive, giftige (toxische) Substanzen aus dem Stuhl-Urin-Gemisch leichter in die Haut eindringen und eine Entzündung der Haut auslösen.

Wenn eine volle Windel zu lange auf der Haut bleibt, spaltet sich außerdem aus dem im Harn enthaltenen Harnstoff Ammoniak ab. Ammoniak reizt die Haut und beeinträchtigt ihren natürlichen Säureschutzmantel, weil es den pH-Wert leicht in den basischen Bereich verschiebt. Die Haut wird wund – und einer Windeldermatitis sind Tür und Tor geöffnet.

Die Haut (v.a. sehr zarte Babyhaut) kann außerdem durch weitere Faktoren geschädigt werden, die Risikofaktoren für eine Windeldermatitis sind:

Während eine intakte Haut für Erreger jeder Art schwer angreifbar ist, ist die vorgeschädigte Haut im Windelbereich anfälliger für Erreger. Daher geht eine Windeldermatitis oft mit einer Infektion einher. Infektionen lösen eine Abwehrreaktion des Körpers aus, deren Symptome je nach ursächlichem Erreger unterschiedlich sein können.

Eine Windeldermatitis kann ausgelöst werden durch:

Windeldermatitis: Symptome

Eine Windeldermatitis kann unterschiedlich starke Symptome verursachen. Zudem beeinträchtigt ein wunder Po jedes Baby in unterschiedlichem Maße – unabhängig davon, wie ausgeprägt die Anzeichen auf der Haut sind.

Typisch für die Windeldermatitis ist der Ausschlag im Windelbereich. Die betroffene Haut kann schmerzen oder jucken. Außerdem kann der wunde Po beim Einnässen in die Windel stark schmerzen.

Bei einer typischen Windeldermatitis mit sekundärer Pilzinfektion (mit dem Candida-Pilz: sog. Windelsoor) finden sich in der Gesäßfalten- und Genitalregion scharf begrenzte Hautbereiche, die

  • feucht glänzen,
  • gerötet sind und
  • am Rand eine Schuppenkrause aufweisen.

Weitere Anzeichen sind einzelne, stecknadelkopfgroße Knötchen im Randbereich, gelegentlich auch kleine Pusteln.

Geht die Windeldermatitis mit einer Bakterien-Infektionen einher, äußert sich das durch

  • hartnäckiges Nässen der geröteten Bereiche und
  • Pusteln oder
  • Blasen.

In schweren Fällen können sich offene, blutende Wunden bilden, die unter Narbenbildung abheilen.

Windeldermatitis: Diagnose

Eine Windeldermatitis kann anhand ihres Erscheinungsbilds diagnostiziert werden: Im Windelberech sind die typischen Anzeichen der Entzündung (wie gerötete und geschwollene Haut, Bläschen, Pusteln, nässende Bereiche, Krusten und Schuppungen) zu sehen. Sie breiten sich vom Gesäß in Richtung Genitalien, Unterbauch und Innenseite der Oberschenkel aus und heilen schlecht ab.

Um die Windeldermatitis von Krankheiten mit ähnlichem Erscheinungsbild abzugrenzen, ist ein Abstrich sinnvoll. Darüber kann der Arzt eine Infektion mit Pilzen oder Bakterien nachweisen. Zu den Krankheiten, deren Anzeichen einem Windelausschlag ähneln, gehören

Windeldermatitis: Therapie

Bei der Windeldermatitis zielt die Therapie in erster Linie darauf ab, alle Faktoren zu vermindern, die eine Hautentzündung begünstigen. Zu diesen Faktoren zählen:

  • Reibung
  • Feuchtigkeitsstau
  • Wärmestau

Tipps gegen Windeldermatitis:

  • Frische Windeln! Wechseln Sie die Windeln mindestens sechsmal am Tag (nach dem Stuhlgang sofort) und verwenden Sie stark saugfähige, luftdurchlässige Wegwerfwindeln.
  • Nackter Po statt wunder Po! Planen Sie täglich Zeiten ein, in denen Ihr Baby über längere Zeit keine Windeln trägt.
  • Sanfter Umgang mit der Haut! Nachdem Sie die Haut des Babys mit klarem Wasser (bestenfalls ohne Seife) gereinigt haben, tupfen Sie diese nur vorsichtig trocken oder fönen Sie sie auf niedriger Stufe trocken.

Auch eine zuckerarme Ernährung kann dazu beitragen, dass die Windeldermatitis abheilt.

Wenn der wunde Po mit einer Infektion einhergeht, ist eine örtliche Therapie ratsam, die auf den Erreger abgestimmt ist:

Zusätzlich sind spezielle Badezusätze sowie Salben mit entzündungshemmenden und antimikrobiellen Zusätzen geeignet: Sie bewirken meist, dass der Windelausschlag in wenigen Tagen abheilt. Bewährt haben sich Wundschutzpasten mit Dexpanthenol, Zink- oder Lebertranzusatz. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind beispielsweise Nystatin und Clotrimazol: Sie wirken gegen Pilze, gegen Bakterien und gegen leichte Entzündungen.

Bei einer Windeldermatitis mit Pilzinfektion (v.a. durch den Pilz Candida albicans) ist es wichtig, den Magen-Darm-Trakt mitzubehandeln, weil von hier Erreger verschleppt werden.

Bei hartnäckigen Bakterien-Infektionen (v.a. durch Staphylococcus aureus) ist neben den örtlichen Maßnahmen auch eine systemische antibakterielle Therapie ratsam: Das bedeutet, die Medikamente als Tablette oder als Infusion über den Blutkreislauf zu verabreichen.

Windeldermatitis: Verlauf

Eine angemessen behandelte Windeldermatitis verläuft gewöhnlich gut: Wurden die verursachenden Faktoren im Windelbereich ausgeschaltet und eine Infektion gezielt behandelt, heilt ein wunder Po innerhalb weniger Tage aus.

Wenn die Windeldermatitis hartnäckig verläuft und trotz vorbeugender Maßnahmen mehrmals erneut auftritt, ist es ratsam, den Magen-Darm-Trakt, aber auch den Genitaltrakt auf mögliche Erreger zu untersuchen. In seltenen Fällen kann, wenn im Bereich der Windel ein Ausschlag häufig und aus unerklärlichen Gründen wiederholt auftritt, auch eine Systemerkrankung vorliegen, die die allgemeinen Abwehrkräfte schwächt und so eine Windeldermatitis begünstigt.

Windeldermatitis: Vorbeugen

Durch folgende Maßnahmen können Sie einer Windeldermatitis wirksam vorbeugen:

  • Vermeiden Sie Reibung, Wärme- und Feuchtigkeitsstau im Windelbereich.
  • Föhnen Sie die Haut am Po auf niedriger Stufe trocken, nachdem Sie sie beim Wechseln der Windel mit klarem Wasser (bestenfalls ohne Seife) gereinigt und vorsichtig abgetupft haben.
  • Verwenden Sie eine Wundschutzcreme oder -paste.
  • Lassen Sie das Baby jeden Tag längere Zeit ohne Windel, also mit nacktem Po, strampeln oder herumkrabbeln.
  • Senken Sie durch diätetische Maßnahmen den pH-Wert im Stuhl beziehungsweise im Urin.

Um den pH-Wert zu senken, ist eine zuckerarme Ernährung hilfreich. Auch gestillte Kinder, bei denen eine Windeldermatitis seltener auftritt, haben im Stuhl niedrigere pH-Werte. Möchten Sie einer Windeldermatitis vorbeugen, ist demnach möglichst langes Stillen (etwa sechs Monate) vorteilhaft. Wenn Sie das Baby mit der Flasche ernähren, ist es ratsam, hypoallergene Säuglingsnahrung (HA-Nahrung) verwenden.

Windeldermatitis: Weitere Informationen


ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Windeldermatitis":

Linktipps:

Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. Informationen zu vielen Hauterkrankungen und Adresse von Hautärzten und Spezialkliniken

Quellen:

Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 21.7.2012)

Muntau, A.C.: Intensivkurs Pädiatrie. Urban & Fischer, München 2011

Plettenberg, A., Meigel, W., Schöfer, H. (Hrsg.): Infektionskrankheiten der Haut. Thieme, Stuttgart 2010

Sterry, W., Burgdorf, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 24. November 2017

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