Pandemie: Weltweit auftretende Krankheit
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Pandemie: Was bedeutet das?

Wenn sich neuartige Infektionskrankheiten weltweit ausbreiten, kann die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diese offiziell zur Pandemie erklären. Erfahren Sie, warum diese Einstufung wichtig ist und welche Auswirkungen das hat.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist eine Pandemie?

Hat sich ein neuartiger Erreger gebildet, mit dem der Mensch beziehungsweise dessen Immunsystem noch keinerlei Erfahrung gemacht hat, kann das eine örtlich begrenzte Epidemie hervorrufen. Diese entwickelt sich unter Umständen weiter zu einer Pandemie. In jüngerer Vergangenheit war das im Jahr 2009 bei der Schweinegrippe der Fall – und im Jahr 2020 bei der Infektion mit Corona und der daraus resultierenden Krankheit Covid-19.

Pandemie bedeutet, dass sich eine Infektionskrankheit vom Ursprungsort auf andere Länder und Kontinente ausbreitet, die Fallzahlen steigen und die Krankheit Millionen Menschen betreffen kann. Die Infektion tritt dabei zwar immer noch zeitlich begrenzt auf, ist aber nicht mehr auf eine Region beschränkt.

Wird eine Infektionskrankheit als Pandemie eingestuft, heißt es allerdings nicht automatisch, dass sie sehr schwer verläuft. Auch bei neuartigen Erkrankungen, die eigentlich überwiegend mild verlaufen, kann die Einstufung als Pandemie sinnvoll sein. Etwa, wenn zu erwarten ist, dass es durch die plötzliche Zunahme von Erkrankungen zur Überlastung der Gesundheitssysteme der Länder kommt. Vor allem, wenn gegen neue Erkrankungen kein geeigneter Impfstoff zur Verfügung steht – so wie zu Beginn der Coronapandemie. Gleichzeitig besteht bei neuartigen Erkrankungen das Risiko für eine hohe Zahl an Todesfällen in der Weltbevölkerung.

Unterschied zwischen Epidemie und Pandemie

Der Begriff Epidemie bedeutet, dass eine Infektionskrankheit stark gehäuft, aber zeitlich und örtlich begrenzt auftritt – also nur in einer bestimmten Region. Hier unterscheidet man zwei Formen, abhängig davon, ob sich die Erkrankung schlagartig sehr stark oder eher verzögert verbreitet:

  • Bei einer Explosivepidemie steckt sich ein großer Teil der Bevölkerung quasi gleichzeitig an und erkrankt. Das passiert in der Regel, wenn sich auch der Krankheitserreger auf einen Schlag bei vielen verbreitet, zum Beispiel weil er sich im Trinkwasser befindet (etwa der Cholera-Erreger).
  • Bei einer Tardivepidemie hingegen verläuft die Ausbreitung verzögert, weil der Erreger auf andere Weise übertragen wird – nämlich hauptsächlich über den persönlichen Kontakt von Infizierten mit Gesunden. In solchen Fällen tritt die Erkrankung oft schon eine Weile hier und da auf, bis schließlich erkannt wird, dass es sich um eine Epidemie handelt.

Häufig bleibt es bei einer Epidemie. Die heutige Lebensweise zusammen mit der zunehmenden Globalisierung erleichtert jedoch die Ausbreitung von Infektionsgeschehen. Dadurch können Infektionskrankheiten rascher ein weltweites Ausmaß annehmen und sich zu einer Pandemie entwickeln. In der Folge steigen die Zahlen der Neuinfektionen schnell rapide an.

Begünstigt wird die schnelle und weite Verbreitung von Erregern wie Viren zum Beispiel durch:

  • die globalen Verkehrs- und Geschäftsströme,
  • den weltweiten Tourismus und
  • die dichte Besiedelung in großen Städten.

Aus diesem Grund spielen Reisewarnungen, Einschränkungen im Reiseverkehr und die Einstufung von Ländern mit hohen Fallzahlen als Hochrisikogebiet zu wichtigen Maßnahmen, um die Verbreitung einzudämmen.

Video: Corona-Pandemie

Pandemie-Warnstufen der WHO

Um im Falle weltweiter Krankheitsausbrüche besser agieren zu können, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) modellhaft sechs Phasen festgelegt, die jeweils eine Stufe auf der Entwicklung hin zu einer Epidemie beschreiben. Erst, wenn die sechste Phase erreicht ist, liegt eine Pandemie vor. Als Beispiel für den Stufenplan diente eine potenzielle Influenzaepidemie mit einem neuen Grippevirus (wie H1N1, dem Schweinegrippe-Erreger).

Je nach vorherrschender Phase sieht die WHO für von der Pandemie betroffene Länder unterschiedliche Maßnahmen vor:

  • Phase 1: Das Virus lässt sich nur bei Tieren nachweisen, kein Mensch ist infiziert.
  • Phase 2: Ein tierisches Influenzavirus hat erste Menschen infiziert und könnte eine Bedrohung darstellen.
  • Phase 3: Ein tierisches oder gemischt tierisch-menschliches Virus hat einzelne Personen oder kleine Personengruppen infiziert. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind möglich, werden aber von ihrem Ausmaß her nicht als kritisch angesehen.
  • Phase 4: Mensch-zu-Mensch-Übertragungen lassen sich in einer Anzahl nachweisen, die zu einer übergreifenden Ausbreitung der Krankheit führen kann. Die Gefahr einer Pandemie ist deutlich erhöht. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich tatsächlich eine Pandemie entwickeln muss.
  • Phase 5: In zumindest zwei Ländern innerhalb einer WHO-Region (es gibt weltweit sechs WHO-Regionen) lassen sich zahlreiche Übertragungen von Mensch zu Mensch nachweisen. Allerdings sind zu diesem Zeitpunkt die meisten Länder noch nicht betroffen. Eine Pandemie droht: Organisation, Kommunikation und Umsetzung von Schutzmaßnahmen müssen zeitnah erfolgen.
  • Phase 6: Eine Pandemie liegt vor. In zumindest einem Land einer weiteren WHO-Region ist der Ausbruch der Infektionskrankheit (wie etwa Grippe der Covid-19) dokumentiert. Es kann zu einem weltweiten Auftreten der Krankheit kommen.

Welche Maßnahmen genau ergriffen werden:

  • Maßnahmen bei Phase 1-3: In regelmäßigen Abständen sollen nationale Pandemie-Einsatzpläne weiterentwickelt und erprobt werden. Medikamenten- und Impfstoffbestände müssen überprüft und bei Bedarf erweitert werden.
  • Maßnahmen Phase 4: Die Infektionskrankheit bzw. deren Übertragung muss eingedämmt werden.
  • Maßnahmen Phase 5-6: Umgehendes Handeln ist nötig. Ziel ist es, die weitere Ausbreitung einzudämmen, Schaden abzuwehren und zu vermindern. Alle nationalen Aktionen sollten eng mit der WHO abgestimmt werden.

Corona: Pandemie-Status für Covid-19

Das Coronavirus hat sich weltweit ausgebreitet und gilt als Pandemie. Durch den Status Pandemie können und müssen betroffene Länder bestimmte Maßnahmen treffen, um die Ausbreitung der Coronavirus-Infektion einzudämmen und die Bevölkerung bestmöglich zu schützen.

Für solch einen Fall gibt es in Deutschland den Nationalen Pandemieplan des Robert Koch-Instituts (RKI), der ursprünglich für eine Influenza-, also Grippe-Pandemie vorgesehen war. Der Plan wurde inzwischen angepasst und auf Corona ausgerichtet. Der Nationale Pandemieplan wird von der Bundesregierung und den Ländern getragen. Er enthält Maßnahmen, Aufgaben und Handlungsempfehlungen und erläutert die wissenschaftlichen Zusammenhänge der Pandemieplanung. Weitere Bestandteile des Plans sind Empfehlungen für persönliche Hygienemaßnahmen, wie etwa gründliches Händewaschen mit Seife, Maskenpflicht oder Abstand halten zu anderen Personen.

Video: Coronavirus – wer gehört zur Risikogruppe?

In den einzelnen Bundesländern liegen landesspezifische Pläne vor. Auch Kommunen und Krankenhäuser haben Pandemiepläne. Alle bereits eingeleiteten Maßnahmen werden fortgeführt und bei Bedarf verstärkt beziehungsweise an neue Situationen angepasst. Bei der Corona-Pandemie liegt der Fokus in Deutschland vor allem darauf, die Virusinfektion so weit wie möglich einzudämmen – und eine weitere Ausbreitung zu verlangsamen.

Mögliche Kontaktpersonen von Infizierten müssen zum Beispiel ausfindig gemacht werden. So können sowohl bereits Infizierte als auch möglicherweise Infizierte unter Quarantäne gestellt werden. Auch andere Maßnahmen, wie das Absagen von Massenveranstaltungen, das Einschränken von Reisen oder das vorübergehende Schließen von Schulen kann dazu beitragen, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen.