Kind im Krankenhausbett
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Hepatitis-Fälle bei Kindern: Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet eine Häufung von Hepatitis-Fällen bei Kindern, für welche keine der bisher bekannten Hepatitis-Viren verantwortlich sind. Was hinter den Leberentzündungen steckt und ob ein Zusammenhang zur Corona-Pandemie besteht.

Vielzahl von Hepatitis-Erkrankungen in Großbritannien

Leberentzündungen bei Kindern erregen aktuell viel Aufsehen, da keine der üblichen Hepatitisviren A, B, C, D oder E für die Hepatitis verantwortlich sind. Eine Großzahl der Fälle ist bisher in Großbritannien aufgetreten, auch in Deutschland wurde bereits ein Fall bestätigt.

Bei einer sogenannten Virushepatitis werden Leberzellen in der Regel von Hepatitisviren infiziert, es kann aber auch zu einer Begleithepatitis kommen, welche im Rahmen weiterer Viruserkrankungen (Pfeiffersches Drüsenfieber, Herpes) entsteht.

Eine akute Hepatitis tritt meist plötzlich auf und klingt in der Regel nach einigen Wochen oder Monaten wieder ab. Aufgrund der unspezifischen Symptome bleibt diese oft unbemerkt. Die neuartigen Leberentzündungen der Kinder verliefen hingegen schwer: 17 Kinder benötigten ein Lebertransplantat, ein Kind starb sogar an der ungewöhnlichen Hepatitis.

Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie?

Einen direkten Zusammenhang zwischen der Corona-Pandemie sowie Impfungen und den akuten Leberentzündungen schließt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) Burkhard Rodeck im Interview mit Deutschlandfunk aus. Laut dem Experten hätte eine solche Häufung von Hepatitis-Fällen während der Pandemie bereits früher entdeckt werden müssen. Auch eine Impfung als Ursache hält der Hepatologe gegenüber Deutschlandfunk aufgrund der Impfstoff-Art für „eigentlich ausgeschlossen“.

Die Corona-Pandemie könnte jedoch laut mehreren Expert*innen hingegen eine indirekte Rolle spielen. Besonders jüngere Kinder hatten in den vergangen zwei Jahren keinerlei bis wenig Kontakt zu Viren, welche es normalerweise ermöglichen, einen Immunschutz aufzubauen.

Schnelle Lockerungen der Corona-Regeln bedeuten für Kinder einen Ansturm von Bakterien und Viren, was zu einer Mehrzahl an Infektionen führen kann, die unter anderem auch die Leber betreffen können.

Das Phänomen zeigte sich bereits in den Wintermonaten – besonders Kleinkinder litten in diesem Zeitraum an schweren Erkrankungen der Atemwege, ausgelöst durch das RS-Virus

Adenoviren mögliche Ursache der Hepatitis

Fachleute vermuten in diesem Kontext ein anderes Virus als Ursache: Das Adenovirus konnte bei 40 der erkrankten Kinder nachgewiesen werden – der spezielle Typ 41F.53 wurde zudem bei 11 der Betroffenen festgestellt.

Adenoviren sind in der Regel harmlose Viren, welche Infektionen von Magen und Darm sowie den Atemwegen und Bindehaut oder Blasenentzündungen verursachen können. Diese klingen im Normalfall von selbst wieder ab.

Leberentzündungen traten bereits im Vorfeld im Zusammenhang mit Adenoviren auf, meist erkrankten allerdings immungeschwächte Kinder. Inwiefern das Adenovirus für die vermehrten, mitunter schweren Hepatitis-Fälle bei Kindern verantwortlich ist, muss noch endgültig ermittelt werden.