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Gutartige Brusttumoren

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Till von Bracht • Medizinredakteur

Gutartige Brusttumoren treten bevorzugt in jungen Jahren auf. Sie äußern sich zumeist als kleine Knoten in der Brust. Die Ursachen der Gewebeveränderungen sind bislang nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich spielen aber hormonelle Einflüsse eine Rolle. Im Gegensatz zu gutartigen Brusttumoren handelt es sich bei Brustkrebs um bösartige Tumoren der Brust.

Überblick

Mediziner unterscheiden folgende gutartige Brusttumoren mit jeweils verschiedenen Eigenschaften:

Am häufigsten treten gutartige Brusttumoren in Form von Fibroadenomen in Erscheinung.

Gutartige Brusttumoren verursachen oft lange Zeit keine Symptome. Bei manchen gutartigen Gewebeveränderungen – etwa dem Milchgangspapillom – tritt aus der Brustwarze milchiger oder blutiger Ausfluss aus. Da viele Frauen aber keine Beschwerden haben, entdecken sie gutartige Brusttumoren als Knoten in der Brust oft zufällig beim Duschen oder wenn sie die Brust selbst untersuchen. Wenn die Betroffenen dann zum Gynäkologen gehen, fragt er zum Beispiel, ob sich der Knoten in der Brust im Verlauf des Zyklus verändert oder nach anderen aufgefallenen Besonderheiten. Anschließend tastet er die Brust sorgfältig ab und ordnet gegebenenfalls bildgebende Verfahren an, denn Gewebeveränderungen in der Brust lassen sich in der Regel gut mit Ultraschall (Sonographie) oder einer Mammographie darstellen. Um einen bösartigen Tumor (Brustkrebs) auszuschließen, entnimmt der Arzt meist eine Gewebeprobe (Biopsie).

Die Behandlung hängt von der Art der gutartigen Brusttumoren ab. Meist entfernt der Arzt den Knoten in der Brust operativ. Da gutartige Brusttumoren nur sehr langsam wachsen und sich außerdem nur selten zu bösartigem Brustkrebs entwickeln, reicht es oft aus, die Veränderung nur zu beobachten und regelmäßig zu kontrollieren.

Meist erhöhen gutartige Brusttumoren nicht das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Maßnahmen, die verhindern, dass gutartige Brusttumoren entstehen, sind nicht bekannt.

Definition

Es gibt eine Reihe von gutartigen (sog. benignen) Tumoren der weiblichen Brust (Mamma). Im Gegensatz zu den bösartigen (malignen) Tumoren handelt es sich dabei nicht um Brustkrebs.

Das Fibroadenom (Mammaadenom) ist der häufigste gutartige Tumor der Brust. Es entsteht durch eine Wucherung des Drüsen- und Bindegewebes. Diese Wucherung kann das Drüsengewebe mit zunehmender Größe immer weiter abdrängen beziehungsweise einengen. Ein Fibroadenom ist ein derber, gut abgegrenzter, nicht schmerzhafter Knoten. Solch gutartige Brusttumoren wachsen langsam und können dabei eine Ausdehnung von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern erreichen. In Lebensphasen, in denen sich der Hormonhaushalt umstellt, also während der Pubertät, in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren wachsen sie schneller. Am häufigsten treten sie zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf.

Bei den Lipomen handelt es sich um Wucherungen der Fettgewebszellen – auch sie wachsen langsam und sind meist sehr klein, im Vergleich zum Fibroadenom aber weich. Lipome treten meist bei jüngeren Frauen auf.

Der Phylloidtumor – auch Cystosarcoma phylloides genannt – entwickelt sich aus Bindegewebe und ähnelt dem Fibroadenom. Der Phylloidtumor wächst schnell und kann sehr groß werden. In manchen Fällen kann sich ein Phylloidtumor auch zu einem bösartigen Tumor entwickeln. Sicherheitshalber werden sie in der Regel operativ entfernt. Insgesamt sind phylloide Tumoren der Brust jedoch sehr selten..

Das intraduktale Papillom – auch als Milchgangspapillom bezeichnet – ist ein seltener Tumor der Milchdrüsenausführungsgänge. Die Wucherung geht dabei von der Gewebeschicht aus, welche die Milchgänge auskleidet. Der kleine, oft blumenkohlartige Tumor befindet sich meist mittig unterhalb der Brustwarze. Das Papillom tritt gehäuft in den Wechseljahren zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf.

Die Adenome der Brust und der Brustdrüse entstehen aus Drüsengewebe, wachsen in der Regel sehr langsam und werden meist nicht mehr als wenige Zentimeter groß. Sie sind sehr selten.

Häufigkeit

Die meisten Knoten – ob gut oder bösartig – entdecken die betroffenen Frauen selber. Glücklicherweise gilt: Gutartige Brusttumoren sind häufiger als bösartige (Brustkrebs).

In drei Viertel aller Fälle von gutartigen Brusttumoren handelt es sich um Fibroadenome. Sie sind damit die häufigsten gutartigen Tumoren der Brust. Sie treten in den meisten Fällen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, also in der Zeit nach der Pubertät und vor der letzten Regelblutung (Menopause). Es können mitunter mehrere Fibroadenome in einer Brust vorkommen – bei einigen Frauen treten diese gutartigen Brusttumoren auch gleichzeitig in beiden Brüsten auf.

Das sogenannte jugendliche (juvenile) Fibroadenom ist eine Sonderform des Fibroadenoms und kann schon in der Pubertät auftreten.

Ursachen

Gutartige Brusttumoren sind meist harmlose Knoten, deren Ursachen nicht vollständig geklärt sind. Experten vermuten, dass Hormone die Entstehung der Geschwulste beeinflussen. In diesem Zusammenhang scheinen Schwangerschaft, Stillen und die Einnahme der Antibabypille das Risiko für gutartige Brusttumoren zu senken.

Symptome

Gutartige Brusttumoren sind Geschwulste der weiblichen Brust, die – je nach Tumorgröße und -art – auch verschiedene Symptome hervorrufen können:

Fibroadenome machen meist keine Beschwerden, da sie in der Regel nicht schmerzhaft sind. Die betroffenen Frauen erstasten die harten Knoten meist zufällig oder bei der Selbstuntersuchung der Brust. Bei sehr schlanken Frauen und wenn der Tumor direkt unterhalb der Haut sitzt, kann eine kleine Schwellung sichtbar sein. Während einer Schwangerschaft kann es durch Veränderungen im Brustdrüsengewebe möglicherweise zu Entzündungen und Schmerzen kommen.

Auch Lipome sind gutartige Brusttumoren, die keine Symptome verursachen. Lipome in der Brust sind meist sehr klein und nicht von außen sichtbar. Im Vergleich zum Fibroadenom, das sich hart anfühlt, sind sie weich.

Phylloidtumoren sind meist gut zu ertasten. Da der Tumor sehr schnell wächst, kann er unter Umständen sehr groß werden. Der Tumor drückt dann von innen gegen die Brusthaut. Sie wölbt sich vor und wird durch den ständigen Druck immer dünner. Ein Phylloidtumor kann sogar durch die Haut wachsen. Typisch für die Geschwulst ist dann das blumenkohlartige Aussehen.

Ein intraduktales Papillom verursacht häufig einen milchigen Ausfluss (Galaktorrhö) aus der Brustwarze (Mamille). Beim Papillom sondert die Brustwarze mitunter aber auch Blut ab. Der gutartige Brusttumor kann mehrere Zentimeter groß werden. Aufgrund seiner weichen Konsistenz ist ein Papillom jedoch meist schwer zu ertasten und fällt häufig nur durch Symptome wie die Galaktorrhö auf. Mitunter sondert die Brustwarze statt Milch aber auch anderes Sekret ab.

Ein Adenom der Brustwarze ist meist nicht mehr als erbsengroß. Der gutartige Brusttumor kann die Brustwarze entweder vorwölben aber auch dazu führen, dass sie wie in die Brust eingezogen erscheint. Manchmal tritt ein blutiger Ausfluss aus der Brustwarze aus.

Das Adenom der Brust wird etwa drei bis vier Zentimeter groß. Es gibt eine Form, die dazu neigt, Sekret abzusondern ("laktierendes Adenom"). Bei einer anderen Form des Adenoms geschieht dies nicht ("trockenes Adenom").

Diagnose

Viele Frauen werden selbst auf Brustveränderungen aufmerksam – ob es sich dabei um gutartige Brusttumoren handelt, kann aber nur die Diagnose durch den Frauenarzt bestätigen.

Oft ertastet die Frau einen Knoten in der Brust zufällig oder bei einer Selbstuntersuchung der Brust. Meist handelt es sich dann um einen harmlosen Befund, denn gutartige Brusttumoren sind häufiger als Brustkrebs.

Beim Frauenarzt erfolgt dann die genauere Diagnostik. Der Gynäkologe stellt zunächst einige Fragen, zum Beispiel, ob sich der Knoten verändert. Außerdem tastet er die Brust noch einmal ab.

Mithilfe von bildgebenden Verfahren wie Ultraschall (Sonographie) oder einer Mammographie kann der Frauenarzt dann die Form und Größe des Tumors erkennen. Reichen diese Untersuchungen nicht aus, um Brustkrebs auszuschließen, muss der Arzt eine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen.

Zeigen gutartige Brusttumoren bestimmte Symptome, zieht der Arzt zur Diagnose auch spezielle Untersuchungsmethoden heran: Tritt Milch oder Sekret aus der Brustwarze aus, kann es sich zum Beispiel um ein intraduktales Papillom handeln, das innerhalb beziehungsweise entlang der Milchdrüsengänge wächst. Mithilfe einer sogenannten Galaktographie kann der Arzt dann feststellen, wo der Tumor genau sitzt und wie weit er sich bereits ausgedehnt hat.

Therapie

Für gutartige Brusttumoren ist meist eine Operation die Therapie der Wahl.

Bei kleinen, einzelnen Fibroadenomen reichen jedoch häufig schon regelmäßige Kontrollen beim Frauenarzt aus. Jedes dritte Fibroadenom bildet sich von selbst wieder zurück. Bei über 3 cm großen Fibroadenomen, die schnell wachsen, ist jedoch eine operative Entfernung angezeigt.

Beim selten vorkommenden Phylloidtumor besteht die Gefahr, dass sich der Tumor nach der Operation erneut bildet (sog. Rezidiv). Daher ist es wichtig, dass der Arzt den gutartigen Brusttumor vollständig entfernt. Normalerweise ist dies möglich, ohne die gesamte Brust zu entfernen. Wenn in der Achselhöhle vergrößerte Lymphknoten tastbar sind, entfernt der Arzt auch diese.

Verlauf

Gutartige Brusttumoren haben im Allgemeinen einen günstigen Verlauf und eine gute Prognose, weil sie meist nicht sehr schnell wachsen und das umliegende Gewebe nicht zerstören. Auch bilden sie im Gegensatz zu den bösartigen Tumoren (Brustkrebs) keine Tochtergeschwulste (Metastasen).

Die sogenannte Entartungstendenz beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem gutartigen Tumor ein bösartiger entsteht. Fibroadenome haben eine geringe Entartungstendenz. Ab einem gewissen Alter steigt das Risiko jedoch an – deshalb entscheiden sich Ärzte bei älteren Frauen meist für eine operative Entfernung dieser Tumoren.

Auch die Prognose der Adenome ist gut. Diese gutartigen Brusttumoren entarten nur äußerst selten bösartig. Wenn es dem Arzt gelingt, die Geschwulst komplett zu entfernen, treten in der Regel auch keine neuen Tumoren (Rezidive) auf.

Papillome erhöhen leicht das Risiko für eine frühe Form von Brustkrebs, das sogenannte duktale In-Situ-Karzinom (DCIS). Daher sollten gutartige Brusttumoren, die sich als Papillome herausstellen, frühzeitig operiert werden. Verlauf und Prognose lassen sich so verbessern.

Vorbeugen

Spezielle Möglichkeiten, die das Risiko für gutartige Brusttumoren senken und diesen Tumoren vorbeugen, sind nicht bekannt.

Sie sollten jedoch jeden neu entdeckten Knoten in der Brust durch den Frauenarzt abklären lassen.

Lassen Sie außerdem bekannte gutartige Brusttumoren, die nicht operativ entfernt wurden, regelmäßig kontrollieren.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Gutartige Brusttumoren":


Quellen:

Berufsverband der Frauenärzte e.V. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Brusterkrankungen (gutartig). Online-Informationen. www.frauenaerzte-im-netz.de (Abruf: 24.11.2014)

Gruber, S.: Basics Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer, München 2014

Haag, P., Hanhart, N., Müller, M., et al.: Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis. 2014/15. Medizinische Verlags-und Informationsdienste, Breisach 2014

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014

Skibbe, X., Löseke, A.: Gynäkologie und Geburtshilfe für Pflegeberufe. Thieme, Stuttgart 2013

Stauber, M., Weyerstahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Goerke, K, Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie Geburtshilfe. Urban & Fischer, München 2012

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Diedrich, K., et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007

Letzte inhaltliche Prüfung: 26.11.2014
Letzte Änderung: 21.09.2020