Eine Frau sitzt am Wasser und trinkt ein Bier.
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Alkoholfreies Bier als isotonisches Sportgetränk: Nur eine Marketingstrategie?

Wer schon mal an einer Laufveranstaltung teilgenommen hat, kennt sicherlich das typische Finisher-Getränk: alkoholfreies Weizenbier. Dieses ist isotonisch und somit bestens geeignet, um den Körper nach der Anstrengung wieder mit Flüssigkeit und Mineralien zu versorgen – zumindest, wenn man den Herstellern glaubt. Aber was bedeutet isotonisch überhaupt? Und ist alkoholfreies Bier wirklich ein geeignetes Sportgetränk?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Laut aktuellen Umfragen leben die Deutschen immer gesundheitsbewusster. Das dürfte auch erklären, warum alkoholfreies Bier hierzulande immer beliebter wird. Immerhin enthält es deutlich weniger Kalorien als die klassische Variante. In einer Flasche "Light-Bier" stecken rund 75 Kilokalorien. Das ist etwa halb so viel wie in einem alkoholhaltigen Bier.

Viele greifen daher immer öfter auf alkoholfreies Bier zurück, während die Verkaufszahlen des klassischen Gerstensaftes rückläufig sind. Vor allem bei Sportlern ist die Alternative mit 0,0 Prozent beliebt. Denn wer schwitzt, verliert Flüssigkeit und Salze, und beides gilt es wieder reinzuholen – über alkoholfreies Bier.

Dass viele diese Form des Isodrinks wählen, dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass zahlreiche Sportveranstaltungen von Getränkeherstellern gesponsert werden und das alkoholfreie "Finisher-Bier" mittlerweile zu vielen Volksläufen und anderen sportlichen Events dazugehört. Isotonische Getränke gelten allgemein als gesund. Das macht man sich in der Vermarktung zunutze. Wird uns alkoholfreies Bier zurecht als isotonischer Sportlerdrink verkauft?

Was bedeutet isotonisch?

Sportgetränke sollen den Körper möglichst schnell mit Flüssigkeit, Elektrolyten, Spurenelementen und Nährstoffen versorgen. Damit die Inhaltsstoffe – vor allem Wasser und Kohlenhydrate – rasch vom Darm in den Blutkreislauf gelangen, muss das Getränk in etwa die gleiche Konzentration der gelösten Stoffe wie das Blut haben. Und genau das ist die Idee hinter dem "Isodrink": den Anforderungen des Körpers bestmöglich zu entsprechen. In der Fachsprache spricht man hier von "osmotisch".

Übrigens: Neben isotonischen Getränken gibt es noch hypo- und hypertonische Getränke. Ein hypotonisches Getränk ist beispielsweise Mineralwasser. Dieses wird noch schneller in den Dünndarm aufgenommen als isotonische Flüssigkeiten, da die Konzentration an gelösten Teilchen geringer ist als die des Blutes.

Hypotonische Getränke eignen sich also dann, wenn man seinem Körper möglichst schnell Flüssigkeit zuführen möchte. Wenn man den Organismus aber gleichzeitig mit Mineralstoffen versorgen will, sollte man besser auf isotonische Getränke zurückgreifen.

Hypertonische Getränke eignen sich hingegen kaum als Sportgetränk. Hierzu zählt beispielsweise Cola oder Saft. Diese Getränke werden vom Darm nur langsam verarbeitet und sind daher weniger verträglich und brauchen länger, um in den Blutkreislauf zu gelangen.

Lesetipp: Vitamine und Mineralstoffe als Nahrungsergänzungsmittel – Wie viel darf es sein?

Ist alkoholfreies Bier isotonisch?

Nicht jedes alkoholfreie Bier ist grundsätzlich isotonisch – einige aber schon. Diese enthalten in der Regel zusätzliche Nährstoffe, um als isotonisch zu gelten. Der Begriff "isotonisch" unterliegt den Anforderungen der Health-Claims-Verordnung. Diese gilt europaweit und legt fest, welche nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben auf einem Produkt aufgeführt sein dürfen. So muss wissenschaftlich nachgewiesen sein, dass die angegebenen Inhaltsstoffe wirklich einen gesundheitlichen Vorteil haben. Auf diese Weise will man verhindern, dass Verbraucher getäuscht werden.

Zudem muss der Hersteller garantieren, dass das deutsche Reinheitsgebot nicht verletzt wird. Auch ein alkoholfreies isotonisches Bier muss also aus Wasser, Hopfen, Hefe und Malz bestehen. Nicht zugelassen sind künstliche Aromen und Zusatzstoffe – genau wie beim klassischen Bier.

Durch die strenge Gesetzeslage kann der Verbraucher zwar sichergehen, dass das Getränk wirklich gesundheitsfördernde Nährstoffe enthält. Um als isotonisch zu gelten, enthalten die entsprechenden Bier Inhaltsstoffe wie:

Doch obwohl die Wirksamkeit dieser Inhaltsstoffe an sich nachgewiesen ist, mangelt es den wenigen Studien, die die Wirkung von alkoholfreiem Bier als Regenerationsgetränk erforscht haben, an Aussagekraft. So wurden die Studien nicht nur mit einer sehr geringen Probandenzahl durchgeführt, sondern teilweise auch von den Getränkeherstellern selbst in Auftrag gegeben.

Die genauen Inhaltsstoffe sowie deren Zusammensetzung variieren je nach Hersteller. Was Sie aber wissen sollten: Nicht jedes alkoholfreie Bier ist auch wirklich alkoholfrei. Tatsächlich darf ein alkoholfreies Bier bis zu 0,5 Prozent Alkohol enthalten, ohne entsprechend gekennzeichnet zu werden. Eine solche Kennzeichnung ist erst ab einem Alkoholgehalt von 1,5 Prozent verpflichtend. Aus diesem Grund sollten Kinder und trockene Alkoholiker übrigens kein alkoholfreies Bier trinken.

Lesetipp: Nährwert-Kennzeichnung – Europaweit einheitlich dank Health-Claims-Verordnung

Ist alkoholfreies Bier als Sportgetränk sinnvoll?

Wird alkoholfreies Bier nun zurecht als Sportlerdrink angepriesen? Trotz dünner Studienlage lässt sich festhalten: Um seinem Körper die Flüssigkeit, Mineralien, Elektrolyte und Nährstoffe zurückzugeben, die er während der körperlichen Anstrengung verloren hat, kann man durchaus auf alkoholfreies Bier zurückgreifen – sofern das Getränk als isotonisch gekennzeichnet ist und über entsprechende Inhaltsstoffe verfügt.

Trotzdem steckt hinter dem Hype um das alkoholfreie Weizenbier natürlich auch eine Marketingstrategie. Eine stinknormale Apfelschorle ist nämlich genauso isotonisch – und dazu um einiges günstiger.