Eine Frau mit Magenbeschwerden bei einer Ärztin.
© Getty Images

Magensäure

Ihre ätzende Eigenschaft hat die Magensäure nicht ohne Grund: Sie trägt wesentlich zur Verdauung bei und tötet viele Krankheitserreger in der Nahrung ab. Wenn aber zu viel oder zu wenig Magensäure vorhanden ist, kann das zu Beschwerden führen. Dann geht es unter anderem darum, die Magensäure zu reduzieren, zum Beispiel mit einem Magensäureblocker.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Magensäure: Magensäureblocker, Magensäure reduzieren, zu viel oder zu wenig Magensäure

Der menschliche Magen produziert Tag für Tag etwa 2 bis 3 Liter Magensaft. Magensaft besteht unter anderem aus Salzsäure – auch Magensäure genannt. Magensäure ist so aggressiv, dass der Magen sich selbst verdauen würde, wenn er nicht von einer schützenden Schleimschicht ausgekleidet wäre. Durch die Magensäure liegt der pH-Wert des Magensafts im sauren Bereich (pH-Wert ca. 1 bis 1,5).

Magensäure erfüllt viele wichtige Funktionen. Sie macht nicht nur die meisten Krankheitserreger aus der Nahrung unschädlich. Das saure Milieu im Magen bietet auch optimale Voraussetzungen, damit Verdauungsenzyme die aufgenommene Nahrung aufspalten.

Woraus besteht Magensaft?
Magensaft enthält neben Magensäure insbesondere:

  • Wasser,
  • Verdauungsenzyme (Pepsine), die Eiweiße aus der Nahrung aufspalten,
  • Schleimstoffe (Muzine), die die Magensäure binden und die Magenschleimhaut so vor der Selbstverdauung schützen,
  • den sog. Intrinsic-Faktor, ein Eiweiß, das sich im Magen an Vitamin B12 bindet und so verhindert, dass das Vitamin zu früh verdaut wird, und
  • Bikarbonat, das sich in der Schleimschicht des Magens ansammelt und Magensäure abschwächt.

Magensäure entsteht in den Magendrüsen, die in kleinen Grübchen der Magenschleimhaut liegen. Jede Magendrüse setzt sich aus unterschiedlichen Zelltypen zusammen. Hierzu zählen Nebenzellen, Hauptzellen und Belegzellen:

  • Die Belegzellen (Parietalzellen) produzieren die Magensäure. Darüber hinaus bilden sie ein spezielles Eiweiß (sog. Intrinsic-Faktor). Das Eiweiß bindet Vitamin B12, sodass dieses unverdaut in den unteren Dünndarm gelangen kann, wo es zur Verwertung mit dem Blut abtransportiert wird.
  • Die Nebenzellen sondern zusammen mit oberflächlichen Schleimhautzellen (Mukosazellen) den Schleim ab, der die Magenschleimhaut schützt.
  • Die Hauptzellen produzieren sogenannte Pepsinogene. Dies sind Vorstufen des Enzyms Pepsin, welches bei der Verdauung von Eiweißen eine wichtige Rolle spielt. Erst bei Kontakt mit Magensäure werden die Pepsinogene in Pepsin umgewandelt.

Wann bildet sich Magensäure?

Das Klappern von Besteck, der Anblick einer leckeren Mahlzeit oder der köstliche Geruch eines Essens – bestimmte Sinnesreize führen dazu, dass sich verstärkt Magensaft und somit auch Magensäure bildet (sog. nervöse Phase). Gesteuert wird dieser Prozess von einem Teil des vegetativen Nervensystems, dem Parasympathikus, der die Signale an den Magen weiterleitet.

Umgekehrt können andere Reize die Säureproduktion drosseln: Steht beispielsweise eine Prüfung unmittelbar bevor, liegt der Fokus auf etwas anderem als auf Nahrungsaufnahme. In diesem Fall hat der sogenannte Sympathikus des vegetativen Nervensystems das Ruder übernommen. Der Sympathikus befähigt den Menschen bei Belastungen dazu, geistig und körperlich aktiv zu werden – etwa, um die Prüfung zu bestehen.

Die größte Menge Magensaft entsteht, wenn das Essen direkt mit der Magenschleimhaut in Kontakt kommt und sich die Magenwand dehnt (sog. lokale Phase). Die Magenschleimhaut gibt Stoffe wie das Hormon Gastrin ab, welche die Bildung von Magensaft auslösen. Nachts, wenn der Magen leer ist, ist die Säurebildung reduziert.

Video: Sechs Tipps für eine magenbekömmliche Kost

Aber auch im Zwölffingerdarm wird die Abgabe von Magensäure durch Hormone reguliert (sog. dünndarmbedingte Phase). Das Hormon Sekretin beispielsweise hemmt die Absonderung des Magensafts und verzögert die Magenentleerung. So gelangt nicht zu viel angedaute Nahrung auf einmal in den Dünndarm.

Sowohl bestimmte Sinnesreize als auch der Kontakt von Nahrung mit der Magenschleimhaut regen die Produktion von Magensäure an. Hormone im Zwölffingerdarm beeinflussen ebenfalls, wie viel Magensäure für die Verdauung zur Verfügung steht.

Zu viel oder zu wenig Magensäure

Wenn die Belegzellen der Magendrüsen zu viel oder zu wenig Magensäure produzieren und das Gleichgewicht zwischen Magensaft und Schleimhautschutz verschoben ist, kann dies zu Beschwerden führen. Und auch, wenn sich Magensäure am falschen Ort befindet, so etwa in der Speiseröhre, kann dies Probleme verursachen.

Ist zu viel Magensäure vorhanden, spricht man auch von einer Magenübersäuerung (Hyperazidität). Eine ungesunde Ernährung, Koffein, Nikotin oder Stress zählen zu den Auslösern. Ist der Säurehaushalt des Magens nur vorübergehend aus dem Gleichgewicht, hat dies meist keine Folgen. Über einen längeren Zeitraum hinweg kann ein Überschuss an Magensäure jedoch die Magenschleimhaut schädigen – vor allem, wenn zusätzlich eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori vorliegt.

Greift die aggressive Magensäure die Magenschleimhaut oder den Dünndarm an, kann dies zu Erkrankungen führen wie:

Je nach Ausprägung und Beschwerdebild können Magensäureblocker die Säurebildung reduzieren. Ist das Bakterium Helicobacter pylori an der Erkrankung beteiligt, kann zusätzlich eine Antibiotikatherapie nötig sein.

Ein Mangel an Magensäure kann verschiedene Ursachen haben. So kann er etwa bei intensivem Gebrauch von magensäurehemmenden Medikamenten oder im Rahmen einer chronischen Magenschleimhautentzündung vom Typ A entstehen. Auch bei einer besonderen Form der Blutarmut mit Vitamin-B12-Mangel (perniziöse Anämie) kann die Magensäureproduktion gestört sein, ebenso wie nach einer Magenoperation. Ein Magensäuremangel kann zu Symptomen wie Verdauungsstörungen und vermehrten Infekten führen.

"Das stößt mir sauer auf": Die Redensart kommt nicht von ungefähr. Fließt Magensäure in die Speiseröhre zurück (Reflux), kann Sodbrennen entstehen. Normalerweise verhindert ein Schließmuskel, der sogenannte untere Ösophagussphinkter, diesen Rückfluss. Jedoch kann es vorkommen, dass der Muskel nicht genug schließt. Ist der Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre gesteigert (sog. Refluxkrankheit), kann die Schleimhaut der Speiseröhre durch die Magensäure Schaden nehmen.