Schilddrüsenwerte: Was ist normal?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (16. Februar 2018)

© iStock

Mithilfe der Schilddrüsenwerte kann der Arzt prüfen, ob die Schilddrüse richtig arbeitet und Hinweise auf eventuelle Störungen erhalten. Der aussagekräftigste Schilddrüsenwert ist dabei der TSH-Wert (TSH basal): Liegt er im Referenzbereich, lässt sich eine Störung der Schilddrüsenfunktion in der Regel ausschließen.

Was sind Schilddrüsenwerte?

Als Schilddrüsenwerte bezeichnet man die Konzentration der Hormone T3, T4 und TSH im Blut.

Referenzbereiche (für Erwachsene) für die Schilddrüsenwerte TSH, T3 und T4

Hormon Referenzbereich
TSH 0,4 bis 4,0 µU/ml
T3: frei (fT3) 2 bis 4,4 pg/ml
T4: frei (fT4) 0,93 bis 1,70 ng/dl

(Werte können von Labor zu Labor unterschiedlich sein.)

Der Regelkreis der Schilddrüsenhormone (T3, T4, TSH)

Die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Levothyroxin, L-Thyroxin) haben vielfältige Auswirkungen auf Stoffwechsel, Wachstum, Kreislauf und Nervensystem. In welcher Menge die Schilddrüse Hormone ausschüttet, unterliegt dabei einer strengen Kontrolle.

Zentrale Regelstation ist ein Bereich im Gehirn: die Hirnanhangsdrüse, auch Hypophyse genannt. Diese kann die Produktion und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone durch das "Regelhormon" TSH (Thyreoidea-stimulierendes-Hormon) steigern oder senken. Daneben misst die Hypophyse ständig die Hormonkonzentration im Blut und reagiert, wenn zu viel oder zu wenig Schilddrüsenhormone vorhanden sind: Je nach Situation gibt sie mehr oder weniger TSH ab – das lässt sich anhand der Schilddrüsenwerte erkennen. Dieser komplexe Steuerungsmechanismus wird auch als Regelkreis bezeichnet.

Der Hypophyse vorangestellt ist außerdem der Hypothalamus, ein Teil des Zwischenhirns. Dieser bildet das Hormon TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon), welches wiederum die Ausschüttung von TSH in der Hirnanhangsdrüse steuert.

Produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, sinkt der TSH-Wert und in der Folge drosselt die Schilddrüse die Hormonproduktion. Produziert die Schilddrüse dagegen zu wenig Hormone, steigt der TSH-Wert, wodurch die Schilddrüse die Hormonproduktion ankurbelt.

Anhand der Schilddrüsenwerte lässt sich erkennen, ob und wo im Regelkreis etwas nicht stimmt: Also in der Schilddrüse selbst oder in den übergeordneten Zentren im Gehirn. Verschiedene Erkrankungen können die Abläufe stören und zu einer Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion führen.

TSH-Wert (TSH basal)

Der TSH-Wert wird meist als "TSH basal" bestimmt. "Basal" bedeutet, dass die Ausschüttung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH, auch Thyrotropin oder Thyreotropin genannt) vor der Bestimmung nicht durch ein Stimulationsverfahren (wie z.B. einen TRH-Test) angeregt wurde. Beim TRH-Test verabreicht der Arzt das Hormon TRH (TSH-Releasing-Hormon, auch Thyroliberin oder Thyreoliberin genannt), welches die Ausschüttung von TSH stimuliert.

TSH wird von der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) produziert und ins Blut abgegeben. Über den Blutkreislauf gelangt es zur Schilddrüse, wo es die Produktion der Schilddrüsenhormone steigert und deren Ausschüttung ins Blut fördert.

Da an fast allen Störungen TSH als zentrales Regelhormon beteiligt ist, untersucht man für eine erste Einschätzung oft nur den TSH-Wert im Blut (sog. TSH basal), anstatt alle Schilddrüsenwerte zu überprüfen.

Erst wenn der TSH-Wert außerhalb des Referenzbereichs liegt, werden auch die Hormone T3 und T4 bestimmt. Nur in seltenen Fällen misst man zusätzlich das Hypothalamushormon TRH. Ein Vorteil des sehr empfindlichen TSH-Werts: Er zeigt Störungen der Schilddrüsenfunktion mitunter bereits dann an, wenn die Konzentrationen von T3 und T4 noch im Referenzbereich liegen.

Der Referenzbereich für TSH-Werte liegt bei 0,4 bis 4,0 µU/ml. Für Kinder und Jugendliche gelten höhere TSH-Referenzbereiche. Zudem schwankt der TSH-Wert im Laufe des Tages. Nachmittags ist er meist niedriger und steigt dann zum Abend beziehungsweise nachts an. Dies gilt es bei der Messung zu berücksichtigen.

Was bedeuten zu hohen oder zu niedrige TSH-Werte?

TSH basal zu hoch

Ist der TSH-Wert erhöht, deutet das in den meisten Fällen auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hin. Mögliche Ursachen für erhöhte TSH-Werte sind:

TSH basal zu niedrig 

Ein zu niedriger TSH-Wert entsteht meist durch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), wie zum Beispiel bei Morbus Basedow.

Trijodthyronin (T3) und Levothyroxin (T4)

Die sogenannten peripheren Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Levothyroxin (T4, L-Thyroxin) sind im Blutkreislauf zum größten Teil an Bluteiweiße gebunden.

Nur ein Bruchteil der Schilddrüsenhormone T3 und T4 liegt in ungebundener (freier) Form vor, und ausschließlich dieser freie Anteil kann auf den Körper und die Organe wirken. Deshalb wird bei der Bestimmung der Schilddrüsenwerte normalerweise das freie Hormon bestimmt und das Hormon mit einem "f" vor dem Namen versehen (also fT3, fT4).

Das Hormon T4 wird im Blut in das wirksamere T3 umgewandelt. Bei einer Störung sind meist beide Werte erhöht oder vermindert, in einigen Fällen kommen aber auch isolierte Veränderungen nur eines Schilddrüsenhormons vor. Wichtig ist zudem die Höhe des TSH-Werts.

Was bedeuten zu hohe oder zu niedrige fT3- und fT4-Werte?

Zu hohe fT3 und fT4-Werte sind ein Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), wie zum Beispiel bei Morbus Basedow.

Zu niedrige fT3- und fT4-Werte deuten auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hin, wie etwa bei einer Hashimoto-Thyreoiditis.

Einschätzung der Werte

Wenn alle drei Schilddrüsenwerte vorliegen, kann der Arzt festlegen, ob es sich um eine leichte (latente) oder ausgeprägte (manifeste) Störung handelt:

  • leichte Schilddrüsenüberfunktion (latente Hyperthyreose): Der TSH-Wert ist bereits zu niedrig, die Werte von T4 und T3 liegen meist noch im Referenzbereich.
  • leichte Schilddrüsenunterfunktion (latente Hypothyreose): Der TSH-Wert ist schon erhöht, die Werte von T4 und T3 liegen meist noch im Referenzbereich.
  • ausgeprägte Schilddrüsenüberfunktion (manifeste Hyperthyreose): Der TSH-Wert ist zu niedrig, die Werte von T4 und T3 sind erhöht.
  • ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion (manifeste Hypothyreose): Der TSH-Wert ist zu hoch, die Werte von T4 und T3 dagegen zu niedrig.

Kombinationen, die bei der Bestimmung der Schilddrüsenwerte rauskommen können

fT3 fT4 TSH basal Aussage
normal normal normal gesund (Euthyreose)
normal normal erhöht leichte Schilddrüsenunterfunktion
(latente Hypothyreose)
zu niedrig zu niedrig erhöht ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion
(manifeste Hypothyreose)
normal normal zu niedrig latente Hyperthyreose
(leichte Schilddrüsenüberfunktion)
erhöht erhöht zu niedrig ausgeprägte Schilddrüsenüberfunktion
(manifeste Hyperthyreose)

Schilddrüsenwerte: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Schildrüsenunterfunktion: Symptome, Werte & Therapien
Schilddrüsenüberfunktion: Zu viele Schilddrüsenhormone
Morbus Basedow: Frauen erkranken häufiger
Die Schilddrüse: Was ist ihre Aufgabe?

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2018

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 16.2.2018)

Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Schäffler, A.: Substitutionstherapie nach Operationen an Schilddrüse und Nebenschilddrüsen. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 107, Heft 47, pp. 827-834 (26.11.2010)

Köhrle, J., Brabant G.: Synthese, Stoffwechsel und Diagnostik der Schilddrüsenhormone. Internist, Vol. 5, pp. 559-567 (21.4.2010)

Aktualisiert am: 16. Februar 2018