Onmeda.de Logo

Das Auge

Veröffentlicht am
von Till von Bracht • Medizinredakteur

Das Auge ist das wichtigste Sinnesorgan des Menschen – nur mithilfe des Auges sind wir in der Lage, Bilder zu erkennen. Genauer gesagt nimmt das Auge visuelle Reize von außen wahr und wandelt sie in elektrische Impulse um. Anschließend werden die Informationen über den Sehnerv an das Gehirn weitergeleitet.

So funktioniert das Auge

Grob gesagt besteht das menschliche Auge aus

Alle vier Hauptteile des Auges decken verschiedene Funktionen ab.

Da die Augen sehr empfindlich sind, benötigen sie besondere Schutzvorrichtungen. Die knöcherne Augenhöhle schützt das Auge vor Verletzungen – die Augenlider verhindern, dass Staub und Schweiß ins Auge gelangen.

Der Augapfel ist dafür zuständig, Lichtreize von außen wahrzunehmen. Er hat nahezu die Form einer Kugel und ist etwas kleiner als ein Tischtennisball. Im Innern des Augapfels befinden sich die Linse, der Glaskörper und die Augenkammern.

Die Wand des Augapfels besteht aus drei Wandschichten:

© Jupiterimages/Dorling Kindersley RF
Das Licht, das beim Sehen auf das Auge trifft, gelangt durch die Hornhaut, Pupille, Linse und den Glaskörper auf die Netzhaut (Retina). Dort werden die Signale über den Sehnerv an das Gehirn geschickt.

Die innere Augenhaut ist besser bekannt unter der Bezeichnung Retina oder Netzhaut – sie nimmt die einfallenden Lichtsignale auf und verarbeitet sie in elektrische Signale. Anschließend leitet sie die Signale weiter an den Sehnerv.

Über den Sehnerv gelangen die Informationen schließlich ins Gehirn. Der Sehnerv ist eigentlich kein richtiger Nerv, sondern eine Hirnbahn. Er verläuft vom Augapfel s-förmig durch die Augenhöhle bis zur Sehrinde im Gehirn.

Für die Beweglichkeit des Auges sorgen vier gerade sowie zwei schräge Augenmuskeln. Sie setzen jeweils oben, unten, links und rechts, sowie schräg außen oben und unten am Augapfel an. Dadurch kann man mit dem Auge sämtliche Drehbewegungen in alle Richtungen ausführen.

Wie funktioniert das Auge?

Das „Sehen“ ist ein sehr komplexer Vorgang, bei dem die Augen und das Gehirn eng zusammenarbeiten. Damit sich unser Gehirn überhaupt ein Bild von der Umwelt machen kann, benötigen wir eine Lichtquelle – zum Beispiel die Sonne oder eine Lampe.

Das Licht, das beim Sehen auf das Auge trifft, gelangt durch die

auf die Netzhaut (Retina).

Die durchsichtige Hornhaut ist ein klares Gewebe ohne Gefäße – sie stellt das sozusagen "Fenster" des Auges dar.

© iStock
Das Auge ist das Sehorgan des Menschen. Es sorgt dafür, dass wir mithilfe von Lichteinfall Informationen aufnehmen können, die anschließend über den Sehnerv an das Gehirn weitergeleitet werden.

Über die Pupille reguliert das Auge, wie viel Licht tatsächlich auf die Netzhaut gelangt. Hierzu zieht sich die Regenbogenhaut, die um die Pupille herum liegt, zusammen. Bei Dunkelheit vergrößert sich die Pupille, um möglichst viel Licht einzulassen. Bei Helligkeit hingegen wird die Pupille ganz klein.

Hinter der Regenbogenhaut trifft das Licht auf die Linse. Da die Linse gewölbt ist, bündeln sich die Lichtstrahlen hinter der Linse und laufen an einem Punkt auf der Netzhaut zusammen. Die Linse kann ihre Form verändern – dadurch können wir mit unseren Augen sowohl entfernte als auch nahe Gegenstände fokussieren.

Das Bild, das auf der Netzhaut abgebildet wird, steht zunächst auf dem Kopf. Über den Sehnerv gelangen diese Nervenimpulse nun zur Sehrinde im Gehirn. Das Gehirn wertet die Signale schließlich aus und dreht das Bild um 180 Grad.

Verschiedene Augenerkrankungen können die Funktionsweise des Auges stören – zum Beispiel

Je nach Sehfehler kommen zu dessen Korrektur unterschiedliche Brillen zum Einsatz. Wie die Brillengläser einer Korrekturbrille beschaffen sind, hängt davon ab, welche Art Brechkraftfehler der Augen die Brille korrigieren soll.

Augenmuskeln

Insgesamt besitzt der Mensch sechs verschiedene Augenmuskeln, davon sind vier gerade und zwei schräg. Die vier geraden Augenmuskeln halten den Augapfel in der Augenhöhle fest – zusammen mit den beiden schrägen Augenmuskeln sorgen sie außerdem dafür, dass sich der Augapfel in alle Richtungen drehen kann. Bei einer einzigen Bewegung wirken normalerweise mehrere Augenmuskeln zusammen. 

Folgende Augenmuskeln lassen sich voneinander unterscheiden:

Normalerweise arbeiten die Augenmuskeln so genau, dass die Seheindrücke beider Augen zu einem einzigen Bild verschmelzen (sog. Fusion). Nur dadurch kann der Mensch räumlich sehen. Bei einigen Menschen stehen die Augenmuskeln jedoch nicht im Gleichgewicht zueinander: Dann kommt es zum Schielen

Nur durch ihr komplexes Zusammenspiel können die äußeren Augenmuskeln sämtliche Drehbewegungen der Augen in alle Richtungen ausführen.

Durch die äußeren Augenmuskeln lassen sich verschiedene Arten der Bewegung durchführen:

Die Bewegung beider Augen zu koordinieren, ist ein sehr komplexer Vorgang. Daher schielen Babys in den ersten Wochen – sie haben noch nicht gelernt, ihre Augenmuskeln richtig zu steuern.

Augapfel

Der Augapfel des menschlichen Auges besitzt nahezu die Form einer Kugel und ist mit einem Durchmesser von 2,5 Zentimetern etwas kleiner als ein Tischtennisball.

Fachsprachlich nennt man den Augapfel Bulbus oculi – das Wort „Bulbus“ bedeutet rundliches Organ, „oculi“ ist die lateinische Bezeichnung für Augen.

Der Augapfel liegt geschützt in der knöchernen Augenhöhle des menschlichen Auges. Zusätzlich ist er von einem Fettgewebe umgeben, das als Polster dient und vor Erschütterungen – zum Beispiel einen Schlag gegen den Kopf – schützt.

Das Innere des Augapfels lässt sich in drei Räume aufteilen:

© iStock
Das, was viele Menschen als "Auge" bezeichnen, ist eigentlich der Augapfel. Der Augapfel baut sich aus drei Schichten auf und lässt sich in drei Räume aufteilen.

Zwischen der vorderen und der hinteren Augenkammer befindet sich die Linse. Die Linse bündelt die einfallenden Lichtstrahlen, sodass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Das Besondere an der Linse ist, dass sie ihre Form verändern kann – dadurch können wir sowohl nahe als auch weiter entfernte Gegenstände "scharf stellen".

Hinter der hinteren Augenkammer befindet sich der Glaskörper. Er füllt etwa zwei Drittel des Augapfels aus – und zwar den Raum zwischen der Rückfläche der Linse und der Netzhaut. Der Glaskörper besteht aus einer weichen gallertartigen Masse, die größtenteils aus Wasser besteht. Durch die weiche Konsistenz ist der Glaskörper verantwortlich dafür, dass der Augapfel bei Verletzungen nicht seine Form verliert – er dient sozusagen als eine Art Stoßdämpfer.

Die Wand des Augapfels baut sich zwiebelschalenartig aus insgesamt drei Hautschichten auf:

Äußere Augenhaut

Die äußere Augenhaut (Tunica fibrosa bulbi) verleiht dem Augapfel seine Form. Sie besteht aus zwei Abschnitten:

Den größten Teil der äußeren Augenhaut bildet die kräftige Lederhaut (Sklera) – sie umhüllt fast den gesamten Augapfel. Durch ihren hohen Anteil an Kollagen und elastischen Fasern sorgt die Lederhaut für die notwendige Stabilität des Augapfels. Im vorderen Teil des Auges geht die Lederhaut in die durchsichtige Hornhaut (Cornea) über.

Die Hornhaut ist ein klares Gewebe ohne Gefäße – sie stellt das "Fenster" des Auges dar. Weil die Hornhaut etwas stärker gekrümmt ist als die Lederhaut, ragt sie über den Umfang des Augapfels heraus. Die Wölbung der Hornhaut sorgt dafür, dass die einfallenden Lichtstrahlen bereits gebündelt werden, bevor sie auf die Linse des Auges treffen.

© LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese
Die äußere Augenhaut besteht aus zwei Abschnitten: zum einen aus der durchsichtigen Hornhaut vor der Linse und zum anderen aus der Lederhaut, die das "Weiße" im Auge bildet.

Weicht die Krümmung der Hornhaut stark von der Norm ab, kann das Auge einfallende Lichtstrahlen nicht mehr in einem Punkt auf der Netzhaut bündeln. Daher nehmen Menschen, die von einer Hornhautverkrümmung betroffen sind, einen Punkt nur noch als verschwommene Linie (Stab) wahr.

Die Hornhaut des Erwachsenen ist im Zentrum circa 0,6 Millimeter dick, im äußeren Bereich circa 0,8 Millimeter.

Hinter der durchsichtigen Hornhaut lässt sich die schwarze Pupille und die farbige Iris (Regenbogenhaut) erkennen. Im Alter kann die Hornhaut an Transparenz verlieren und die Sehfähigkeit erheblich behindern. In einem solchen Fall spricht man von einer Hornhauttrübung.

Mittlere Augenhaut

Die mittlere Augenhaut, auch Gefäßhaut oder Uvea genannt, versorgt das Auge mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen. Zusätzlich dunkelt sie das Augeninnere ab und sorgt dafür, dass Lichtstrahlen nur durch die Iris in das Auge eindringen können.

Zur mittleren Augenhaut des Augapfels zählen drei Abschnitte:

Alle drei Abschnitte erfüllen im Auge unterschiedliche Aufgaben.

Aderhaut (Choroidea)

Die Hauptaufgabe der Aderhaut (Choroidea) besteht darin, die anliegenden Hautschichten – vor allem die Netzhaut im Inneren des Auges – mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Sie umschließt fast den kompletten Glaskörper.

Die Aderhaut besteht vorwiegend aus Gefäßen sowie aus Fibrozyten, Melanozyten und Kollagen – sie stellt das am stärksten durchblutete Gewebe des Körpers dar. Die Pigmentierung der Aderhaut verhindert, dass störendes Streulicht von außen in das Innere des Auges gelangt.

© LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese
Die mittlere Augenhaut befindet sich zwischen der äußeren und der inneren Augenhaut. Sie ist vor allem dafür zuständig, das Auge mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Iris (Regenbogenhaut)

Die Iris (Regenbogenhaut) befindet sich direkt vor der Linse – sie trennt die vordere von der hinteren Augenkammer.

Die wichtigste Aufgabe der Iris ist die Regulierung des Lichteinfalls im Sinne einer Blende. Die Iris besteht aus Pigmenten, Blutgefäßen und glatten Muskelzellen sowie einer kreisrunden, beweglichen Öffnung: der Pupille. Durch zwei Muskeln kann sich die Pupille verengen oder erweitern.

Die Aktivität der Irismuskeln und somit die Pupillenweite lässt sich nicht bewusst steuern – das vegetative Nervensystem ist für die Weite der Pupillen verantwortlich. Bei Dunkelheit, Stress oder Fernsicht erweitern sich die Pupillen, bei starker Helligkeit, Nahsicht oder bei Müdigkeit verengen sich die Pupillen.

Die Pigmente (Melanine) in der Iris bestimmen unsere Augenfarbe: Bei schwacher Pigmentierung erscheinen die Augen blau, bei starker braun. Allein die Konzentration des Melanins bestimmt die Augenfarbe – es gibt keine speziell blauen, grünen oder braunen Farbstoffe.

Zum Zeitpunkt der Geburt sind die Augen eines Babys noch nicht voll entwickelt – die Pigmentierung der Iris erfolgt erst im Laufe des ersten Lebensjahres, manchmal auch noch länger. Aus diesem Grund besitzen fast alle hellhäutigen Babys zum Zeitpunkt ihrer Geburt blaue oder graue Augen.


Ziliarkörper (Strahlenkörper)

Der Ziliarkörper (Strahlenkörper, Corpus ciliare) befindet sich zwischen der Aderhaut und der Iris – er besteht grob aus einem Ziliarmuskel und dem Ziliarepithel. Der Ziliarkörper erfüllt zwei Aufgaben im menschlichen Auge:

Die äußere Schicht des Ziliarkörpers, das sogenannte Ziliarepithel, produziert das Kammerwasser und gibt es in die hintere Augenkammer ab. Von dort fließt das Kammerwasser in die vordere Augenkammer und "umspült" dabei die Linse und die Hornhaut. Die Produktionsrate beträgt etwa 2 Mikroliter pro Minute (µl/min), sodass es etwa eine Stunde dauert, bis das gesamte Volumen von Vorder- und Hinterkammer (125 µl) einmal ersetzt wird.

Das Kammerwasser erfüllt zwei Aufgaben im menschlichen Auge: Einerseits dient es dazu, den Druck im Augeninneren und somit die Augenform zu erhalten – anderseits ist das Kammerwasser dafür verantwortlich, die Hornhaut, die Linse und den Glaskörper mit Nährstoffen zu versorgen.

Der Ziliarkörper ist über Aufhängebänder, die sogenannten Zonulafasern, mit der Linse verbunden – er ist für die Verformung der Linse verantwortlich. Der Ziliarmuskel, der sich vor allem im vorderen Bereich des Ziliarkörpers befindet, kann sich zusammenziehen beziehungsweise erschlaffen und so die Krümmung der Linse verändern.

Beim Blick auf naheliegende Objekte zieht sich der Ziliarkörper zusammen. Die Zonulafasern, die eine Art Gerüst für die Linse darstellen, erschlaffen dadurch. Die Folge: Die Linse wird kugeliger und weist eine höhere Brechkraft auf.

Sobald wir in die Ferne schauen, entspannt sich der Ziliarkörper – infolgedessen spannen sich die Zonulafasern an und ziehen die Linse auseinander. Dadurch ist die Linse weniger stark gekrümmt und ermöglicht uns, weiter entfernte Dinge scharf zu sehen.

Innere Augenhaut

Die innere Augenhaut ist den meisten besser bekannt als Retina oder Netzhaut. Die Retina stellt die innere Wandschicht des Augapfels dar. Sie nimmt die einfallenden Lichtsignale auf, verarbeitet diese und leitet sie anschließend über den Sehnerv weiter an das Gehirn.

Die Retina enthält die sogenannten Photorezeptoren, die durch die Aufnahme von Licht- und Farbreizen das Sehen ermöglichen. Die Photorezeptoren unterteilen sich in Zapfen und Stäbchen. Insgesamt besitzt das menschliche Auge etwa sechs bis sieben Millionen Zapfen und rund 120 Millionen Stäbchen.

Über verschiedene Schaltstellen und Nervenfasern in der Netzhaut werden die Signale der Photorezeptoren über den Sehnerv an die Sehbahn im Gehirn weitergeleitet.

© iStock
Die Aufgabe der inneren Augenhaut ist es, die einfallenden Lichtstrahlen zu verarbeiten und an den Sehnerv weiterzuleiten. Sie enthält die sogenannten Stäbchen und Zapfen: Die Zapfen nehmen die Farbreize wahr, die Stäbchen unterscheiden zwischen hell und dunkel.

Das Zentrum der Netzhaut, die sogenannte Makula oder "gelber Fleck", ist der funktionell wichtigste Anteil der Netzhaut. Die Makula ist für das hohe Auflösungsvermögen und das Farbensehen verantwortlich. Hier ist die Rezeptorendichte am höchsten, sie gilt als Bereich des schärfsten Sehens.

Innenraum des Augapfels

Der Innenraum des Augapfels lässt sich in drei Hohlräume aufteilen:

Die beiden Augenkammern nehmen zusammen nur etwa ein Drittel des Innenraums ein. Der Glaskörper füllt mit etwa zwei Dritteln den größten Teil des Augapfels aus. Die wichtigsten Bestandteile im Innern des Augapfels sind die Linse, der Glaskörper sowie die beiden Augenkammern.

Vordere und hintere Augenkammer

Die Vorderkammer stellt den Raum zwischen Hornhaut und Regenbogenhaut beziehungsweise Linse dar. Die vordere Augenkammer ist mit Kammerwasser gefüllt, das für die Nährstoffversorgung der Hornhaut und der Linse verantwortlich ist.

Am Rand der vorderen Augenkammer befindet sich der Kammerwinkel, der von der Hornhaut und der Iris gebildet wird. Im Kammerwinkel liegen das Maschenwerk (Trabekelwerk) als Filtersystem und sogenannte Schlemmsche Kanal. Der Schlemm-Kanal ist eine ringförmig verlaufende Vene, über den das Kammerwasser abfließt.

Ist der Kammerwinkel verengt oder verstopft, steigt der Druck im Auge. Als Folge kann eine seltene Sonderform des grünen Stars (Glaukom) entstehen – das sogenannte Engwinkelglaukom.

Die hintere Augenkammer liegt zwischen dem Glaskörper und der Irisrückseite. Hier bildet der Ziliarkörper das Kammerwasser, das von der Hinterkammer durch die Pupille in die vordere Augenkammer gelangt. Das Kammerwasser der hinteren Augenkammer versorgt einerseits den Glaskörper mit Nährstoffen, andererseits hilft es dem Augapfel, seine Form zu behalten.

© iStock
Der Innenraum besteht zu zwei Dritteln aus dem weichen Glaskörper, durch den der Augapfel auch bei Verletzungen seine Form behält.

Linse

Die Linse befindet sich zwischen der vorderen und der hinteren Augenkammer – unmittelbar hinter der Iris. Sie ist neben der Hornhaut für die Bündelung der Lichtstrahlen und ihre scharfe Abbildung auf der Netzhaut verantwortlich.

Die Linse kann ihre Form verändern. Diesen Vorgang nennt man Akkommodation. Das ist möglich, weil die Linse von einer elastischen Kapsel umhüllt und durch Linsenaufhängebänder (Zonulafasern) mit dem Ziliarkörpermuskel verbunden ist.

Beim Betrachten von Objekten in kürzeren Entfernungen zieht sich der Ziliarmuskel zusammen, die Zonulafasern entspannen sich und die Linse wird aufgrund ihrer eigenen Elastizität kugelförmiger. Dadurch erhöht sich die Brechtkraft und man kann nahe liegende Gegenstände scharf sehen.

Beim Blick in die Ferne entspannt sich der Ziliarmuskel – die Zonulafasern spannen sich an und ziehen daraufhin die Linse auseinander. Dadurch nimmt die Linsenkrümmung ab und einfallende Lichtstrahlen werden nicht so stark gebrochen.

Mit dem Alter nimmt die Elastizität der Linse ab – und damit auch die Akkommodationsfähigkeit. Aus diesem Grund benötigen viele im Alter eine Lesebrille.

Die Linse besteht aus transparentem Gewebe. Die Eiweiße in der Linse kondensieren im Alter und können damit zu einer zunehmenden optischen Verdichtung der Linse führen. Die mögliche Folge: Es entsteht ein grauer Star (Katarakt).


Glaskörper

Der Glaskörper füllt etwa zwei Drittel des Augapfels aus. Mit seiner gelartigen Konsistenz ist er für den Erhalt der Form mitverantwortlich – zum Beispiel bei Verletzungen des Augapfels.

Der Glaskörper ist normalerweise transparent und ermöglicht dadurch eine gute optische Abbildung. Er besteht zu etwa 98 Prozent aus Wasser – die restlichen 2 Prozent bestehen aus Kollagen und Hyaluronsäure.

Im Alter kann sich die gleichmäßige Struktur des Glaskörpers verändern. Der Glaskörper beginnt sich mehr und mehr zu verflüssigen. Dann kommt es zu unregelmäßigen Verdichtungen, die der Mensch als "fliegende Mücken" oder ähnliche flusenartige Gebilde wahrnimmt, die umherwandern, wenn sich das Auge bewegt. Dies kann das Sehen leicht beeinträchtigen. Fliegende Mücken sind eine harmlose Veränderung und erfordern in der Regel keine Behandlung.

Sehnerv

Der Sehnerv leitet die einfallenden Lichtreize von der Netzhaut (Retina) des Auges an das Sehzentrum des Gehirns weiter. Dazu verläuft der Sehnerv vom Augapfel durch die Augenhöhle bis ins Gehirn.

Im sogenannten Sehnervenkopf (Papille) treffen sich die circa 1,2 Millionen Nervenfasern der Netzhaut. Er ist leicht oval und besitzt eine Breite von etwa 1,5 Millimetern. Dort bündeln sich die Nervenfasern, treten durch eine kurze, runde Öffnung in der Lederhaut aus und vereinen sich zum Sehnerv.

Auf dem Weg zum Gehirn verläuft der Sehnerv s-förmig durch die Augenhöhle – so kann sich der Sehnerv auch bei starken Augenbewegungen anpassen. Nach Verlassen der Augenhöhle tritt der Sehnerv durch den knöchernen Sehnervenkanal (Canalis opticus) und verläuft bis zur Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum). An dieser Stelle kreuzen sich die Sehnerven des linken und des rechten Auges – deshalb verarbeitet die rechte Gehirnhälfte die Informationen des linken Auges, die linke Gehirnhälfte ist für die Informationen des rechten Auges zuständig.

© iStock
Der Sehnerv verläuft über eine s-förmige Bahn vom Auge bis zum Sehzentrum im Gehirn. Er transportiert die visuellen Informationen, die die Retina verarbeitet hat, damit sie im Gehirn interpretiert werden können.

Je nach Schädelform hat der Sehnerv insgesamt eine Länge von etwa 4 bis 5 Zentimetern. Er verläuft 25 bis 40 Millimeter innerhalb der Augenhöhle und 10 bis 15 Millimeter innerhalb des Schädels, bevor sich die Sehnerven beider Augen vereinen und kreuzen, um dann ins Gehirn einzumünden.

Schutzvorrichtungen des Auges

Das Auge ist mit verschiedenen Schutzvorrichtungen ausgestattet – sie schützen das Auge vor Bakterien, Staub, Schweiß und auch vor Regen oder Austrocknung.

Damit das Auge nicht so leicht beschädigt wird, liegt es in einer knöchernen Augenhöhle. Bei der Augenhöhle handelt es sich um eine Mulde im Gesichtsschädel, die den Augapfel umschließt.

Weitere Schutzvorrichtungen sind:

Augenhöhle (Orbita)

Insgesamt besteht die Augenhöhle aus sieben aneinandergrenzenden Schädelknochen. Den Hauptanteil der Augenhöhle bilden:

Zwei Stellen der Augenhöhle sind besonders zerbrechlich: Der Boden der Augenhöhle und ein Teil der seitlichen Innenwand. Dies spielt vor allem bei Schlägen auf das Auge eine Rolle, weil die Augenhöhle durch heftigen Druck an diesen Stellen brechen kann.

Die Augenhöhle hat einige Öffnungen nach hinten und unten, durch die Nerven und Gefäße ziehen. So verläuft zum Beispiel der Sehnerv vom Augapfel durch die Augenhöhle bis in das Schädelinnere.

Der Augapfel selbst, also der Teil, den man umgangssprachlich als Auge bezeichnet, füllt etwa ein Fünftel der Augenhöhle aus. Der Rest wird durch Fett- und Bindegewebe, Muskeln, Nerven und Gefäße ausgefüllt.

© iStock
Das Auge ist sehr empfindlich und muss vor allerlei Fremdkörpern geschützt werden. Zuständig dafür sind unter anderem die Augenbrauen, die Augenlider und die Wimpern.

Augenlider

Die Augenlider sind zwei bewegliche Hautfalten, die die Vorderseite des Auges bedecken und auf unterschiedliche Weise schützen. Die Augenlider des menschlichen Auges

Die wichtigste Aufgabe der Augenlider ist es, den vorderen Teil des Augapfels zu bedecken. Die Augenlider schließen sich reflektorisch zusammen, wenn Fremdkörper in das Auge einfallen oder bei starker Blendung. Auch die Brauen und Wimpern verhindern, dass Staub und Schweiß ins Auge gelangen.

Darüber hinaus sorgen die Lider durch regelmäßigen, unwillkürlichen Lidschlag für einen gleichmäßig auf der Hornhaut verteilten Tränenfilm. An den Lidkanten sitzen Talgdrüsen, die einen Teil des Tränenfilms bilden. Diese Drüsen können sich entzünden und zu sogenannten Gersten- oder Hagelkörnern entwickeln.


Tränenapparat

Der Tränenapparat besteht aus zwei Teilen – den Tränendrüsen und den ableitenden Tränenwegen. Die Tränendrüsen produzieren die farblose und salzige Tränenflüssigkeit, die die Hornhaut des Auges

Die außen unter dem Oberlid gelegene Tränendrüse produziert den Hauptanteil der Tränen. Etwa 1 Prozent der Tränenproduktion entfällt auf zusätzliche Tränendrüsen, die vorwiegend in der Bindehaut des Auges liegen.

Über zahlreiche Ausführungsgänge gibt die Tränendrüse ihr wässriges Sekret ab – die Wischbewegungen der Lider sorgen dafür, dass die Tränenflüssigkeit auf dem Augapfel verteilt wird. Die Tränen sammeln sich im inneren Lidwinkel, wo sie über die Tränenwege in den unteren Nasengang der Nasenhöhle abfließen.

Die ableitenden Tränenwege bestehen aus den beiden Tränenpunkten, den Tränenkanälchen, dem Tränensack sowie dem Tränen-Nasen-Gang.

Die sogenannten Tränenpünktchen (Puncti lacrimales) nehmen die gesammelten Tränen im inneren Lidwinkel auf und leiten sie durch die Tränenkanälchen (Canaliculus lacrimalis) bis in den Tränensack (Saccus lacrimalis). Am unteren Ende besitzt der Tränensack einen Tränen-Nasen-Gang (Ductus nasolacrimalis), der in der Nasenhöhle endet. Der Mensch bildet täglich etwa 2 bis 4 Milliliter Tränenflüssigkeit. Die Tränensekretion nimmt im Alter stark ab.

Auch der Tränenapparat gehört zu den Schutzvorrichtungen des Auges. Die Tränenflüssigkeit schützt vor Austrocknung, schwemmt Fremdkörper wieder heraus trägt zur Ernährung der Hornhaut bei.

Bindehaut (Konjunktiva)

Die Bindehaut (Konjunktiva) ist eine durchsichtige Schleimhaut, die von der Vorderseite des Augapfels auf die Rückseite der Lider übergeht. Die Bindehaut verbindet sozusagen den Augapfel mit den Augenlidern – daher der Name "Bindehaut". Sie geht einerseits in die Lidkante über, andererseits in die Hornhaut.

Die Bindehaut stellt neben den Lidern einen zweiten Schutzwall gegen das Eindringen von Keimen und Fremdkörpern dar. Hierbei spielen vor allem die Abwehrfunktionen durch bestimmte Bakterien tötende Zellen und Körperflüssigkeiten eine Rolle.

Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de (Stand 2015)

I care. Anatomie. Physiologie. Thieme, Stuttgart 2015

Lang, G.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

Bommas-Ebert, U., Teubner, P., Voß, R.: Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie. Thieme, Stuttgart 2011

Zervos-Koop, J.: Anatomie, Biologie und Physiologie: Ergotherapie Prüfungswissen. Thieme Verlag, Stuttgart 2009

Schiebler, T.H., Korf. H.-W.: Anatomie. Steinkopff-Verlag, Heidelberg 2007

Ulfig, N., Ritschel, G.: Kurzlehrbuch Histologie. Thieme Verlag, Stuttgart 2005

Stand: 23. Oktober 2015