Vemurafenib

Allgemeines

Vemurafenib kommt als alleiniger Wirkstoff bei speziellen Formen von schwarzem Hautkrebs bei Erwachsenen zum Einsatz. Voraussetzung ist, dass der Krebs nicht chirurgisch entfernt werden kann und schon Tochtergeschwulste (Melanome) gebildet hat.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Funktion des BRAF-Eiweißes hemmen
  • unkontrolliertes Zellwachstum stoppen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Vemurafenib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Vemurafenib nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Vemurafenib nicht eingesetzt werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Beurteilung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff angewendet werden bei
  • Patienten mit nicht behebbaren Störungen des Mineralhaushalts (einschließlich Magnesium), Herzrhythmusstörungen (Long-QT-Syndrom oder Einnahme von Wirkstoffen, die bekanntermaßen das QT-Intervall verlängern)
  • Patienten mit mäßiger bis schwerer Leberfunktionsstörung, weil diese den Wirkstoff in geringerem Umfang abbauen und daher mehr Nebenwirkungen (besonders Herzrhythmusstörungen) haben können
  • einer Strahlentherapie, weil der Einsatz des Wirkstoffs vor, während und unmittelbar danach das Risiko von Strahlenschäden erhöht
  • Patienten, bei denen zusätzlich eine vorherige oder aktuell bestehende Krebserkrankung besteht, weil Vemurafenib die Entwicklung veränderter (RAS-Mutation) Zellen begünstigt
  • schweren Nierenfunktionsstörungen, weil hier die Ausscheidung des Wirkstoffs erschwert ist.
Hinweis:
Vor einer Behandlung mit Vemurafenib, nach einem Monat der Behandlung und nach einer Dosisänderung müssen bei allen Patienten Elektrokardiogramm (EKG) und der Mineralstoffhaushalt (einschließlich Magnesium) überwacht werden. Während der ersten drei Behandlungsmonate empfehlen sich weitere monatliche Überwachungen, insbesondere bei Patienten mit mittlerer bis schwerer Leberfunktionsstörung. Nach dieser Zeitspanne kontrolliert der Arzt alle drei Monate oder auch öfter.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Vemurafenib soll in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Arzt schätzt den möglichen Nutzen für die Mutter größer ein das mögliche Risiko für das Kind. Normalerweise müssen Frauen im gebärfähigen Alter während der Behandlung mit Vemurafenib und für mindestens sechs Monate danach eine sichere Verhütungsmethode anwenden. Dabei ist zu beachten, dass der Wirkstoff die Wirksamkeit von Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung ("Pille") verringern kann.

Es ist nicht bekannt, ob Vemurafenib in die Muttermilch übergeht. Ein Risiko für das Neugeborene / den Säugling kann nicht ausgeschlossen werden. Unter Berücksichtigung des Nutzens des Stillens für das Kind und des Nutzens der Behandlung für die Mutter wird der Arzt die Entscheidung treffen, entweder das Stillen oder die Behandlung mit Vemurafenib abzubrechen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Vemurafenib bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist bisher noch nicht erwiesen. Es liegt daher im Ermessen des Arztes, ob er das Medikament einsetzt.

Welche Nebenwirkungen kann Vemurafenib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Vemurafenib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
spezielle Krebsform der Schleimhäute (Plattenepithelkarzinom), schuppige Hautveränderung, Hautgewächse, verminderter Appetit, Kopfschmerzen, Störungen des Geschmackssinns, Husten, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, erhöhte Lichtempfindlichkeit, Verhornungsstörungen (aktinische Keratose, Hyperkeratose), Ausschlag (auch fleckig-pustelig oder blasig), Juckreiz, Hautrötung, Haarausfall, trockene Haut, Sonnenbrand, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Schmerzen des Bewegungsapparates, Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber, Wasseransammlungen in Armen und Beinen, Schwäche, Anstieg eines Leber-Enzyms (Gamma-GT).

Häufige Nebenwirkungen:
Haarbalgentzündung, spezieller Hautkrebs (Basalzellkarzinom), Lähmung des Gesichtsnervs, Augapfelentzündung, Rötung und Missempfindungen an Hand- und Fußflächen, knotige Hautrötung, Reibeisenhaut, Gelenkentzündung, Anstieg von Leber-Enzymen (ALAT, alkalische Phosphatase), Anstieg des Bilirubin im Blut, Gewichtsabnahme.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Nervenschäden, Verschluss der Netzhaut-Vene, Blutgefäßentzündung, schwere Hautreaktionen (toxische epidermale Nekrolyse, Stevens-Johnson-Syndrom), Anstieg des Leber-Enzyms ASAT.

Besonderheiten:
Bei Patienten mit schweren Überempfindlichkeitsreaktionen allgemein oder an der Haut wird die Behandlung mit Vemurafenib dauerhaft abgebrochen. Besonders gefährlich ist das sogenannte DRESS-Syndrom mit Fieber, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Blutbildveränderungen und der Beteiligung innerer Organe. Hinweise auf eine Organbeteiligung können unter anderem auffällige Leberfunktionstests, Nierenfunktionsstörungen, eine Entzündung der Lunge oder des Herzens sein.

In seltenen Fällen kann sich der Herzrhythmus (Verlängerung des QT-Intervalls) verändern. Diese Veränderung ist abhängig von Dosis und Anwendungsdauer von Vemurafenib. Sie erzwingen eine Dosisverminderung, gegebenenfalls muss der Arzt die Behandlung auch abbrechen.

Wegen der Gefahr von Nebenwirkungen an den Augen sollten alle mit Vemurafenib behandelten Patienten regelmäßig einen Augenarzt aufsuchen.

Da sich durch die Behandlung mit dem Wirkstoff anderen Krebsformen an Haut und Schleimhäuten ausbilden können, sollten die Patienten jede festgestellte Veränderung ihrem Arzt zeigen.

Der Wirkstoff kann die Laborwerte der Leber verändern. Daher sollte der Arzt vor Behandlungsbeginn und während der Behandlung jeden Monat die Werte der Transaminasen und alkalische Phosphatase sowie des Bilirubins messen. Auffällige Laborwerte werden durch Dosisverminderung, Behandlungsunterbrechung oder Behandlungsabbruch behandelt.

Alle Patienten, die Vemurafenib erhalten, sollten während der Einnahme UV-Bestrahlung (Sonne, Sonnenbank) vermeiden. Schützende Kleidung und eine Sonnencreme mit hohem UVA/UVB-Lichtschutzfaktor sowie ein Lippenschutz (Lichtschutzfaktor ≥30) schützen im Freien gegen Sonnenbrand.

Welche Wechselwirkungen zeigt Vemurafenib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Vemurafenib kann die Konzentration anderer Wirkstoffe im Blut erhöhen, was zu mehr Nebenwirkungen führt. Dies ist der Fall bei Coffein, dem Neuroleptikum Clozapin, dem Schmerzmittel Paracetamol und dem Blutverdünner Warfarin. Bei gleichzeitiger Behandlung mit letzterem und Vemurafenib muss das Arzt daher die Blutgerinnung sehr sorgfältig überwachen.

Andererseits kann Vemurafenib auch die Wirkung anderer Substanzen abschwächen. Dazu gehören die trizyklischen Antidepressiva Amitriptylin und Midazolam, das Makrolid-Antibiotikum Erythromycin, das opioide Schmerzmittel Morphin, das Drogen-Ersatzmittel Methadon und Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung ("Pille").

Vemurafenib selbst wird ebenfalls durch eine Vielzahl von Wirkstoffen in seinen Effekten verändert:
  • Erhöhte Blutkonzentrationen mit mehr Nebenwirkungen zeigen sich bei Kombination mit den AIDS-Mitteln Atazanavir, Ritonavir oder Saquinavir, den Antibiotika Telithromycin oder Clarithromycin, dem Blutdrucksenker Verapamil, den Pilzmitteln Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol oder Posaconazol, den Antiarrhythmika Chinidin, Dronedaron oder Amiodaron, mit Cyclosporin (gegen Organabstoßungen), dem Antidepressivum Nefazodon oder Ranolazin (zur Durchblutungsförderung an den Herzkranzarterien).
  • Ein beschleunigter Abbau von Vemurafenib und eine Wirkungsverminderung ergeben sich mit Wirkstoffen wie den Tuberkulose-Mitteln Rifampicin und Rifabutin, den Antiepileptika Carbamazepin und Phenytoin sowie Johanniskraut (gegen Depressionen).

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Jedwede weitere Hautveränderung oder Hautreaktion sollte unverzüglich dem Arzt gezeigt werden.
  • Bei schwerwiegenden Nebenwirkungen, die den Herzrhythmus betreffen, muss der Arzt die Behandlung gegebenenfalls abbrechen.
  • Treten Veränderungen der Sehfähigkeit auf, müssen die Patienten auch außerhalb der regelmäßigen Untersuchungen zum Augenarzt.
  • Vor Behandlungsbeginn und während der Behandlung muss der Arzt jeden Monat die Leber-Werte und das Bilirubin prüfen.
  • Während der Anwendung müssen sich die Patienten durch schützende Kleidung und hohen Lichtschutzfaktor (auch für die Lippen) vor UV-Bestrahlung hüten.
  • Die Behandlung mit dem Medikament soll von einem spezialisierten Krebs-Arzt begonnen und begleitet werden.
  • Es kann durch die Behandlung zu Abgeschlagenheit oder Augenproblemen kommen, wodurch Autofahren gefährlich wird.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Vemurafenib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Vemurafenib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Vemurafenib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Vemurafenib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Vemurafenib gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Vemurafenib

Vemurafenib kommt als alleiniger Wirkstoff bei speziellen Formen von schwarzem Hautkrebs bei Erwachsenen zum Einsatz. Voraussetzung ist, dass der Krebs nicht chirurgisch entfernt werden kann und schon Tochtergeschwulste (Melanome) gebildet hat.

Vemurafenib greift nur in den Zellstoffwechsel ein, wenn das Erbgut der Krebszellen eine Veränderung zeigt, die als BRAF-V600-Mutation bezeichnet wird. Diese Veränderung kommt bei etwa der Hälfte der Krebszellen beim schwarzen Hautkrebs vor. Nur bei solchen Zellen ist Vemurafenib wirksam. Ob die Veränderung vorliegt, kann der Arzt mithilfe eines speziellen Tests an einer Probe des Krebsgewebes nachweisen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Vemurafenib sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Vemurafenib

    Der fortgeschrittene schwarze Hautkrebs (Melanom), welcher Tochtergeschwulste bildet, ist die tödlichste und aggressivste Form von Hautkrebs. Bestimmte Wirkstoffe, sogenannte BRAF-Hemmer, können die Überlebenszeit bei schwarzem Hautkrebs mit Tochtergeschwulsten (Metastasen) deutlich verlängern und zu einem Rückgang der Metastasen führen. Diese Substanzen wirken aber nur, wenn im Erbgut des Tumorgewebes im sogenannten BRAF-Gen bestimmte Veränderungen nachweisbar sind. Dies ist in etwa der Hälfte der Erkrankungen mit schwarzem Hautkrebs der Fall. Das nach "Vorschrift" des BRAF-Gens vom Körper hergestellte BRAF-Eiweiß ist am normalen Wachstum und Überleben der Zellen beteiligt. Veränderte Formen des BRAF-Eiweißes können bewirken, dass es zu unkontrolliertem Zellwachstum und Krebs kommt. Eine solche Veränderung ist der Austausch der Aminosäure Valin gegen Glutamin als 600ste Aminosäure in der Aminosäurenkette, aus der das BRAF-Eiweiß besteht.

    Vemurafenib gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika. Es handelt sich um ein relativ kleines Molekül, das veränderte BRAF-Eiweiße daran hindert, die Bildung von Krebszellen zu fördern. Der Wirkmechanismus dabei ist die Hemmung eines Enzyms, der BRAF-Serin-Threonin-Kinase.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.