Sirolimus

Allgemeines

Sirolimus wird bei Erwachsenen nach einer Nierentransplantation zur Vorbeugung einer Organabstoßung angewendet. Voraussetzung ist, dass die Patienten ein gut passendes Spenderorgan erhielten und somit ein geringes bis mittelgradiges Risiko einer Abstoßungsreaktion haben.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • körpereigene Abwehr blockieren
  • Abstoßungsreaktion unterdrücken
  • transplantierte Organe erhalten

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Sirolimus im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Sirolimus nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff sowie bei Lungen- und Lebertransplantierten darf Sirolimus nicht angewendet werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Sirolimus eingesetzt werden bei Patienten mit einem erhöhten Infektionsrisiko, weil der Wirkstoff die körpereigene Abwehr sehr schwächt. Auch bei eingeschränkter Leberfunktion muss Vorsicht walten, da der Wirkstoff über die Leber abgebaut wird und somit eine Dosisanpassung erforderlich ist.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Tierexperimente haben gezeigt, dass die Einnahme von Sirolimus bei trächtigen Tieren zu Missbildungen führen kann. Das Risiko für den Menschen ist nicht bekannt, daher darf der Wirkstoff während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Arzt hält dies für eindeutig erforderlich. Während der Therapie mit Sirolimus sowie für zwölf Wochen nach der Behandlung muss eine zuverlässige Verhütungsmethode angewendet werden.

Es ist nicht bekannt, ob Sirolimus beim Menschen in die Muttermilch übergeht, wie dies bei Ratten der Fall ist. Aufgrund des möglichen Auftretens von Nebenwirkungen durch Sirolimus bei gestillten Kindern sollte das Stillen während der Behandlung unterbrochen werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Sirolimus bei Kindern und Jugendlichen im Alter von unter 18 Jahren sind nicht nachgewiesen.

Welche Nebenwirkungen kann Sirolimus haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Sirolimus. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Lungenentzündung, Infektion mit Pilzen, Viren und Bakterien, Harnwegsinfektionen, Blutarmut, Blutplättchenmangel, Mangel an weißen Blutkörperchen, Mangel an Kalium und Phosphat im Blut, Fettstoffwechselstörung, Blutzuckerüberschuss, Zuckerkrankheit, Kopfschmerzen, Herzrasen, Lymphknotenschwellung, Bluthochdruck, Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall, Übelkeit, Hautausschlag, Akne, Gelenkschmerzen, Eiweiß im Urin, Störungen der Regelblutung, Wasseransammlung im Gewebe (Ödeme), Fieber, Schmerzen, Wundheilungsstörungen, unnormale Ergebnisse bei Leberfunktionstests, erhöhte Blutwerte (Lactatdehydrogenase, Kreatinin)

Häufige Nebenwirkungen:
Blutvergiftung, Nierenbeckenentzündung, Infektion mit Zytomegalie-Virus, Gürtelrose, Hautkrebs, hämolytisch-urämisches Syndrom, Mangel an Neutrophilen Blutzellen, Überempfindlichkeit (einschließlich Gesichtsschwellung, allergischer Schock), Herzbeutelerguss, Verstopfung von Venen (auch tiefliegend), Lungenembolie, Brustfellerguss, Nasenbluten, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Mundschleimhautentzündung, Wasserbauch, Knochenabbau, Eierstock-Zysten

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Dickdarmentzündung durch den Keim Clostridium difficile, Infektionen mit Mykobakterien (auch Tuberkulose), Pfeiffer-Drüsenfieber, Lymphknotenschwellung, Lymphknotengeschwulste, Mangel an allen Blutzellen, Unterhautblutungen, Lymphstau, Lungenblutung, Leberversagen, schwere Hautreaktion (abschälende Hautentzündung), Nierenversagen, stellenweise Verhärtung von Nierengewebe

Seltene Nebenwirkungen:
Eiweißansammlungen in den Lungenbläschen, Blutgefäßentzündung aufgrund einer allergischen Reaktion

Sehr seltene Nebenwirkungen:
vorübergehende Gehirnerkrankung (posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom)

Besonderheiten:
Bei einigen männlichen Patienten werden Veränderungen der Samenzellen aufgrund der Behandlung beobachtet, die sich in den meisten Fällen nach Therapie-Ende wieder normalisieren.

Die Unterdrückung der Immunabwehr kann zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen und Krebserkrankungen, vor allem der Haut, führen. Wie bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für Hautkrebs üblich, sollte man sich gegen Sonnenstrahlung durch das Tragen dichter Kleidung und das Benutzen von Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor schützen. Auch künstliche UV-Strahlung (z.B. Sonnenbank) sollte man während der Behandlung vermeiden.

Manchmal kommt es zu einer Lungenentzündung durch den Keim Pneumocystis carinii. Deshalb wird der Arzt während der ersten zwölf Monate nach der Transplantation vorbeugend ein Antibiotikum gegen Pneumocystis-carinii-Infektionen anwenden. Auch gegen das Zytomegalie-Virus werden während drei Monaten nach der Transplantation Patienten vorbeugend geschützt, vor allem solche, die ein hohes Risiko für eine solche Infektion haben.

Die Behandlung mit Sirolimus kann zu Fettstoffwechselstörungen führen. Daher wird der Arzt die entsprechenden Blutwerte sorgfältig überwachen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Sirolimus?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sirolimus wird in beträchtlichem Umfang von einem leicht beeinflussbaren Enzymsystem verstoffwechselt. Sirolimus sollte nicht gleichzeitig mit starken Hemmstoffen des Enzymsystems verwendet werden, da das zu mehr Nebenwirkungen führt. Zu dieser Wirkstoffgruppe gehören die Pilzmittel Ketoconazol, Voriconazol und Itraconazol, die Blutdrucksenker Diltiazem, Nicardipin und Verapamil, die Antibiotika Erythromycin, Telithromycin oder Clarithromycin, HIV-1-Proteasehemmer wie Ritonavir, Indinavir, Boceprevir, Telaprevir, das Magenmittel Cimetidin, das Parkinson-Mittel Bromocriptin und das dem Testosteron verwandte Danazol, aber auch Grapefruitsaft. Zwar wird Ciclosporin mit Sirolimus kombiniert gegeben, doch steigert auch Ciclosporin die Wirkung von Sirolimus enorm. Dies kann durch einen zeitlichen Abstand der Sirolimus-Einahme von vier Stunden zur Einnahme der Ciclosporin Mikroemulsion umgangen werden.

Auch der Einsatz zusammen mit Verstärkern des Enzymsystems sollte unterbleiben, da es zu Wirkungsverlusten und dann zu Abstoßungsrekationen kommen kann. Dies ist der Fall mit den Tuberkulose-Mitteln Rifampicin und Rifabutin, den Antiepileptika Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin, aber auch Johanniskraut (gegen Depressionen).

Blutdrucksenker aus der Gruppe der ACE-Hemmer können bei gleichzeitiger Verabreichung von Sirolimus zu Blutgefäßschwellungen, aber auch akuten Abstoßungsreaktionen führen.

Während einer Behandlung mit abwehrschwächenden Mitteln wie Sirolimus kann eine Impfung weniger wirksam sein. Der Arzt wird deshalb den Gebrauch von Lebendimpfstoffen während einer Behandlung vermeiden.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich während einer Langzeitbehandlung mit Sirolimus möglicherweise die Verstoffwechselung so ändert, dass die Wirksamkeit der "Pille" beeinträchtigt wird.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Behandlung mit dem Medikament muss von einem Spezialisten für Organtransplantation begonnen und überwacht werden.
  • Um eine Fettstoffwechselstörung frühzeitig zu erkennen, wird der Arzt die entsprechenden Blutwerte bei den behandelten Patienten regelmäßig kontrollieren.
  • Während der Behandlung ist die Haut sorgfältig vor UV-Betrahlung (Sonne, Sonnenbank) zu schützen.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament darf kein Grapefruitsaft getrunken werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Sirolimus?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Sirolimus enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
überzogene Tabletten

So wirkt Sirolimus

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Sirolimus. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Immunstärkende und -schwächende Mittel, zu welcher der Wirkstoff Sirolimus gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Sirolimus

Sirolimus wird bei Erwachsenen nach einer Nierentransplantation zur Vorbeugung einer Organabstoßung angewendet. Voraussetzung ist, dass die Patienten ein gut passendes Spenderorgan erhielten und somit ein geringes bis mittelgradiges Risiko einer Abstoßungsreaktion haben.

Der Wirkstoff wird zu Beginn der Behandlung in Kombination mit Ciclosporin als Mikroemulsion und Glukokortikoiden ("Kortison") für die Dauer von zwei bis drei Monaten eingesetzt. Die weitere Therapie zusammen mit Kortison ist nur dann möglich, wenn der Arzt Ciclosporin stufenweise geringer dosieren kann, um es dann ganz abzusetzen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Sirolimus sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Sirolimus

    Sirolimus gehört zur Wirkstoffgruppe der Immunstärkenden und -schwächenden Mittel, wobei es die körpereigene Abwehr mehr oder weniger unterdrückt.

    Kommt der Körper in Kontakt mit fremden Eiweißen, wie man sie zum Beispiel bei Erregern oder auch gespendeten Organe findet, aktiviert dies die sogenannten T-Zellen. Sirolimus hemmt diese Aktivierung, indem es die Übermittlung von Signalen unterdrückt, die das Fremdeiweiß in den Zellen auslöst. Studien zeigten, dass seine Wirkungen auf einem Mechanismus beruhen, der anders ist als der ähnlicher Substanzen wie beispielsweise Ciclosporin und Tacrolimus. Daher können diese Wirkstoffe verstärkend mit Sirolimus kombiniert werden. Letztendlich bewirkt Sirolimus, dass trotz der Anwesenheit des fremden Organs keine T-Zellen herbeigerufen werden, die ansonsten Eindringlinge sofort vernichten.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.