Olaparib

Allgemeines

Olaparib kommt nach einer Platin-Therapie (beispielsweise mit Cisplatin) von bestimmten Krebsformen des Eierstocks, der Eileiter oder des Bauchfells zum Einsatz. Es dient der Fortsetzung der Behandlung, wenn der Krebs nach einer zunächst erfolgreichen Platin-Therapie wieder aufgetreten ist und wenn im Erbgut der Patientinnen bestimmte Gene verändert sind, die normalerweise vor Krebs schützen (BRCA-Mutationen).

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Selbstreparatur von Krebszellen-Erbgut verhindern
  • Wachstum von Krebszellen hemmen
  • Wirkung von PARP-Enzymen ausschalten

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Olaparib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Olaparib nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Olaparib nicht verwendet werden.

Olaparib wirkt schädigend auf das blutbildende System. Der Arzt wird Patientinnen erst mit dem Wirkstoff behandeln, wenn sie sich von den einer vorangegangenen Krebstherapie erholt haben.

Nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Olaparib eingesetzt werden bei
  • Patientinnen mit einem hohen Risiko für Knochenmarkschäden und Blutkrebs. Dies ist vor allem bei Vorbehandlung mit Erbgut-schädigenden Krebsmedikamenten oder Strahlentherapie der Fall
  • Krebs und/oder Tochtergeschwulsten in der Lunge, bestehender Lungenerkrankung, Rauchen in der Vorgeschichte und/oder vorheriger Therapie mit Zytostatika und Bestrahlungen, weil solche Patientinnen häufiger eine Lungenentzündung bekommen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Olaparib hat im Tierversuch in der Schwangerschaft Schäden und Missbildungen der Nachkommen hervorgerufen.

Frauen im gebärfähigen Alter sollten daher während der Behandlung mit Olaparib nicht schwanger werden und bei Behandlungsbeginn nicht schwanger sein. Bei allen Patientinnen im gebärfähigen Alter wird der Arzt daher vor Behandlungsbeginn einen Schwangerschaftstest durchführen. Solche Frauen müssen während und noch einen Monat nach der letzten Einnahme des Wirkstoffs eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Olaparib die Wirkung der "Pille" abschwächt. Daher muss eine zusätzliche mechanische Verhütung (Kondom, Pessar) benutzt werden. Der Arzt wird möglicherweise während der Behandlung regelmäßige Schwangerschaftstests verlangen.

Es ist nicht bekannt, ob Olaparib oder seine Abbauprodukte beim Menschen in die Muttermilch übergehen. Aus Vorsichtsgründen darf während der Therapie und noch ein Monat nach Einnahme der letzten Dosis nicht gestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Olaparib bei Kindern und Jugendlichen ist nicht durch klinische Studien erwiesen.

Welche Nebenwirkungen kann Olaparib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Olaparib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Blutarmut, verminderter Appetit, Schwindel, Kopfschmerzen, Störungen des Geschmackssinns, Husten, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verdauungsstörungen, Erschöpfung, Schwäche.

Häufige Nebenwirkungen:
Mangel an Blutzellen (weiße Blutkörperchen, Blutplättchen, Neutrophile), Hautausschlag, Mundschleimhautentzündung, Schmerzen im Oberbauch, Anstieg des Kreatinin-Wertes im Blut

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Mangel an Lymphzellen, Überempfindlichkeit, Hautentzündung, vergrößerte rote Blutkörperchen

Besonderheiten:
Wird das Blutbild durch die Behandlung schwerwiegend beeinträchtigt, wird der Arzt die Therapie mit Olaparib unterbrechen und abwarten, ob sich die Beschwerden innerhalb von vier Wochen bessern.

Kommt es während der Behandlung zu Knochenmarkschäden, Blutkrebs oder Lungenentzündung, muss die Therapie abgebrochen werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Olaparib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Zusammen mit anderen Zytostatika verstärkt sich die schädliche Wirkung von Olaparib auf das Knochenmark. Deshalb wird der Arzt den Wirkstoff nicht mit anderen Krebsmedikamenten kombinieren.

Die Kombination von Olaparib mit Impfstoffen oder Wirkstoffen, die die körpereigene Abwehr schwächen, wurde nicht untersucht. Daher ist Vorsicht geboten, wenn diese gleichzeitig mit Olaparib angewendet werden. Solche Patientinnen wird der Arzt besonders sorgfältig überwachen.

Olaparib wird von einem leicht beeinflussbaren Enzym-System abgebaut. Starke Hemmstoffe der Enzyme führen dazu, dass sich der Wirkstoff im Körper anreichert, was zu Nebenwirkungen führt. Dazu gehören die Pilzmittel Fluconazol und Itraconazol, die Makrolid-Antibiotika Clarithromycin, Erythromycin und Telithromycin, HIV-1-Proteasehemmer (verstärkt mit Ritonavir oder Cobicistat), die Virenhemmer Boceprevir und Telaprevir sowie die Blutdrucksenker Diltiazem und Verapamil. Müssen diese Stoffe eingenommen werden, wird der Arzt die Dosis von Olaparib vermindern.

Im Gegensatz dazu schwächen Wirkstoffe, die das Enzym-System aktivieren, die Wirkung von Olaparib zum Teil erheblich ab. Daher wird abgeraten von der Kombination mit den Antiepileptika Phenytoin, Phenobarbital und Carbamazepin, den Tuberkulosemitteln Rifampicin, Rifapentin und Rifabutin, den Virenhemmern Efavirenz und Nevirapin, aber auch Johanniskraut (gegen Depressionen).

Weil Olaparib seinerseits das Enzym-System beeinflusst, sollte der Wirkstoff nicht mit anderen kombiniert werden, die schon in geringen Dosen giftig wirken oder starke Nebenwirkungen zeigen können. Zumindest müssen die Patientinnen dann besonders gut ärztlich überwacht werden. Zu solchen Wirkstoffen gehören die Statine Simvastatin, Rosuvastatin und Pravastatin, das Magenmittel Cisaprid, Mutterkornalkaloide (hauptsächlich gegen Migräne und Parkinson-Krankheit), das opioide Schmerzmittel Fentanyl, die Psychopharmaka Pimozid und Quetiapin, die Immunmodulatoren Ciclosporin, Sirolimus und Tacrolimus, der Blutverdünner Dabigatran, das Herzglykosid Digoxin und das Gichtmittel Colchicin. Vorsicht ist auch angebracht in Kombination mit dem Rheumamittel Methotrexat, den Antidiabetika Metformin, Glibenclamid und Repaglinid, dem Entwässerungsmittel Furosemid sowie den Blutdrucksenkern Bosentan und Valsartan.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Kommt es während der Behandlung zu Knochenmarkschäden, Blutkrebs oder Lungenentzündung, muss die Therapie mit dem Medikament abgebrochen werden.
  • Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und noch einen Monat nach der letzten Einnahme des Wirkstoffs außer der Pille eine zusätzliche Verhütungsmethode anwenden.
  • Die Therapie mit dem Medikament muss von einem erfahrenen Krebs-Arzt begonnen und überwacht werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Olaparib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Olaparib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Olaparib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Olaparib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Olaparib gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Olaparib

Olaparib kommt nach einer Platin-Therapie (beispielsweise mit Cisplatin) von bestimmten Krebsformen des Eierstocks, der Eileiter oder des Bauchfells zum Einsatz. Es dient der Fortsetzung der Behandlung, wenn der Krebs nach einer zunächst erfolgreichen Platin-Therapie wieder aufgetreten ist und wenn im Erbgut der Patientinnen bestimmte Gene verändert sind, die normalerweise vor Krebs schützen (BRCA-Mutationen).

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Olaparib sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Olaparib

Olaparib gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika.

Es gibt einige Gene im Erbgut, die vor Krebserkrankungen schützen. Dazu zählen bei Frauen die BRCA-Gene. Sie stehen für Enzyme, die Brüche von Seitensträngen des strickleiterförmigen Erbgut-Moleküls (DNA) reparieren. Solche Brüche können ansonsten zu Krebs, aber auch zum Zelltod führen. Sind diese Gene verändert, funktioniert der Schutz nicht mehr so gut. Auch alle Krebszellen erben die BRCA1/2-Mutation und haben daher diese "Sollbruchstelle" im Erbgut. Um sich dennoch erfolgreich zu vermehren, nutzen die Krebszellen andere Reparaturwerkzeuge für ihr Erbgut. Auch diese sind Enzyme, sogenannte PARP-Polymerasen. Sie binden sich an die DNA und ermöglichen das Einsetzen fehlender Bausteine.

Olaparib besetzt das aktive Zentrum der Enzyme, wodurch sie funktionslos an dem DNA-Molekül hängen und jede Reparatur blockieren. Krebszellen vermehren sich schneller und weisen mehr Erbgut-Fehler auf als normale Körperzellen. Daher kommt es durch den Wirkstoff vor allem zu einem Wachstumsstopp des Krebsgewebes.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.