Fumarsäureester

Allgemeines

Fumarsäureester (Dimethylfumarat und Ethylhydrogenfumarat) werden bei mittelschweren bis schweren Formen der Schuppenflechte als innerlich anzuwendendes Mittel, etwa als Tablette, eingesetzt. Sie kommen zur Anwendung, wenn eine äußerliche Behandlung zur Bekämpfung der Schuppenflechte nicht ausreicht.

Welchen Zwecken dient diese Wirkstoffkombination?

  • unkontrollierte Vermehrung von Hautzellen hemmen
  • Entzündungen der Haut hemmen
  • entzündungsfördernde Immunraktionen an Nervenbahnen unterdrücken
  • Aktivität von Erbanlagen verändern
  • Schutz gegen oxidativen Stress verstärken

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Fumarsäureester im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann dürfen Fumarsäureester nicht verwendet werden?

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Fumarsäureester oder verwandte Wirkstoffe sollten Fumarsäureester weder gegen Schuppenflechte, noch bei Multipler Sklerose eingesetzt werden. Fumarsäureester dürfen gegen Schuppenflechte nicht angewandt werden bei Patienten mit:
  • schweren Magen-Darm-Erkrankungen, wie zum Beispiel Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren
  • schweren Nieren- und Lebererkrankungen
  • pustulöser Schuppenflechte und leichten Formen der gemeinen Schuppenflechte.
Bei Multipler Sklerose muss der Arzt Nutzen und Risiko sorgfältig abwägen und die Behandlung darf nur mit Vorsicht stattfinden bei
  • niedriger Zahl weißer Blutkörperchen
  • schwerer Nieren- oder schwerer Leberfunktionsstörung
  • schwerer aktiver Magen-Darm-Erkrankung.
Hinweis:
Vor Beginn einer Multiple-Sklerose-Therapie muss der Arzt die Zahl der Lymphzellen (Lymphozyten) bestimmen und eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) des Gehirns anfertigen. Die Lymphozyten-Zahl muss alle drei Monate, wenn nicht öfter, untersucht werden. Zeigen sich Zeichen einer Gehirnschädigung, ist die Behandlung sofort abzubrechen.

Auch vor der Schuppenflechte-Therapie ist die Lymphozytenzahl ärztlich zu bestimmen und muss alle vier Wochen kontrolliert werden. Auch hier bedingt ein starker Abfall ein Ende der Behandlung.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher gibt es keine Anzeichen einer fruchtschädigenden Wirkung von Fumarsäureestern beim Menschen. Allerdings haben Tierexperimente sehr wohl Missbildungen an den Nachkommen gezeigt. Für Schuppenflechte gilt daher ein Anwendungsverbot des Wirkstoffs für Schwangerschaft und Stillzeit.

Die Anwendung zur Bekämpfung von Multipler Sklerose während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht zuverlässig verhüten, wird nicht empfohlen. Der Wirkstoff sollte nur eingesetzt werden, wenn es der Arzt für unbedingt nötig hält und er den Nutzen für die Mutter über das mögliche Risiko für das Ungeborene stellt.

Ein Übergang des Wirkstoffs in die Muttermilch kann nicht ausgeschlossen werden, deshalb ist eine Anwendung während der Stillzeit ebenfalls möglichst zu unterlassen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Schuppenflechte bei Kindern unter 18 Jahren sollte nicht mit Fumarsäureester behandelt werden.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Fumarsäureester bei Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 18 Jahren ist nicht durch klinische Studien erwiesen. Die Anwendung liegt daher im Ermessen des Arztes. Da Multiple Sklerose bei Kindern unter zehn Jahren nicht vorkommt, ist der Wirkstoff nicht zur Anwendung bei Personen dieser Altersgruppe geeignet.

Welche Nebenwirkungen können Fumarsäureester haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Fumarsäureester. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Nebenwirkungen bei der Behandlung von Schuppenflechte
Sehr häufige Nebenwirkungen:
Gesichtsrötung und Hitzegefühl am Anfang der Behandlung und zum Ende hin abnehmend, Durchfall, leichte Formen von Mangel an Lymphozyten,

Häufige Nebenwirkungen:
Völlegefühl, Oberbauchkrämpfe, Blähungen, schwere Formen von Lymphozyten-Mangel, vorübergehender Überschuss an unreifen Blutkörperchen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Übelkeit, Müdigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen, Leberwerterhöhung; Ausscheidung von Eiweiß im Harn; erhöhter Kreatinin-Wert im Blut.

Sehr seltene Nebenwirkungen
Bleibender Überschuss an unreifen Blutzellen, bleibender Mangel an allen Blutzellen, Blutkrebs (akute lymphatische Leukämie), allgemeine Knochenschmerzen, Erhöhung der Alkalischen Phosphatase.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Niererenversagen, Infektionen (Einzelfälle bei Patienten mit schwerem Mangel an weißen Blutkörperchen).

Nebenwirkungen bei der Behandlung Multipler Sklerose:
Sehr häufige Nebenwirkungen:
Durchfall, Übelkeit, Oberbauch-Schmerzen, Bauchschmerz, Ketonkörper im Urin.

Häufige Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Entzündung, Lymphozyten-Mangel, Mangel an weißen Blutkörperchen, Brennen, Hitzewallung, Erbrechen, Verdauungsstörung, Magenschleimhautentzündung, Magen-Darm-Erkrankung, Juckreiz, Ausschlag, Hautrötung, Eiweiß im Urin (auch Albumin), Wärmegefühl, erniedrigte Zahl weißer Blutkörperchen, erhöhte Leberwerte (ALAT, ASAT).

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeit.

Besonderheiten:
Vor der Behandlung und auch in regelmäßigen Abständen während der Therapie wird der Arzt ein großes Blutbild anfertigen und die Leber- und Nierenwerte prüfen.

Bei der Behandlung kann ein Hitzegefühl auftreten, das wahrscheinlich auf leichte allergische Reaktionen zurückzuführen ist. In seltenen Fällen führt dieses Gefühl zu Krankenhausaufenthalten. Eine Einnahme von 325 Milligramm Acetylsalicylsäure ohne magensaftresistenten Überzug 30 Minuten vor der Einnahme von Fumarsäureester kann das Auftreten und den Schweregrad des Hitzegefühls mindern. Eine langfristige Anwendung von Acetylsalicylsäure zur Behandlung von Hitzegefühl wird jedoch nicht empfohlen.

Entwickelt ein Patient eine schwerwiegende Infektion, wird der Arzt ein Aussetzen der Behandlung in Erwägung zu ziehen und Nutzen und Risiken vor Wiederaufnahme der Therapie überprüfen. Daher sind Anzeichen einer Infektion dem Arzt mitzuteilen. Patienten mit schwerwiegenden Infektionen dürfen die Behandlung erst nach Abklingen der Infektion wieder aufnehmen.

Bisher führten Behandlungen mit Fumarsäureestern vereinzelt zu Verminderung von Abwehrzellen (Lymphozyten) im Blut. Es kam dabei in der Folge zu Infektionen mit ungewöhnlichen Bakterien, einer speziellen Krebsform (Kaposi-Sarkom) oder Gehirnerkrankung (progressive multifokale Leukenzephalie; PML). Es kann davon ausgegangen werden, dass die durch Fumarsäureester verursachte Schwächung der körpereigenen Abwehr zu den Erkrankungen führt.

Welche Wechselwirkungen zeigen Fumarsäureester?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Fumarsäureester wurden nicht in Kombination mit Zytostatika oder Immunstärkenden oder -schwächenden Mitteln untersucht. Daher wird der Arzt bei der gleichzeitigen Anwendung Vorsicht walten lassen. Auch Impfungen während der Behandlung mit dem Wirkstoff wurden nicht untersucht. Es ist
nicht bekannt, ob eine Behandlung die Wirksamkeit von Impfstoffen vermindert. Lebendimpfstoffe könnten ein erhöhtes Risiko einer Infektion mit sich bringen. Der Arzt wird sie also nicht verabreichen, außer wenn in Ausnahmefällen das mögliche Risiko das Risiko einer Nichtimpfung überwiegt.

Während der Behandlung sollte die gleichzeitige (auch äußerliche) Anwendung von anderen Abkömmlingen der Fumarsäure unterbleiben. Ansonsten könnte es zur Anreicherung des Wirkstoffs im Körper und Überdosierungen kommen.

Bei Patienten mit Multipler Sklerose häufig angewendete Wirkstoffe wie Interferon beta-1a (in den Muskel gespritzt) und Glatiramer verändern ihre Wirkung in Gegenwart von Fumarsäureester nicht.

Eine gleichzeitige Behandlung mit nierenschädlichen Stoffen wie Aminoglycosid-Antibiotika, Entwässerungsmitteln, nicht-steroidalen Antirheumatika oder Lithium (gegen Depressionen und Psychosen) kann das Risiko von Nebenwirkungen an der Niere erhöhen.

Obwohl eine Wechselwirkung nicht erwartet wird, sollten statt der "Pille" nicht-hormonelle Verhütungsmethoden während der Behandlung verwendet werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit dem Medikament sind regelmäßige ärztliche Blutbildkontrollen, zu Beginn der Behandlung alle 14 Tage, erforderlich.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament sind regelmäßige ärztliche Kontrollen der Leber- und Nierenwerte erforderlich.
  • Bei weniger als 3.000 weiße Blutkörperchen pro Kubikmillimeter Blut oder erhöhten Kreatininwerten ist die Behandlung sofort abzubrechen.
  • Während der Behandlung kann die Anfälligkeit für Infektionen gesteigert sein.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Fumarsäureester?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Fumarsäureester enthalten sind.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
magensaft­resistente Tabletten
magensaft­resistente Tabletten
magensaft­resistente Tabletten

So wirkt Fumarsäureester

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Fumarsäureester. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Immunstärkende und -schwächende Mittel, innerlich anzuwendende Mittel gegen Schuppenflechte, Mittel gegen Schuppenflechte und Verhornungsstörungen, Entzündungshemmer, zu welcher die Wirkstoffe Fumarsäureester gehört.

Anwendungsgebiete der Wirkstoffe Fumarsäureester

Fumarsäureester (Dimethylfumarat und Ethylhydrogenfumarat) werden bei mittelschweren bis schweren Formen der Schuppenflechte als innerlich anzuwendendes Mittel, etwa als Tablette, eingesetzt. Sie kommen zur Anwendung, wenn eine äußerliche Behandlung zur Bekämpfung der Schuppenflechte nicht ausreicht.

Außerdem können Fumarsäureester (in Form von Dimenthylfumarat) auch zur Bekämpfung von schubförmig verlaufenden Formen der Multiplen Sklerose eingesetzt werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Fumarsäureester sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Fumarsäureester

Fumarsäureester wird einerseits der Wirkungsgruppe der innerlich anzuwendende Mittel gegen Schuppenflechte zugeordnet. Es hemmt Entzündungen der Haut und dient somit der Bekämpfung von Schuppenflechte.

Fumarsäureester beeinflussen das Enzym Succinatdehydrogenase, das für die Vermehrung der Hornhautzellen verantwortlich ist. Dadurch werden weniger Zellen abgestoßen. Gleichzeitig hemmen Fumarsäureester die Verbreitung von Granulozyten und T-Helferzellen in der Haut, wodurch in der Stachelzellschicht weniger Zellen abgestoßen werden.

Fumarsäureester werden aber auch zur Wirkstoffgruppe der Entzündungshemmer gerechnet und gegen schubförmig verlaufende Formen der Multiplen Sklerose eingesetzt. Diese scheinen nach heutiger Erkenntnis durch Entzündungsreaktionen an den Nervenbahnen verursacht zu sein. Der genaue Wirkmechanismus von Fumarsäureester ist nicht vollständig bekannt. Es scheint aber so zu sein, dass der Wirkstoff Erbanlagen aktiviert, die Grundage für die Herstellung antioxidativ wirkender Substanzen sind. In der Folge hat Fumarsäureester eine hemmende Wirkung auf überschießende Reaktionen des Immunsystems und wirkt entzündungshemmend.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.