Folinsäure

Allgemeines

Folinsäure wird wie die chemisch verwandte Folsäure eingesetzt, um die Giftigkeit und die Wirkung von Methotrexat bei der Krebs- oder Rheuma-Therapie oder bei Überdosierung bei Erwachsenen und Kindern zu verringern oder ihnen entgegenzuwirken. Ebenso wird Folinsäure gegen Nebenwirkungen und bei Überdosierung der Antibiotika Cotrimoxazol, Trimetrexat und Trimethoprim sowie des Malaria-Mittels Pyrimethamin verwendet.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Giftigkeit und Nebenwirkungen von Methotrexat, speziellen Antibiotika und Malaria-Mitteln vermindern
  • Wirkung des Krebsmittels 5-Fluorouracil steigern
  • Folsäuremangel ausgleichen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Folinsäure im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Folinsäure nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen Folinsäure oder bei Blutarmut (perniziöse Anämie oder andere Fomen durch Mangel an Vitamin B12) darf Folinsäure nicht angewendet werden. Eine Behandlung mit Folinsäure kann solche Formen der Blutarmut verschleiern.

 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt keine Hinweise, dass Folinsäure schädliche Wirkungen verursacht, wenn sie während der Schwangerschaft gegeben wird. Die Gefahr geht eher von den Wirkstoffen aus gegen oder mit denen zusammen Folinsäure angewendet wird:

So sollte Methotrexat während einer Schwangerschaft nur nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Prüfung eingesetzt werden. Sollte trotz Schwangerschaft oder Stillzeit eine Behandlung mit Methotrexat oder anderen Folsäure-Antagonisten, wie den Antibiotika Cotrimoxazol, Trimetrexat und Trimethoprim oder dem Malaria-Mittel Pyrimethamin, erfolgen, gibt es hinsichtlich der Anwendung von Folinsäure zur Verringerung der Nebenwirkungen keine Beschränkungen.

Die Anwendung von 5-Fluorouracil ist allgemein während der Schwangerschaft und während der Stillzeit verboten; dies gilt auch für die Kombination mit Folinsäure.

Ansonsten kann Folinsäure als Einzelwirkstoff während der Stillzeit angewandt werden, wenn der Arzt dies im Rahmen einer Behandlung als notwendig erachtet.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Zur Anwendung bei Kindern machen die Hersteller keine Angaben. Der Einsatz liegt demnach im Ermessen des Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Folinsäure haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Folinsäure. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Fieber.

Seltene Nebenwirkungen:
Anstieg der Anfallshäufigkeit bei Epileptikern.
nach hohen Dosen:
Schlaflosigkeit, Unruhe, Depression, Magen-Darm-Störungen.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
allergische Reaktionen (einschließlich Schock und Nesselsucht).

Wird Folinsäure zu 5-Fluorouracil kombiniert, kommt es sehr häufig zu Übelkeit und Erbrechen sowie schweren Reizungen der Schleimhäute. Durchfall und Mundentzündungen sind ein Zeichen der Nebenwirkung auf die Schleimhäute. Der Arzt wird solche Patienten sorgfältig überwachen und je nach Ausprägung der Beschwerden die Therapie sofort abbrechen, längere Therapiepausen vorschreiben oder die Dosis von 5-Fluorouracil vermindern.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Folinsäure?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wenn Folinsäure in Verbindung mit einem Folsäure-Antagonisten wie den Antibiotika Cotrimoxazol, Trimetrexat und Trimethoprim oder dem Malaria-Mittel Pyrimethamin gegeben wird, kann die Wirksamkeit des Folsäure-Antagonisten vermindert oder vollständig aufgehoben sein.

Bei Epileptikern, die mit Phenobarbital, Phenytoin, Primidon und Succinimid behandelt werden, besteht das Risiko, dass die Häufigkeit der Anfälle zunimmt. Folinsäure senkt nämlich die Konzentration der Antiepileptika im Blut. Während der Anwendung von Folinsäure und nach dem Ende der Therapie damit wird der Arzt den Patienten besonders sorgfältig überwachen und, falls notwendig, eine Dosisveränderung des Antiepileptikums vornehmen.

Die gleichzeitige Anwendung mit 5-Fluorouracil hat gezeigt, dass Folinsäure die Wirksamkeit und Giftigkeit des Zytostatikums verstärkt. Außerdem kann eine Mischinfusion des Calciumsalzes von Folinsäure (Calciumfolinat) mit 5-Fluorouracil aufgrund von Kristallbildungungen ein unkalkulierbares Risiko für die Patienten darstellen. Aus diesem Grund darf der Wirkstoff auch nicht gemeinsam mit dem Neuroleptikum Droperidol, dem virenhemmenden Mittel Foscarnet oder Methotrexat (gegen Rheuma und Krebs) in einer Mischinfusion gegeben werden.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament darf nicht mit 5-Fluorouracil, Droperidol, Foscarnet oder Methotrexat mit der gleichen Injektion oder Infusion gemischt werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Folinsäure?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Folinsäure enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform
Calciumfolinat Kabi 10 mg/ml Injektions-/ Infusionslösung
Infusionslösung
Calciumfolinat onkovis 10 mg/ml Injektionslösung
Injektionslösung

 

So wirkt Folinsäure

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Folinsäure. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Vitamine, zu welcher der Wirkstoff Folinsäure gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Folinsäure

Folinsäure wird wie die chemisch verwandte Folsäure eingesetzt, um die Giftigkeit und die Wirkung von Methotrexat bei der Krebs- oder Rheuma-Therapie oder bei Überdosierung bei Erwachsenen und Kindern zu verringern oder ihnen entgegenzuwirken. Ebenso wird Folinsäure gegen Nebenwirkungen und bei Überdosierung der Antibiotika Cotrimoxazol, Trimetrexat und Trimethoprim sowie des Malaria-Mittels Pyrimethamin verwendet.

Folinsäure findet Anwendung in Kombination mit dem Zytostatikum 5-Fluorouracil in der Behandlung des fortgeschrittenen End- und Dickdarmkrebses und solchen Formen, die bereits Tochtergeschwulste gebildet haben. Auch wird Folinsäure nach vorausgegangener völliger Entfernung des ursprünglichen Dickdarmkrebses eingesetzt, um mögliche gestreute Zellen abzutöten.

Ein zusätzliches Anwendungsgebiet für Folinsäure sind Folsäuremangelzustände unterschiedlicher Ursache, die durch eine Diät nicht zu beheben sind. Dies kann bei vollständiger Ernährung über die Blutbahn und schweren Störungen der Nährstoffaufnahme der Fall sein. Folinsäure wird auch bei der Behandlung einer bestimmten Form der Blutarmut (Megaloblasten-Anämie durch Folsäuremangel) eingesetzt, wenn die Einnahme von Folsäure nicht möglich ist.

Folinsäure kann auch eingenommen werden, wird aber meist in Form einer Injektionslösung angewendet.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Folinsäure sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Folinsäure

Folinsäure kann, wie die mit ihr chemisch verwandte Folsäure, der Wirkstoffgruppe der Vitamine zugerechnet werden. Sie stellt ein aktives Stoffwechselprodukt der Folsäure dar und ist für die Produktion des Erbgutes unerlässlich.

Da sich Krebszellen sehr schnell teilen, benötigen sie besonders viel Erbgut. Daher leiden sie auch als erste unter einem Folsäure- und/oder Folinsäuremangel. Um diesen künstlich herbeizuführen, werden Folsäure-Antagonisten wie beispielsweise Methotrexat eingesetzt. Methotrexat hemmt einerseits ein Enzym, das Folsäure in ihre aktive Form, die Folinsäure überführt. Zudem benutzen Folinsäure wie Methotrexat die gleiche "Fähre" (englisch: Carrier), um in die Körperzellen transportiert zu werden. Je nach Überangebot an dem einen oder anderen Wirkstoff gelangt mehr Methotrexat oder mehr Folinsäure in die Zellkerne.

Folinsäure muss nicht erst durch das Methotrexat-empfindliche Enzym "aufbereitet" werden und steht so als Konkurrent um den Carrier sofort zur Verfügung. Damit kann es die Giftigkeit von Methotrexat herabsetzen und seinen Effekten entgegenwirken. Ebenso wird Folinsäure gegen die Nebenwirkungen der als Antibiotika gebräuchlichen Folsäure-Antagonisten Cotrimoxazol, Trimetrexat und Trimethoprim sowie des Malaria-Mittels Pyrimethamin verwendet.

Ein weiterer Vorteil der Folinsäure ist die Wirkungssteigerung von 5-Fluorouracil. Dieses Zytostatikum hemmt unter anderem ein Enzym, das einen wichtigen Baustein des Erbgutes herstellt. Folinsäure verstärkt die Hemmung, indem es den Komplex aus Enzym und 5-Fluorouracil stabilisiert und dessen Aktivität erhöht.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.