Exenatid

Allgemeines

Exenatid wird zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt. Die Anwendung erfolgt ausschließlich in Kombination mit oralen Antidiabetika wie Metformin und/oder Präparaten aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe und Abkömmlinge. Diese Form der Therapie ist für Patienten bestimmt, bei denen mit der maximal verträglichen Dosis von Medikamenten zum Einnehmen keine angemessene Blutzuckerkontrolle erreicht werden kann.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Blutzucker-Kontrolle verbessern
  • Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse fördern
  • Zuckerfreisetzung aus der Leber hemmen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Exenatid im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Exenatid nicht verwendet werden?

Exenatid darf nicht gegeben werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Diabetes mellitus vom Typ 1 oder bei Typ 2-Diabetikern, bei denen eine Insulin-Therapie aufgrund eines Versagens der Betazellen der Bauchspeicheldrüse erforderlich ist
  • zur Behandlung der diabetischen Ketoazidose
  • schweren Magen-Darm-Erkrankungen (beispielsweise Magenlähmung) wegen des Risikos von Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen
  • einer nicht mehr funktionierenden Niere oder einer schweren Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 30 Milliter/Minute).
Nur unter großer ärztlicher Vorsicht sollte die Behandlung von Patienten mit einer mäßigen Einschränkung der Nierenfunktion erfolgen, da es nur sehr wenige Erfahrungen mit der Anwendung des Wirkstoffs bei diesem Personenkreis gibt.

Besonderheiten:
Eine Gabe von Exenatid in die Venen oder Muskeln wird nicht empfohlen. Die Einspritzung sollte unter die Haut erfolgen.

Bisher wurden noch zu wenige Studien mit Exenatid an schlanken Patienten (BMI unter 25) gemacht, um eine Behandlung derselben mit dem Wirkstoff zu empfehlen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher gibt es noch keine ausreichenden Studien zur Behandlung von Schwangeren mit dem Wirkstoff, um das mögliche Risiko für das Kind abzuschätzen. In Tierstudien zeigten sich allerdings nachteilige Folgen der Gabe an Muttertiere. Das mögliche Risiko für den Menschen ist nicht bekannt, daher sollte Exenatid während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Hier ist der Einsatz von Insulin zu empfehlen. Möchte eine Patientin schwanger werden, oder tritt eine Schwangerschaft während der Behandlung ein, sollte die Therapie mit dem Wirkstoff abgebrochen werden.

Es ist nicht bekannt, ob Exenatid in die Muttermilch ausgeschieden wird. Daher verbietet sich ein Einsatz bei stillenden Müttern.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Gabe von Exenatid an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wurde nicht in Studien geprüft und ist daher nicht erlaubt.

Welche Nebenwirkungen kann Exenatid haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Exenatid. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Da Exenatid ausschließlich mit anderen Medikamenten kombiniert zum Einsatz kommt, unterscheiden sich die Nebenwirkungen teilweise hinsichtlich der Kombinationspartner (in Klammern angegeben).

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Unterzuckerung (mit Metformin und einem Sulfonylharnstoff, mit Sulfonylharnstoff allein), Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.

Häufige Nebenwirkungen:
Appetitverminderung, Gewichtsverlust, Verdauungsstörungen, Bauchbeschwerden, Sodbrennen, Blähungen, vermehrtes Schwitzen, innere Unruhe, Schwäche, Reizung an der Injektionsstelle.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Allergische Reaktion.

Nebenwirkungen ohne Angabe der Häufigkeit:
Austrocknung (meist durch Durchfall oder Erbrechen), Kreatinin-Werterhöhung, Geschmacksstörungen, Schläfrigkeit, Aufstoßen, Verstopfung, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Hautflecken, Hautbläschen, Juckreiz, Nesselsucht, angioneurotisches Ödem, Thromboplastinzeit-Erhöhung (bei gleichzeitiger Behandlung mit Warfarin zur Blutverdünnung).

Besonderheiten:
Bei Patienten mit ausgefallener Nierenfunktion, die eine Blutwäsche erhalten, muss Exenatid besonders vorsichtig dosiert werden. Einzeldosen von fünf Mikrogramm Exenatid vergrößerten die Häufigkeit und den Schweregrad von Magen-Darm-Nebenwirkungen.

Möglicherweise erhöht Exenatid das Risiko einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung. Treten daher während der Behandlung mit dem Wirkstoff Bauchschmerzen, begleitet von Übelkeit und Erbrechen auf, sollte sofort ein Arzt verständigt werden. Bestätigt sich die Vermutung einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, muss die Behandlung mit Exenatid beendet werden. Bevor nicht eine andere Ursache für die Bauchspeicheldrüsenentzündung gesichert festgestellt wurde, sollte die Behandlung nicht fortgesetzt werden.

Es scheint auch ein erhöhtes Risiko für Krebs der Bauchspeicheldrüse zu bestehen. Dieser geht meist mit einem unerklärlich hohen Gewichtsverlust einher, sodass ein solcher als Alarmsignal für entsprechende ärztliche Untersuchungen sein sollte.

Welche Wechselwirkungen zeigt Exenatid?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Exenatid verlangsamt die Magenentleerung und kann daher die Aufnahme anderer Wirkstoffe in den Körper verlangsamen oder vermindern. Das wirkt sich vor allem auf Medikamente aus, die nur in ganz bestimmten Konzentrationen wirken, wie zum Beispiel Herzglycoside. Patienten, die solche Medikamente erhalten, müssen während der Therapie mit Exenatid sorgfältig ärztlich kontrolliert werden. Außerdem sollten solche Medikamente zu Mahlzeiten eingenommen werden, bei denen kein Exenatid gegeben wird. Bei Medikamenten, deren Wirkung im besonderen Maße von einer Mindestkonzentration abhängt, wie Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung ("Pille") oder Antibiotika, müssen diese mindestens eine Stunde vor der Injektion von Exenatid eingenommen werden.

Magensaftresistente Zubereitungen, die Substanzen enthalten, die im Magen leicht abgebaut werden können wie beispielsweise Protonenpumpenhemmer, sollten mindestens eine Stunde vor oder vier Stunden nach einer Exenatid-Injektion eingenommen werden.

Exenatid erniedrigt die Blutkonzentration von Blutfettsenkern aus der Wirkstoffgruppe der Statine. Obwohl eine Dosisanpassung nicht unbedingt erforderlich ist, sind Veränderungen der Blutfettwerte möglich. Deshalb sollten diese in regelmäßigen Abständen ärztlich kontrolliert werden.

Bei Patienten, die zur Blutverdünnung mit Warfarin und/oder anderen Antikoagulanzien zum Einnehmen behandelt werden, sollte während des Beginns der Therapie sowie während der Erhöhung der Exenatid-Dosis die Blutgerinnung (Thromboplastinzeit) häufig vom Arzt kontrolliert werden.

Die gleichzeitige Gabe von Exenatid mit anderen, den Blutzuckerspiegel senkenden Wirkstoffen wie Insulin, Meglitinid und Nateglinid sowie Acarbose wurde nicht untersucht und kann nicht empfohlen werden.

Wird Exenatid in Kombination mit einem Blutzuckerspiegelsenker aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe gegeben, kann es zu Unterzuckerungen kommen. Um das mit der gleichzeitigen Gabe von Sulfonylharnstoff verbundene Risiko einer Unterzuckerung abzuschwächen, muss die Sulfonylharnstoff-Dosis möglicherweise vom Arzt verringert werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Zur Einspritzung des Medikaments sollte bei der Einnahme der meisten anderen Medikamente ein zeitlicher Abstand von mindestens einer Stunde gewahrt bleiben.
  • Das Medikament ist ausschließlich für die Einspritzung unter die Haut bestimmt.
  • Das Medikament ist nicht zur Behandlung von Diabetes Typ 1- oder Insulin-bedürftigen Diabetes Typ 2-Patienten geeignet.
  • Bei Kombination des Medikaments mit Blutverdünnern muss die Gerinnung häufig vom Arzt überprüft werden.
  • Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen während der Behandlung können Zeichen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sein. Es sollte sofort ein Arzt verständigt werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Exenatid?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Exenatid enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Exenatid

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Exenatid. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antidiabetika, zu welcher der Wirkstoff Exenatid gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Exenatid

Exenatid wird zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt. Die Anwendung erfolgt ausschließlich in Kombination mit oralen Antidiabetika wie Metformin und/oder Präparaten aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe und Abkömmlinge. Diese Form der Therapie ist für Patienten bestimmt, bei denen mit der maximal verträglichen Dosis von Medikamenten zum Einnehmen keine angemessene Blutzuckerkontrolle erreicht werden kann.

Bei Exenatid handelt es sich um ein Eiweiß aus mehreren Aminosäuren. Weil ein solches Eiweiß im Magen-Darm-Kanal zerstört wird, kann es nicht eingenommen, sondern muss gespritzt werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Exenatid sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Exenatid

Die Verarbeitung von Zucker im Körper durch Insulin wird durch das sogenannte Inkretin-System gesteuert. Mit Inkretin sind zwei Hormone gemeint, die vom Darm gebildet werden: das Gastric Inhibitory Polypeptide (GIP) und das stärker wirksame Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1), wie sie in der Fachsprache auf englisch genannt werden. Enthält das die Darmwand durchströmende Blut zu viel Zucker (Glucose), werden beide Hormone ausgeschüttet und veranlassen die Produktion von Insulin durch die Bauchspeicheldrüse. Dabei bestimmt der Glucose-Gehalt des Blutes die Wirkstärke der Hormone - bei viel Glucose veranlassen sie die Ausschüttung von viel Insulin.

Exenatid ist ein künstlich hergestellter Eiweißkörper, also eine Kette von aneinandergehängten Aminosäuren (den Eiweißbausteinen). Sein Wirkmechanismus besteht aus drei Effekten.
  • Die Abfolge der Aminosäuren von Exenatid ist der des natürlichens Hormon GLP-1 sehr ähnlich. Der Wirkstoff bindet sich an die gleichen Rezeptoren wie das natürliche Hormon Inkretin und vermag sie zu aktivieren, weshalb Exenatid auch als "Inkretin-Mimetikum" bezeichnet wird. Wie das natürliche Hormon GLP-1 erhöht Exenatid, abhängig von der Zuckerkonzentration im Blut, die Produktion von Insulin durch die insulinbildenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Bei sinkender Blutzuckerkonzentration geht die Insulin-Produktion dann wieder zurück. So kommt es nicht zu einer Unterzuckerung des Patienten. Wurde Exenatid in Studien mit dem oralen Antidiabetikum Metformin kombiniert, schützte es vor Metformin-verursachten Unterzuckerungen.
  • Bei Unterzuckerungen sorgt die Leber, gesteuert durch das Hormon Glucagon, für eine Freisetzung von Zucker in das Blut. Bei Patienten mit Diabetes mellitus vom Typ 2 ist die Glucagonproduktion unangemessen erhöht. Weil die Leber dadurch zusätzlich Zucker in das Blut entlässt, verschärft sich die Zuckerkrankheit. Exenatid normalisiert die Produktion des Hormons Glucagon, so dass lediglich die Menge zur Verfügung steht, die Unterzuckerungen verhindert.
  • Exenatid verlangsamt die Entleerung des Magens und vermindert dadurch die Geschwindigkeit, in der mit der Nahrung aufgenommener Zucker in die Blutbahn gelangt.
Alle diese Wirkungen zusammengenommen, verbessert Exenatid bei Patienten mit Typ 2-Diabetes die Kontrolle des Blutzuckerspiegels mittels eines Sofort- und Langzeiteffekts sowohl im nüchternen Zustand wie nach Mahlzeiten.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.