Acarbose

Allgemeines

Acarbose wird bei der Behandlung der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) zusätzlich zu diätetischen Maßnahmen eingesetzt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Kohlenhydrateabbau im Darm verzögern
  • Glucoseaufnahme im Darm verzögern
  • Blutzuckeranstieg nach der Nahrungsaufnahme bei Alterszucker verlangsamen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Acarbose im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Acarbose nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen Acarbose darf der Wirkstoff nicht gegeben werden.

Chronische Erkrankungen des Darmes, bei denen die Verdauung und die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm gestört sind, stellen Gegenanzeigen dar. Acarbose sollte ebenfalls nicht eingesetzt werden, wenn Erkrankungen des Darms vorliegen, die sich durch eine verstärkte Gasbildung im Darm verschlechtern könnten. Hier sind beispielsweise größere Eingeweidebrüche, Verengungen und Geschwüre des Darms zu nennen.

Acarbose darf außerdem nicht bei starker Einschränkung der Nierenfunktion und während Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Für die Anwendung von Acarbose bei schwangeren Frauen und stillenden Müttern liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Acarbose sollte daher bei diesen Patientengruppen nicht eingesetzt werden.

Acarbose reguliert den Blutzuckerspiegel nicht so zuverlässig wie Insulin. Durch auftretende massiv überhöhte Blutzuckerspiegel (Hyperglykämien) während der Schwangerschaft kommt es zu einer erhöhten Fehlbildungsrate. Daher muss vor einer geplanten Schwangerschaft Acarbose abgesetzt und der Blutzucker mit Insulin eingestellt werden. Tritt während der Therapie mit Acarbose eine Schwangerschaft ein, so muss das Medikament sofort durch eine Insulintherapie ersetzt werden. In diesem Fall muss die Entwicklung des Kindes durch Ultraschallfeindiagnostik kontrolliert werden.
Es sollte auf jeden Fall versucht werden, den Blutzuckerspiegel mit Insulin gut einzustellen.

Auch während der Stillzeit muss noch auf die Einnahme von Acarbose verzichtet werden und die Blutzuckereinstellung mit Insulin erfolgen. Die Einnahme einer einzelnen Dosis von Acarbose erfordert jedoch kein Abstillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollen Acarbose nicht einnehmen, da keine ausreichenden Erfahrungen über die Behandlung mit Acarbose vorliegen. Die Einstellung des Blutzuckerspiegels erfolgt bei dieser Altersgruppe in der Regel mit Insulin.

Welche Nebenwirkungen kann Acarbose haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Acarbose. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Blähungen, Darmgeräusche

Häufige Nebenwirkungen:
Bauchschmerzen, Durchfall

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Übelkeit

Seltene Nebenwirkungen:
Anstieg der Leberenzyme

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Verstopfung, Darmverschluss und Darmbewegungseinschränkung (Subileus ), Überempfindlichkeitsreaktionen (Hautbläschen, Rötung, Ausschlag, juckender Nesselausschlag), Gelbsucht und/oder Leberentzündung und damit verbundene Leberschäden, Wassereinlagerungen vorwiegend im Bereich der Beine

Besonderheiten:
Bei der Behandlung mit Acarbose gelangen unverdaute Kohlenhydrate in tiefere Darmabschnitte. Im Dickdarm werden solche Kohlenhydrate durch dort vorhandene Darmbakterien abgebaut. Dabei entstehen unter anderem organische Säuren und Gase wie Kohlendioxid, Methan und Wasserstoff. Diese Abbauprodukte sind für die wesentlichen Nebenwirkungen der Acarbose verantwortlich. Diese treten besonders zu Beginn einer Behandlung mit Acarbose auf. Durch eine allmähliche Aktivitätssteigerung der a-Glukosidasen im Dünndarm während der ersten Behandlungswochen gelangen schließlich weniger unverdaute Kohlenhydrate in den Dickdarm. Auch eine zuckerarme Ernährung hilft, die genannten Beschwerden zu vermeiden.

In Japan wurden einzelne Fälle von bedrohlichem Leberversagen beobachtet, wobei der Zusammenhang mit der Einnahme von Acarbose unklar ist.

Welche Wechselwirkungen zeigt Acarbose?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die gleichzeitige Einnahme von Cholestyramin (Gallemittel), säurebindenden Mitteln (Antazida), Verdauungsenzymen oder adsorbierenden Stoffen wie beispielsweise medizinischen Kohletabletten kann die Wirksamkeit von Acarbose vermindern.

Andere Mittel bei Diabetes mellitus (wie beispielweise Insulin, Metformin oder Sulfonylharnstoffe und Abkömmlinge) können in ihrer Wirkung unter Acarbosebehandlung derartig verstärkt werden, dass Unterzuckerungen (Hypoglykämien) auftreten können. Zum schnellen Ausgleich der Unterzuckerung kommt nur Traubenzucker in Frage. Haushaltszucker ist wegen der verzögerten Zuckeraufspaltung im Darm unter Acarbose für einen schnellen Ausgleich ungeeignet.

Die Aufnahme des herzwirksamen Glykosids Digoxin aus dem Darm und damit dessen Wirkung kann durch Acarbose verringert werden.

Haushaltszucker (Rohrzucker oder auch Saccharose) und Nahrungsmittel mit diesem Zucker können Durchfall und Darmbeschwerden wie schmerzhafte Blähungen etc. verursachen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • In den ersten sechs bis zwölf Behandlungsmonaten müssen die Leberwerte regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament muss eine Diabetesdiät auch weiterhin eingehalten werden.
  • Ein Therapieabbruch sollte wegen einem möglichen Anstieg des Blutzuckers nur mit Wissen des Arztes erfolgen.
  • Die Behandlung mit dem Medikament muss in den Diabetikerausweis eingetragen werden.
  • Unterzuckerungen, die durch das Medikament und die gleichzeitige Gabe von Insulin-, Metformin- oder Sulfonylharnstoff-Präparaten auftreten, müssen mit Traubenzucker behandelt werden, weil Haushaltszucker (Rohrzucker) zu langsam wirkt.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Acarbose?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Acarbose enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Acarbose

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Acarbose. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen orale Antidiabetika, Antidiabetika, zu welcher der Wirkstoff Acarbose gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Acarbose

Acarbose wird bei der Behandlung der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) zusätzlich zu diätetischen Maßnahmen eingesetzt.

Bei Diabetes mellitus vom Typ 2 kann Acarbose allein und in Kombination mit anderen oralen Antidiabetika, wie Metformin oder Sulfonylharnstoffen und Abkömmlingen verwendet werden. Acarbose kann bei Typ-2-Diabetikern auch zusammen mit Insulin verabreicht werden.

Beim Diabetes mellitus vom Typ 1 ist Acarbose zwar auch für die Behandlung zugelassen, kommt dort aber nur in Einzelfällen zur Anwendung.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Acarbose sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Acarbose

Acarbose ähnelt in seiner Struktur einem Vierfachzucker. Da es jedoch kein echter Mehrfachzucker ist, wird Acarbose durch die a-Glucosidase (Kohlenhydrat-spaltendes Enzym) nicht abgebaut, sondern hemmt im Gegenzug dieses Enzym. Dadurch wird der Abbau von Kohlenhydraten im Dünndarm und die Aufnahme von Glucose und anderen Einfachzuckern (Monosacchariden) ins Blut zwar nicht verhindert, aber deutlich verzögert. Der Anstieg des Blutzuckerspiegels nach dem Essen erfolgt somit langsamer und ist weniger ausgeprägt.

Entscheidend für eine gute Wirkung ist allerdings der Einnahmezeitpunkt: Die maximale Wirksamkeit wird erreicht, wenn Acarbose zeitgleich zu Beginn der Hauptmahlzeit eingenommen wird. Bei einer späteren Einnahme verliert Acarbose deutlich an Wirksamkeit.

Die Aufnahme bereits in der Nahrung vorhandener Einfachzucker, wie beispielsweise Glucose, wird durch Acarbose nicht behindert. Auch Milchzucker, der durch andere Enzyme abgebaut wird, kann weiterhin aufgenommen werden.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.