Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid

Allgemeines

Die Kombination wird zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen eingesetzt, die mit dem HI-Virus (dem Erreger von AIDS) infiziert sind. Voraussetzung ist, das das Virus dem Stamm Humanes Immundefizienzvirus 1 angehört und keine Veränderung aufweist, die es widerstandfähig (resistent) gegen einen der Kombinationspartner macht.

Außerdem darf die Kombination erst ab einem Alter von zwölf Jahren oder einem Körpergewicht von 35 Kilogramm verwendet werden.

Welchen Zwecken dient diese Wirkstoffkombination?

  • das Enzym "Reverse Transkriptase" hemmen
  • die Übersetzung des Viren-Erbguts in das der Zelle unterbinden
  • Virenvermehrung behindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann dürfen Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen einen der Kombinationspartner darf der Wirkstoff nicht eingesetzt werden.

Die Kombination darf nicht gleichzeitig mit Substanzen angewendet werden, die zu einem deutlichen Absinken der Rilpivirin-Konzentration im Blut und nachfolgend zu einem Verlust der Wirkung führen können. Dazu gehören die Antiepileptika Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital und Phenytoin, die Tuberkulose-Mittel Rifabutin, Rifampicin und Rifapentin sowie Johanniskraut (gegen Depressionen), weil sie den Abbau von Rilpivirin im Körper fördern. Auch die Einnahme säurehemmender Mittel wie Omeprazol, Esomeprazol, Dexlansoprazol, Lansoprazol, Pantoprazol, Rabeprazol und mehrfacher Einsatz von Dexamethason sollten unterbleiben, weil sie den Säuregrad im Magen herabsetzen und damit die Aufnahme von Rilpivirin in den Körper behindern.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf die Kombination angewendet werden bei:
  • Patienten mit Herzrhythmusstörungen, weil sich diese verschlimmern können
  • chronischer Leberentzündung (Hepatitis B oder C) oder anderer Lebererkrankungen, weil hier ein erhöhtes Risiko für das Auftreten schwerwiegender Leber-Nebenwirkungen besteht
  • fortgeschrittener HIV-Infektion, weil es vermehrt zu Knochenabbau kommen kann
  • Niererkrankungen, weil sich diese vielleicht durch Tenofovir verschlimmern können.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Behandlung mit der Kombination muss eine zuverlässige Verhütungsmethode angewendet werden.

Bisher gibt es keine angemessenen und gut kontrollierte Studien zur Anwendung der Kombination bei Schwangeren. Weitreichende Erfahrungen mit schwangeren Frauen (mehr als 1.000 beendete Schwangerschaften bei Behandelten) deuten jedoch nicht auf ein Risiko für Missbildungen oder Fehlgeburten hin. Dennoch wird der Arzt die Kombination während der Schwangerschaft nur anwenden, wenn der Nutzen das mögliche Risiko für das ungeborene Kind rechtfertigt.

Emtricitabin geht in die menschliche Muttermilch über. Es ist nicht bekannt, ob dies auch bei Rilpivirin oder Tenofoviralafenamid der Fall ist, wie in den Tierexperimenten gesehen. Auch über die Auswirkungen der Wirkstoffe auf Neugeborene / Kleinkinder ist nichts bekannt. Deshalb sollte die Kombination in der Stillzeit nicht angewendet werden. Überhaupt wird empfohlen, dass HIV-infizierte Frauen ihre Kleinkinder auf keinen Fall stillen, um eine Übertragung der Krankheit auf das Kind zu vermeiden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Kombination darf nicht bei Kindern angewendet weren, die jünger als zwölf Jahre oder leichter als 35 Kilogramm sind.

Welche Nebenwirkungen können Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Veränderte Blutfettwerte (erhöhtes GesamtCholesterin und LDL), Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, erhöhte Werte von Bauchspeicheldrüsen-Enzymen (Amylase), erhöhte Leberwerte (ASAT, ALAT)

Häufige Nebenwirkungen:
Verminderte Zahl von Blutbestandteilen (Weiße Blutkörperchen, Blutplättchen, verminderter Blutfarbstoff), verminderter Appetit, erhöhte Triglyceride, Depression, depressive Verstimmung, unnnormale Träume, Schlafstörungen, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Bauchbeschwerden, Erbrechen, erhöhte Lipase-Werte, trockener Mund, Blähungen, Durchfall, erhöhtes Bilirubin, Hautausschlag

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Blutarmut, überschießende Reaktion der körpereigenen Abwehr (Immun-Reaktivierungs-Syndrom), Verdauungsstörungen, schwere Hautreaktionen mit Körperbeteiligung, Blutgefäßschwellung, Juckreiz, Gelenkschmerzen

Welche Wechselwirkungen zeigen Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Mit folgenden Substanzen darf die Kombination nicht zusammmen angewendet werden, weil sie die Wirkung zu stark abschwächen:
  • den Tuberkulose-Mitteln Rifampicin, Rifapentin und Rifabutin
  • den Antiepileptika Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital und Phenytoin
  • dem Glukokortikoid Dexamethason
  • den säurehemmenden Mitteln Omeprazol, Lansoprazol, Rabeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol und Dexlansoprazol
  • dem Antidepressivum Johanniskraut.
Folgende Substanzen können zu Wirkungsveränderungen führen:Besonderheiten:
Von den säurehemmenden Mitteln aus der Gruppe der H2-Blocker (Cimetidin, Famocidin, Nizatidin, Ranitidin) sollten nur solche gleichzeitig zur Anwendung kommen, die einmal täglich dosiert werden können. Es ist streng darauf zu achten, den Säureblocker mindestens zwölf Stunden vor oder mindestens vier Stunden nach der Kombination einzunehmen. Auch mineralische Antazida (Bullrich-Salz) dürfen nur entweder mindestens zwei Stunden davor oder mindestens vier Stunden später eingenommen werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Behandlung mit dem Medikament darf nur von Ärzten begonnen werden, die in der AIDS-Therapie erfahren sind.
  • Es kann durch die Behandlung zu Erschöfung, Schwindel und Schläfrigkeit kommen, die Autofahren und die Maschinenbedienung gefährlich machen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid enthalten sind.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe virenhemmende Mittel, zu welcher die Wirkstoffkombination Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid gehört.

Anwendungsgebiet der Wirkstoffkombination Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid

Die Kombination wird zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen eingesetzt, die mit dem HI-Virus (dem Erreger von AIDS) infiziert sind. Voraussetzung ist, das das Virus dem Stamm Humanes Immundefizienzvirus 1 angehört und keine Veränderung aufweist, die es widerstandfähig (resistent) gegen einen der Kombinationspartner macht.

Außerdem darf die Kombination erst ab einem Alter von zwölf Jahren oder einem Körpergewicht von 35 Kilogramm verwendet werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Emtricitabin + Rilpivirin + Tenofoviralafenamid

In der Kombination ergänzen sich die Effekte der Partner aus der Wirkstoffgruppe der virenhemmenden Mittel.

Emtricitabin ist ein Hemmstoff des Enzyms Reverse Transkriptase. Im Körper wird der Wirkstoff zu Emtricitabin-Triphosphat verwandelt und ähnelt damit einem Baustein des Erbgutes. Als solcher verdrängt es die natürlichen Bausteine vom "weiterverarbeitenden" Enzym Reverse Transkriptase und hemmt so die "Übersetzung" des Virus-Erbgutes in das der befallenen Zelle. Emtricitabin zeigt Wirkung gegen die HI-Viren vom Typ 1 und 2 sowie gegen einen Erreger der Leberentzündung, HBV.

Rilpivirin ähnelt keinem Erbgut-Baustein und blockiert direkt das Enzym HIV-1-Reverse-Transkriptase. Auf menschliche Enzyme, die das Erbgut verdoppeln, hat Rilpivirin keinen Einfluss.

Tenofoviralafenamid gelangt in die Blutzellen und Fresszellen, die vor allem von dem HI-Virus befallen werden. In diesen Zellen wird das eigentlich wirksame Tenofovir freigesetzt und das ebenfalls aktive Stoffwechselprodukt Tenofovir-Diphosphat gebildet. Beide blockieren die Reverse Transkriptase des HI-Virus, was zum Abbruch des Aufbaus von Vren-Erbgut in den Zellen führt. Tenofovir ist wie Emtricitabin gegen die HI-Viren 1 und 2 sowie gegen HBV wirksam.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.