Nasser Fußabdruck auf einer Holzdiele
© Jupiterimages/iStockphoto

Myzetom (Maduramykose)

Ein Myzetom (Maduramykose) ist eine chronische Weichteilinfektion, die in den trockenen Regionen der Tropen und Subtropen (z.B. in der Sahelzone) häufig vorkommt. Erreger können verschiedene Pilze oder Bakterien sein.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Je nachdem, welcher Erreger für das Myzetom verantwortlich ist, bezeichnen Mediziner es als

  • Eumyzetom (= durch Pilze hervorgerufenes echtes Myzetom) oder
  • Aktinomyzetom (= bakteriell verursachte Infektion)

Mögliche Ursachen für ein Myzetom sind kleine Verletzungen der Haut oder Holzsplitter, durch welche die Erreger zum Beispiel beim Barfußlaufen in den Körper eindringen. Daher treten Myzetome vor allem im Bereich der Füße auf. Das Myzetom trägt deshalb auch den Namen Madurafuß. Am zweithäufigsten kommt das Myzetom an den Händen vor. An den Knien oder am Rücken tritt die Maduramykose dagegen seltener auf.

Nach der Infektion mit den Erregern dauert es wenige Wochen bis mehrere Monate, bis die ersten Anzeichen für das Myzetom auftreten: Dann entwickeln sich an der Stelle, an der die Erreger in die Haut eingedrungen sind, schmerzlose Knötchen (Granulome) und massive Schwellungen. Die Knötchen enthalten die Erreger in Form von sogenannten Drusen – kleine, unterschiedlich gefärbte Körnchen. Die Granulome können von selbst oder unter Druckeinwirkung aufbrechen und die Drusen werden sichtbar. Unter Umständen kann sich die Maduramykose bis in die Knochen ausbreiten und diese mit der Zeit zerstören.

In der Regel gelingt es, ein Myzetom durch Medikamente erfolgreich zu behandeln, wenn die eingesetzten Mittel auf den jeweiligen Erreger der Weichteilinfektion abgestimmt sind: Antibiotika wirken gegen Bakterien und Antimykotika gegen Pilze. Die medikamentöse Behandlung der Maduramykose zieht sich oft mehrere Monate bis Jahre hin. Bei dem durch Pilze hervorgerufenen Eumyzetom sind zusätzlich meistens auch operative Maßnahmen nötig. Beim Aktinomyzetom ist ein chirurgischer Eingriff nur vereinzelt im fortgeschrittenen Stadium nötig. In schweren Fällen ist es auch erforderlich, den vom Myzetom befallenen Körperteil zu amputieren.

Definition

Der Begriff Myzetom oder Maduramykose bezeichnet eine chronische, durch Pilze oder Bakterien hervorgerufene Weichteilinfektion, die vor allem in den Tropen und Subtropen vorkommt. Je nach Erreger unterscheidet man die folgenden zwei Formen:

  1. Echte Myzetome (Eumyzetoma):
    Für ein echtes Myzetom oder Eumyzetom sind vor allem Schimmelpilze und Hefepilze verantwortlich.
  2. Aktinomyzetome (Aktinomyzetoma):
    Ein Aktinomyzetom entsteht durch bakterielle Infektionen. Weltweit sind sechs von zehn Myzetomen durch Bakterien bedingte Aktinomyzetome.

Die erste Beschreibung der Erkrankung stammt aus der indischen Provinz Madura und führte zu der Bezeichnung Maduramykose (Mykose = Pilzerkrankung). Da das Myzetom meistens (in ca. 70% der Fälle) am Fuß auftritt, bezeichnet man es auch als Madurafuß.

Häufigkeit

Das Myzetom (Maduramykose) ist weltweit verbreitet – vor allem in den tropischen und subtropischen Gebieten. Die beiden Myzetom-Formen kommen geographisch gesehen unterschiedlich häufig vor: Während Myzetome in Afrika und Südasien überwiegend als Eumyzetome auftreten, sind zum Beispiel in Mexiko fast ausschließlich Aktinomyzetome zu finden. Diese bakteriell verursachte Form des Myzetoms kommt weltweit gesehen etwas häufiger vor als die pilzbedingte Variante – sechs von zehn Myzetomen sind Aktinomyzetome.

Ursachen

Ein Myzetom (Maduramykose) entsteht durch eine Infektion mit bestimmten Erregern, die zum Beispiel durch Holzsplitter oder kleine Verletzungen der Haut in den Körper eindringen. Häufig geschieht dies beim Barfußlaufen. Da Myzetome überwiegend (in ca. 70% der Fälle) am Fuß auftreten, spricht man auch vom Madurafuß.

Erreger

Sowohl Pilze als auch Bakterien können ein Myzetom (Maduramykose) hervorrufen.

Das echte Myzetom oder Eumyzetom geht auf eine Pilzinfektion zurück. Folgende Pilze kommen unter anderem als Ursachen einer Maduramykose infrage:

  • Madurella mycetomatis
  • Madurella grisea
  • Exophilia jeanselmei
  • Phialophora verrucosa
  • Curvularia geniculata

Weltweit sind Pilze für etwa 40 Prozent aller Fälle von Maduramykose verantwortlich. In Afrika und in Südasien treten überwiegend Eumyzetome auf: So ist zum Beispiel im Sudan zu 70 Prozent eine Infektion mit Madurella mycetomatis die Ursache eines Myzetoms.

Ein durch Bakterien verursachtes Myzetom bezeichnen Mediziner als Aktinomyzetom. Bakterielle Erreger der Maduramykose sind zum Beispiel:

  • verschiedene Arten der Bakteriengattung Nocardia (z.B. Nocardia brasiliensis)
  • verschiedene Arten der Gattung Streptomyces (z.B. Streptomyces madurae)
  • Actinomadura madurae

Bakterien sind weltweit für mehr als die Hälfte (ca. 60%) aller Myzetome verantwortlich. In Mexiko, wo das Myzetom fast immer als Aktinomyzetom auftritt, liegt in 86 Prozent der Fälle eine Infektion mit dem Bakterium Nocardia brasiliensis zugrunde.

Symptome

Bis bei einem Myzetom (Maduramykose) Symptome auftreten, kann unterschiedlich viel Zeit vergehen: Die ersten Anzeichen für die Weichteilinfektion entwickeln sich wenige Wochen bis mehrere Monate nach der Infektion mit dem ursächlichen Erreger.

Dabei zeigen sich die ersten Anzeichen der Maduramykose an der Stelle, an der die Erreger in den Körper eingedrungen sind. Typischerweise bilden sich schmerzlose Knötchen (Granulome) und der betroffene Körperteil schwillt stark an. Aus den Granulomen kann von selbst oder unter Druck körniges Material, das die Erreger enthält, austreten – sogenannte Drusen. In schweren Fällen breiten sich die Krankheitserreger bis in die Knochen aus, was den betroffenen Körperteil mit der Zeit zerstört.

Je nachdem, welcher Erreger hinter dem Myzetom steckt, unterscheiden sich die auftretenden Symptome:

  • Die für ein echtes Myzetom typischen Symptome sind nicht klar abgegrenzte Knötchen. Es entstehen viele Fisteln (Ausführungsgänge), aus denen die Erregerkörnchen austreten können; die Körnchen (Drusen) im Eiter sind je nach Erreger weiß, gelb oder rötlich – aber nie schwarz. Eine Besonderheit dieser Myzetom-Form ist, dass sich die Erkrankung oft schon früh auf die Knochen ausbreitet.
  • Beim Aktinomyzetom bilden sich abgekapselte Knötchen, die entsprechend deutlich verlaufende Ränder aufweisen. Es entstehen nur wenige Fisteln; die Körnchen im Eiter sind hauptsächlich weiß oder schwarz. Die Erreger breiten sich nur bis in die Knochen aus, wenn die Maduramykose sehr lange besteht.

Diagnose

Ein Myzetom (Maduramykose) stellt der Arzt mithilfe verschiedener Untersuchungen fest. Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus den Symptomen: Typisch sind bei einem Myzetom schmerzlose Knötchen (Granulome) und schwere Schwellungen. Aus den Knötchen kann eitrig-körniges Material austreten.

Anschließend versucht der Arzt prüft der Arzt, ob Pilze oder Bakterien das Myzetom verursacht haben. Dazu entnimmt er etwas von dem eitrigen Material und untersucht es unter dem Mikroskop. Bei einem durch Pilze hervorgerufenen Eumyzetom ist der Eiter von einem fadenartigen Geflecht durchzogen.

Anschließend ordnet der Arzt weitere Untersuchungen an, um herauszufinden um welche Pilz- oder Bakterienart es sich genau handelt. Dazu schickt er Probenmaterial des Eiters in ein Labor. Dort werden die verursachenden Bakterien beziehungsweise Pilze angezüchtet und bestimmt.

Der genaue Erregernachweis ist wichtig, damit der Arzt das passende Medikament wählen kann.

Therapie

Ein Myzetom (Maduramykose) muss meist über mehrere Monate bis Jahre behandelt werden. Dabei ist es wichtig, dass die Therapie auf auf den jeweiligen Erreger abgestimmt ist:

Bei einem durch Pilze verursachten echtenMyzetom – eine Eumyzetom – helfen Antipilzmittel, sogenannte Antimykotika. Geeignet sind zum Beispiel folgende Wirkstoffe:

Allerdings sind einige Pilze äußerst widerstandsfähig (resistent) gegenüber den gängigen Antipilzmitteln. Daher ist es zur Wahl der richtigen Therapie wichtig zu überprüfen, ob der nachgewiesene Erreger der Maduramykose auf das Medikament anspricht.

Neben der medikamentösen Therapie ist es bei einem Eumyzetom oft notwendig, betroffene Gewebebereiche chirurgisch entfernen zu lassen. Bei einer ausgedehnten Infektion ist in manchen Fällen eine Amputation für eine erfolgreiche Behandlung unvermeidlich.

Bei einem durch Bakterien verursachten Myzetom – einem Aktinomyzetom – verschreibt der Arzt Antibiotika. Geeignet sind bei einer durch Bakterien bedingten Maduramykose unter anderem diese Wirkstoffe:

Nur wenn das Myzetom weit fortgeschritten ist, erfolgt zusätzlich eine Operation.

Verlauf

Ein Myzetom (Maduramykose) heilt in der Regel nicht von selbst ab. Ohne eine entsprechende Behandlung verläuft sie chronisch.

Deshalb ist eine an den jeweiligen Erreger angepasste medikamentöse Therapie und gegebenenfalls eine Operation notwendig, um zu vermeiden, dass sich das Myzetom weiter ausbreitet.

Bei einer durch Pilze verursachten Maduramykose (sog. echtes Myzetom bzw. Eumyzetom) sind im weiteren Verlauf nicht selten Amputationen des betroffenen Körperteils notwendig.

Vorbeugen

Einem Myzetom (Maduramykose) können Sie durch einfache Maßnahmen vorbeugen. Die in den Tropen und Subtropen verbreitete Erkrankung entsteht infolge kleiner Hautverletzungen, durch welche die Erreger in den Körper eindringen. Daher ist es bei Aufenthalten in den entsprechenden Gebieten wichtig, dass Sie kleine Wunden direkt desinfizieren.

Da das Myzetom vor allem im Fußbereich als Folge von Infektionen beim Laufen mit nackten Füßen entsteht – daher auch der Name Madurafuß – ist es außerdem ratsam, in diesen Gebieten Schuhe zu tragen.