Eine Wissenschaftlerin arbeitet im Labor und hält eine Tablette in die Kamera.
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Paxlovid: Corona-Medikament schützt vor schwerem Verlauf

Paxlovid ist ein Medikament in Tablettenform gegen das Coronavirus, das im Januar 2022 eine vorläufige Zulassung in der EU bekommen hat. Lesen Sie, wann das Medikament empfohlen wird, wie es wirkt und welche Nebenwirkungen es hat.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist Paxlovid?

Paxlovid ist ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung einer Corona-Infektion (Covid-19). Als Wirkstoffe sind Nirmatrelvir und Ritonavir in zwei verschiedenen Tabletten enthalten. Paxlovid wird als Tablette eingenommen und hindert das Coronavirus daran, sich im Körper weiter zu vermehren. Die Wirkung tritt bei allen Virus-Varianten des Coronavirus ein und kann so unabhängig von der Variante eingesetzt werden.

In anderen Ländern ist das Präparat schon länger zugelassen. So sicherte sich die USA bereits 20 Millionen Packungen. Auch in Großbritannien und Kanada kommt Paxlovid bereits zur Anwendung.

Anwendung von Paxlovid

Je drei Tabletten Paxlovid (zwei Nirmatrelvir, eine Ritonavir) werden zweimal täglich eingenommen – und das über fünf Tage. Die drei Tabletten zusammen setzen erst die komplette Wirkung frei. Eine Packung entspricht jeweils einem Behandlungszyklus. Patient*innen können die Präparate auch selbstständig zu Hause einnehmen, wenn aus medizinischer Sicht kein Krankenhausaufenthalt notwendig ist.

Für wen ist das Medikament sinnvoll?

Die Einnahme von Paxlovid ist laut aktuellem Stand vor allem für Menschen ab 18 Jahren mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf durch Covid-19 gedacht. Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht beispielsweise bei Immunschwäche, Diabetes oder alten Menschen.

Vorbeugende Einnahme von Paxlovid

Fachleuten zufolge ist es nicht sinnvoll, das Medikament vorbeugend einzunehmen. Paxlovid muss nach jetzigem Kenntnisstand innerhalb der ersten fünf Tage nach Einsetzen der Covid-19-Symptome zur Anwendung kommen. Denn in diesem Zeitraum breitet sich das Virus im Körper aus. Hier setzt Paxlovid an, indem die Virusvermehrung gestört wird.

Dies ist zugleich der Nachteil des Medikaments: Viele Erkrankte erfahren zu spät von ihrer Corona-Infektion, etwa, weil kaum Beschwerden auftreten oder weil die Betroffenen die Symptome nicht mit Covid-19 in Verbindung bringen. Wenn die Erkrankung dann vollständig ausbricht, scheint Paxlovid kaum noch eine Wirkung zu zeigen. Medikamente, die bei schwerer Covid-19-Erkrankung helfen, gibt es derzeit noch nicht.

Wirkung von Paxlovid

Das Paxlovid enthält die Wirkstoffe Nirmatrelvir und Ritonavir. Ritonavir ist ein antiviraler Wirkstoff aus der Gruppe der HIV-Proteasehemmer, der unter anderem zur Therapie von HIV-Infektionen und AIDS eingesetzt wird.

Nirmatrelvir wirkt, indem ein für das Coronavirus wichtiges Enzym blockiert wird. Ohne dieses Enzym kann sich das Coronavirus nicht mehr oder zumindest nur noch eingeschränkt in den menschlichen Zellen vermehren.

Damit Paxlovid wirken kann, ist eine möglichst frühe Einnahme zu Beginn der Infektion mit Covid-19 wichtig. Infizierte mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sollten deshalb schnellstmöglich nach einem positiven Test die hausärztliche Praxis aufsuchen.

Nebenwirkungen

Laut der aktuellen Datenlage fallen die Nebenwirkungen von Paxlovid mild aus. Möglich sind

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Paxlovid darf nicht eingenommen werden, wenn unter anderem folgende Medikamente eingenommen werden:

  • Johanniskrautpräparate (gegen Depressionen und Angstzustände)
  • Sildenafil (gegen Bluthochdruck der Lungenarterie)
  • Clorazepat, Diazepam, Estazolam, Flurazepam, Triazolam und Midazolam (gegen Angstzustände und Schlafstörungen)
  • Alfuzosin (bei Prostatavergrößerung)
  • Neratinib, Venetoclax (zur Behandlung von Krebs)

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, bei denen die Einnahme von Paxlovid vorab ärztlich geklärt werden sollte. Dazu gehören unter anderem:

  • Antimykotika (gegen Pilzinfektionen)
  • Haloperidol, Risperidon, Thioridazin (gegen verschiedenen psychische Erkrankungen)
  • Mittel gegen Bluthochdruck (wie Amlodipin)
  • Mittel zur Supprimierung des Immunsystems (wie Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus)
  • starke Schmerzmittel wie Morphine

Werden Medikamente eingenommen, sollte auf jeden Fall eine ärztliche Abklärung stattfinden, ob Paxlovid zur Anwendung kommen darf.

Ritonavir, das in Paxlovid enthalten ist, kann die Wirkung der Antibabypille und anderer hormoneller Verhütungsmethoden herabsetzen.