Eine Wissenschaftlerin arbeitet im Labor und hält eine Tablette in die Kamera.
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Paxlovid: Grünes Licht für neues Corona-Medikament

Neben Impfstoffen sind nun auch die ersten Medikamente in Pillenform gegen das Coronavirus zugelassen – und das auch in Deutschland. Die EMA hat grünes Licht für das Medikament Paxlovid gegen Covid-19 gegeben. Eine klinische Studie zeigt: Die von Pfizer entwickelte Pille schützt effektiv vor schweren Krankheitsverläufen durch das Coronavirus. Erfahren Sie, für wen das Medikament empfohlen wird und wie es sich von der Anti-Corona-Pille Molnupiravir unterscheidet.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist so hoch wie nie. Erstmals stiegen die Zahlen der Neuinfektionen auf über 100.000. Das liegt vor allem an der hochansteckenden Omikron-Variante, die inzwischen deutlich dominiert. Nun macht ein neues Medikament des US-Konzerns Pfizer Hoffnung: Die Anti-Corona-Pille Paxlovid verhindert laut Europäischer Arzneimittelbehörde (EMA) schwere Verläufe nach einer Ansteckung mit SARS-CoV2.

In anderen Ländern ist das Präparat schon länger zugelassen. So sicherte sich die USA bereits 20 Millionen Packungen. Auch in Großbritannien und Kanada kommt Paxlovid bereits zur Anwendung.

Molnupiravir: Erstes Medikament gegen Covid-19

Paxlovid ist nicht das erste Medikament gegen Covid-19. Den Anfang machte das US-Unternehmen Merck & Co. Mit einem Präparat namens Molnupiravir brachte der Konzern den weltweit ersten oralen Wirkstoff auf den Markt, der vor schweren Coronaverläufen schützt. In Großbritannien und den USA erhielt das Medikament bereits kurz nach Veröffentlichung einer vielversprechenden Studie eine Notfallzulassung.

Die Studie deutete darauf hin, dass sich die Hospitalisierungs- und Sterberate von mit Covid-19 infizierten Patient*innen durch die Einnahme von Molnupiravir halbierte. Das Präparat wirkt in zwei Phasen:

  1. Nach oraler Einnahme wird es im Körper verstoffwechselt, aktiviert und in RNA-ähnliche Bausteine umgewandelt. In dieser Form kann der Wirkstoff in das RNA-Erbgut des Coronavirus eindringen.
  2. Im Anschluss verbindet sich der Wirkstoff mit den RNA-Bausteinen des viralen Erbguts und blockiert sie. Auf diese Weise können sich die Erreger nicht mehr in den menschlichen Zellen vermehren.

In Deutschland befindet sich das Medikament allerdings noch im Prüfverfahren.

Paxlovid: Studie macht Hoffnung

Anders sieht es mit dem von Pfizer entwickelten Präparat Paxlovid aus, das hierzulande nun grünes Licht bekam. Eine Studie von Pfizer scheint die Wirksamkeit von Paxlovid zu bestätigen: Laut Untersuchungsergebnissen kann Paxlovid die Notwendigkeit, aufgrund einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt werden zu müssen oder sogar daran zu sterben, um 89 Prozent minimieren.

Im Zuge der Studie erhielt eine Gruppe von mit Covid-19 infizierten Risikopatient*innen das Präparat, während einer Kontrollgruppe lediglich ein Placebo-Medikament verabreicht wurde.

Mit folgendem Ergebnis:

Nach 28 Tagen waren keine Patient*innen verstorben, die Paxlovid eingenommen hatten. Dagegen überlebten zehn Patient*innen aus der Placebo-Kontrollgruppe nicht. Forschenden zufolge scheint das Präparat auch gegen schwere Verläufe der sehr ansteckende Omikron-Variante zu schützen, die derzeit in Deutschland vorherrscht.

Aufgrund der positiven Daten wurde das Medikament nun zugelassen. Deutschland hat bereits eine Million Packungen bestellt. 

Wirkung und Anwendung

Je drei Tabletten Paxlovid werden zweimal eingenommen – und das über fünf Tage. Die drei Tabletten zusammen setzen erst die komplette Wirkung frei. Eine Packung entspricht jeweils einem Behandlungszyklus. Patient*innen können die Präparate auch selbstständig zu Hause einnehmen, wenn aus medizinischer Sicht kein Krankenhausaufenthalt notwendig ist.

Das Anti-Corona-Präparat wird in Kombination mit einem anderen Medikament namens Ritonavir verabreicht. Ritonavir ist ein antiviraler Wirkstoff aus der Gruppe der HIV-Proteasehemmer, der unter anderem zur Therapie von HIV-Infektionen und AIDS eingesetzt wird.

Paxlovid wirkt, indem ein für das Coronavirus wichtiges Enzym blockiert wird. Ohne dieses Enzym kann sich das Coronavirus nicht mehr oder zumindest nur noch eingeschränkt in den menschlichen Zellen vermehren.

Für wen ist das Medikament sinnvoll?

Die Einnahme von Paxlovid ist laut aktuellem Stand vor allem für Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf durch Covid-19 gedacht. Bislang wird das Medikament ausschließlich auf das Coronavirus positiv getesteten Erwachsenen empfohlen.

Risiken und Nebenwirkungen

Laut der aktuellen Datenlage fallen die Nebenwirkungen von Paxlovid mild aus. Möglich sind

Zudem trat bei einigen Studienteilnehmenden ein Verlust des Geschmacksinns auf. Das kann allerdings auch eine Nebenwirkung der Covid-19-Infektion selbst gewesen sein.

Kann Paxlovid die Impfung gegen Covid-19 ersetzen?

Das Medikament schützt nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus selbst. Es kann lediglich einen schweren Krankheitsverlauf verhindern. Daher kann das Präparat die Impfung nicht ersetzen. Außerdem ist noch unklar, ab wann das Medikament in Deutschland in Apotheken erhältlich sein wird.

Zudem ist Paxlovid deutlich teurer und aufwendiger in der Herstellung und außerdem weniger gut erforscht. Die Impfstoffe gegen Covid-19 werden hingegen seit mehreren Monaten weltweit verabreicht und gründlich überwacht.

Vorbeugende Einnahme von Paxlovid

Fachleuten zufolge ist es nicht sinnvoll, das Medikament vorbeugend einzunehmen. Paxlovid muss nach jetzigem Kenntnisstand innerhalb der ersten fünf Tage nach Einsetzen der Covid-19-Symptome zur Anwendung kommen. Denn in diesem Zeitraum breitet sich das Virus im Körper aus. Hier setzt Paxlovid an, indem die Virusvermehrung gestört wird.

Dies ist zugleich der Nachteil des Medikaments: Viele Erkrankte erfahren zu spät von ihrer Corona-Infektion, etwa, weil kaum Beschwerden auftreten oder weil die Betroffenen die Symptome nicht mit Covid-19 in Verbindung bringen. Wenn die Erkrankung dann vollständig ausbricht, scheint Paxlovid kaum noch eine Wirkung zu zeigen. Medikamente, die bei schwerer Covid-19-Erkrankung helfen, gibt es derzeit noch nicht.

Neben Merck & Co. und Pfizer arbeiten derzeit noch zahlreiche weitere Pharmaunternehmen an Medikamenten gegen Covid-19. Eventuell ist in Zukunft auch eine vorbeugende Einnahme denkbar.