Ein Mann hält eine Testprobe mit der Aufschrift "Covid-19 Omicron" ins Bild.
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Coronavirus: Wie gefährlich ist die Omikron-Variante?

Das Coronavirus verändert sich ständig. Im November wurde eine neue Virusvariante in Südafrika entdeckt: Omikron. Inzwischen hat die Mutation auch Deutschland erreicht. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt sie als "besorgniserregend". Wie gefährlich ist die Variante tatsächlich? Sind die verfügbaren Impfstoffe weniger wirksam? Lesen Sie hier, was man bereits über Omikron weiß und wie Sie sich am effektivsten schützen.

Allgemeines zu Omikron

Die neue Virusvariante Omikron (B.1.1.529) wurde Anfang November in einem Labor im südafrikanischen Johannisburg entdeckt: Die Forschenden fanden 22 positive PCR-Tests, die sich von den bisherigen genetisch unterschieden. Nach eingehenden Untersuchungen stand schließlich fest, dass es sich um eine neue Mutation handelt.

Expert*innen nehmen an, dass sich die Variante in einem Patienten über einen sehr langen Zeitraum hinweg entwickelt hat. Womöglich handelte es sich dabei um eine immungeschwächte Person, deren Abwehrkräfte das Virus nicht ausreichend bekämpfen konnten. Nach dieser Theorie könnte sich das Virus über einen sehr langen Zeitraum weiterentwickelt haben – vielleicht sogar über Wochen oder Monate.

Dass eine Variante von der nächsten abgelöst wird, ist zunächst nicht ungewöhnlich, sondern eine natürliche Evolution des Virus. Allerdings stuft die WHO die Variante inzwischen als "besorgniserregend" ein. Erste Studien weisen darauf hin, dass sie deutlich infektiöser als die bisherigen Varianten ist.

Omikron: Situation in Deutschland

Dem aktuellen Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge ist Omikron inzwischen die klar dominierende Variante in Deutschland sowie in den meisten anderen EU-Ländern. Daher wurde die Übermittlung der Omikron-Fälle ab KW 4/2022 eingestellt. 

Übrigens: Der Ständigen Impfkommission (STIKO) zufolge lässt sich die Omikron-Variante relativ problemlos mit den herkömmlichen PCR-Tests nachweisen und von der Delta-Variante unterscheiden. Dennoch könnte die tatsächliche Inzidenz deutlich höher sein, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Über die Feiertage wurde weniger getestet, zudem ist das Sequenzierungsverfahren zur Bestimmung der Virusvarianten aufwendig: Nicht alle positiven PCR-Tests durchlaufen diesen Prozess. 

Wie gefährlich ist Omikron tatsächlich?

Bei der Omikron-Variante wurden bislang über 50 verschiedene Mutationen im Genom registriert. Das sind deutlich mehr als bei den bisherigen Varianten. Zudem kommen 32 dieser Mutationen allein im Spike-Protein (Oberflächenprotein) vor. Dabei handelt es sich um das Protein, mit dem das Virus an die menschlichen Zellen andockt. Hier setzen auch die Impfstoffe an. Zwar sind viele der Mutationen bereits von vorherigen Varianten bekannt. Die aktuelle Datenlage lässt allerdings darauf schließen, dass die Mutationen-Kombination der neuen Omikron-Variante Auswirkungen auf die Infektiosität des Virus hat.

Der bisherige Kenntnisstand: Die Erkrankungen, die durch Omikron ausgelöst werden, verlaufen zum Großteil mild. Die Hospitalisierungsrate ist insgesamt sehr gering. 

Warum verläuft Omikron mild?

Zwar schaffen es Omikron-Viren, sich besonders schnell zu vermehren. Sie infizieren vor allem die Zellen in der oberen Atemwege. Im Gegensatz zu den zuvor dominierenden Varianten erreicht Omikron aber kaum die tiefen Lungengewebe, die schwere Symptome auslösen können.

Omikron scheint hochansteckend zu sein

Was die Datenlage aber auch in Deutschland deutlich zeigt: Die Omikron-Variante scheint besonders infektiös zu sein. Auch geimpfte und geboosterte Personen infizieren sich. Die Übertragungsrate ist nach jetzigen Erkenntnissen dreimal höher als bei der zuvor dominierenden Delta-Variante. Das ist laut Expert*innen auf folgende Gründe zurückzuführen:

  1. Durch die ungewöhnlich hohe Anzahl an Mutationen im Spike-Protein auf der Virusoberfläche kann das Virus leichter in die Körperzellen eindringen.
  2. Expert*innen vermuten, dass die Immunität durch Antikörper bei Omikron erheblich abgeschwächt ist. Möglicherweise erkennt unser Immunsystem die neuen Strukturen schlechter. Damit scheint Omikron den Impfschutz leichter zu umgehen, sodass sich auch vollständig geimpfte Menschen häufiger infizieren als mit den vorherigen Varianten.
  3. Omikron-Viren scheinen sich sehr schnell innerhalb der ersten Tage nach der Ansteckung in den oberen Atemwegen zu vermehren.
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BA.2: Was weiß man über die Omikron-Subvariante?

In einigen Ländern, darunter Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Österreich und Schweden, wurde eine Untervariante (Subtyp) der Omikron-Mutation entdeckt. In Dänemark ist die Subvariante mit dem Namen BA.2 bereits die vorherrschende Form. Viel weiß man über die erneut veränderte Virusart allerdings noch nicht. 

Das Spike-Protein des Subtypen unterscheidet sich konkret in 18 Mutationen von der Ursprungsform. Denkbar ist, dass BA.2 einem aufgebauten Immunschutz noch besser entkommen kann. Das könnte bedeuten, dass Menschen, deren Immunität eine Infektion bisher noch abwehren konnte, vor einer Ansteckung mit BA.2 womöglich weniger gewappnet sind. Das ist plausibel, da BA.2 in jenem Teil des Spike-Proteins, mit dem der Erreger an den Zellen andockt und auf den viele Antikörper abzielen, relativ viele Mutationen aufweist. 

Expert*innen gehen davon aus, dass eine Erkrankung mit dem Subtyp vermutlich ähnlich mild verlaufen wird wie die Ursprungsvariante. Auch wird vermutet, dass ein vollständiger Impfschutz und bereits durchgemachte Covid-19-Infektionen ähnlich wirksam vor einer Ansteckung schützen, wie es bei der ursprünglichen Omikron-Variante der Fall ist. Wie sich der neue Subtyp bei Ungeimpften verhält, können Forschende noch nicht einschätzen.

Dass sich der SARS-CoV-2-Erreger so schnell entwickelt, zeigt laut Expert*innen noch einmal, wie wichtig eine hohe Impfquote ist, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Da man davon ausgeht, dass der Subtyp die derzeit vorherrschende Omikron-Variante mit der Zeit verdrängen wird, beobachten Wissenschaftler*innen die Entwicklung von BA.2 sehr genau und werten bereits erste Daten aus. 

Symptome bei Omikron

Je nach Corona-Variante kann eine Covid-19-Infektion mit verschiedenen Symptomen einhergehen. Zu Beginn der Pandemie klagten besonders viele Betroffene über einen Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. Die derzeit vorrherschende Delta-Variante scheint ebenso wie die Omikron-Mutation eher einer typischen ErkältungGrippe oder Allergie zu ähneln. 

Laut aktuellem Kenntnisstand sind folgende Symptome kennzeichnend für eine Infektion mit der Omikron-Variante:

Omikron-Anzeichen an Haut, Lippen und Nägeln?

Das American Centre for Disease Control and Prevention (CDC) benannte weitere, bisher unbekannte Symptome, die im Zuge einer Infizierung mit Omikron auftreten können. So sollen blasse, gräulich- oder bläulich-verfärbte Hautpartien, Lippen oder Nagelbetten ebenfalls auf eine Ansteckung mit der neuen Mutante hindeuten. Entsprechende Vefärbungen können auf einen niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut hinweisen (Anämie). Bislang wurden die Symptome aber noch nicht offiziell bestätigt. 

Wie wirksam sind die verfügbaren Impfstoffe gegen Omikron?

Durch die vielen Mutationen der Omikron-Variante ist es laut Expert*innen möglich, dass die derzeit verfügbaren Impfstoffe in ihrer Wirksamkeit herabgesetzt sind.

Auch eine vorveröffentlichte Studie der britischen Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) kam zu dem Ergebnis, dass die Vakzine von BioNTech und AstraZeneca im direkten Vergleich zur Delta-Variante weniger effektiv gegen die Omikron-Variante wirken. Hierzu wurden Bevölkerungsdaten aus Großbritannien ausgewertet, wo sich die neue Variante bereits stark ausgebreitet hat. Die Studie zeigt aber auch, dass eine Booster-Impfung den Schutz auf über 70 Prozent erhöht.

Eine südafrikanische Studie lässt ähnliche Rückschlüsse zu. Forschende fanden heraus, dass eine vollständige Grundimmunisierung nur zu 33 Prozent vor einer Infektion schützt. Doch trotz der erhöhten Gefahr, sich auch mit einem vollständigen Impfschutz mit der Omikron-Variante zu infizieren, scheint eine Grundimmunisierung zumindest vor schweren Verläufen wirksam zu schützen:  Eine doppelte Impfung mit dem Vakzin von BioNTech bietet laut der Studie einen Schutz von 70 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf, der eine Hospitalisierung erfordert.

Ist eine Impfung gegen Omikron überhaupt noch sinnvoll?

Die Tatsache, dass ein Großteil der Erkrankungen durch die Omikron-Variante leicht verläuft und sich vermutlich mittelfristig jede*r – ob geimpft oder ungeimpft – infizieren wird, wirft die Frage auf, ob eine Impfung gegen die neue Mutation überhaupt sinnvoll ist. Wäre eine Ansteckung und somit eine Immunisierung durch Omikron womöglich die bessere Wahl? 

Mild bedeutet nicht "harmlos"

Zwar verläuft Omikron in der Regel milder und verursacht weniger Krankenhausaufenthalte. Dennoch können auch milde Symptome zu Schäden an lebenswichtigen Organen wie Lunge, Leber und Herz führen. 

Außerdem hat sich herausgestellt, dass auch Genesene kaum ausreichend schützende Antikörper haben, da eine Infektion mit einer früheren Variante weniger gut vor einer Infektion Omikron schützt. Es kommt also zu vergleichsweise vielen Reinfektionen, weshalb Fachleute auch nach einer durchgemachten Infektion raten, sich impfen zu lassen.

Viele gleichzeitig Infizierte können das Gesundheitssystem überlasten

Dass die Impfung der sinnvollere Weg ist, zeigt sich derzeit bereits in zahlreichen anderen Ländern, etwa in den USA: Wenn sehr viele Menschen in sehr kurzer Zeit krank werden, stößt das Gesundheitssystem an seine Grenzen und es kommt zu Engpässen in der medizinischen Versorgung. Selbst bei grundsätzlich milden Verläufen fallen zahlreiche infizierte Menschen im Beruf aus. Das wird nicht nur im Gesundheitsbereich zu spüren sein, sondern im gesamten öffentlichen Leben. 

Die Impfung wirkt – auch gegen Omikron

Expert*innen sind sich daher einig: Die Impfung ist der beste Schutz, um sich vor einer ernsthaften Erkrankung durch Covid-19 zu schützen. 

Die hohen Infektionszahlen erwecken zwar den Anschein, dass die Impfstoffe gegen die neue Variante nicht wirksam sind. Das ist allerdings falsch. Denn: Zwar schützt die Impfung im Falle von Omikron nur geringfügig gegen eine Ansteckung. Sie verringert aber das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, der eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich macht.

Zudem kann auch eine Ansteckung mit Omikron zu einem schweren Verlauf führen. Das zeigt die Datenlage aus Südafrika: Die Menschen, die an der Omikron-Variante gestorben sind, waren überwiegend Ungeimpfte. Aufgrund der hohen Infektiosität der Mutation wird sich früher oder später vermutlich fast jede*r anstecken. Die Impfung bleibt die bestmögliche Option, um sich zu schützen.

Boostern gegen Omikron: Der wirksamste Schutz

Die aktuelle Datenlage lässt vermuten, dass der "Dreifachimpfschutz" – also die Grundimmunisierung plus Auffrischimpfung – derzeit der wirksamste Schutz gegen die Omikron-Variante ist. Aufgrund der hohen Infektiosität der neuen Variante scheinen geboosterte Personen jedoch primär vor schweren Verläufen und weniger vor der generellen Gefahr einer Ansteckung geschützt zu sein.

Die Hersteller der in der EU zugelassenen Vakzine arbeiten bereits an Anpassungen an die neue Variante. Bis zur Zulassung wird es allerdings noch dauern: Voraussetzung für eine Markteinführung sind klinische Studien, die teilweise mehrere Monate lang dauern.

Übrigens: Beobachtungen zeigen, dass die Virusevolution in den Ländern mit den höchsten Impfquoten am schwächsten ist. Das bedeutet: Je mehr Menschen geimpft sind, desto seltener treten Mutationen auf. Warum das so ist, weiß man bislang nicht. Expert*innen gehen aber davon aus, dass im Falle einer Infektion bei geimpften Personen das Immunsystem direkt zu arbeiten beginnt und dem Virus keine Möglichkeit lässt, sich weiter zu entwickeln.

Weitere Maßnahmen gegen Omikron

Die Maßnahmen, die gegen die anderen Virusvarianten geholfen haben, schützen auch vor Omikron. Auch wenn die neue Mutation ansteckender ist, verbreitet sie sich gleichermaßen über Aerosole. Daher ist es nach wie vor sinnvoll, im öffentlichen Raum eine Maske zu tragen, in geschlossenen Räumen regelmäßig zu lüften, grundsätzlich Abstand zu halten, sich testen zu lassen und im Falle einer Infektion zu isolieren. 

Omikron: Ende der Pandemie?

Die Tatsache, dass die Omikron-Variante mit grundsätzlich milderen Verläufen einhergeht, sorgt für einen vorsichtigen Optimismus: Wird die Corona-Pandemie in absehbarer Zeit zur Endemie? Ist bald womöglich eine Rückkehr zur Normalität denkbar? Mit Sicherheit kann das noch niemand beurteilen. Um hierzu eine abschließende Aussage zu treffen, fehlt es schlichtweg an Wissen und Erfahrung. 

Was bedeutet "Endemie"?

Zunächst sagt der Begriff "Endemie" nichts über die Krankheitsschwere aus, die ein Erreger hervorruft. Wenn das Coronavirus endemisch statt pandemisch wird, ist also kein Ende in Sicht. Endemisch bedeutet vielmehr, dass das Virus nicht mehr in pandemischen Wellen auftritt, sondern lediglich in bestimmten Gebieten und Populationen zirkuliert und der R-Wert auf 1 sinkt. Das bedeutet, dass eine infizierte Person im Durchschnitt eine weitere Person ansteckt. Ein höherer R-Wert, wie er bislang vorherrscht, sorgt für die explosionsartige Ausbreitung des Erregers.

Grundimmunität in Sicht?

Da die Omikron-Variante so ansteckend ist, werden mittelfristig alle Menschen vermutlich mit dem Erreger in Kontakt kommen – sei es durch die Impfung oder durch eine Infektion. Dadurch wird es in der Bevölkerung zu einer gewissen Grundimmunität kommen, wie es auch bei anderen Erkältungserregern der Fall ist. Somit könnte die derzeitige pandemische Bedrohung durch explosionsartige Ausbrüche und ständige Veränderungen des Virus abnehmen.

Verschwinden wird das Coronavirus allerdings nicht mehr. Mit der Zeit nimmt der Immunschutz nämlich wieder ab. Mediziner*innen zufolge wird es stets Krankheitsfälle geben – vor allem im Winter.

Ob demnächst eine neue Variante folgt, die Omikron ablöst, lässt sich genauso schwer beantworten wie die Frage, ob künftige Mutationen noch aggressiver sein oder sich das Virus mit der Zeit abschwächen wird. Klar ist aber: Wenn es eine gewisse Grundimmunität gibt, wird die Bevölkerung auch gegen neu auftretende Varianten besser gewappnet sein, da das Virus auf diese Weise nicht mehr auf ein "untrainiertes" Immunsystem trifft.