Frau putzt sich die Nase
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Omikron-Infektion: Wie hoch ist das Risiko für Allergiker?

Die ersten Blumen blühen, die Tage werden länger: Viele Menschen freuen sich auf den Frühling. Allergiker*innen blicken der Frühlings- und Sommerzeit hingegen häufig mit tränenden Augen entgegen – Pollen und Gräser schränken den Alltag von Betroffenen ein. Während Forschende zu Beginn der Pandemie davon ausgingen, dass Allergiker*innen besonders gefährdet sein würden, konnte diese These bereits widerlegt werden. Studien liefern eine mögliche Begründung, warum sich Allergiker*innen seltener mit Sars-CoV-2 anstecken.

Sars-CoV-2 überfordert das lokale Immunsystem

Forschende aus North Carolina (USA) untersuchten anhand von Gewebeproben der Atemwege, warum sich Sars-CoV-2 innerhalb kürzester Zeit im Körper vermehren und das lokale Immunsystem umgehen und überfordern kann.

Das Coronavirus infizierte das Zellgewebe sehr schnell. Die Becherzellen, welche spezifische Schleimstoffe zur Virenabwehr bilden (Muzine), werden nicht befallen. Sie binden in der Regel Viren und unterbinden die Infektion weiterer Zellen. Dieser Abwehrmechanismus greift allerdings nur für zwei bis drei Tage. Anschließend kann sich das Virus explosionsartig vermehren. Bei Allergiker*innen hingegen scheinen sich die Viren langsamer zu vermehren, Sars-CoV-2 wird bereits in den Atemwegen intensiv bekämpft. Grund dafür ist laut den Forschenden die Überreaktion des Immunsystems. 

Immunreaktion könnte Corona-Infektion bei Allergikern verhindern

Aufgrund einer Überreaktion des Immunsystems reagiert der Körper von Allergiker*innen auf eine Corona-Infektion anders als bei Menschen ohne Allergie. 

Allergie kurz erklärt: Nimmt der Körper eine fremde Substanz (Antigen) beispielsweise beim Luftholen oder Essen auf, überprüft das Immunsystem, ob es sich um einen möglichen Krankheitserreger handelt. Ist dies der Fall, beginnt es, die Erreger zu bekämpfen. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem zu stark und bekämpft eigentlich harmlose Fremdkörper. Es ist nicht mehr in der Lage, zwischen schädlichen und unschädlichen Stoffen zu differenzieren. Mögliche Krankheitssymptome sind in der Regel Schnupfen, Husten, Atembeschwerden und Halsschmerzen.

Bei der Überreaktion des Immunsystems wird bei Asthma-Patient*innen und Allergiker*innen vermehrt der Abwehrstoff Interleukin 13 freigesetzt.

Forschende untersuchten den Einfluss von Interleukin 13 auf die Corona-Infektion der Zellkulturen. Es wurden weniger Zellen infiziert, zudem blieben die Zellen der Atemwege weitgehend intakt. Auch weitere Immunreaktionen kamen verstärkt vor und verhinderten die Vermehrung der Viren im Gewebe der Atemwege.

Eine wichtige Rolle spielte hierbei eine erhöhte Produktion der Glykokalyx, einer Schicht aus Kohlenhydraten, welche die Zelloberfläche schützt und den Eintritt von Fremdkörpern unterbindet.

Interleukin nicht als Corona-Medikament geeignet

Interleukin 13 scheint allerdings die Funktion der Zilien (dünne Zell-Fortsätze) zu schwächen, die für den Abtransport der im Schleim gefangenen Viren verantwortlich ist.

Eine allergische Reaktion stellt eine Überreaktion des Immunsystems dar. Folglich ist das Immunsystem geschwächt und die Atemwege können einen dauerhaften Schaden davon tragen. Deshalb eignet sich Interleukin 13 auch nicht als Medikament gegen Covid-19. Für Menschen mit allergischem Asthma und Atemwegsproblemen besteht aufgrund der aufgeführten Gründe kein erhöhtes Risiko einer schweren Corona-Infektion.