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Galaktorrhoe (krankhafter Brustmilchausfluss)

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Zuletzt bearbeitet von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin

Eine Galaktorrhoe ist ein krankhafter Brustmilchausfluss. Die Galaktorrhoe gehört zu den sogenannten sezernierenden Erkrankungen der Brustdrüse. Bei solchen Erkrankungen fließt milchiges Sekret aus der Brustwarze (Mamille).

Überblick

Krankhafter Brustmilchausfluss kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Während in einigen Fällen nur durch Druck auf die Brust ein einzelner Tropfen austritt, können in anderen Fällen Einzeltropfen oder auch mehrere Tropfen spontan austreten.

Die Galaktorrhoe ist meist schmerzlos oder verursacht nur leichte Brustschmerzen. Die Brust kann sich gespannt anfühlen. Die Galaktorrhoe kann ein- oder beidseitig auftreten.

Während einer Schwangerschaft oder bei Wöchnerinnen in den Stillpausen ist es völlig normal, dass die Brustwarze milchiges Sekret absondert. Der Körper ist in solchen Phasen darauf eingestellt, Milch für die Ernährung des Säuglings zu produzieren. Die Muttermilch ist reich an Nährstoffen wie Fett, Eiweiß und Milchzucker. Bereits in der Schwangerschaft kann sich erste Milch bilden und als Brustmilchausfluss bemerkbar sein.

Tritt ein Milchfluss aber spontan, das heißt ohne eine direkt ersichtliche Ursache außerhalb einer Stillperiode auf, muss der Arzt die Ursachen klären.

Wie auch beim natürlichen Milchfluss in der Stillzeit fließt bei einer Galaktorrhoe Sekret aus den Brustdrüsen. Die weibliche Brust besteht unter anderem aus Fettgewebe wie auch aus einzelnen Drüsen (Drüsenlappen und Drüsenläppchen). Meist sind diese Drüsen inaktiv. Unter dem Einfluss von bestimmten Hormonen beginnen sie jedoch, Milch zu produzieren. Das milchige Sekret verlässt die einzelnen Drüsen über Milchgänge, die in die Brustwarze münden.

Häufigste Ursache für Galaktorrhoe ist die Hyperprolaktinämie, eine vermehrte Produktion des Hormons Prolaktin. Neben den Geschlechtshormonen Progesteron und den Östrogenen und weiteren Hormonen steuert Prolaktin die Milchbildung. Geraten diese Hormone aus dem Gleichgewicht, etwa durch bestimmte Medikamente oder Stress, kann krankhafter Brustmilchausfluss die Folge sein. Eine Galaktorrhoe kann unter anderem auch durch gutartige Tumoren im Gehirn entstehen, die das Hormon Prolaktin produzieren. Die Therapie einer Galaktorrhoe richtet sich nach der jeweiligen Ursache.

Beim krankhaften Brustmilchausfluss, also der Galaktorrhoe, ist das austretende Sekret milchig – im Gegensatz zum krankhaften Brustdrüsenausfluss, bei dem die Flüssigkeit nicht milchartig ist.

Definition

Galaktorrhoe (krankhafter Brustmilchausfluss) gehört zu den sezernierenden (Flüssigkeit absondernden) Erkrankungen der Brustdrüse. Bei solchen Erkrankungen tritt – außerhalb der Stillzeit – Flüssigkeit aus der Brustdrüse aus. Die Brust sondert Milch oder Sekret ab – entweder spontan oder bei leichtem Druck auf das Brustgewebe.

Krankhafter Brustmilchausfluss ist nur eine Form von krankhafter Flüssigkeitsabsonderung aus der Brustdrüse. Mediziner unterscheiden dabei zwischen

Der Name Galaktorrhoe leitet sich von den griechischen Wörtern für "Milch" (galaktos) und "ich fließe" (rheo) ab.

© LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese
Darstellung des Brustmilchausflusses

Eine Galaktorrhoe ist nicht als eigenes Krankheitsbild anzusehen, sondern eigentlich Ausdruck verschiedener hormoneller Störungen oder Hormonschwankungen. An der Milchbildung sind mehrere Hormone beteiligt.

Anatomie

Die weibliche Brust (Mamma) ist eine Drüse. Sie setzt sich aus dem Brustdrüsenkörper, der Brustwarze (Mamille) und dem Warzenhof (Areola mammae) zusammen.

Die Brustdrüse besteht aus 15 bis 20 Einzeldrüsen, Bindegewebe und individuell unterschiedlich viel Fettgewebe.

Jede Einzeldrüse besteht aus mehreren Drüsenläppchen (Lobuli), die durch ein Mantelgewebe voneinander abgegrenzt sind. Die Drüsenläppchen selbst bestehen aus winzigen Bläschen, die traubenförmig über ein Milchgangsystem miteinander verbunden sind – den sogenannten Alveolen.

Normalerweise sind die Alveolen flüssigkeitsleer und flach, während der Stillzeit wird in ihnen aber die Muttermilch produziert. Diese Milch fließt dann über die Milchgänge in einen Hauptmilchgang. Die einzelnen Hauptmilchgänge aus den Einzeldrüsen laufen strahlenförmig auf die Brustwarze zu und enden dort. Kurz vor der Mündung befindet sich eine Aufweitung (Sinus lactiferi), die in der Stillzeit als Milchreservoir dient. Die Hauptmilchgänge sind von bestimmten Hautzellen, dem sogenannten Epidermisepithel, bedeckt, welche sie vor Keimen schützen, die sonst leicht in die Milchgänge einwandern und Entzündungen hervorrufen könnten.

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Aufbau der weiblichen Brust

Die Brustdrüse ist sämtlichen hormonellen Schwankungen während des Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft und Stillzeit bis zur Menopause und ins hohe Alter unterworfen.

Häufigkeit

Etwa eine von hundert aller Frauen vor den Wechseljahren ist irgendwann von einer Galaktorrhoe betroffen. Diese Zahl erhöht sich bei Frauen, die bereits mehrere Schwangerschaften hinter sich haben.

Krankhafter Brustmilchausfluss kann aber auch bei Männern und Kindern auftreten. In diesen Fällen ist es besonders wichtig, dass der Arzt die Ursachen des Milchausflusses klärt. Sogar bei Säuglingen kann Milch aus der Brust fließen – die sogenannte Hexenmilch. Der Grund: Babys stehen kurz nach der Geburt noch häufig unter dem Einfluss des mütterlichen Hormons Prolaktin, das den Milchfluss fördert. Diese Form der Galaktorrhoe endet jedoch schnell von selbst wieder.

Ursachen

Galaktorrhoe (krankhafter Brustmilchausfluss) kann verschiedene Ursachen haben. In vielen Fällen leiden die betroffenen Frauen zusätzlich an Menstruationsstörungen. Die häufigste Ursache einer Galaktorrhoe ist eine Überproduktion des Hormons Prolaktin. Mediziner sprechen dann auch von einer Hyperprolaktinämie. Prolaktin ist ein sogenanntes laktotrophes Hormon, das heißt, es fördert die Milchbildung. Prolaktin wird in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet. Andere Hormone wiederum können das Hormon Prolaktin hemmen – in diesem Fall wird keine Milch gebildet. 

Eine Hyperprolaktinämie, also ein Prolaktin-Überschuss, kann verschiedene Ursachen haben. Eine davon ist ein sogenanntes Prolaktinom (Prolaktinadenom), ein Prolaktin produzierender Tumor der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Das Prolaktinom gehört zu den sogenannten Hypophysentumoren, genauer zu den Hypophysenadenomen. Ein Prolaktinom ist fast immer gutartig. Dadurch, dass der Tumor vermehrt Prolaktin bildet, entsteht auch verstärkt Sekret, sodass eine Galaktorrhoe entstehen kann.

Aber auch andere Tumoren oder Raumforderungen an der Hirnbasis können zu einer Galaktorrhoe führen – wenn sie die Bildung eines Hormons hemmen, das seinerseits die Prolaktinproduktion drosselt. Die Folge: Es wird übermäßig viel Prolaktin gebildet, sodass ein krankhafter Brustmilchausfluss entsteht.

Der Prolaktinspiegel kann auch im Rahmen von Erkrankungen der Brustdrüse erhöht sein, so zum Beispiel bei einer Entzündung der Brust (Mastitis), einem Milchgangspapillom (gutartiger Tumor der Brust) oder aber auch in einem frühen Stadium von Brustkrebs (Mammakarzinom).

Weitere Ursachen und Einflüsse, die an einer Hyperprolaktinämie beteiligt sein können, sind zum Beispiel:

Brustmilchausfluss ist nicht immer Anzeichen einer Erkrankung. In der Stillzeit und in der Schwangerschaft ist er völlig normal. Darüber hinaus können bestimmte Einflüsse begünstigen, dass milchartiges Sekret austritt, ohne dass dies als krankhaft zu verstehen sind, so etwa

Symptome

Bei Galaktorrhoe (krankhafter Brustmilchausfluss) sind die typischen Symptome milchige, klare bis bernsteinfarbene Absonderungen aus der Brustwarze. Diese Milch tritt meist aus beiden Brüsten aus, kann aber auch einseitig austreten. Die Menge des Milchausflusses kann dabei mehrere Milliliter oder auch nur ein paar Tropfen am Tag betragen.

Häufig treten bei einer Galaktorrhoe keine weiteren Symptome auf. In vielen Fällen kann die Galaktorrhö mit Zyklusstörungen einhergehen. Gelegentlich ist krankhafter Brustmilchausfluss mit einem Spannungsgefühl in der Brust verbunden.

Diagnose

Bei Verdacht auf Galaktorrhoe (krankhafter Brustmilchausfluss) wird sich der Arzt zunächst nach den genauen Beschwerden erkundigen und wissen wollen, seit wann sie auftreten (Anamnese). Zur genauen Diagnose einer Galaktorrhoe ist auch die Farbe und Konsistenz des Sekrets wichtig. Außerdem wird der Arzt nach dem Menstruationszyklus und einer möglichen Medikamenteneinnahme fragen. Anschließend tastet er die Brust sorgfältig ab, wobei er auf fühlbare Veränderungen des Brustgewebes achtet.

Im Rahmen einer Blutuntersuchung lässt der Arzt die Konzentrationen von Hormonen bestimmen:

Ebenfalls sind für ihn meist die Schilddrüsenwerte und die Blutwerte anderer Hormone entscheidend, welche ebenfalls auf die Milchbildung einwirken.

Bei Galaktorrhoe setzt der Arzt zur genaueren Diagnose oftmals auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonographie) ein. Die Milchgänge kann er mit einer sogenannten Galaktographie kontrollieren. Dabei spritzt er mithilfe eines dünnen Schlauchs ein Kontrastmittel in den Milchgang. Anschließend führt er eine Mammographie durch. Dadurch kann der Arzt den Verlauf der Milchgänge erkennen und feststellen, ob die Milchgänge geweitet oder verschlossen sind.

Wenn der Mediziner den Verdacht hat, dass ein sogenanntes Prolaktinom – ein meist gutartiger Tumor im Bereich der Schädelbasis – Ursache der Galaktorrhoe sein könnte, ordnet der Arzt zur Diagnose eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) an.

Therapie

Bei Galaktorrhoe (krankhafter Brustmilchausfluss) richtet sich die Therapie nach der jeweiligen Ursache. Ist der Auslöser der Galaktorrhoe ein Überschuss des Hormons Prolaktin (sog. Hyperprolaktinämie), verordnet der Arzt – je nachdem, welche Ursache dahintersteckt – meist eine medikamentöse Behandlung mit Bromocriptin. Bei diesem Wirkstoff handelt es sich um einen sogenannten Dopamin-Antagonisten. Diese Substanz hemmt die Wirkung des Prolaktins. Bromocriptin wird auch bei einem Prolaktinom (meist gutartiger Hypophysentumor) eingesetzt. Nur selten muss ein solcher Tumor entfernt werden, etwa, wenn eine medikamentöse Behandlung keinen Erfolg zeigt.

Ist die Galaktorrhoe ein Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, muss diese zielgerichtet therapiert werden. Bei einer Galaktorrhoe infolge einer Brustentzündung umfasst die Therapie beispielsweise Entzündungshemmer oder Antibiotika. Mögliche Abszesse (eitrige Entzündungsherde) öffnet der Arzt chirurgisch, um den Eiter zu entfernen und so die Entzündung zu bekämpfen.

Tritt die Galaktorrhoe aufgrund der Einnahme von bestimmten Medikamenten auf, verschwindet sie wieder, wenn diese abgesetzt werden. Wenn Sie vermuten, dass bei Ihnen ein Medikament die Galaktorrhoe hervorruft, besprechen Sie dies mit dem behandelnden Arzt. Er kann Sie zu möglichen Alternativen beraten.

Verlauf & Vorbeugen

Galaktorrhoe (krankhafter Brustmilchausfluss) zeigt meist einen guten Verlauf und hat generell eine sehr gute Prognose. Die Beschwerden lassen sich in den meisten Fällen gut behandeln und verschwinden nach Abschluss der Therapie. Medikamente helfen meist, die Milchsekretion zu stoppen.

Ist Brustkrebs die Ursache einer krankhaften Galaktorrhoe, richten sich Prognose und Verlauf unter anderem danach, in welchem Stadium der Krebs erkannt wird und ob er auf die Therapie anspricht.

Vorbeugen

Galaktorrhoe (krankhafter Brustmilchausfluss) können Sie nicht gezielt vorbeugen. Da der Milchausfluss verschiedene Ursachen haben kann, gibt es keine allgemeinen Vorbeugemaßnahmen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Galaktorrhoe (krankhafter Brustmilchausfluss)":


Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Haag, P., Hanhart, N., Müller, M.: Gynäkologie und Urologie für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014

Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie Geburtshilfe. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2013

Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Thieme, Stuttgart 2013

Strauss, A., Janni, W., Maass, N.: Klinikmanual Gynäkologie und Geburtshilfe.

Janni, W., Rack, B., Friese, K.: Facharzt Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2008

Kirschbaum, M. et al.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005

Letzte inhaltliche Prüfung: 09.03.2016
Letzte Änderung: 21.09.2020