Das Bild zeigt eine schwangere Frau mit einer Freundin.
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Schwangerschaft und Urlaub

Wenn einer eine Reise tut, hat er vieles zu bedenken. Achten Sie besonders in der Schwangerschaft trotz Urlaubsstimmung auf Ihr Wohlbefinden. Ein Urlaub soll erholsam sein!

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Vermeiden Sie daher gerade in der Schwangerschaft außergewöhnliche Anstrengungen, sondern tanken Sie vielmehr Energie für die kommenden Monate und die Geburt. Nicht zuletzt ist daher das richtige Reiseziel von großer Bedeutung.

Wohin soll die Reise gehen? Reisen innerhalb Europas sind in der Schwangerschaft unproblematisch, solange Sie keine Höhen über 2.000 Meter erklimmen möchten. Problematisch wird es für Schwangere, wenn ein Urlaub in tropische Länder geplant ist: Die Klimabelastung und der Stress aufgrund der langen Anreise können sich negativ auf das Immunsystem der werdenden Mutter auswirken und somit die Empfänglichkeit für Infektionskrankheiten erhöhen. Das wiederum kann gefährlich sowohl für Sie als auch für Ihr Kind sein. Impfungen gegen diese Krankheiten sollten Sie während der Schwangerschaft möglichst vermeiden – daher ist es sinnvoll, ein geeigneteres Reiseziel zu wählen.

In der Zeit vom vierten bis inklusive siebten Schwangerschaftsmonat, also im zweiten Drittel der Schwangerschaft, sind Reisen meist ohne Probleme möglich. Dennoch sollten Sie sich vor längeren Auslandsaufenthalten von Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt beraten lassen.

Risikoreicher sind Reisen in der Frühschwangerschaft, also bis Ende des dritten Monats. Hier ist das Risiko für eine Fehlgeburt erhöht, weil der Körper durch die neue Situation ohnehin schon stärker belastet ist und noch dabei ist, sich auf die Schwangerschaft einzustellen. Etwa ab dem vierten Monat ist dieser Prozess abgeschlossen.

Auch Reisen in der späteren Schwangerschaft sind kritisch zu betrachten. Der Körper ist nun durch das wachsende Gewicht und verschiedene Schwangerschaftsbeschwerden stärker belastet, das Risiko für eine Frühgeburt durch eine anstrengende Reise ist nun erhöht.

In vielen exotischeren Ländern ist eine Gesundheitsversorgung bei Komplikationen in der Schwangerschaft außerdem nicht sicher gewährleistet. Fehl- oder Frühgeburten könnten daher einen Rettungsflug notwendig machen. Transportinkubatoren für Frühgeburten, um das Kind sicher zu transportieren, stehen oft nicht zur Verfügung.

Fliegen in der Schwangerschaft

Flugreisen sollten während der Schwangerschaft höchstens zwei bis drei Stunden dauern. Zum einen kann eine mögliche Zeitverschiebung am Urlaubsziel belastend wirken. Achten Sie deshalb auf nur geringe Intervalle, damit Sie und Ihr Kind keinem größeren Stress ausgesetzt sind.

Es gibt Fluggesellschaften, die von Schwangeren ab der 32. Schwangerschaftswoche eine Unbedenklichkeitserklärung des Arztes verlangen – erkundigen Sie sich daher besser danach, bevor Sie Ihren Urlaub buchen. Bei einem normalen Verlauf der Schwangerschaft wird Ihr Frauenarzt nichts gegen Ihre Urlaubspläne einzuwenden haben und kann sicherlich noch weitere Tipps für Ihr individuelles Wohlbefinden geben. Nach der 36. Schwangerschaftswoche werden Schwangere von den meisten Airlines nicht mehr befördert.

Schwanger Auto fahren

Im Lauf der Schwangerschaft wird Ihr Bauch immer größer und erschwert Ihnen besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel den Alltag. Schwanger Auto fahren ist jetzt für viele Frauen eine Herausforderung. Sie kämpfen regelmäßig mit dem Sicherheitsgurt, der drückt und nicht dort sitzt, wo er eigentlich sein sollte. Da scheint es leichter und bequemer, den störenden Gurt einfach wegzulassen. Und was passiert, wenn der Airbag ausgelöst wird?

Generell gilt: Fahren Sie in der Schwangerschaft lieber zu vorsichtig als zu rasant und versuchen Sie, holperige Straßen und Schlaglöcher zu vermeiden. Fahren Sie in den letzten Wochen der Schwangerschaft wenn möglich nicht selbst, denn dann haben viele Schwangere mit Konzentrationsstörungen zu kämpfen.

Wichtig ist: Suchen Sie auf jeden Fall Ihren Frauenarzt auf, wenn Sie auch nur einen kleinen Unfall hatten. Schon ein kleiner Aufprall kann unter Umständen dazu führen, dass sich noch einige Zeit später die Plazenta ablöst. Das passiert selten, sollte aber ärztlich abgeklärt werden, um Komplikationen zu vermeiden.

Sicherheitsgurt: ja oder nein?

Legen Sie den Sicherheitsgurt im Auto unbedingt an! Frauenärzte warnen davor, sich während der Schwangerschaft nicht anzuschnallen – davon unabhängig gilt auch für Schwangere ohnehin die Anschnallpflicht.

Ohne Sicherheitsgurt ist die Verletzungsgefahr für Sie und Ihr Baby deutlich höher, und auch das Risiko eines tödlichen Unfalls steigt. Wenn der Gurt am Bauch unangenehm wird, können Sie ein Kissen unterlegen und den Gurt zwischen Bauch und Oberschenkel straff anlegen. Im Fachhandel gibt es außerdem speziell ausgestattete Sitzkissen und Beckengurtpolsterungen, die es ermöglichen, den Sicherheitsgurt um den Babybauch herum zu führen.

Wenn der Geburtstermin näher rückt, empfiehlt es sich, dem Partner das Steuer zu überlassen. Längere Autofahrten verursachen Stress und ermüden die ohnehin schon stark belasteten Beine zusätzlich. Stärkere Erschütterungen können dann sogar Wehen auslösen.

Airbag

Der Airbag stellt keine Gefahr für die Schwangere und ihr Kind dar. Er schützt im Gegenteil vor einem Aufprall auf Lenkrad oder Armaturenbrett. Stellen Sie trotzdem Ihren Sitz möglichst weit nach hinten, dann ist die Sicherheit für Sie und Ihr Kind gewährleistet.

Bahnreisen in der Schwangerschaft

Am entspanntesten sind vermutlich Bahnreisen in der Schwangerschaft. Sie können die Beine hochlegen oder vertreten, wann Sie möchten, müssen sich nicht aufs Autofahren konzentrieren und haben praktisch die ganze Reise über Pause. Erkundigen Sie sich vorher nach speziellen Gepäckservices, falls Sie niemanden haben, der Ihre Koffer schleppt, denn das sollten Sie in der Schwangerschaft nicht selber tun. Außerdem ist es sinnvoll, sich schon beim Ticketkauf einen Platz zu reservieren und Ausweichzüge im Blick zu behalten, falls es Verspätungen gibt.

Tipps für die Reise

Verreisen Sie möglichst im zweiten Schwangerschaftsdrittel. In dieser Zeit haben die anfänglichen Schwangerschaftsbeschwerden meist nachgelassen und der Babybauch ist noch nicht so groß, dass er Sie einschränkt. Später wird das Reisen anstrengender und ist auch risikoreicher.

Versuchen Sie, Stress zu vermeiden. So ist es beispielsweise sinnvoll, ausreichend lange Puffer zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln einzuplanen, damit Sie sich nicht abhetzen müssen, wenn der Zug Verspätung hat und das Flugzeug im Anschluss nur noch knapp erreichbar ist.

Langes Sitzen tut der Schwangeren nicht gut. Es belastet den Rücken, den Beckenboden und die Blutgefäße, die in der Schwangerschaft geweitet und weicher sind. Daher ist es sinnvoll, bei längeren Reisen – egal, ob Sie mit dem Flugzeug, dem Auto oder einem anderen Verkehrsmittel unterwegs sind – Kompressionsstrümpfe zu tragen. Vertreten Sie sich, wenn möglich, zwischendurch die Beine. Legen Sie außerdem die Beine viel hoch und machen Sie bei Reisen mit Bus oder Auto regelmäßige Pausen – bei besonders langen Anfahrtswegen ist es auch sinnvoll, eine Übernachtung einzuplanen. So mindern Sie das Risiko für Besenreißer und Krampfadern und beugen einer Thrombose vor. Tragen Sie außerdem lockere Kleidung und bequeme Schuhe, um die Reise noch angenehmer zu gestalten.

Besonders wichtig ist auf langen Reisen, genug zu trinken! So entlasten Sie Ihren Kreislauf. Geeignet sind Fruchtsäfte und stilles Wasser.

Es kann außerdem sinnvoll sein, mehrere kleinere Mahlzeiten über die Reise verteilt zu sich zu nehmen als wenige große, die den Magen zu sehr belasten würden.

Überanstrengen Sie sich nicht! Wenn Sie außer Puste geraten, dann bekommt Ihr Baby auch zu wenig Sauerstoff ab. Wandern ist auch in der Schwangerschaft in Ordnung, sollte aber im Rahmen bleiben und Sie sollten 2.000 Höhenmeter nicht überschreiten. Tauchen sollten Sie speziell mit Ihrem Frauenarzt absprechen. Gegen Schwimmen hingegen ist nichts einzuwenden.

Zusammengefasst bedeutet das für Sie:

  • Beine hochlegen und bewegen
  • Höhenunterschiede von mehr als 2.000 Metern vermeiden
  • im Auto immer anschnallen
  • keine ausgedehnten Sonnenbäder
  • Kompressionsstrümpfe tragen
  • lieber schnorcheln als tauchen
  • möglichst im 2. Trimester verreisen
  • Pausen einlegen
  • Reisen in Länder vermeiden, für die spezielle Impfungen nötig sind
  • Überhitzung vermeiden
  • viel trinken

Sonne und Solarium

Gleichmäßig gebräunte Haut ist schön anzusehen und suggeriert Wohlbefinden. Und der Urlaub am Strand kann durchaus erholsam sein. Doch ist Sonnenbaden während der Schwangerschaft empfehlenswert? Grundsätzlich sollten Sie sich mit Ihrem Frauenarzt besprechen, wenn Sie ins Solarium gehen möchten oder einen Sonnenurlaub planen!

UV-A- und UV-B-Strahlung können Sonnenbrand, Hautalterung und im schlimmsten Fall Hautkrebs verursachen – das gilt nicht nur in der Schwangerschaft. In der Schwangerschaft aber reagiert Ihre Haut hormonbedingt anders auf die Sonneneinstrahlung, sowohl auf die natürliche Sonne wie auch auf das Solarium. Viele Schwangere bekommen ganz ohne besonders intensive Sonneneinstrahlung Pigmentflecken. Bei längeren Sonnenbädern können sich helle und dunkle Pigmentflecken bilden oder bestehende Flecken vergrößern.

Darum sollten Sie beim Sonnenbaden in der Schwangerschaft besonders vorsichtig sein und zunächst langsam ausprobieren, was Sie in dieser Zeit vertragen. Wenn Sie sich wohlfühlen, können Sie die Sonnenbäder langsam steigern. Das gilt für die natürliche Sonne als auch für das Solarium.

  • Meiden Sie in der Zeit von 12 bis 15 Uhr die direkte Sonne und
  • tragen Sie luftige Kleidung und am besten auch einen Sonnenhut.
  • Cremen Sie sich regelmäßig mit Sonnencreme ein und
  • achten Sie darauf, viel zu trinken.

Brechen Sie das Sonnenbad unverzüglich ab, wenn es Ihnen zu warm wird oder Sie sich unwohl fühlen. Denn die Hitze kann nicht nur bei Ihnen zu Kreislaufproblemen führen. Ihr Baby kann außerdem seine Körpertemperatur noch nicht selbstständig regulieren. Überhitzung ist daher auch für Ihr Kind äußerst schädlich.

Wenn Sie nicht auf das Solarium verzichten möchten, planen Sie eine kürzere Zeitspanne ein und reduzieren Sie die Anzahl der Besuche im Sonnenstudio. Wählen Sie außerdem ein schwächeres Gerät, um Ihr Kind vor zu starken Temperaturschwankungen und einer Überhitzung zu schützen und Kreislaufproblemen vorzubeugen. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie gut beraten werden und man im Solarium auf Ihre Schwangerschaft eingeht.

Selbstbräuner

Eine sinnvolle Alternative zum Solarium sind Selbstbräuner. Die meisten handelsüblichen Cremes, Sprays oder Gele sind unbedenklich für Ihr Baby, weil sie nur die oberste Hautschicht chemisch verfärben. Verzichten Sie aber auf Produkte, in denen bräunungsbeschleunigende Psoralene enthalten sind, weil diese möglicherweise Krebs auslösen können.