Frau am Anfang der Schwangerschaft mit kleinem Bauch und offener Hose mit Gummiband
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Rektusdiastase

Das Baby ist längst auf der Welt, aber der Bauch wölbt sich noch immer unschön nach vorne? Möglicherweise haben Sie eine Rektusdiastase. So nennt man die Lücke zwischen den geraden Bauchmuskeln, wenn sie breiter ist als 2,7 Zentimeter. Lesen Sie hier, wie Sie eine Rektusdiastase erkennen, bis wann sie sich wieder schließen sollte und mit welchen Übungen Sie nachhelfen können, damit der Bauch wieder in Form kommt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Ein dicker Schwangerschaftsbauch braucht Platz. Dafür müssen die Bauchmuskeln weichen. Ab dem fünften oder sechsten Monat der Schwangerschaft kommt es deshalb häufig zur Rektusdiastase (rectus lat. = gerade, diastase gr. = Auseinanderstehen). Diese Lücke im Bereich des Bauchnabels entsteht, wenn die geraden Bauchmuskeln auseinandergehen.

Kurz nach der Geburt ist eine Rektusdiastase ganz normal. Wie breit sie ist, hängt unter anderem davon ab, wie Bindegewebe und Bauchmuskeln beschaffen sind. Ist das Bindegewebe schwach und die Bauchmuskulatur weich, ist die Lücke größer. Bei den meisten frisch gebackenen Mütter ist sie etwa zwei bis vier Finger breit. Einer norwegischen Studie zufolge haben auch noch sechs Wochen nach der Entbindung 60 Prozent der Mütter eine Rektusdiastase.

Normalerweise bildet sich die Lücke nach der Geburt langsam innerhalb von sechs Monaten von selbst zurück. Unter den Frauen aus der oben genannten Studie hatte jedoch jede Dritte auch nach einem Jahr noch den Spalt zwischen den Bauchmuskeln.

Sie können jedoch mit speziellen Bauchmuskelübungen nachhelfen, damit sich die Rektusdiastase schließt. Diese Übungen können Sie zum Beispiel bei Rückbildungsgymnastikkursen lernen.

Manchmal bleibt die Rektusdiastase allerdings auch bestehen. Vor allem dann, wenn der Spalt zwischen den Bauchmuskeln besonders groß ist. Dann sind krankengymnastische Übungen notwendig und sehr selten auch eine OP.

Die meisten Frauen wünschen sich natürlich, nach der Entbindung möglichst schnell wieder einen straffen Bauch zu bekommen. Es ist allerdings nicht sinnvoll, gleich nach der Geburt mit Übungen zu beginnen. Die Rückbildung benötigt Zeit und Geduld.

Rektusdiastase: Ursachen

In der Schwangerschaft bewirken Hormone, dass Bänder, Bindegewebe und Muskeln weicher werden. Schließlich braucht das wachsende Baby Platz.

Die geraden Bauchmuskeln sitzen links und rechts des Bauchnabels und verlaufen senkrecht. Das sind die Muskeln, die man bei einem "Sixpack" sieht. Sie treffen sich in der Mitte bei der "Linea alba", einem Bindegewebsstreifen. Sie ist die Schwachstelle, an der die Rektusdiastase entsteht.

Mit dem wachsenden Bauch dehnen sich die Muskeln und verlieren an Spannung. Wenn der Bauch im letzten Schwangerschaftsdrittel dann so richtig ausladend ist, müssen sie zur Seite ausweichen und ziehen dabei an der Linea alba. Ist das Bindegewebe stark, kann es den ziehenden Bauchmuskeln besser standhalten. Gibt es rasch nach, kommt es schneller zu einer Lücke zwischen den Bauchmuskeln. Die Linea alba verbreitert sich dann.

Folgende Fälle begünstigen eine Rektusdiastase:

  • ein überdurchschnittlich großes Baby
  • eine Mehrlingsschwangerschaft
  • eine rasche Gewichtszunahme
  • eine überdurchschnittlich große Menge an Fruchtwasser (Hydramnion)
  • mehrere Schwangerschaften in Folge
  • schweres Heben und Tragen

Eine Rektusdiastase betrifft jedoch nicht ausschließlich Schwangere. Starkes Übergewicht kann ebenfalls bewirken, dass die Bauchmuskeln auseinanderdriften. Das Problem kommt also auch bei Männern vor.

In sehr seltenen Fällen ist eine Rektusdiastase angeboren. Dann sind die Bauchmuskeln falsch positioniert.

Babys, insbesondere wenn sie zu früh geboren sind, kommen manchmal auch mit einer Rektusdiastase zur Welt, weil ihre Bauchmuskeln noch nicht voll entwickelt sind. Das legt sich in den meisten Fällen jedoch mit der Zeit von selbst.

Rektusdiastase: Symptome

In der Regel macht eine Rektusdiastase überhaupt keine Beschwerden. Sie ist vor allem ein ästhetisches Problem. Ungefähr dort, wo der Bauchnabel ist, kann sie als Wulst zwischen den auseinanderstehenden Bauchmuskeln sichtbar sein. Vor allem, wenn die betroffene Person die Bauchmuskeln anspannt. Ist die Rektusdiastase ausgeprägt, können jedoch auch folgende Symptome auftreten:

  • Schmerzen vor allem im unteren Rückenbereich und in der Hüfte, weil der Rücken die schwache Bauchmuskulatur ausgleichen muss
  • Verstopfung, weil die Bauchmuskeln nicht mehr auf den Darm drücken. Das ist aber wichtig, damit er richtig funktionieren kann.
  • schlechte Körperhaltung, weil die Statik beeinträchtigt ist
  • in extremen Fällen ein Bauchwandbruch. Dann wölben sich Teile des Binde- und Fettgewebes nach außen vor.

Rektusdiastase: Selbsttest

Der Arzt kann eine Rektusdiastase an der Bauchdecke ertasten. Mithilfe eines Ultraschalls kann er feststellen, wie ausgeprägt sie ist.

Mit diesem Test können Sie selbst erkennen, ob Sie eine Rektusdiastase haben

Nach der Geburt können Sie ertasten, wie weit Ihre Bauchmuskeln während der Schwangerschaft weichen mussten:

  • Legen Sie sich dafür auf den Rücken
  • Spannen Sie Ihre Bauchmuskulatur an und heben Sie den Oberkörper leicht an
  • Fühlen Sie dann über dem Bauchnabel die Lücke

Im Frühwochenbett ist sie etwa ein bis zwei Finger breit. Danach sollte sie sich innerhalb eines halben Jahrs langsam wieder schließen.

Das hilft gegen eine Rektusdiastase

Am besten unterstützen Sie die Rückbildung der Rektusdiastase mit speziellen Bauchmuskelübungen. Frühestens allerdings fünf Wochen nach der Geburt dürfen Sie anfangen, Übungen zu machen. Und zwar erst dann, wenn Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur auch während der Bauchmuskelübungen aktiv kontrollieren können.

Durch die Hormone in der Schwangerschaft wird die Beckenbodenmuskulatur nämlich ebenfalls weicher. Trainieren Sie nun die Bauchmuskulatur, bevor der Beckenboden wieder in Form ist, werden die Organe nach unten gegen den Beckenboden gedrückt und verhindern, dass er sich richtig erholen kann.

Falls Sie übergewichtig sind, sollten Sie versuchen, an Gewicht zu verlieren.

In schweren Fällen und falls es aufgrund des nachgebenden Bindegewebes zu einem Bruch der Bauchwand (Hernie) gekommen ist, kann auch eine Operation notwendig sein. Dann fixiert der Arzt die Bauchmuskeln mit inneren Nähten an der richtigen Stelle. Außerdem kann er die Bauchdecke mit einem Kunststoffnetz stabilisieren.

Eine häufige Empfehlung gegen Rektusdiastase ist, den Bauch zu tapen oder einen Bauchgurt zu tragen. Das hilft jedoch nur in Kombination mit physiotherapeutischen Übungen.

Darauf sollten Sie achten, wenn Sie eine Rektusdiastase haben:

  • keine schweren Dinge heben und tragen
  • keine anstrengenden Bauchmuskelübungen machen, bei denen sich der Bauch vorwölbt (Situps, Crunches)
  • Wenn Sie liegen, drehen Sie sich zum Aufstehen immer zur Seite.

Bis wann sollte sich eine Rektusdiastase schließen?

Nach einem halben Jahr sollte sie sich geschlossen haben. Aber auch danach können Sie mit Übungen und Physiotherapie noch erreichen, dass die große Lücke zwischen den Bauchmuskeln verschwindet.

Rektusdiastase: Diese Übungen können Sie machen

Situps, Crunches und Planks sollten Sie am Anfang vermeiden und erst nach etwa einem halben Jahr wieder machen.

Bei einer Rektusdiastase ist diese Übung zum Beispiel gut geeignet, um die Bauchmuskeln wieder in Form zu bringen:

  • Legen Sie sich auf den Rücken und stellen Sie nacheinander die Füße auf. Ziehen Sie die Zehen nach oben an.
  • Spannen Sie zuerst den Beckenboden an, dann die Bauchmuskulatur.
  • Heben Sie Kopf und Schultern an und schieben Sie beiden Arme parallel in Richtung zum rechten Fuß.
  • Halten Sie die Position ein wenig.
  • Nun legen Sie den Oberkörper ab und lösen Sie die Spannung.
  • Wiederholen Sie den Vorgang auf der anderen Seite und wiederholen Sie das Ganze einige Male.