Tolbutamid

Allgemeines

Tolbutamid gehört zu den Wirkstoffen aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe. Es wird heute weitgehend durch den Wirkstoff Glibenclamid ersetzt und nur noch gelegentlich in Form von Tabletten zur Behandlung einer Zuckerkrankheit vom Typ 2 (Diabetes mellitus Typ 2) eingesetzt. Voraussetzung ist immer, dass eine vorherige Diät und Gewichtsreduktion nicht zu einem gut eingestellten Blutzuckerspiegel geführt haben.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Blutzucker normalisieren
  • Insulinausschüttung fördern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Tolbutamid im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Tolbutamid nicht verwendet werden?

Besteht eine Überempfindlichkeit gegen Sulfonylharnstoffe, Sulfonamide oder Probenecid, einem Mittel gegen Gicht, kann es auf Grund einer Kreuzallergie zu einer Überempfindlichkeitsreaktion gegen Tolbutamid kommen.

Bei Störungen der Produktion des roten Blutfarbstoffs (Porphyrien) sollte das Medikament nicht eingenommen werden.

Patienten, die an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt sind, dürfen kein Tolbutamid bekommen. Sie benötigen eine Insulintherapie.

Eine eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion schließt die Gabe von Tolbutamid ebenfalls aus, da es bei diesen Patienten zu einer geringeren Ausscheidung des Wirkstoffs kommt. Ein längeres Verbleiben des Medikaments im Körper könnte zu vermehrten Unterzuckerungen führen.

Während schwerer Stoffwechselentgleisungen mit sehr hohem Blutzuckerwert oder Blutübersäuerungen oder während einer Ohnmacht aus Insulinmangel (diabetisches Koma) darf Tolbutamid nicht gegeben werden. Auch vor größeren geplanten Operationen, bei Unfällen oder schweren Infektionen muss Tolbutamid abgesetzt werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Tolbutamid soll während der Schwangerschaft und in der Stillzeit nicht angewendet werden, statt dessen soll die Mutter mit Insulin behandelt werden. Das Medikament kann in den Mutterkuchen und die Muttermilch gelangen, weiterhin wurden bei der Behandlung mit Tolbutamid vermehrt Fehlbildungen beobachtet.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Da bei der Behandlung von Kindern mit Tolbutamid noch zu wenige Erfahrungen vorliegen, sollen Kinder dieses Medikament nicht einnehmen.

Welche Nebenwirkungen kann Tolbutamid haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Tolbutamid. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Unterzuckerung mit Abfall des Blutzuckerwertes unter 50 Milligramm pro Deziliter(insbesondere bei älteren Patienten), Gewichtszunahme.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Störungen, wie Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Völlegefühl und Bauchschmerzen, metallischer Geschmack, Aufstoßen, Druckgefühl, Juckreiz, Nesselsucht, Knotenflechte (Erythema nodosum), Hautausschlag, erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut, kleine Hauteinblutungen (Purpura).

Seltene Nebenwirkungen:
abnehmende Zahl von Blutplättchen.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
schwere Hautreaktionen mit Hautausschlägen (Stevens-Johnson-Syndrom, exfoliative Dermatitis, Erythrodermie, Erythema nodosum), Erhöhung der Leber-Enzym-Werte, Leberentzündung,
Blutbildveränderungen, allergische Nasenschleimhautentzündungen, Lungenentzündung (eosinophile Infiltrate), leicht harntreibende Wirkung, vorübergehende Seh- und Anpassungsstörungen des Auges, Bluthochdruck, Fieber, Gelenkschmerzen, Eiweißverlust über den Urin (Proteinurie), Gelbsucht.

Besonderheiten:
Von den Nebenwirkungen zu unterscheiden sind mögliche Anzeichen einer Unterzuckerung wie plötzliches Schwitzen, Herzklopfen, Heißhunger, Zittern, Kribbeln im Mundbereich, Blässe, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schlafstörungen, Ängstlichkeit, Unsicherheit der Bewegungen, vorübergehende Sprech- und Sehstörungen, vorübergehende Lähmungserscheinungen oder Empfindungsstörungen, innere Unruhe bis zur Bewusstlosigkeit mit feucht-kühler Haut und Krämpfen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Tolbutamid?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wirkstoffe, die die Wirkung des Medikaments verstärken, führen dazu, dass der Blutzucker stärker gesenkt wird. Dies geschieht bei der gleichzeitigen Einnahme des Medikaments mit Insulin oder anderen Mitteln gegen Diabetes. Auch die zeitgleiche Einnahme von Schmerzmitteln aus der Gruppe der nichtsteroidalen Entzündungshemmer, wie Acetylsalicylsäure oder Phenylbutazon und -derivate oder Metamizol führen zu einer verstärkten Senkung des Blutzuckers.

Mittel gegen Bluthochdruck wie beispielsweise die ACE-Hemmer und die Beta-Blocker führen ebenfalls zu einer verstärkten Wirkung von Tolbutamid. Darüberhinaus werden bei gleichzeitiger Einnahme von Beta-Blockern Unterzuckerungen oft zu spät erkannt, da die typischen Vorboten wie Herzklopfen nicht so gut wahrgenommen werden.

Auch Mittel gegen Depressionen verstärken die Blutzuckersenkung, ebenso Bezafibrat zur Senkung der Blutfette oder die Paraaminosalicylsäure.

Arzneimittel, die die Wirkung von Tolbutamid abschwächen, führen dazu, dass der Blutzuckerspiegel weniger stark gesenkt wird. Durch Kortison, Mittel gegen Asthma aus der Gruppe der Beta-Sympathomimetika und Schilddrüsenhormone wird die blutzuckersenkende Wirkung abgeschwächt.

Auch harntreibende Medikamente und Sexualhormone führen dazu, dass die Wirkung von Tolbutamid vermindert wird. Ferner vermindern Chlorpromazin (Mittel bei Psychosen), Azetazolamid (entwässerndes Mittel bei grünem Star) und Indometacin (ein Antirheumatikum) die Blutzuckersenkung durch Tolbutamid.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Alkoholgenuss kann die blutzuckersenkende Wirkung unvorhersehrbar verstärken oder abschwächen.
  • Längere Einnahme von Abführmitteln verschlechtert die Stoffwechsellage.
  • Das Bedienen von Maschinen kann beeinträchtigt werden.
  • Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr kann beeinträchtigt werden.
  • Während einer Unterzuckerung ist die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

So wirkt Tolbutamid

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Tolbutamid. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Sulfonylharnstoffe und Abkömmlinge, orale Antidiabetika, Antidiabetika, zu welcher der Wirkstoff Tolbutamid gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Tolbutamid

Tolbutamid gehört zu den Wirkstoffen aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe. Es wird heute weitgehend durch den Wirkstoff Glibenclamid ersetzt und nur noch gelegentlich in Form von Tabletten zur Behandlung einer Zuckerkrankheit vom Typ 2 (Diabetes mellitus Typ 2) eingesetzt. Voraussetzung ist immer, dass eine vorherige Diät und Gewichtsreduktion nicht zu einem gut eingestellten Blutzuckerspiegel geführt haben.

Tolbutamid kann auch in Kombination mit Metformin und anderen Antidiabetika angewendet werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Tolbutamid sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Tolbutamid

    Tolbutamid ist erst in sehr hohen Dosierungen wirksam. Die Wirkung beginnt nach ein bis zwei Stunden und hält bis zu 18 Stunden an.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.