Pegfilgrastim

Allgemeines

Pegfilgrastim wird als zusätzlicher Wirkstoff in der Krebsbehandlung eingesetzt. Viele Patienten, die Zytostatika gegen ihre Krebsbehandlung erhalten, erleiden Blutbildveränderungen. Gefährlich ist hierbei vor allem der Mangel an neutrophilen Blutkörperchen (Neutropenie), der zu erhöhter Infektanfälligkeit führt.

Welchem Zweck dient dieser Wirkstoff?

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Pegfilgrastim im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Pegfilgrastim nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen Pegfilgrastim darf der Wirkstoff nicht eingesetzt werden. Die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Pegfilgrastim wurde bei Patienten mit Störungen der Knochenmarksfunktion wie dem myelodysplastischen Syndrom oder Blutkrebs-Formen wie der chronisch-myeloischen Leukämie und sekundären akuten myeloischen Leukämie nicht untersucht. Daher sollte der Wirkstoff bei solchen Patienten nicht angewendet werden. Ebenso ist die Anwendung zur Verminderung von Nebenwirkungen einer übermäßig hochdosierten Chemotherapie verboten.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abschätzung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Pegfilgrastim angewendet werden bei
  • einer bestimmten Blutkrebsform (akuter myeloischer Leukämie) als Dauertherapie, weil hierzu noch keine Langzeitstudien gemacht wurden
  • Patienten mit der Blutkrankheit Sichelzellanämie, weil Pegfilgrastim Sichelzellkrisen hervorrufen kann.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher wurden zur Sicherheit und Wirkung von Pegfilgrastim bei schwangeren Frauen keine ausreichenden Studien gemacht. Tierexperimente haben schädliche Wirkungen auf die Nachkommenschaft gezeigt; das mögliche Risiko für den Menschen ist aber nicht bekannt. Daher darf der Wirkstoff nicht während der Schwangerschaft angewendet werden, es sei denn, der Arzt hält es für eindeutig erforderlich.

Da es auch keine klinischen Studien mit stillenden Frauen gibt, ist auch in der Stillzeit die Anwendung von Pegfilgrastim verboten.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Erfahrung der Behandlung von Kindern mit Pegfilgrastim ist begrenzt. Im Vergleich zu älteren Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren, 12 bis 21 Jahren und Erwachsenen wurde bei Kindern im Alter bis 5 Jahre eine größere Häufigkeit an schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet. Die am häufigsten berichtete Nebenwirkung war Knochenschmerz.

Welche Nebenwirkungen kann Pegfilgrastim haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Pegfilgrastim. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Übelkeit, Knochenschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Arm- und Beinschmerzen, Rückenschmerzen, Skelettmuskelschmerzen, Nackenschmerzen.

Häufige Nebenwirkungen:
Mangel an Blutplättchen, Reaktion an der Injektionsstelle (einschließlich Schmerzen im Bereich der Einstichstelle).

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Sichelzellkrise, Überschuss an weißen Blutkörperchen, Überempfindlichkeitsreaktionen, allergischer Schock, Erhöhung des Harnsäurewertes, akute Atemnot, Lungenentzündung (interstitielle Pneumonie), Wasseransammlung in der Lunge, Umwandlung von Lungen- in funktionsloses Gewebe (Lungenfibrose), Milzschwellung, Milzriss, akute Hautentzündung mit Fieber (Sweet-Syndrom), Entzündung der Hautblutgefäße, nicht vom Herzen ausgehende Schmerzen im Brustkorb, vorübergehende Erhöhung von Leberwerten (ALAT, ASAT), Erhöhung der Werte von Lactatdehydrogenase und alkalischer Phosphatase.

Seltene Nebenwirkungen:
Krebspatienten und gesunde Spender von Blut­stammzellen:
Entzündung der Hauptschlagader.

Besonderheiten:
Übelkeit und Kopfschmerzen können auch eine Folge der vorangegangenen Behandlung mit Zytostatika sein.

Das Auftreten von Husten, Fieber und Atemnot können erste Anzeichen für ein Atemnotsyndrom sein. In solchen Fällen sollte der Arzt den Wirkstoff absetzen und eine angemessene Therapie beginnen.

Vereinzelt kommt es bei der Therapie mit dem Wirkstoff zu einem sogenannten Kapillarlecksyndrom. Dabei werden die Wände der kleinsten Blutgefäße durchlässig für das Blutwasser. Die Blutmenge nimmt dadurch stark ab, es kommt zu starker Wasseransammlung im Gewebe, Blutdruckabfall, Mangel an Bluteiweißen und einer Eindickung des Blutes. Das Auftreten dieses schweren Krankheitsbildes ist unterschiedlich in Häufigkeit und Schweregrad und kann auch tödlich verlaufen. Bisher sind seit der Markteinführung seit August 2002 weltweit vier Fälle von Kapillarlecksyndrom berichtet worden, davor verlief einer tödlich.

Anzeichen einer Entzündung der Hauptschlagader sind Fieber, Bauchschmerzen, Unwohlsein und Rückenschmerzen. Bei solchen Beschwerden sollte sofort ein Arzt befragt werden

Welche Wechselwirkungen zeigt Pegfilgrastim?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Weil Blutzellen gegen Zytostatika sehr empfindlich sind, wird Pegfilgrastim ungefähr 24 Stunden nach Gabe einer Chemotherapie angewendet. In klinischen Studien hat sich ein "Sicherheitsabstand" von 14 Tagen vor einer Chemotherapie als sicher erwiesen. Die gleichzeitige Anwendung von Pegfilgrastim mit einem Zytostatikum wurde bei Patienten nicht untersucht. In Tierversuchen zeigte sich bei gleichzeitiger Anwendung von Pegfilgrastim mit 5-Fluorouracil oder anderen Zytostatika eine gesteigerte Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark. Die Effekte des Wirkstoffs zusammen mit Zytostatika wie Lomustin, Nimustin und Estramustin, die die Blutbildung verzögert unterdrücken, wurde nicht untersucht.

Mögliche Wechselwirkungen mit anderen blutbildenden Wachstumsfaktoren (beispielsweise Epoetin alfa, Epoetin beta) und Zytokinen (wie beispielsweise Interferonen oder koloniestimulierenden Faktoren) wurden in klinischen Studien nicht gezielt untersucht.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Wenn eine schwerwiegende allergische Reaktion auftritt, muss die Behandlung vom Arzt sofort beendet werden.
  • Bei Auftreten von linksseitigen Oberbauchschmerzen oder Schmerzen in der Schulterregion sollte der Arzt verständigt werden, da ein Milzriss vorliegen kann.
  • Bei Husten, Fieber und Atemnot ist ein Arzt zu befragen, um ein Atemnotsyndrom auszuschließen.
  • Treten während der Behandlung allgemeine Schwellungen, selteneres Wasserlassen, Atembeschwerden, Schwellung im Bereich des Bauchraumes und Müdigkeit auf, muss sofort ein Arzt verständigt werden.
  • Bei Auftreten von Fieber, Bauchschmerzen, Unwohlsein und Rückenschmerzen während der Behandlung sollte sofort ein Arzt befragt werden.
  • Die Behandlung mit dem Medikament sollte nur von erfahrenen Krebsärzten oder Blutfachärzten begonnen und überwacht werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Pegfilgrastim?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Pegfilgrastim enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Pegfilgrastim

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Pegfilgrastim. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Immunstärkende und -schwächende Mittel, zu welcher der Wirkstoff Pegfilgrastim gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Pegfilgrastim

Pegfilgrastim wird als zusätzlicher Wirkstoff in der Krebsbehandlung eingesetzt. Viele Patienten, die Zytostatika gegen ihre Krebsbehandlung erhalten, erleiden Blutbildveränderungen. Gefährlich ist hierbei vor allem der Mangel an neutrophilen Blutkörperchen (Neutropenie), der zu erhöhter Infektanfälligkeit führt.

Pegfilgrastim verkürzt die Dauer von Neutropenien und vermindert die Häufigkeit Neutropenie-bedingten Fiebers.

Der Wirkstoff darf allerdings nicht verwendet werden, wenn die Neutropenie durch die Blutkrebsform chronisch-myeloische Leukämie oder Störungen der Knochenmarksfunktion wie dem myelodysplastischen Syndrom verursacht ist.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Pegfilgrastim sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Pegfilgrastim

Ein wichtiger Teil der körpereigenen Abwehr sind die neutrophilen Granulozyten, auch kurz Neutrophile genannt. Sie stellen den größten Anteil der weißen Blutkörperchen. Als sogenannte Fresszellen spüren sie Mikroorganismen auf und zerstören diese. Die Entstehung neutrophiler Granulozyten und ihre Freisetzung aus dem Knochenmark wird durch den humanen Granulozyten-koloniestimulierende Faktor (G-CSF) gesteuert. Dieser Faktor ist eine Zucker-Eiweiß-Verbindung, die gentechnisch als der Wirkstoff Filgrastim durch das Bakterium Escherichia coli hergestellt wird. Pegfilgrastim ist die Verbindung von Filgrastim mit einem einzelnen Polyethylenglykol (PEG-Molekül). Pegfilgrastim ist eine Form von Filgrastim mit verlängerter Wirkung, da das PEG-Molekül die Ausscheidung durch die Niere verzögert.

Pegfilgrastim führt wie Filgrastim innerhalb von 24 Stunden zu einem deutlichen Anstieg der Zahl neutrophiler Granulozyten im Blut. Die Menge der Monozyten und/oder Lymphozyten bleibt dabei praktisch unverändert. Als Reaktion auf eine Behandlung mit Pegfilgrastim verfügen die gebildeten neutrophilen Granulozyten über eine normale oder erhöhte Funktionsfähigkeit. Sie sind also gewissermaßen "tüchtiger" im Aufspüren und Vernichten von Krankheitserregern.

Wie andere Wachstumsfaktoren von Blutzellen lässt Pegfilgrastim im Labor menschliche Zellen von Blutgefäßinnenwänden wuchern. Auch kann es das Wachstum aller Zellen fördern, die durch das Knochenmark gebildet werden. Dadurch besteht die Gefahr deren Entartung zu Krebszellen.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.