Naftidrofuryl

Allgemeines

Naftidrofuryl wird zur Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit im Stadium zwei eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine arterielle Durchblutungsstörung, von der in erster Linie die Beine betroffen sind. Im Stadium zwei schmerzen die Beine beim Gehen, in Ruhe treten aber noch keine Beschwerden auf. Naftidrofuryl wird jedoch nur dann verordnet, wenn ein Gehtraining oder mechanische Verfahren zur Erweiterung der Blutgefäße, wie beispielsweise mittels Ballonkatheter, nicht ausreichend wirken oder nicht angewendet werden können.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Durchblutung fördern
  • Gehfähigkeit bei peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen verbessern
  • Durchblutungsstörungen in Händen und Füßen verringern
  • Durchblutungsstörungen im Innenohr verringern
  • Sehstörungen bei Durchblutungsstörungen vermindern
  • Ohrgeräusche mildern
  • Altersschwerhörigkeit verbessern
  • altersbedingte Hirnleistungsstörungen reduzieren
  • Folgeschäden von Schlaganfällen behandeln
  • Menière-Krankheit behandeln
  • Raynaud-Syndrom lindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Naftidrofuryl im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Naftidrofuryl nicht verwendet werden?

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Naftidrofuryl darf der Wirkstoff nicht angewendet werden.

Bei gerade erlittenem Herzinfarkt oder bestehender schwerer Angina Pectoris (Brustenge, anfallsartige Schmerzen in der Herzgegend) besteht ebenfalls ein Behandlungsverbot. Weiterhin ist eine schwere Herzmuskelschwäche, die sich bereits in Ruhe bemerkbar macht, als Gegenanzeige anzusehen. Auch schwere Herzrhythmusstörungen, ein Schlaganfall mit Einblutungen ins Gehirn sowie niedriger Blutdruck schließen eine Therapie mit Naftidrofuryl aus.

Ebenfalls nicht behandelt werden sollten Patienten mit erhöhter Oxalsäurekonzentration im Urin, kalziumhaltigen Nierensteinen und Leberfunktionsstörungen. Das Gleiche gilt bei Patienten mit erhöhter Neigung zu Krampfanfällen.

Bei arteriellen Blutungen oder einer Blutdruckregulationsstörung beim Aufstehen und Aufsetzen sollte weiterhin keine Behandlung mit Naftidrofuryl erfolgen. Dies gilt ebenso während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder.

Bei verengten Herzkranzgefäßen infolge einer Arteriosklerose (die Arterien sind verhärtet, verdickt und eingeengt) darf Naftidrofuryl nur nach vorheriger Rücksprache mit dem behandelnden Arzt angewendet werden.

Vor jedem Behandlungsbeginn sollte ein EKG geschrieben werden. So können Patienten mit Herzrhythmusstörungen von der Therapie mit Naftidrofuryl sicher ausgeschlossen werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Da derzeit keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, sollte Naftidrofuryl nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Naftidrofuryl ist für Kinder nicht geeignet.

Welche Nebenwirkungen kann Naftidrofuryl haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Naftidrofuryl. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Erregung, niedriger Blutdruck.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
allergisch bedingte Hautreaktionen (Nesselsucht), Müdigkeit, Blutdrucksenkung, Speiseröhrenentzündung, Erhöhung des Blutzuckers und Gefahr der Überzuckerung (Hyperglykämie), Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Unruhe, Schwindel.

Seltene Nebenwirkungen:
Herzrhythmusstörungen, Benommenheit.

Sehr seltene Nebenwirkungen und Einzelfälle:
Leberentzündungen, Gelbsucht infolge einer Störung des Gallenflusses, Anstieg von Leberwerten im Blut, akute Leberzelluntergänge, anfallsartige Schmerzen in der Herzgegend, Gewebswasseransammlungen, Beschwerden beim Wasserlassen, Bewusstseinsverlust ohne erkennbare Ursache, Krampfanfallsneigung, Gefäßschwellungen, Nierensteine, Kribbeln, Gefühlsstörungen und "Ameisenlaufen" der Haut.

Besonderheiten:
Während der Behandlung muss auf eine genügende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, damit eine ausreichende Urinausscheidung gewährleistet ist.

Welche Wechselwirkungen zeigt Naftidrofuryl?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Naftidrofuryl verstärkt die Wirkung von Mitteln gegen Bluthochdruck, Mitteln gegen Herzrhythmusstörungen sowie von Betarezeptorenblockern (werden gegen Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche, Durchblutungsstörungen am Herzen, Herzrhythmusstörungen sowie grünen Star eingesetzt). Eine individuelle Dosisanpassung durch den behandelnden Arzt kann deshalb erforderlich werden. Diese Patienten sind zudem sorgfältig zu überwachen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Eine sorgfältige ärztliche Überwachung ist bei der Behandlung von Patienten mit Herzkranzgefäßverengung mit diesem Medikament erforderlich.
  • Während der Behandlung mit diesem Medikament muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.
  • Vor Behandlungsbeginn mit diesem Medikament sollte ein EKG geschrieben werden.
  • Das Reaktionsvermögen kann durch das Medikament so weit beeinträchtigt sein, dass Arbeiten ohne sicheren Halt, Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind. Alkohol verstärkt die Reaktionsvermögensbeeinträchtigung zusätzlich.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Naftidrofuryl?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Naftidrofuryl enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Kapseln
Filmtabletten
Retarddragees
Retardkapseln

So wirkt Naftidrofuryl

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Naftidrofuryl. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen durchblutungsfördernde Mittel, Antidementiva, zu welcher der Wirkstoff Naftidrofuryl gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Naftidrofuryl

Naftidrofuryl wird zur Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit im Stadium zwei eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine arterielle Durchblutungsstörung, von der in erster Linie die Beine betroffen sind. Im Stadium zwei schmerzen die Beine beim Gehen, in Ruhe treten aber noch keine Beschwerden auf. Naftidrofuryl wird jedoch nur dann verordnet, wenn ein Gehtraining oder mechanische Verfahren zur Erweiterung der Blutgefäße, wie beispielsweise mittels Ballonkatheter, nicht ausreichend wirken oder nicht angewendet werden können.

Naftidrofuryl ist innerhalb seiner Substanzklasse der einzige Wirkstoff, für den nach Auffassung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft die Verbesserung der Gehfähigkeit in methodisch einwandfreien Studien wirklich nachgewiesen werden konnte.

Darüber hinaus werden auch andere Erkrankungen, die mit Durchblutungsstörungen einhergehen, mit Naftidrofuryl behandelt. Ob es hier wirklich hilft, ist aber unklar. Zu diesen Erkrankungen gehören beispielsweise funktionelle Durchblutungsstörungen an Händen und Füßen, die durch eine Fehlregulation der Gefäßweite bedingt sind (Raynaud-Syndrom). Weiterhin sind dies altersbedingte Hirnleistungsstörungen sowie Bewegungsverlust und verminderte Sinneswahrnehmung infolge eines Schlaganfalls. Ebenso gehören Erkrankungen, die mit Durchblutungsstörungen des Innenohres einhergehen, wie Hörsturz, Altersschwerhörigkeit, Ohrgeräusche oder die Ménière-Krankheit (Erkrankung mit Drehschwindel, einseitigem Ohrensausen und Hörsturz) dazu. Daneben wird der Wirkstoff auch bei Durchblutungsstörungen der Netzhaut und Aderhaut des Auges eingesetzt. So soll einer Verminderung des Sehvermögens, einem Nachlassen der Sehschärfe oder einer Einschränkung des Gesichtsfeldes entgegengewirkt werden. Bei all diesen genannten Erkrankungen ist der therapeutische Nutzen von Naftidrofuryl aber nicht gesichert.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Naftidrofuryl sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Naftidrofuryl

Naftidrofuryl ist ein Thrombozytenaggregationshemmer und gehört zur Gruppe der innerlich anzuwendenden durchblutungsfördernden Mittel. Die Wirkung für alle Anwendungsbereiche beruht auf folgenden verschiedenen Prinzipien:

In den Blutgefäßwänden sowie an den Blutplättchen (Thrombozyten) befinden sich Bindungsstellen (Rezeptoren) für den körpereigenen Botenstoff Serotonin. Serotonin bindet sich normalerweise an diese Rezeptoren. Das bewirkt physiologisch eine Verengung der Blutgefäße, eine Erhöhung der Durchlässigkeit der Blutkapillaren sowie ein Zusammenkleben der Blutplättchen. Naftidrofuryl verhindert, dass sich Serotonin an die Rezeptoren bindet. Infolgedessen erweitern sich die Gefäße und es kann mehr Blut hindurchströmen. Das Zusammenkleben der Blutplättchen wird so ebenfalls gehemmt, das Blut verklumpt darum deutlich weniger. Der Wirkstoff verbessert also die grundlegende Durchblutungssituation im Körper.

Daneben soll Naftidrofuryl die Fließeigenschaften des Blutes verbessern. Dies kommt unter anderem durch eine verbesserte Verformbarkeit der roten Blutkörperchen zustande. Die roten Blutkörperchen sind scheibenförmige, kernlose Blutzellen. Sie enthalten den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) und transportieren den Sauerstoff von der Lunge zu den Geweben. Besser verformbare rote Blutkörperchen können auch enge Blutgefäße schneller und effektiver durchströmen. Die Sauerstoffversorgung wird so ebenfalls erhöht.

Es gibt weiterhin Hinweise, dass Naftidrofuryl die Durchlässigkeit von Gefäßen vermindert. So würden Wasseransammlungen in Zellen und Geweben (Ödeme) aufgrund von erhöhter Gefäßdurchlässigkeit reduziert werden. Dieser Wirkmechanismus ist aber noch nicht vollständig gesichert.

Abschließend kann noch erwähnt werden, dass dieser Wirkstoff örtlich betäubende Eigenschaften hat.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.