Dihydroergotoxin

Allgemeines

Bei Dihydroergotoxin handelt es sich um ein Gemisch aus vier verschiedenen Substanzen. Dies sind Dihydroergocornin, Dihydroergocristin, Alpha-Dihydrogergocryptin und Beta-Dihydroergocryptin im Verhältnis 3:3:2:1.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Hirnleistungsfähigkeit bei Demenzerkrankungen verbessern
  • Bluthochdruck bei älteren Patienten senken
  • Schwindel nach Verletzungen im Halswirbelsäulenbereich lindern
  • Durchblutung fördern
  • geistigen Verfall verlangsamen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Dihydroergotoxin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Dihydroergotoxin nicht verwendet werden?

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Dihydroergotoxin oder anderen Mutterkornalkaloiden ist die Einnahme untersagt.

Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit niedrigem Blutdruck, bei nicht körperlich begründbaren Psychosen sowie bei gleichzeitiger Einnahme von blutdrucksenkenden Mitteln geboten. Der Arzt wird individuell nach Art und Ausmaß der Erkrankung über eine Therapie entscheiden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Dihydrogertoxin bewirkt ein Zusammenziehen der Gebärmutter und kann deshalb zu vorzeitigen Wehen führen. Außerdem vermindert es die Durchblutung des Mutterkuchens (Plazenta). Deshalb darf es während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.

Dihydroergotoxin geht weiterhin in die Muttermilch über. Beim gestillten Säugling kann es so zu Durchfall, Erbrechen und Krämpfen kommen. Es hemmt außerdem die Ausschüttung des Hormons Prolaktin. Da Prolaktin für die Milchbildung verantwortlich ist, würde sich der Milchfluss reduzieren. Stillende Mütter sollten daher keine Arzneimittel mit dem Wirkstoff Dihydrogertoxin anwenden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Dihydroergotoxin bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gibt es keine ausreichenden Studien. Deshalb sollte der Wirkstoff bei dieser Altersgruppe nur unter besonderer ärztlicher Berücksichtigung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses angewendet werden.

Welche Nebenwirkungen kann Dihydroergotoxin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Dihydroergotoxin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Übelkeit, Erbrechen, Brechreiz, Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Schlafstörungen, Unruhe, Gefühl der verstopften Nase, verlangsamter Herzschlag, Blutdruckabfall, Kreislaufprobleme, Schwindel, leichter Kopfdruck, Juckreiz, Kribbeln und Kältegefühl in Armen und Beinen, Blutdruckregulationsstörung beim Aufstehen oder Aufsetzen.

Sehr seltene Nebenwirkungen und Einzelfälle:
Angstgefühle, Erregtheit, depressive Reaktionen, Durchfall, Verstopfung, Hautjucken, Hautrötung.

Bemerkungen:
Bei Leberfunktionsstörungen sowie bei verminderter Nieren- und Leberleistung im Alter können sich die Konzentrationen an Dihydroergotoxin im Blut erhöhen. Deshalb ist in der Regel eine Dosisverminderung erforderlich.

Aufgrund der blutdrucksenkenden Wirkung kann es besonders bei Patienten mit niedrigem Blutdruck zu Gangunsicherheit, Schwindelgefühl, leichten Kopfschmerzen sowie zu Kreislaufregulationsstörungen beim Aufstehen und Aufsetzen kommen.

Nach längerer Anwendung (drei bis vier Wochen) können bestehende Brustbeklemmungen vermehrt auftreten oder Brustengegefühle erstmalig erscheinen.

Dihydroergotoxin sollte nur eingesetzt werden, wenn es keine anderen Wirkstoffe gegen die Beschwerden gibt. Es kann nämlich bindegewebige Verklebungen der Herzklappen, aber auch der Lunge, des Brust- oder Bauchfells hervorrufen. Das Fibrose-Risiko ist unter den Ergotaminen unterschiedlich ausgeprägt, am höchsten bei Dihydroergotamin.

Welche Wechselwirkungen zeigt Dihydroergotoxin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Dihydroergotoxin sollte nicht gleichzeitig mit anderen Mutterkornalkaloiden (Migränemittel) angewendet werden. Die Wirkungen könnten sich ergänzen und die für Mutterkorn typischen Vergiftungserscheinungen (Ergotismus) hervorrufen. Diese Vergiftungserscheinungen äußern sich in bläulicher Haut und Schleimhaut, Gefäßkrämpfen mit Taubheitsgefühl und Missempfindungen, Muskellähmungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Krämpfen sowie Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma.

Die Wirkung von blutdruckerhöhenden Mitteln kann vermindert sein. Umgekehrt ist eine Wirkungsverstärkung von allen blutdrucksenkenden Arzneimitteln möglich. Der Blutdruck kann dann gefährlich absinken. Die gleichzeitige Einnahme von gefäßerweiternden Mitteln auf Nitrobasis kann die Wirkung von Dihydroergotoxin verstärken. Eine regelmäßige Blutdruckkontrolle ist in diesen Fällen erforderlich.

Da Dihydrogergotoxin das Zusammenkleben von Blutplättchen zu Gerinnseln hemmt, sind bei gleichzeitiger Einnahme von blutgerinnungshemmenden Mitteln regelmäßige ärztliche Kontrollen der Blutgerinnungswerte notwendig.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Einnahme des Medikaments sind regelmäßige Blutdruckkontrollen und eine ärztliche Überwachung des Kreislaufs erforderlich.
  • Bevor der Arzt das Medikament gegen Hirnleistungsstörungen einsetzt, sollte geklärt werden, ob die Krankheitserscheinungen nicht auf einer gezielt behandelbaren Grunderkrankung beruhen.
  • Durch das Medikament ist eine Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens möglich, die die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen und zur aktiven Verkehrsteilnahme einschränkt. Das gilt besonders im Zusammenwirken mit Alkohol.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Dihydroergotoxin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Dihydroergotoxin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Retardkapseln
Tropflösung
Filmtabletten
Tabletten

So wirkt Dihydroergotoxin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Dihydroergotoxin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Mutterkornalkaloide, durchblutungsfördernde Mittel, Blutdrucksenker, zu welcher der Wirkstoff Dihydroergotoxin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Dihydroergotoxin

Bei Dihydroergotoxin handelt es sich um ein Gemisch aus vier verschiedenen Substanzen. Dies sind Dihydroergocornin, Dihydroergocristin, Alpha-Dihydrogergocryptin und Beta-Dihydroergocryptin im Verhältnis 3:3:2:1.

Dihydroergotoxin soll die Beschwerden bei Demenz verbessern. Unter Demenz versteht man den geistigen Verfall, der zum Abbau der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit führt. Weitere Symptome sind Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen und Denkstörungen, schnelle Ermüdung, Antriebslosigkeit, mangelnde Motivation, Unausgeglichenheit, Verhaltensstörungen, Schwindel und Verwirrtheit. Studien zeigen allerdings, dass die Wirksamkeit von Dihydroergotoxin von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein kann. Nur bei einem Teil wurde die erhöhte Aufmerksamkeit, Wachheit, positive Stimmung und erhöhte Aktivität dokumentiert. Diese Ergebnisse lassen sich aber nicht verallgemeinern. Das resultiert unter anderem daher, dass in diesen Studien sehr unterschiedliche Strategien und Methoden zur Erfolgsbewertung angewendet wurden. Darum lassen sich Ergebnisse mehrerer Studien auch nicht miteinander vergleichen. Der therapeutische Nutzen von Dihydroergotoxin ist deshalb nach wie vor umstritten.

Darüber hinaus wird Dihydroergotoxin gegen Bluthochdruck im Alter eingesetzt. In einer sechswöchigen Studie konnte eine wirksame Blutdrucksenkung bei älteren Patienten nachgewiesen werden.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die symptomatische Behandlung des Halswirbelsäulensyndroms. Bei diesen Patienten tritt häufig Schwindel auf, der sich mit einer Dihydroergotoxin-Behandlung bessert.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Dihydroergotoxin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Dihydroergotoxin

Dihydroergotoxin ist ein Mutterkornalkaloid und gehört zu den innerlich anzuwendenden durchblutungsfördernden Mitteln. Seine Wirkung geht vom zentralen Nervensystem aus. Die Wirkweise kann wie folgt erklärt werden:

Dihydroergotoxin verhindert die Blutpfropfbildung, das heißt, die an der Blutgerinnung beteiligten Blutplättchen können sich nicht mehr zusammenballen. Dadurch vermindert sich das Risiko, dass Blutgefäße verstopfen. Außerdem werden durch Dihydroergotoxin die Fließeigenschaften des Blutes und damit die Sauerstoffversorgung verbessert. Dies gilt speziell für die kleinsten Blutgefäße. Der Nervenzellstoffwechsel wird ebenfalls optimiert. Die Funktionalität der Nervenzelle wird so konstant aufrechterhalten. Sowohl die verminderte Blutgerinnung, die verbesserte Sauerstoffversorgung als auch der optimierte Nervenstoffwechsel haben sich bei der Demenz als vorteilhaft erwiesen.

Dihydroergotoxin besetzt weiterhin Bindungsstellen (Alpha-Rezeptoren) im Körper, an denen normalerweise der Botenstoff Noradrenalin andockt. Noradrenalin kann dadurch nicht seine gefäßverengende Wirkung entfalten. So können sich die Blutgefäße weiten und es kann mehr Blut hindurch strömen. Gleichzeitig sinkt der Gefäßdruck und somit der Blutdruck.

Zusätzlich wird noch das Enzym (Funktionseiweiß) Phosphodiesterase gehemmt. Das Enzym Phosphodiesterase baut den in Körperzellen vorhandenen Botenstoff (cAMP) ab. Dieser Botenstoff lässt die Muskelzellen der Gefäßwände erschlaffen. Dadurch sind die Gefäßwände dehnbar und es kann mehr Blut hindurchfließen. Wenn also das Enzym Phosphodiesterase gehemmt wird, wird der Botenstoff cAMP weniger stark abgebaut und kann dadurch länger im Körper wirken. Dadurch bleiben die Gefäße länger weit und es fließt mehr Blut hindurch. So wird wahrscheinlich auch die Migräne gelindert.

Warum Schwindel beim Halswirbelsäulensyndrom durch Dihydroergotoxin gebesset wird, ist nicht endgültig geklärt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.