Die Hand eines Senioren hält die Hand einer jüngeren Person.
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Sterbeprozess – wenn das Leben zu Ende geht

Über das Sterben denken die meisten Menschen nicht gern nach. Kein Wunder – denn wie sich der Tod anfühlt, ob es danach weitergeht und wenn ja, wie, darüber kann niemand berichten. Wie der Sterbeprozess im Körper abläuft, ist dagegen medizinisch zu einem großen Teil erklärbar.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Sterbeprozess: Wenn das Leben zu Ende geht

Auch wenn Sterben für viele gleich Tod bedeutet, ist der Sterbeprozess genau genommen auch Teil des Lebens: Er beginnt in der letzten Lebensphase und kennzeichnet den Übergang vom Leben in den Tod.

Der Sterbeprozess ist ein Prozess des Abschieds, des Ablösens und Wandels. Der Kontakt zu den Mitmenschen geht immer mehr verloren. Das Bewusstsein und geistige Aktivitäten schwinden. Die Vitalfunktionen wie Puls, Herzschlag und Atmung bleiben aus. Die Zellen des Körpers sterben nach und nach ab, womit sich auch die sterblichen Überreste verändern. Zu welchem Zeitpunkt der Prozess des Sterbens genau einsetzt, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.

Der Tod kann sehr abrupt eintreten, zum Beispiel nach einem Unfall oder als Folge eines akuten Herzinfarkts. Dann verläuft der Sterbeprozess unter Umständen sehr viel schneller, als wenn jemand aufgrund langer Krankheit verstirbt.

Phasen bis zum Tod

Menschen, die an einer schweren, unheilbaren Erkrankung leiden, durchlaufen oft verschiedene Phasen, bevor sie aus dem Leben gehen: Zunächst sind viele trotz fortschreitender Erkrankung selbstständig und führen nach wie vor ein selbstbestimmtes Leben. Irgendwann nehmen jedoch die körperlichen Einschränkungen trotz Pflege und Behandlungen so stark zu, dass sie den Betroffenen immer mehr in seinem Alltag einschränken. Letztendlich nehmen die Körperfunktionen so weit ab, dass der Kranke immer schwächer wird und schließlich der Tod eintritt.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin unterteilt die letzten Phasen vor dem Tod bei lebensverkürzenden Erkrankungen wie folgt:

  • Rehabilitationsphase: Obwohl die Erkrankung fortschreitet und der Kranke pflegebedürftig ist, kann er weiterhin selbstständig und selbstbestimmt leben. Die prognostizierte Lebenszeit beträgt dann meist noch einige Monate, selten Jahre.

  • Präterminalphase: In dieser Phase hat der Patient meist wenige Wochen oder Monate zu leben. Er hat aufgrund seiner Erkrankung immer stärker werdende Beschwerden und ist in seinem Alltag zunehmend eingeschränkt. Therapie und Pflege können Einschränkungen durch die Krankheit nicht aufhalten, die Symptome häufen sich, der Kranke wird schwächer und seine Aktivität nimmt ab.

  • Terminalphase: Der Erkrankte ist permanent oder überwiegend bettlägerig. Bis zum Tod dauert es meist nur noch einige Tage.

  • Finalphase oder Sterbephase: Die Körperfunktionen lassen immer weiter nach, bis schließlich der Tod eintritt. Diese Phase beschreibt den eigentlichen Sterbeprozess. Sie tritt in den letzten Tagen bis Stunden vor dem Tod ein.

Genau genommen befindet sich der Körper ein Leben lang im Sterbeprozess: Mit dem Älterwerden sterben stetig Zellen ab. Dies ist ein ganz normaler Vorgang, von dem allerdings nur bestimmte Zellen betroffen sind, wie zum Beispiel Hautzellen, Nervenzellen oder Blutzellen. Zwar erneuern sich diese Zellen durch Zellteilung ständig, sodass immer wieder neue Körperzellen entstehen. Mit zunehmendem Alter läuft dieser Prozess jedoch immer langsamer ab und stellt sich irgendwann komplett ein.

Sterbephase: Die letzten Stunden bis zum Tod

In den letzten Lebensstunden oder -tagen beginnt die Finalphase des Sterbeprozesses: die Sterbephase. Man bezeichnet sie auch als Agonie. Die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit lässt in dieser Phase immer mehr nach. Der Erkrankte "liegt im Sterben".

Die Sterbephase verläuft bei jedem Menschen etwas anders. Bei vielen Sterbenden treten kurz vor dem Tod bestimmte körperliche Veränderungen und Anzeichen auf, die den nahenden Tod ankündigen – bei anderen fehlen diese Anzeichen.

Die Atmung verändert sich

Die Atemzüge können im Sterbeprozess schneller und flacher werden oder aber auch viel langsamer. Manchmal wird der Atem sehr unregelmäßig.

Wenn der Kranke zu schwach ist, die natürlich bestehende Schleimschicht in den Atemwegen abzuhusten, entsteht oft ein rasselndes oder röchelndes Geräusch. Das Atemgeräusch behindert die Atmung des Betroffenen vermutlich nicht, häufig sind jedoch die Angehörigen davon beunruhigt. In diesem Fall kann es helfen, den Oberkörper hoch zu lagern oder den Kranken in der Seitenlage zu positionieren. In den meisten Fällen wird nicht empfohlen, den Schleim in den Atemwegen abzusaugen: Diese Prozedur wäre für den Sterbenden eine große Belastung. Zudem bildet sich der Schleim innerhalb kürzester Zeit erneut. Auch kann es sein, dass die Schleimproduktion durch das Absaugen sogar angeregt wird.

Hunger- und Durstgefühl lassen nach

Viele Sterbende wollen in den letzten Tagen nichts mehr essen und trinken, was bei Angehörigen oft die Angst auslöst, der Betroffene könnte verhungern oder verdursten. Das mangelnde Hunger- und Durstgefühl in den letzten Tagen ist jedoch normal: Die Aufnahme von Kalorien und Flüssigkeit stellt eine Belastung für den Körper dar und erschwert den Sterbeprozess. Man vermutet, dass Schmerzen weniger stark sind und der Körper unempfindlicher auf verschiedene Reize reagiert, wenn keine Nährstoffe zugeführt werden. Trotzdem kann man Betroffenen, wenn möglich, immer wieder kleine Mengen zu trinken anbieten.

Aufgrund der mangelnden Flüssigkeitsaufnahme haben viele Patienten einen trockenen Mund. Wichtig ist vor allem, die Mundschleimhaut des Betroffenen feucht zu halten und auf eine gute und regelmäßige Mundpflege zu achten, um Mundtrockenheit vorzubeugen und die natürliche Mundflora zu schützen.

Bewusstsein und Gefühlslage verändern sich

Viele Sterbende wirken kurz vor dem Tod ruhelos und empfinden zunehmend Angst. Andere ziehen sich in der Sterbephase nach "innen" zurück und nehmen die Außenwelt nicht mehr richtig wahr. Oft trübt sich in den letzten Lebenstagen das Bewusstsein. Häufig wirken Menschen, die im Sterben liegen, als würden sie schlafen oder als befänden sie sich im Halbschlaf. Der Blick wirkt getrübt und abwesend. Bei einigen stimmt die Wahrnehmung nicht mehr mit der Realität überein, sie wirken mehr und mehr verwirrt. Sie erkennen zum Beispiel ihre Angehörigen nicht mehr oder sie nehmen bereits Verstorbene im Raum wahr.

Der Stoffwechsel verändert sich

Auch der Stoffwechsel verändert sich in der Sterbephase, so zum Beispiel die Nierenfunktion. Die Menge an Urin nimmt ab, sodass er dunkler erscheint und strenger riecht. Es kann vorkommen, dass sich durch diese Veränderungen im Stoffwechsel ein besonderer Körpergeruch entwickelt, den manche als unangenehm empfinden.

Die Durchblutung wird geringer

Schließlich ändert sich die Durchblutung: Der Puls wird schwach und schneller, die Körpertemperatur fällt, sodass Arme und Beine abkühlen. Die Haut wirkt blass und an einigen Stellen marmoriert.

Kurz bevor der Tod eintritt, schlägt das Herz nur noch schwach und der Atem geht flach. Die Hirnaktivität nimmt ab, sodass auch die Wahrnehmung nur noch eingeschränkt funktioniert – Seh- und Hörvermögen lassen nach, bis das Herz stehenbleibt. Wenige Minuten, nachdem der Kreislauf seine Funktion eingestellt hat, tritt der Hirntod ein.

Medikamente: So viel wie nötig, so wenig wie möglich

In der Sterbephase ist es wichtig, den Patienten so wenig wie möglich unnötig zu belasten. Jetzt geht es nur noch darum, Beschwerden zu lindern und den letzten Lebensabschnitt so positiv wie möglich zu gestalten.

Medikamente kommen daher nur zum Einsatz, um akute Beschwerden zu behandeln – etwa Übelkeit, Schmerzen, Panik oder Atemnot. Alle anderen Medikamente, die der Patient bisher genommen hat, können in vielen Fällen abgesetzt beziehungsweise ausgeschlichen werden, da sie für den Körper eine zusätzliche Belastung bedeuten würden.

Sterbeprozess: Klinischer Tod, Hirntod, biologischer Tod

Ärzte unterscheiden zwischen den klinischen Tod, den Hirntod und dem biologischen Tod.

Klinischer Tod: Rettung unter Umständen möglich

Beim klinischen Tod versagen die Vitalfunktionen. Das bedeutet: Lebenswichtige Vorgänge wie Atmung und Herz-Kreislauf-Funktionen enden.

Beim klinischen Tod besteht – im Gegensatz zum Hirntod – für einige Minuten die Möglichkeit, die Vitalfunktion zu reaktivieren. Bei rechtzeitiger Herzmassage, künstlicher Beatmung oder Elektrodefibrillation kann der Patient so unter Umständen gerettet werden.

Anzeichen für den klinischen Tod sind:

  • Bewusstlosigkeit
  • Herzstillstand (kein Puls mehr vorhanden)
  • Atemstillstand
  • fehlender Lidschlussreflex bei Berührung
  • fehlender Pupillenreflex bei Lichteinfall

Hirntod: Hirnfunktionen sind erloschen

Wenn sämtliche Hirnfunktionen durch den Sauerstoffmangel vollständig versagt haben und dieser Zustand nicht rückgängig gemacht werden kann, sprechen Mediziner vom Hirntod.

Wenn das Herz-Kreislauf-System nicht mehr arbeitet, werden die Organe nicht mehr mit Blut versorgt – und somit auch nicht mit Sauerstoff, der sich im Blut befindet. Ohne Sauerstoff können Gehirn, Herz, Leber, Nieren und alle anderen Organe nicht mehr funktionieren und sterben ab. Dies geschieht allerdings nicht gleichzeitig.

Das Gehirn ist das erste Organ, das durch die fehlende Blutversorgung seine Funktion verliert. Nach wenigen Sekunden ohne Sauerstoff fallen die Sinnesleistungen aus und das Bewusstsein schwindet. Der Stoffwechsel hört auf zu arbeiten. Nach etwa 10 bis 15 Minuten sterben die Zellen des Gehirns ab. Der Patient gilt dann als hirntot.

Wenn jemand hirntot ist,

  • fällt er in ein tiefes Koma ohne Reizantwort,
  • erschlafft die Muskulatur,
  • fehlen zentrale Reflexe,
  • stellen sich die Pupillen weit,
  • setzt die Atmung aus und
  • im Elektroenzephalogramm (EEG) sind keine Hirnströme mehr messbar (sog. Null-Linien-EEG).

Der Hirntod ist jedoch nicht mit dem vollständigen Tod eines Menschen gleichzusetzen – verschiedene Zellen und Zellkomplexe können auch nach dem Hirntod noch eine Weile überleben, sodass weitere Organfunktionen erst nach und nach ausfallen. Rückgängig machen lässt sich der Hirntod jedoch nicht.

Bei Hirntoten kann die Herz-Kreislauf-Funktion auf der Intensivstation künstlich aufrechterhalten werden. Dies ist zum Beispiel relevant, wenn Organe transplantiert werden sollen.

Überlebensdauer verschiedener Organe und Zellen nach Aussetzen des Herz-Kreislaufs:

  • Gehirn: 8 bis 10 Minuten
  • Herz: 15 bis 30 Minuten
  • Leber: 30 bis 35 Minuten
  • Muskulatur: 2 bis 8 Stunden
  • Spermien: 10 bis 83 Stunden

Biologischer Tod: Kein Stoffwechsel mehr

Bis die Verwesung des Körpers einsetzt, dauert es noch etwa 24 Stunden – dann hat der Körper den Stoffwechsel komplett eingestellt. In diesem Fall spricht man in der Fachsprache vom biologischen Tod. Wann genau dieses Stadium erreicht ist, lässt sich in der Praxis nicht feststellen.

Sterbeprozess: Was versteht man unter Scheintod?

In sehr seltenen Fällen kommt es vor, dass ein Mensch für tot gehalten wird, obwohl er lebt. Er befindet sich dann in einem Zustand tiefer Bewusstlosigkeit. Eindeutige Lebenszeichen wie Atmung oder Herzschlag sind dann so schwach ausgeprägt, dass sie nicht wahrgenommen werden. Gleichzeitig fehlen aber sichere Todeszeichen wie Leichenstarre oder Todesflecke. Diesen Zustand bezeichnet man als Scheintod.

Um den Mindestgrundumsatz der Zellen zu gewährleisten, reichen eine sehr schwache Atmung und Durchblutung aus. Unter Umständen erscheint der Mensch wie tot - im Elektrokardiogramm (EKG) oder Elektroenzephalogramm (EEG) lässt sich jedoch elektrische Aktivität nachweisen.

Vorkommen kann ein Scheintod unter anderem durch

  • Überdosierung von Schlafmitteln,
  • eine Kohlenmonoxidvergiftung,
  • starke Unterkühlung,
  • die Folgen eines Blitzschlags oder
  • einen Unfall mit Starkstrom.

Wenn die Atmung rechtzeitig wieder einsetzt, kann sich die betroffene Person nach dem Scheintod unter Umständen wieder regenerieren.

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Sterbeprozess: Todeszeichen

Nach dem Tod verändert sich der Körper – Pathologen sprechen dann von Todeszeichen. Es lassen sich sichere und unsichere Todeszeichen unterscheiden.

Unsichere Todeszeichen

Unsichere Todeszeichen treten zwar bei jedem kürzlich Verstorbenen auf, können aber auch bei noch lebenden Menschen vorkommen. Sie sind daher kein Beweis dafür, dass der Tod bereits eingetreten ist.

Zu den unsicheren Todeszeichen zählen:

  • eine blasse Haut
  • ein kühler werdender Körper, insbesondere an den Extremitäten
  • fehlende Reflexe
  • keine erkennbare Atmung
  • kein fühlbarer Puls, keine Herztöne beim Abhorchen
  • Bewusstlosigkeit
  • Muskelerschlaffung
  • weite Pupillen, die nicht auf Licht reagieren

Sichere Todeszeichen

Der Tod lässt sich nur anhand der sicheren Todeszeichen eindeutig feststellen.

Zu den sicheren Todeszeichen gehören:

  • Totenflecken (Livores)
  • Leichenstarre (Rigor mortis)
  • späte Leichenerscheinungen wie Fäulnis und Verwesung
  • starke Verletzungen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind

Totenflecken

Die meist rot-bläulichen bis violetten Totenflecken werden in der Regel circa 30 bis 60 Minuten nach dem Tod sichtbar. Sie entstehen, weil das Blut nicht mehr in Bewegung ist und sich somit gemäß der Schwerkraft an bestimmten Stellen im Körper sammelt.

Leichenstarre

Bei der Leichenstarre versteift die Muskulatur. Dies passiert, weil keine elektrischen Impulse mehr in den Muskeln ankommen. So erschlafft die Muskulatur zunächst, bis sie ein bis drei Stunden später erstarrt, beginnend am Unterkiefer und im Bereich von Hals und Nacken. Nach einigen Tagen löst sich die Starre wieder.