Cladribin (zur Einnahme)

Allgemeines

Cladribin in Form von Tabletten oder anderen Präparaten zur Einnahme dient der Behandlung erwachsener Patienten mit hochaktiver schubförmiger multipler Sklerose (MS). Die Krankheit muss hierfür allerdings durch ärztliche Untersuchungen oder entsprechende bildgebende Verfahren bestätigt sein.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • spontanen Zelltod von Lymphzellen fördern
  • Entstehung von B- und T-Zellen der körpereigenen Abwehr verringern
  • Markscheiden der Nerven vor Abbau schützen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Cladribin (zur Einnahme) im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Cladribin (zur Einnahme) nicht verwendet werden?

Cladribin darf nicht eingesetzt werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV)
  • aktiven chronischen Infektionen wie Tuberkulose oder Leberentzündung (Hepatitis)
  • immungeschwächten Patienten, einschließlich solchen, die derzeit eine Therapie erhalten, die die körpereigenen Abwehrkräfte schwächt oder die Knochenmarksfunktion beeinträchtigt
  • bestehenden Krebserkrankungen
  • mittelschwerer oder schwerer Einschränkung der Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 60 Milliliter/Minute).
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf die Anwendung von Cladribin erfolgen bei
  • Patienten mit möglicher Herpes-Infektion (Gürtelrose-Neigung), weil diese wiederaufflammen kann
  • Patienten mit Krebserkrankungen in der Vergangenheit
  • Patienten, die Bluttransfusionen benötigen; hier wird der Arzt einen Spezialisten für Bluterkrankungen (Hämatologen) hinzuziehen
  • mittelschwerer oder schwerer Einschränkung der Leberfunktion (Child Pugh über 6), weil eine Behandlung in solchen Fällen nicht empfohlen wird.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Caldribin kann das Erbgut schädigen. Männern, die mit dem Wirkstoff behandelt werden, wird daher empfohlen, während der Behandlung und bis zu sechs Monate nach der Behandlung kein Kind zu zeugen.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu sechs Monate nach Behandlungsende eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die "Pille" durch Cladribin möglicherweise nicht ausreichend wirksam ist. Während der Behandlung mit Cladribin sowie für mindestens vier Wochen nach der letzten Dosis eines jeden Behandlungsjahres sollte daher zusätzlich eine Barrieremethode (Kondom, Pessar) angewendet werden.

Bisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Cladribin bei Schwangeren vor. Tierexperimente haben schädliche Wirkungen auf die Nachkommen gezeigt. Cladribin darf daher während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.

Es ist nicht bekannt, ob Cladribin in die Muttermilch übergeht. Während der Behandlung und für eine Woche nach der letzten Dosis darf nicht gestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Cladribin bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist bisher nicht nachgewiesen.

Welche Nebenwirkungen kann Cladribin (zur Einnahme) haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Cladribin (zur Einnahme). Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Mangel an Lymphzellen

Häufige Nebenwirkungen:
Herpes-Infektionen im Mund, Gürtelrose, verminderte Zahl von Neutrophilen Zellen im Blut, Hautausschlag, Haarausfall

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Tuberkulose
Besonderheiten:
Um das Risiko für einen schweren Mangel an Lymphzellen zu vermindern, wird der Arzt die Lymphozytenzahlen vor, während und nach der Behandlung mit Cladribin bestimmen.

Herpes-Infektionen könenn durch die Behandlung mit Cladribin gefördert werden. Wegen dieser Gefahr wird der Arzt besondere Vorsicht walten lassen, wenn ihm nicht bekannt ist, ob der Patienten schon mit dem Erreger der Gürtelrose (Varicella-Zoster-Viren) in Berührung kam.

Kommt es zu Störungen der Nervenfunktion, Verhaltensauffälligkeiten oder verminderter Hirnleistung, kann sich dahinter als Nebenwirkung eine fortschreitende Entmarkung der Nervenbahnen in der weißen Hirnsubstanz (PML) verbergen. Sie kann während, aber auch noch sechs Monate bis mehrere Jahre nach der Cladribin-Behandlung auftreten. Bei diesen Anzeichen muss die Therapie sofort abgebrochen werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Cladribin (zur Einnahme)?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Aufgrund des Risikos verstärkter Wirkungen auf die körpereigene Abwehr ist der Beginn einer Behandlung mit Cladribin bei immungeschwächten Patienten verboten. Darin eingeschlossen sind auch Patienten, die mit Wirkstoffen behandelt werden, die das Immunsystem schwächen. Darunter fallen die Zytostatika Methotrexat und Cyclophosphamid, Ciclosporin (gegen Organabstoßungen) oder der Entzündungshemmer Azathioprin sowie die Dauertherapie mit Glukokortikoiden (Kortison). Eine kurzzeitige Behandlung mit Kortison ist allerdings während der Behandlung mit Cladribin möglich.

Bei gleichzeitiger oder vorheriger Anwendung von Wirkstoffen, die eine Knochenmarksschädigung hervorrufen können, wird der Arzt Vorsicht walten lassen. Darunter fällt beispielsweise das Antiepileptikum Carbamazepin. Aber auch andere Wirkstoffe gegen multiple Sklerose wie beispielsweise Interferon beta können die Lymphzellenzahl vermindern. Eine Kombination wird daher nicht empfohlen.

Cladribin schwächt die körpereigene Abwehr. Eine Behandlung mit dem Wirkstoff sollte wegen des Risikos einer aktiven Impfinfektion frühestens vier bis sechs Wochen nach einer Impfung mit Lebend-Impfstoffen oder abgeschwächten Lebend-Impfstoffen begonnen werden. Während und nach der Behandlung mit Cladribin wird der Arzt eine Impfung mit diesen Impfstoffen vermeiden, solange die Anzahl der weißen Blutkörperchen nicht im Normalbereich liegt.

Die Aufnahme von Cladribin in den Körper ist von beeinflussbaren Transport-Mechanismen abhängig. Es sollte daher nicht zusammen mit Hemmstoffen derselben verabreicht werden. Dazu gehören Eltrombopag (gegen Blutplättchen-Mangel), die durchblutungsfördernden Mittel Dilazep und Cilostazol, die Blutdrucksenker Nifedipin und Nimodipin, das nicht-steroidale Antirheumatikum Sulindac oder das Psychopharmakon Reserpin. Da die genauen Auswirkungen nicht bekannt sind, wird der Arzt die Kombination vermeiden oder den Patienten besonders sorgfältig überwachen.

Möglicherweise wird die Wirkung von Cladribin durch das Tuberkulose-Mittel Rifampicin oder das Antidepressivum Johanniskraut abgeschwächt.

Bisher ist nicht bekannt, ob Cladribin möglicherweise die Wirksamkeit der "Pille" vermindert. Daher sollten Frauen, die sie anwenden, während der Behandlung mit Cladribin sowie für mindestens vier Wochen nach der letzten Dosis eines jeden Behandlungsjahres zusätzlich eine Barrieremethode (Kondom, Pessar) zur Verhütung anwenden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Männer und Frauen müssen während der Behandlung und bis zu sechs Monate nach deren Ende eine Schwangerschaft sicher verhüten.
  • Während der Behandlung und bis eine Woche nach der letzten eingenommenen Dosis darf nicht gestillt werden.
  • Vor und während der Behandlung mit dem Medikament muss der Arzt die Zahl der weißen Blutkörperchen regelmäßig überprüfen.
  • Bei Bestehen einer akuten Infektion muss mit dem Beginn der Behandlung gewartet werden, bis die Infektion erfolgreich behandelt ist.
  • Die Therapie mit dem Medikament darf nur durch einen in der Behandlung der multiplen Sklerose erfahrenen Arzt begonnen und überwacht werden.
  • Kommt es während der Therapie zu Nervenbeschwerden, Verhaltensauffälligkeit oder Hirnleistungsstörungen, wird der Arzt die Therapie verschieben oder beenden.
  • Das Medikament beeinträchtigt die Wirkung der "Pille", es muss daher zusätzlich mit Kondomen oder Pessaren verhütet werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Cladribin (zur Einnahme)?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Cladribin (zur Einnahme) enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Cladribin (zur Einnahme)

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Cladribin (zur Einnahme). Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Cladribin (zur Einnahme) gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Cladribin (zur Einnahme)

Cladribin in Form von Tabletten oder anderen Präparaten zur Einnahme dient der Behandlung erwachsener Patienten mit hochaktiver schubförmiger multipler Sklerose (MS). Die Krankheit muss hierfür allerdings durch ärztliche Untersuchungen oder entsprechende bildgebende Verfahren bestätigt sein.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Cladribin (zur Einnahme) sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Cladribin (zur Einnahme)

Die Entstehung einer multiplen Sklerose (MS) beruht auf einer komplizierten Abfolge von biologischen Ereignissen. Verschiedene Zellen der körpereigenen Abwehr, vor allem sogenannte B- und T-Zellen spielen darin eine wichtige Rolle. Sie verursachen unter anderen Faktoren den "Angriff" des Körpers auf seine eigenen Strukturen. Bei multipler Sklerose sind dies die isolierenden Markscheiden, die die Nervenzellen umgeben. Dadurch wird die Reizweiterleitung in den Nerven gestört und es kommt zu den für MS typischen Ausfallerscheinungen.

Cladribin gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika. Damit es wirksam werden kann, wird es vor allem innerhalb von Lymphzellen, aus den B- und T-Zellen entstehen, in seine aktive Form verwandelt. Dies geschieht durch das Enzym Desoxycytidinkinase. Grundlage der gezielten Wirkung ist das Ungleichgewicht zwischen der umwandelnden Desoxycytidinkinase und dem "entgiftenden" Enzym 5’-Nukleotidase in den Körperzellen. Lymphozyten enthalten im Vergleich zu anderen Zelltypen viel Desoxycytidinkinase und dagegen geringe Mengen an 5’-Nukleotidase. Desoxycytidinkinase wandelt Cladribin in ein schädliches Stoffwechselprodukt um, das den aktiven Zelltod (Apoptose) fördert. Cladribin unterscheidet sich von anderen ähnlich wirkenden Zytostatika dadurch, dass es sowohl sich aktiv teilende als auch ruhende Lymphzellen abtötet. Dadurch verringert sich die Zahl der vorhandenen B- und T-Zellen erheblich.

Man vermutet, dass die gezielte Ausschaltung von Lymphzellen die Grundlage der Wirkungen von Cladribin bei MS darstellt, jedoch ist der Wirkmechanismus noch nicht vollständig aufgeklärt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.