Bivalirudin

Allgemeines

Bivalirudin ist zur Blutverdünnung für erwachsene Patienten bestimmt, die sich einer Erweiterung der Herzkranzgefäße mit einem Ballonkatheter unterziehen. Vielfach sind dies Patienten nach einem schweren Herzinfarkt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Thrombin deaktivieren
  • Blutgerinnung vorübergehend verhindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Bivalirudin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Bivalirudin nicht verwendet werden?

Bivalirudin darf nicht angewendet werden bei Patienten mit
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder gegen Blutegel-Wirkstoffe
  • bestehenden Blutungen oder erhöhtem Blutungsrisiko aufgrund einer Gerinnungsstörung
  • schwerem unkontrolliertem Bluthochdruck
  • schlummernder Entzündung der Herzinnenhaut durch Bakterien
  • schwerer Nierenschädigung (glomeruläre Filtrationsrate < 30 Milliliter/Minute) und bei Blutwäsche-Patienten
  • Nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff bei Patienten eingesetzt werden, deren Herzkranzgefäße dauerhaft durch einen Stent erweitert wurden. Gleiches gilt für Krebs-Patienten, die sich einer Bestrahlung unterziehen, bei der die Strahlenquelle in unmittelbarer Nähe zum Tumor oder sogar darin liegt (Brachytherapie). Ein solches Verfahren wird häufig bei Brust- oder Prostatakrebs angewendet.

    Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

    Es gibt nur wenige Erkenntnisse zum Einsatz von Bivalirudin in der Schwangerschaft. Bivalirudin darf daher während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, solange der Zustand der Schwangeren die Behandlung nicht unbedingt erforderlich macht.

    Es ist nicht bekannt, ob Bivalirudin in die menschliche Muttermilch übergeht. Daher ist der Wirkstoff während der Stillzeit mit Vorsicht anzuwenden.

    Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

    Kinder leiden im Allgemeinen nicht unter den Erkrankungen, die zu den Anwendungsgebieten von Bivalirudin zählen. Es gibt daher wenig Erfahrung zur Dosierung im Kindes- und Jugendalter.

    Welche Nebenwirkungen kann Bivalirudin haben?

    Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Bivalirudin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

    Sehr häufige Nebenwirkungen:
    Leichte Blutungen an einer beliebigen Stelle

    Häufige Nebenwirkungen:
    verringerter Blutfarbstoff, schwere Blutungen an einer beliebigen Stelle (auch mit tödlichem Ausgang), Unterhautblutungen
    An der Einstichstelle:
    Blutung, blaue Flecken, Bluterguss

    Gelegentliche Nebenwirkungen:
    Mangel an Blutplättchen, Blutarmut, Überempfindlichkeitsreaktion (einschließlich Schock und tödlichem Ausgang), Kopfschmerzen, Bluterguss, niedriger Blutdruck, Nasenbluten, Blutspucken, Rachenblutung, Blutungen des Verdauungskanals (einschließlich Bluterbrechen, schwarzem Stuhl, Speiseröhrenblutung, Afterblutung), Blutung hinter dem Bauchfell, Zahnfleischbluten, Übelkeit, Blut im Urin

    Seltene Nebenwirkungen:
    verzögerte Gerinnungszeit, Gehirnblutung, Blutung im Auge, Ohrblutung, Herzinfarkt, beengende Flüssigkeitsansammlung im Herzen, Einblutung in den Herzbeutel, verstopfte Herzkranzarterien, Angina pectoris, verlangsamter Herzschlag, Herzrasen, Schmerzen im Brustraum, Verstopfung des Herzkrankzgefäßes an einem STENT (einschließlich tödlichem Ausgang), krankhafter Kurzschluss zwischen Arterien und Venen, verstopfter Herzkatheter, Riss eines Blutgefäßes, Lungenblutung, Atemnot, Bauchfellblutung, Bluterguss hinter dem Bauchfell, Erbrechen, Hautausschlag, Nesselsucht, Rückenschmerzen, Leistenschmerzen, Verletzung der Herzkranzgefäße durch den Katheter-Eingriff, Prellung
    An der Einstichstelle:
    Beschwerden, Schmerzen, Reaktionen

    Sehr seltene Nebenwirkungen:
    Schädigung von Gewebe durch krankhaft erhöhten Druck in einem von Muskelhaut abgegrenzten Raum (Kompartmentsydrom)

    Welche Wechselwirkungen zeigt Bivalirudin?

    Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

    Bei der kombinierten Anwendung von Blutverdünnern (Antikoagulantien) wie Heparin, Warfarin oder Thrombozytenaggregationshemmern kann davon ausgegangen werden, dass diese Wirkstoffe die Blutungsgefahr erhöhen.

    Darüber hinaus gibt es mit Thrombozytenaggregationshemmern einschließlich Acetylsalicylsäure, Ticlopidin, Clopidogrel, Abciximab, Eptifibatid und Tirofiban keine Wechselwirkungen.

    Besonderheiten:
    Bei der Kombination von Bivalirudin mit Thrombozytenaggregationshemmern oder anderen Antikoagulantien wird der Arzt die Blutgerinnung in jedem Fall regelmäßig kontrollieren.

    Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

    • Das Medikament darf ausschließlich in eine Vene gegeben werden.
    • Das Medikament ist nur von einem Arzt mit Erfahrung in der Akutbehandlung von Problemen der Herzkranzgefäße oder im Einsatz von Ballonkathetern anzuwenden.
    • Bei der Kombination mit anderen Blutverdünnern wird der Arzt die Blutgerinnung in jedem Fall regelmäßig kontrollieren.

    Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

    Welche Medikamente beinhalten Bivalirudin?

    Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Bivalirudin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

    Medikament
    Darreichungsform

    So wirkt Bivalirudin

    Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Bivalirudin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Blutverdünner (Antikoagulantien), zu welcher der Wirkstoff Bivalirudin gehört.

    Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Bivalirudin

    Bivalirudin ist zur Blutverdünnung für erwachsene Patienten bestimmt, die sich einer Erweiterung der Herzkranzgefäße mit einem Ballonkatheter unterziehen. Vielfach sind dies Patienten nach einem schweren Herzinfarkt.

    Bivalirudin wird auch zur Therapie Erwachsener mit schlecht behandelbarer Angina pectoris oder mit leichterem Herzinfarkt eingesetzt. Der Wirkstoff ist sowohl für einen Notfalleingriff als auch für eine frühzeitige Vorbeugung zugelassen.

    Bivalirudin muss zusammen mit anderen Blutverdünnern (Antikoagulantien) wie Acetylsalicylsäure und Clopidogrel angewendet werden.

    Zu folgenden Anwendungsgebieten von Bivalirudin sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Bivalirudin

    Bivalirudin gehört zur Wirkstoffgruppe der Blutverdünner (Antikoagulantien). Bei dem biotechnologisch hergestellten Wirkstoff handelt es sich um eine Kette von Aminosäuren.

    Bivalirudin hemmt direkt und gezielt einen Bestandteil der sogenannten Gerinnungskaskade, das Thrombin. Thrombin spielt bei der Gerinnsel-Entwicklung eine zentrale Rolle. Es spaltet Fibrinogen und aktiviert Faktor XIII zu Faktor XIIIa. Hierdurch kann sich lösliches Fibrin zu einem stabilen Gewebe zusammenlagern, das das Gerinnsel stabilisiert. Darüber hinaus aktiviert Thrombin die Gerinnungsfaktoren V und VIII, wodurch die Thrombin-Produktion weiter angeregt wird. Thrombin aktiviert zusätzlich spezielle Blutzellen, die Thrombozyten. Es bewirkt ihre Verklumpung und die Freisetzung von Substanzen, die die Blutgerinnung weiter beschleunigen. Bivalirudin hemmt jede dieser Thrombinwirkungen. Wird es in eine Vene gegeben, kommt es innerhalb von Minuten zu einer messbaren Gerinnungshemmung.

    Die Bindung von Bivalirudin an Thrombin ist nur vorübergehend, sodass auch seine Wirkung nur vorübergehend besteht; Thrombin spaltet nämlich das Bivalirudin selber langsam auf. Mit nachlassender Wirkung von Bivalirudin können sich die zu Beginn gehemmten Thrombinmoleküle mit anderen Gerinnungsfaktoren verbinden und die Blutgerinnung wieder in Gang setzen.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.