Atazanavir

Allgemeines

Atazanavir wird in Kombination mit niedrig dosiertem Ritonavir und zusammen mit anderen gegen Retroviren (AIDS-Erreger) wirksamen Substanzen zur Behandlung von HIV-1-infizierten Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren eingesetzt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Herstellung neuer Viren in der Wirtszelle verhindern
  • Infektion weiterer Wirtszellen unterbinden

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Atazanavir im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Atazanavir nicht verwendet werden?

Atazanavir darf nicht eingesetzt werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Patienten mit mäßiger bis schwerer Leberfunktionsstörung, weil diese die Wirkungen und Nebenwirkungen verstärkt
  • der Behandlung mit dem Tuberkulose-Mittel Rifampicin, wenn Atazanavir mit niedrig dosiertem Ritonavir kombiniert ist
  • bei Lungenhochdruck zusammen mit dem dagegen eingesetzten Sildenafil
  • gleichzeitiger Behandlung mit Wirkstoffen, die über das gleiche Enzymsystem abgebaut werden, weil dies zu Überdosierung derselben führen kann. Dazu gehören Alfuzosin (gegen gutartige Prostatavergrößerung), die H1-Antihistaminika Astemizol und Terfenadin, das Magenmittel Cisaprid, Pimozid (gegen Psychosen), Chinidin (gegen Herzrhythmusstörungen), Bepridil (Calciumkanalblocker, in Deutschland nicht erhältlich), die Benzodiazepine Triazolam und Midazolam (zur Einnahme) und Mutterkorn-Alkaloide, insbesondere Ergotamin, Dihydroergotamin, Ergometrin und Methylergometrin sowie das pflanzliche Johanniskraut (gegen Depressionen).
Nur nach einer strengen Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Atazanavir angewendet werden bei
  • Patienten, die der Blutwäsche bedürfen
  • Blutgerinnungsstörungen, weil es vermehrt zu Blutungen kommen kann
  • höherem Alter und schon länger andauernde Behandlung mit AIDS-Mitteln, weil sich eine dadurch bedingte Störung der Fettverteilung verschlimmern kann
  • Fettstoffwechselstörungen, weil es Hinweise darauf gibt, dass diese durch Atanazavir verstärkt werden könnten
  • bereits bestehenden Reizleitungsstörungen am Herzen mit verlangsamtem Puls, weil dieser weiter absinken kann. Dieses Risiko ist bei Kindern besonders hoch.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Atazanavir wurde bisher bei vielen schwangeren Frauen eingesetzt (zwischen 300 bis 1.000 Schwangerschaften). Die Erfahrungen zeigten, dass der Wirkstoff keine Fehlbildungen hervorruft. Die Anwendung ist daher während der Schwangerschaft möglich, sofern der Arzt den möglichen Nutzen über das mögliche Risiko stellt. Es ist allerdings nicht bekannt, ob die Behandlung der Mutter mit Atazanavir während der Schwangerschaft eine auch natürlich vorkommende Stoffwechselstörung des Neugeborenen (Hyperbilirubinämie) verstärkt und zu einer Gelbsucht bei Neugeborenen und Säuglingen führt. Im Zeitraum vor der Entbindung sollte der Arzt die Schwangere daher sorgfältig überwachen.

Es ist nicht bekannt, ob Atazanavir oder dessen Abbauprodukte beim Menschen in die Muttermilch übergehen, wie es Studien an Ratten zeigten. Als Regel gilt die Empfehlung, dass zur Vermeidung der Übertragung des AIDS-Erregers HIV-infizierte Frauen ihre Kinder nicht stillen dürfen. So spielt die Einnahme des Wirkstoffs keine Rolle.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern zwischen 6 Jahre bis unter 18 Jahre richtet sich die Dosis an Atazanavir nach dem Körpergewicht:
Kinder von 15 bis unter 20 Kilogramm erhalten einmal täglich 150 Milligramm Atazanavir. Zwischen 20 bis unter 40 Kilogramm sind einmal täglich 200 Milligramm Atazanavir einzunehmen und ab 40 Kilogramm einmal täglich 300 Milligramm. Diese Dosierungen sind jeweils mit einmal täglich 100 Milligramm Ritonavir zu kombinieren.

Die Anwendung von Atazanavir zusammen mit niedrig dosiertem Ritonavir bei Kindern, die weniger als 15 Kilogramm wiegen, wird durch die vorhandenen Studien nicht befürwortet. Ebenso wurde die Sicherheit und Wirksamkeit von Atazanavir bei Kindern im Alter von drei Monaten bis sechs Jahren nicht nachgewiesen. Daher kann für dieses Alter auch keine Dosierungsempfehlung gegeben werden. Für Kinder unter drei Monaten ist der Wirkstoff nicht geeignet, da er eine Gelbsucht auslösen kann.

Welche Nebenwirkungen kann Atazanavir haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Atazanavir. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Gelbfärbung der Augäpfel, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Gelbsucht, Ausschlag, Störung der Körperfettverteilung, Erschöpfung.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeit, Zuckerkrankheit, Zuckerüberschuss im Blut, Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme, Essensverweigerung, gesteigerter Appetit, Depressionen, Orientierungslosigkeit, Angst, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, unnormale Träume, Nervenstörungen in Armen und Beinen, Ohnmacht, Gedächtnisverlust, Schwindel, Benommenheit, Schmeckstörungen, Herzrhythmusstörungen (Torsade des pointes), Bluthochdruck, Atemnot, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Magenschleimhautentzündung, aufgeblähter Bauch, Mundschleimhautgeschwüre, Blähungen, Mundtrockenheit, Leberentzündung, Gallensteine, Gallenstau, Hautrötungen und Hautausschläge (Erythema multiforme, toxisches Exanthem), Arzneimittel-Hautausschlag (mit Blutbildveränderung und allgemeinen Beschwerden; DRESS-Syndrom), Nesselsucht, Haarausfall, Juckreiz, Muskelabbau, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Nierensteine, Blut im Urin, Einweiß im Urin, vermehrte Harnausscheidung, Brustschwellung, Brustschmerz, Unwohlsein, Fieber, Schwäche.

Seltene Nebenwirkungen:
EKG-Veränderungen (QTc-Verlängerung), Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), Herzklopfen, Milzschwellung, Gallenblasenentzündung, schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, blasiger Ausschlag, Ekzem), Blutgefäßerweiterung, Muskelerkrankung, Nierenschmerzen, anormaler Gang.

Welche Wechselwirkungen zeigt Atazanavir?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Atazanavir mit Ritonavir treten vor allem die Wechselwirkungen von Ritonavir mit anderen Substanzen in den Vordergrund. Daher sind vom Arzt vor allem diese Wechselwirkungen zu beachten.

Atazanavir wird in der Leber durch das Enzym CYP3A4 abgebaut und hemmt es. Der Einsatz von Atazanavir mit Ritonavir ist daher immer dann nicht zulässig, wenn gleichzeitig Wirkstoffe angewendet werden, die das Enzym CYP3A4 zum Abbau benötigen und sich schnell im Körper in giftigen Konzentrationen ansammeln. Dazu gehören Alfuzosin (gegen gutartige Prostatavergrößerung), die H1-Antihistaminika Astemizol und Terfenadin, das Magenmittel Cisaprid, Pimozid (gegen Psychosen), Chinidin (gegen Herzrhythmusstörungen), Bepridil (Calciumkanalblocker, in Deutschland nicht erhältlich), die Benzodiazepine Triazolam und Midazolam (zur Einnahme) und Mutterkorn-Alkaloide, insbesondere Ergotamin, Dihydroergotamin, Ergometrin und Methylergometrin sowie das pflanzliche Johanniskraut (gegen Depressionen).

Viele andere Wechselwirkungen von Bedeutung bestehen vor allem mit weiteren Mitteln, die zur AIDS-Behandlung eingesetzt werden. Hier kann es sowohl zu Wirkungsverstärkungen wie -abschwächungen kommen. Diese müssen vom behandelnden Arzt individuell beachtet und in der Fachinformation nachgelesen werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament ist für Kinder unter sechs Jahren nur bedingt und für Kinder unter drei Monaten nicht geeignet.
  • Die Behandlung mit dem Medikament soll nur durch einen Arzt begonnen werden, der in der Behandlung von HIV-Infektionen erfahren ist.
  • Während der Anwendung von Behandlungen mit dem Medikament kann Benommenheit auftreten, die Autofahren und das Führen von Maschinen gefährlich macht.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Atazanavir?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Atazanavir enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Atazanavir

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Atazanavir. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen virenhemmende Mittel, HIV-1-Proteasehemmer, zu welcher der Wirkstoff Atazanavir gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Atazanavir

Atazanavir wird in Kombination mit niedrig dosiertem Ritonavir und zusammen mit anderen gegen Retroviren (AIDS-Erreger) wirksamen Substanzen zur Behandlung von HIV-1-infizierten Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren eingesetzt.

Sollten schon gegen mehrere Wirkstoffe aus der Gruppe der HIV-1-Proteasehemmer bei den Retroviren des Patienten aufgrund von Resistenzen unwirksam gewesen sein, ist kein Nutzen von Atazanavir zu erwarten. Die Entscheidung für eine Behandlung mit dem Wirkstoff sollte vom Arzt bei Erwachsenen und Kindern, die bereits antiretroviral vorbehandelt sind, nach individuellen Resistenztests und der Krankengeschichte des Patienten gefällt werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Atazanavir sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Atazanavir

Atazanavir gehört zur Wirkstoffgruppe der HIV-1-Proteasehemmer. Diese Substanzen blockieren im AIDS-Erreger ein Enzym, (HIV-1-Protease) das für die Produktion neuer Viren unerlässlich ist. Damit verhindert Atazanavir, dass sich die Viren in den befallenen Zellen vermehren und nachfolgend weitere Zellen des Patienten infizieren können.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.