Ovestin 0,5mg Ovula

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 18.12.2007
Hersteller: Organon GmbH
Wirkstoff: Estriol
Darreichnungsform: Vaginalzäpfchen (Ovulum)
Rezeptpflichtig

Wirkung

Ovestin 0,5mg Ovula enthält den Wirkstoff Estriol.

Das Hormon Estriol wird gegen Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, verstärkter Knochenabbau (Osteoporose) und Hautschwund (Atrophie) eingesetzt. Vor allem dient der Wirkstoff aber zur Behandlung von Störungen im Vaginalbereich. Dazu zählen:
  • Beschwerden durch eine trockene Schleimhaut wie Brennen und Juckreiz
  • Entzündungen und Pilzinfektionen der Scheide
  • Ausfluss im Jugendalter (zur Verbesserung des Aufbaus der Scheidenflora)
  • begleitende Anwendung bei gynäkologischen Operationen (zur Gewährleistung einer intakten Schleimhaut)
  • Verengungen der Scheide
  • Gewebeschwund sowie Druck- und Dehnungsgeschwüre der Scheide und des Gebärmuttermundes.


Zu folgenden Anwendungsgebieten von Estriol sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden, Sexualhormone, zu welcher der Wirkstoff Estriol gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • östrogenmangelbedingte Beschwerden durch Gewebeveränderungen am Genitale: vulvovaginale Beschwerden, Juckreiz, Brennen, trockene Scheide, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Scheidenentzündung, Ausfluss, Entzündung des Gebärmutterhalses, Verengung der Scheide sowie Druckgeschwüre und Dehnungsgeschwüre der Scheide und des Muttermunds
  • zusammen mit anderen Wirkstoffen zur Behandlung von Infektionen der Scheide
  • durch Gewebeveränderung bedingte Entzündung im Bereich der Harnröhre und der Harnblase sowie zusammen mit anderen Wirkstoffen bei Harninkontinenz
  • Beschwerden in den Wechseljahren
  • Vor- und Nachbehandlung bei Operationen im Bereich der Scheide
  • als Hilfsmittel für eine bestimmte Laboruntersuchung (Abstrich)

Dosierung

Ovestin 0,5 Milligramm Ovula werden am besten abends vor dem Schlafengehen tief in die Scheide eingeführt.

Bei einer vaginalen Behandlung sollte eine tägliche Dosis von 0,5 Milligramm Estriol während der ersten drei Wochen nicht überschritten werden. Als Ausnahme kann die Dosis, falls es erforderlich ist, bis maximal 1,0 Milligramm gesteigert werden. Danach sind als Erhaltungsdosis zweimal wöchentlich 0,5 Milligramm ausreichend. Eine vaginale Anwendung in höherer Dosierung ist nicht anzuraten.

Zur Anwendung in den Wechseljahren bei östrogenmangelbedingten Beschwerden sollte ein Ovulum pro Tag über drei Wochen verabreicht werden. Danach verringert sich die Dosis zur Erhaltungstherapie auf ein Ovulum zweimal wöchentlich.

Zwei Wochen vor chirurgischen Eingriffen sollte täglich ein Ovulum eingeführt werden. Nach dem Eingriff ist eine Behandlung von zwei Wochen mit zweimal pro Woche einem Ovulum empfohlen.
Bei zweifelhaftem Zellabstrich während der vorausgehenden Behandlungsphase ist täglich ein Ovulum über sieben Tage in die Scheide einzuführen.

Bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden sollte der Arzt alle zwei bis drei Monate die Therapie für die Zeit von vier Wochen unterbrechen. So kann er feststellen, ob die Notwendigkeit einer Behandlungsfortsetzung noch besteht. Um eine Anregung des Wachstums der Gebärmutterschleimhaut zu vermeiden, sollte ein Ovulum (0,5 Milligramm Estriol) als Tagesdosis nicht überschritten werden. Die Maximaldosis ist nicht länger als über einige Wochen anzuwenden. Eine vergessene Anwendung sollte nachgeholt werden. Wird die vergessene Anwendung erst am nächsten Tag bemerkt, wird die Anwendung nicht nachgeholt. Das reguläre Dosierungsschema wird fortgesetzt. Zwei Anwendungen sollten nie am gleichen Tag vorgenommen werden.

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Witepsol S 58

Nebenwirkungen

Bei Einnahme:

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Gewichtszunahme durch Wassereinlagerung, Auftreten von Zwischenblutungen, Brustspannen, Veränderungen der Libido.

Seltene Nebenwirkungen:
Übelkeit und Erbrechen, Blähungen, Kopfschmerzen, Schmierblutungen, Magenbeschwerden, Depressionen, schlechte Verträglichkeit von Kontaktlinsen, Gallenwegserkrankungen, Gallensteine, Akne, Müdigkeit, Demenz (Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöht sich), Sehstörungen.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Beinkrämpfe, gutartige und bösartige Lebergeschwulste, Blutungen in die Bauchhöhle, Brustvergrößerung, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Bluthochdruck, Erhöhung der Blutfettwerte.

Besonderheiten:
Bei der oralen Einnahme erhöht sich das Risiko für Thrombosen, Lungenembolien, Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Bei örtlicher Anwendung:

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Hitzegefühl, Juckreiz (in der Scheide bei vaginaler Anwendung), Schmierblutungen, Ausfluss, Schleimhautreizung.

Seltene Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen (Brennen), Oberbauchbeschwerden, Unterbauchbeschwerden, Schmerzen (prämenstruell), Unwohlsein, Augenreizung.

Wechselwirkungen

Verschiedene Wirkstoffe, die den Abbau von Sexualhormonen beschleunigen, führen zu einer Abschwächung der Wirkung von Estriol. Infolgedessen kann es beispielsweise zu Zwischenblutungen kommen. Zu diesen Wirkstoffen zählen:Östrogene wie Estriol verändern die Blutkonzentrationen verschiedener anderer Hormone wie Schilddrüsenhormone oder Glukokortikoide. Dadurch können entsprechende Labortests falsche Ergebnisse liefern.

Bei der Anwendung von Estriolsalbe kann es durch die zusätzlich enthaltenen Hilfsstoffe wie weiße Vaseline, dünnflüssiges Paraffin oder Hartparaffin zu einer verminderten Reißfestigkeit von Kondomen aus Latex kommen.

Gegenanzeigen

Die innerliche Anwendung von Estriol (als Tablette) ist in folgenden Fällen nicht gestattet:
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • ungeklärte Blutungen im Genitalbereich
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • akute oder frühere bösartige Tumoren, die durch Estriol weiter wachsen würden (Brustkrebs oder Tumoren der Gebärmutter).
  • Vorkommen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Schleimhautschicht der Gebärmutter (Endometriose) und unbehandelte Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut.
Nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko sollte Estriol bei schweren Leberfunktionsstörungen angewendet werden.

Der Einsatz des Wirkstoffs sollte auch dann vorsichtig erfolgen, wenn Blutgefäßerkrankungen vorliegen, die in der Vergangenheit zu Gefäßverschlüssen (Thrombosen) von Arterien oder Venen geführt haben:Auch wenn bei äußerlicher Anwendung von Estriol (als Scheidenzäpfchen oder Creme) die Nebenwirkungen im allgemeinen schwächer ausgeprägt sind, sollte der Wirkstoff nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den behandelnden Arzt eingesetzt werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Das Anwendungsgebiet von Estriol schließt eine Behandlung mit dem Wirkstoff während der Schwangerschaft aus.

Estriol gelangt über die Muttermilch in den Säugling und kann zu Schädigungen des Kindes führen. Aus diesem Grund sollte der Wirkstoff während der Stillzeit nicht angewendet beziehungsweise das Kind vor Beginn der Behandlung abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Das Anwendungsgebiet von Estriol schließt eine Behandlung von Kindern mit dem Wirkstoff aus. Einzig bei Scheidenausfluss im Jugendalter ist die Anwendung des Wirkstoffs zur Verbesserung der Scheidenflora möglich.

Warnhinweise

  • Durch die Anwendung des Wirkstoffs in Form von Salben wird die Reißfestigkeit von Kondomen beeinträchtigt.
  • Es besteht ein erhöhtes Brustkrebs-, Eierstockkrebs- und Schlaganfall-Risiko.
  • Labortests zur Bestimmung von körpereigenen Hormonen können durch die Anwendung des Wirkstoffs gestört sein.
  • Das Medikament darf nicht wärmer als 25 Grad gelagert werden.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück Vaginalzäpfchen (Ovulum))
15 Stück Vaginalzäpfchen (Ovulum)
0,5 Milligramm Estriol
7 Stück Vaginalzäpfchen (Ovulum)
0,5 Milligramm Estriol

Vergleichbare Medikamente

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Ovestin 0,5mg Ovula sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Estriol (ggf. auch Generika).

Medikament
Darreichungsform
Vaginalzäpfchen (Ovulum)
Creme, Vaginalzäpfchen (Ovulum)
Creme, Vaginalzäpfchen
Vaginalcreme

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.