Man sieht eine Frau mit Nackenschmerzen
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Myogelose (Muskelverhärtung)

Obwohl eine Myogelose oft als nur vergleichsweise kleines Knötchen unter der Haut zu tasten ist, kann sie überraschend schmerzhaft sein. Zu den möglichen Ursachen für die Muskelverhärtung zählt neben einseitiger Belastung oder Überlastung der Muskeln auch Stress. Wie lässt sie sich wieder lösen?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Myogelosen erkennen

Myogelosen treten häufig im Schulter-Nacken-Bereich und am Rücken auf. Aber auch in anderen Körperbereichen wie der Wade oder im Oberschenkel kann es zu Muskelverhärtungen kommen.

Im Gewebe lässt sich eine Myogelose meist als erbsen- bis bohnengroßes Knötchen ertasten. Manchmal fühlt sich die Verhärtung beim Tasten auch eher länglich oder strangartig als rundlich an und kann dann dem Muskelhartspann ähneln.

Myogelosen bestehen aus feinsten Muskelfasern, die miteinander verklebt sind. Übt man auf die verhärtete Muskelstelle Druck aus, baut sich im Falle einer Myogelose keine Gegenspannung auf. Dauert der Druck länger als 20 bis 30 Sekunden, löst das in der Regel deutliche Schmerzen aus, die mitunter weit ausstrahlen können. Solche Punkte nennt man auch Triggerpunkte.

Im Grunde sind Myogelosen dasselbe wie Triggerpunkte, nur aus unterschiedlichen Blickrichtungen betrachtet: Mit Myogelose beschreibt man den tastbaren Aspekt des Muskelphänomens, während es bei Triggerpunkten um die an diesen Stellen auslösbaren Schmerzen geht.

Myogelose oder Muskelhartspann: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe Myogelose (Muskelverhärtung) und Muskelhartspann werden oft gleichbedeutend verwendet, obwohl es Unterschiede gibt.

Tabelle: Unterschiede zwischen Muskelhartspann und Myogelose
Muskelhartspann Myogelose
Der gesamte Muskelbauch ist verhärtet. Teile des Muskelbauchs oder einzelne Muskelfasern sind verhärtet.
Unter Narkose entspannt sich der betroffene Muskelbereich. Der betroffene Muskelbereich bleibt unter Narkose auch bei Dehnung verhärtet.

Myogelose: Ursachen

Eine Myogelose entsteht, wenn ein Muskel über Wochen bis Monate überlastet oder fehlbelastet wird – etwa durch einseitige, sich wiederholende Bewegungen. Aber auch Stress kann zur Muskelverhärtung beitragen. Myogelosen können außerdem im Rahmen von Muskel- und Gelenkerkrankungen auftreten, wenn diese mit einer erhöhten Muskelspannung einhergehen.

Langfristig verändert sich der Muskel durch die Überlastung in seiner Struktur. Anfangs nimmt die Muskelspannung zu. Später verkürzt und verhärtet sich der Muskel, während der Spannungszustand wieder nachlässt. Insgesamt lässt sich der Muskel zudem nicht mehr so gut dehnen. Diese Veränderung nimmt man selbst jedoch nicht unbedingt wahr – die Schmerzen, die bei Druck auf die Myogelose ausgelöst werden, jedoch schon.

Auf Dauer wird der Muskel zudem schlechter durchblutet. Dadurch erhalten die Muskelzellen weniger Sauerstoff und auch der Stoffaustausch wird gestört. Das wirkt sich auf die Zellstruktur aus. Der Zellinhalt der Muskelzelle verändert sich in seiner Festigkeit von eher wässrig hin zu eher gelartig.

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Muskelverhärtungen lösen

Je nachdem, wie lange die Myogelose bereits besteht, lässt sich die Muskelverhärtung durch Massagen lösen oder lindern. Denn diese lockern das Gewebe und sorgen für eine bessere Durchblutung.

Langfristig können sich sanfte Dehnübungen positiv auswirken, ebenso wie regelmäßige Wärme (z. B. Kirschkernkissen, warme Bäder, Rotlichtlampe).

Bei akuten Schmerzen durch die Myogelose können kurzfristig Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac helfen. Diese sind jedoch keine Dauerlösung und sollten ohne ärztliche Absprachen nicht länger als ein paar Tage zum Einsatz kommen.

Video: Was hilft gegen Verspannungen?

Wie lange es dauert, bis man eine Myogelose und die damit einhergehenden Beschwerden wieder loswird, lässt sich nicht pauschal sagen. Generell gilt, je früher man etwas dagegen tut, desto eher ist man beschwerdefrei.

Im Anfangsstadium lässt sich eine Muskelverhärtung in der Regel gut beseitigen. Abhängig davon, wie lange die Muskelverhärtung bereits besteht, kann es unter Umständen jedoch etwas länger dauern, bis eine Besserung einsetzt.

Wie lange man nach dem Lösen der Muskelverhärtung beschwerdefrei bleibt, hängt zudem davon ab, ob die eigentliche Ursache der Myogelose weiter fortbesteht. Ändert man nichts an den Ursachen, wie etwa einer Fehlhaltung (z. B. am schlecht eingestellten Arbeitsplatz) oder Überlastung, kann es früher oder später erneut zu Muskelverhärtungen kommen.

Generell ist regelmäßige Bewegung hilfreich, um Myogelosen zu verringern und diesen vorzubeugen. Bei sitzender Tätigkeit ist es ratsam, immer mal wieder aufzustehen, um sich zu bewegen und zu strecken.

Bei zu viel Stress im Alltag können unter anderem Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder auch ein gesundes Stressmanagement helfen.