Nesselsucht: Die Ursachen sind vielfältig

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. Februar 2018)

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Die Nesselsucht (Urtikaria) zählt zu den weltweit häufigsten Hautkrankheiten. Typische Symptome sind Quaddeln, Juckreiz und Schwellungen. Die Liste der möglichen Ursachen ist lang.

Schätzungen zufolge entwickelt etwa jeder Vierte einmal in seinem Leben vorübergehend eine Urtikaria. Die Ursachenforschung gleicht häufig der Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen: Es gibt zahlreiche Faktoren, die eine Nesselsucht begünstigen oder auslösen können. 

Was ist eine Nesselsucht (Urtikaria)?

Nesselsucht (Urtikaria) ist ein Oberbegriff für bestimmte Erkrankungen, die alle mit einem typischen, juckenden Hautausschlag einhergehen. Dabei bilden sich Quaddeln auf der Haut. In vielen Fällen entstehen außerdem sogenannte Angioödeme: Darunter versteht man großflächige Schwellungen des Unterhautgewebes oder bestimmter Schleimhautbereiche.

Das Wort Urtikaria leitet sich vom lateinischen Begriff urtica ab, der so viel wie "Brennnessel" bedeutet. Der Grund: Die Symptome der Urtikaria ähneln den Hauterscheinungen, die nach Kontakt mit einer Brennnessel auftreten.

Ist Nesselsucht ansteckend?

Eine Nesselsucht kann die Lebensqualität erheblich einschränken. Manche Außenstehende befürchten, dass eine Nesselsucht ansteckend sein könnte. Unter Umständen meiden sie den Erkrankten, was eine zusätzliche Belastung für ihn bedeutet. Die Sorge, durch Kontakt mit Betroffenen ebenfalls eine Urtikaria zu entwickeln, ist allerdings unbegründet: Nesselsucht ist nicht ansteckend.

Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Nesselsucht

Wenn die Erkrankung nicht länger als sechs Wochen andauert, sprechen Ärzte von einer akuten Nesselsucht. Die chronische Nesselsucht bleibt dagegen länger als sechs Wochen bestehen.

Verläuft eine Urtikaria chronisch, unterscheiden Ärzte verschiedene Verlaufsformen:

  • Die chronisch-kontinuierliche Nesselsucht zeichnet sich durch tägliche Schübe mit Quaddeln und Juckreiz aus.
  • Bei der chronisch-rezidivierenden Nesselsucht wechseln sich Krankheitsschübe und symptomfreie Phasen ab, wobei sowohl Krankheitsschübe als auch symptomfreie Phasen Wochen oder Monate andauern können.

Nesselsucht: Ursachen & Formen

Medikamente, Infekte, Unverträglichkeiten: Die möglichen Ursachen einer Nesselsucht (Urtikaria) sind vielfältig. Manchmal bleibt ungeklärt, was genau die Urtikaria verursacht hat.

Unabhängig von der genauen Ursache haben alle Formen der Nesselsucht eine Gemeinsamkeit: Die sogenannten Mastzellen reagieren fehlerhaft. 

Mastzellen sind Abwehrzellen des Immunsystems. Normalerweise werden sie aktiv, wenn Eindringlinge wie Parasiten oder Bakterien in den Körper gelangen. Bei einer Nesselsucht setzen die Mastzellen bestimmte Botenstoffe (insbesondere Histamin) frei. Diese Botenstoffe geben das Startsignal für eine örtlich begrenzte oder sich großflächig ausbreitende Entzündung der Haut. In der Folge weiten sich die Hautgefäße und sie werden durchlässiger. Die Haut schwillt an, wird rot, juckt und es bilden sich Quaddeln.

Auslösende Faktoren einer Urtikaria

Ob durch Kälte, durch Wärme oder "spontan wie aus heiterem Himmel": Verschiedene Faktoren können dazu führen, dass die Nesselsucht ausbricht und der typische Hautausschlag entsteht. 

Je nachdem, welcher Reiz die Symptome ausgelöst hat, unterscheidet man drei unterschiedliche Formen der Nesselsucht und zahlreiche Unterformen. Zu den drei Hauptformen zählen:

  • spontane Urtikaria: Die Symptome treten "aus heiterem Himmel" auf.
  • physikalische Urtikaria: Die Symptome werden durch äußere Reize wie Kälte, Hitze oder Druck ausgelöst.
  • sonstige Urtikaria-Formen: Die Symptome werden durch Faktoren wie Anstrengung, Wasserkontakt oder eine erhöhte Körperkerntemperatur provoziert.

Spontane Urtikaria

Bei der spontanen Urtikaria bilden sich spontan, "wie aus heiterem Himmel" Quaddeln oder Angioödeme. Anders als die anderen Urtikaria-Formen kann die spontane Urtikaria nicht bewusst provoziert werden – sie tritt ohne erkennbaren äußeren Anlass auf.

Ärzte unterscheiden die

  • akute spontane Urtikaria, deren Symptome spätestens nach 6 Wochen abklingen und die
  • chronische spontane Urtikaria, deren Symptome länger als 6 Wochen andauern.

Zu möglichen Ursachen der akuten, spontanen auftretenden Nesselsucht zählen zum Beispiel Infekte, manchmal auch in Kombination mit Schmerzmitteln. Häufig bleiben die Ursachen jedoch ungeklärt.

Mögliche Ursachen der länger als sechs Wochen andauernden spontanen chronischen Urtikaria sind:

Physikalische Urtikaria

Die Beschwerden der physikalischen Urtikaria werden durch Druck- und Temperaturreize sowie durch bestimmte Strahlungsformen ausgelöst.

Die physikalische Urtikaria tritt in der Regel ausschließlich dort auf, wo der Reiz auf den jeweiligen Hautbereich eingewirkt hat. Sie kann sich allerdings auch großflächig über die Kontaktzone hinaus ausbreiten.

Es gibt verschiedene Formen der physikalischen Nesselsucht. Dazu zählen:

  • Urticaria factitia
  • Druckurtikaria
  • Vibrationsurtikaria
  • Kälteurtikaria
  • Wärmeurtikaria
  • Lichturtikaria

Urticaria factitia, Druckurtikaria, Vibrationsurtikaria

Die Urticaria factitia, die Druckurtikaria und die Vibrationsurtikaria werden durch mechanische Reize ausgelöst.

Die Urticaria factitia oder Hautschriftnesselsucht ist die häufigste Form der physikalischen Urtikaria. Der Hautausschlag entsteht durch Krafteinwirkung wie zum Beispiel Kratzen, Scheuern oder Reiben. Die Haut reagiert innerhalb von Minuten mit Quaddelbildung und Juckreiz. 

Bei der Sonderform Urticaria factitia tarda tritt der charakteristische Hautausschlag mit einer Verzögerung von mindestens 30 Minuten bis maximal 4 Stunden nach der Reizung auf und dauert zwischen 2 und 8 Stunden an. Offenbar führen Scherkräfte wie etwa Reibung dazu, dass die Mastzellen in der Haut vermehrt den Botenstoff Histamin freisetzen, sodass sich Quaddeln bilden. Warum dies so ist, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Reiben, Kratzen oder Scheuern sind die Auslöser – die eigentlichen Ursachen einer Urticaria factitia bleiben jedoch meist unbekannt. Zu möglichen Ursachen zählen etwa

Möglicherweise spielen auch Intoleranzreaktionen gegen bestimmte Lebensmittel eine Rolle.

Die Druckurtikaria tritt mit einer zeitlichen Verzögerung von vier bis acht Stunden auf. Auslöser ist hier beispielsweise enge Kleidung, zum Beispiel ein Gürtel. Entsteht eine Nesselsucht nach Vibration, beispielsweise durch Arbeiten mit einem Presslufthammer, spricht man von einer Vibrationsurtikaria.

Kälteurtikaria, Wärmeurtikaria, Lichturtikaria

Der Kontakt zu Eis, kalten Metallen oder kaltem Wasser verursacht eine Form der Nesselsucht, die als Kälteurtikaria bezeichnet wird. Sie kann sowohl örtlich begrenzt als auch großflächig verbreitet auftreten.

Die durch Kälte ausgelöste Nesselsucht kann lebensbedrohlich sein, da sie zu eine überschießenden Reaktion des Immunsystems (Anaphylaxie) führen kann, zum Beispiel beim Sprung in eiskaltes Wasser. Diese Komplikation kommt aber nur sehr selten vor.

In seltenen Fällen können die Schleimhäute durch kalte Getränke oder Eis deutlich anschwellen. Auch hierbei handelt es sich um eine Kälteurtikaria. Aber auch Wärmeeinwirkung kann eine Urtikaria auslösen. Man spricht dann von einer Wärmeurtikaria.

Die genauen Ursachen der Kälteurtikaria sind unbekannt. Diskutiert werden:

Die Lichturtikaria wird durch Einwirkung von Licht ausgelöst. Sowohl normales Tageslicht als auch UVA-Strahlung (Solarium, Halogenlampen) können diese Form der Nesselsucht auslösen.

Sonstige Urtikariaformen

Darüber hinaus gibt es Nesselsucht-Formen, die durch folgende Einflüsse ausgelöst werden:

  • erhöhte Körperkerntemperatur, z.B. durch ein heißes Bad, Sport, Aufregung oder scharfe Gewürze (sog. cholinergische Urtikaria)
  • Flüssigkeiten (sog. aquagene Urtikaria)
  • Kontakt mit bestimmten Substanzen, auf die man allergisch reagiert (sog. Kontakturtikaria)
  • körperliche Anstrengung (sog. anstrengungsinduzierte Urtikaria)

Eine cholinergische Urtikaria kann entstehen, wenn sich die Körperkerntemperatur erhöht. Die cholinergische Urtikaria wird daher auch als Schwitzurtikaria bezeichnet, da sich die Körpertemperatur zum Beispiel bei psychischem Stress, nach dem Essen von scharfen Speisen oder beim Baden in heißem Wasser erhöht. Die cholinergische Nesselsucht tritt als großflächiger Hautausschlag auf und besteht aus einer Vielzahl einzelner, kleiner Quaddeln.

Selten ist die sogenannte aquagene Urtikaria (Wasserurtikaria). Hierbei bilden sich maximal 30 Minuten nach längerem Wasserkontakt stecknadelkopfgroße gerötete Quaddeln aus. Sie entstehen insbesondere am Oberkörper, seltener im Gesicht oder an den Beinen,

Bei einer Kontakturtikaria entstehen die typischen Quaddeln nach Berührung der Haut als allergische Reaktion auf bestimmte Substanzen.

Urtikaria-Formen und mögliche auslösende Faktoren im Überblick

Form: Spontane Urtikaria

Unterform Auslöser
Akute spontane Urtikaria spontan, "wie aus heiterem Himmel"
Chronische spontane Urtikaria spontan, "wie aus heiterem Himmel"

Form: Physikalische Urtikaria

Unterform Auslöser
Urticaria factitia Scherkräfte durch z.B. Reiben, Kratzen, Scheuern auf der Haut 
Kälteurtikaria Kontakt der Haut mit Kälte
Lichturtikaria (solare Urtikaria) UV-Licht oder Sonnenlicht 
Druckurtikaria Druck
Wärmeurtikaria Kontakt der Haut mit Wärme
Vibrationsurtikaria/Vibrationsangioödem Vibrationen

Sonstige Formen

Unterform Auslöser
Cholinergische Urtikaria Erhöhte Körperkerntemperatur (z.B. durch heißes Baden)
Kontakturtikaria Hautkontakt mit bestimmten Substanzen
Anstrengungsinduzierte Urtikaria/Anaphylaxie Körperliche Anstrengung
Aquagene Urtikaria Kontakt der Haut mit Wasser

Symptome einer Nesselsucht

Typische Symptome einer Nesselsucht (Urtikaria) sind:

  • starker Juckreiz, selten auch Brennen
  • rötlicher Hautausschlag in Form von Quaddeln
  • in vielen Fällen polsterartig geschwollenes Unterhautgewebe (sog. Angioödem)

In der Regel beginnt die Nesselsucht mit Juckreiz an einer Körperstelle. Typisch für den Juckreiz ist, dass die Erkrankten die betroffenen Hautbereiche eher reiben oder drücken. Bei anderen Formen von Juckreiz, zum Beispiel bei einem Ekzem, neigen die Betroffenen hingegen eher dazu, die Stellen zu kratzen.

Im weiteren Verlauf der Urtikaria bildet sich ein rötlicher Hautausschlag mit Quaddeln, der an die Hautirritationen nach einem Kontakt mit Brennnesseln erinnert. Der Ausschlag ist unregelmäßig gemustert und grenzt sich deutlich von den gesunden Hautarealen ab.

Die Quaddeln können sehr begrenzt auftreten, sich aber auch über größere Hautbereiche ausdehnen. Die Schwere des Hautausschlags beurteilt der Hautarzt anhand der Anzahl und Größe der betroffenen Hautareale sowie der Stärke des Juckreizes.

Die Quaddeln bilden sich meist nach spätestens 24 Stunden zurück. Sie können sich jedoch erneut bilden.

Das Bild zeigt eine für Urtikaria typische Hauterscheinung am Hals. © Okapia

Nesselsucht an Hals und Dekolleté (© Dr. med. J.P.Müller/OKAPIA)

Angioödem: Wenn Schwellungen auftreten

Zusätzlich zum nesselartigen Hautausschlag kann ein sogenanntes Angioödem entstehen.

Ein Angioödem ist eine polsterartige, elastische Hautschwellung des Gewebes unter der Haut oder der Schleimhäute, das durch Ansammlung von wässriger Flüssigkeit entsteht.

Das Angioödem bildet sich häufig im Gesicht, an Händen und Füßen und an den Genitalien. Im Bereich der Schleimhäute können Kehlkopf, Kehlkopfregion oder Zunge anschwellen. Wenn ein Angioödem die Atmung behindert, kann dies lebensbedrohlich sein. Die Schwellungen sind manchmal mit Schmerzen oder Juckreiz verbunden und bleiben in der Regel länger bestehen als die Quaddeln – bis zu 72 Stunden.

Ein Angioödem tritt meist in Folge einer akuten Nesselsucht auf. Es weist auf eine Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers (Anaphylaxie) hin.

Notfall anaphylaktischer Schock

Tritt eine Nesselsucht (Urtikaria) im Rahmen einer Allergie auf, kann es in seltenen Fällen zu einem allergischen (anaphylaktischen) Schock kommen. Reagiert eine Person zum Beispiel auf Bienenstiche allergisch, kann sich dies unter anderem in den Symptomen einer Urtikaria mit Juckreiz, Quaddelbildung und Schwellungen äußern, bis hin zum Schock.

Ein anaphylaktischer Schock ist ein medizinischer Notfall, der notärztlich versorgt werden muss. Rufen Sie bei Verdacht sofort den Notarzt (112)!

Der anaphylaktische Schock macht sich durch die folgenden Symptome bemerkbar:

Unbehandelt kann die Kombination der Symptome zum Herz-Kreislauf- und Atemstillstand führen.

Nesselsucht: Diagnose

Wenn der Arzt den typischen Hautauschlag vorfindet, liegt die Diagnose Nesselsucht (Urtikaria) nahe. Schwieriger ist es, der eigentlichen Ursache der Urtikaria auf die Spur zu kommen.

Zunächst wird der Arzt einige Fragen zur Krankengeschichte stellen (Anamnese). So wird er beispielsweise wissen wollen,

  • seit wann die Nesselsucht besteht,
  • wie lange und wie häufig der Hautausschlag bisher in Erscheinung getreten ist,
  • ob sich der Ausschlag im Laufe des Tages verändert,
  • ob und inwiefern bereits schon einmal eine Urtikaria behandelt wurde,
  • ob Gewebeschwellungen auftreten (sog. Angioödem), z.B. im Gesicht, an Händen und Füßen oder im Genitalbereich,
  • ob eine Unverträglichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel oder Medikamente bekannt ist oder
  • ob bestimmte physikalische Reize den Ausschlag auslösen, z.B. Kälte, Wärme oder Druck.

Eine akute, also nicht lang anhaltende spontane Urtikaria muss in der Regel nicht weiter untersucht werden. Handelt es sich dagegen um eine chronische Nesselsucht, ist es wichtig, der Ursache auf den Grund zu gehen.

Die Suche nach den Ursachen

Informationen zu möglichen Infektionen, Medikamenten oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten können dem Arzt dabei helfen, den Grund für die Urtikaria zu finden. Erweist sich die Suche nach den Ursachen als schwierig, empfiehlt es sich vor allem für Menschen mit chronischer Nesselsucht, ein entsprechendes Urtikaria-Tagebuch zu führen. 

Zu möglichen Untersuchungen bei chronischer Nesselsucht zählen:

Wenn die Vermutung besteht, dass möglicherweise bestimmte Zusatzstoffe in Lebensmitteln zur Urtikaria geführt haben, kann eine Urtikaria-Diät sinnvoll sein: Der Patient wird dann bestimmte Nahrungsmittel über einen Zeitraum von vier Wochen meiden. Anschließend testet der Patient, wie er auf einzelne Nahrungsmittel reagiert. Schritt für Schritt kann der Arzt so herausfinden, welches Nahrungsmittel die Beschwerden auslöst.

Hat der Arzt den Verdacht, dass bestimmte Reize die Urtikaria auslösen, etwa Wärme, Kälte oder Druck, wird er entsprechende Tests durchführen. So wird er zum Beispiel einen Hautbereich ganz gezielt dem jeweiligen Reiz aussetzen.

Nicht selten ist mehr als eine Ursache für die Entstehung der Nesselsucht verantwortlich. Und manchmal lässt sich die Ursache, aller diagnostischen Bemühungen zum Trotz, nicht ermitteln.

Ein Arzt betrachtet ein Röhrchen mit einer Blutprobe. © Jupiterimages/Stockbyte

Insbesondere bei chronischer Nesselsucht wichtig: die Laboruntersuchungen.

Nesselsucht behandeln

Bei der Behandlung einer Nesselsucht (Urtikaria) geht es vor allem darum, 

  • den Auslöser zu vermeiden oder zu beseitigen und
  • die Symptome mit Medikamenten zu behandeln.

Eine akute, also nicht lang anhaltende Nesselsucht klingt meist innerhalb kurzer Zeit auch ohne Behandlung wieder ab. Meist reicht es in diesem Fall aus, die Beschwerden mithilfe von Medikamenten zu lindern.

Bei einer lang anhaltenden, chronischen Urtikaria ist es dagegen wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen und diese möglichst zu beseitigen.

Die erfolgreiche Behandlung einer chronischen Urtikaria kann langwierig sein und erfordert viel Geduld.

Ursachen meiden oder beseitigen

Wenn feststeht, was die Nesselsucht verursacht hat, ist es wichtig, die Ursachen beziehungsweise Auslöser zu meiden – oder sie zu beseitigen. Einige Beispiele:

  • Manchmal führen bestimmte Medikamente zu einer Nesselsucht. Dann sollte das Medikament in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt möglichst vollständig abgesetzt werden. Gegebenenfalls wird der Arzt dann einen anderen Wirkstoff verschreiben.
  • Die chronische Nesselsucht wird häufig durch bestimmte Infektionen begünstigt. Dazu zählen etwa Infektionen der Magenschleimhaut durch die Bakterienart Helicobacter pylori sowie bakterielle Infektionen des Nasen- und Rachenraums. Dann gilt es, diese Infektion gezielt zu behandeln.
  • Ist ein physikalischer Reiz der Auslöser für eine Nesselsucht, sollte man diesen in Zukunft möglichst vermeiden. Bei einer durch Kälte ausgelösten Urtikaria sollte man z.B. darauf achten, sich keinem kalten Wind auszusetzen. 

Beschwerden mit Medikamenten lindern

Bis die möglichen Ursachen der Urtikaria gefunden sind, kann einige Zeit vergehen. Daher wird der Arzt die Nesselsucht auch dann schon mit Medikamenten behandeln, wenn die Ursache noch nicht feststeht.

Antihistaminika

Antihistaminika (Antiallergika) können die Beschwerden vorübergehend unterdrücken. Häufig sind dazu hohe Dosen nötig. In der Regel greift der Arzt auf Medikamente mit Wirkstoffen aus der Klasse der H1-Antihistaminika zurück. H1-Antihistaminika unterdrücken die Wirkung des Botenstoffs Histamin, der bei einer Nesselsucht freigesetzt wird und die typischen Syndrome auslöst. Die Wirkstoffe besetzen bestimmte Histamin-Rezeptoren im Körper, sodass das freigesetzte Histamin nicht oder schwächer wirkt.

Glukokortikoide

Reichen Antihistaminika nicht aus und ist die Urtikaria schwer ausgeprägt, kann der Arzt die Nesselsucht zusätzlich mit Glukokortikoiden (Kortikosteroide) behandeln. 

Glukokortikoide stabilisieren die Zellen des Immunsystems, die maßgeblich an der Entstehung der Nesselsucht beteiligt sind: die Mastzellen. Glukokortikoide bewirken, dass die Mastzellen geringere Mengen des Entzündungsstoffs Histamin freigeben.

Allerdings sind Glukokortikoide nur für die kurzzeitige Urtikaria-Behandlung geeignet, da sie in der Langzeittherapie gesundheitsschädliche Nebenwirkungen haben können. Deswegen kommen Glukokortikoide insbesondere bei akuter Nesselsucht sowie bei einer spontanen Verschlechterung einer chronischen Urtikaria zum Einsatz.

Weitere Wirkstoffe

Bei schwerer chronischer Nesselsucht, die auf Antihistaminika und/oder Glukokortikoide nicht ausreichend anspricht, kann der Arzt auf andere Wirkstoffe zurückgreifen:

  • Ciclosporin A wirkt regulierend auf das Immunsystem und verringert so die weitere Ausschüttung des Entzündungsstoffs Histamin.
  • Omalizumab ist ein sog. monoklonaler Antikörper. Die Wirkung von Omalizumab richtet sich gegen frei im Blut zirkulierende IgE-Antikörper, die an Mastzellen binden können und so zu einer Histaminausschüttung führen.
  • Montekulast ist ein sog. Leukotrienantagonist. Es hat eine entzündungshemmende Wirkung, indem es die Leukotriene im Körper hemmt. Leukotriene sind körpereigene Botenstoffe, die innerhalb von Sekunden aus verschiedenen Körperzellen (z.B. Mastzellen) freigesetzt werden und allergische beziehungsweise entzündliche Reaktionen hervorrufen können.
Gegen den Juckreiz können zusätzlich Medikamente zum Auftragen auf die Haut helfen, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Polidocanol.

Nesselsucht: Verlauf

Die akute Nesselsucht bleibt meist nur wenige Tage oder Wochen bestehen. Spätestens nach sechs Wochen sind die Symptome vollständig abgeklungen.

Die chronische Nesselsucht kann in seltenen Fällen über Jahre, manchmal Jahrzehnte andauern. Bei dieser Form der Urtikaria treten die typischen Symptome täglich, wöchentlich oder seltener auf. Für den Verlauf einer chronischen Urtikaria ist es umso wichtiger, gründlich und systematisch nach den möglichen Ursachen und Auslösern wie beispielweise chronischen Infektionen oder Überempfindlichkeiten gegen Nahrungsmittel oder Medikamente zu suchen.

Einer Nesselsucht können Sie nicht direkt vorbeugen. Wenn Sie jedoch bereits eine Nesselsucht hatten und den Auslöser kennen, können Sie einen weiteren Ausbruch verhindern, indem sie den auslösenden Reiz meiden.

Nesselsucht: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Nesselsucht (Urtikaria)":


Linktipps:

www.urtikaria.netAuf www.urtikaria.net finden Betroffene und Angehörige umfassende Informationen zu Formen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Urtikaria.

Quellen:

Online-Informationen des urticaria network e.V.: www.urtikaria.net (Abrufdatum: 1.2.2018)

Altmeyer, P.: Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin (Stand: 19.1.2018)

Urtikaria. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 17.7.2017)

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V : Urtikaria: Klassifikation, Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/028 (Stand: 1.4.2011)

Röcken, M., Schaller, M., Sattler, E., Burgdorf, W.: Taschenatlas Dermatologie. Thieme Verlag, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 1. Februar 2018

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