Eine Frau umarmt ihre an Krebs erkrankte Mutter
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Ist Krebs ansteckend? Diese seltenen Ausnahmen gibt es

Von: Jasmin Leukel (ehem. Krsteski) (Biologin und Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 03.03.2026

Krebs ist keine Infektionskrankheit und somit nicht ansteckend. Es gibt allerdings Ausnahmen. Welche das sind und wie Sie sich schützen können, erfahren Sie hier.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zur Ansteckung bei Krebs

Bislang ist noch kein solcher Fall bekannt. Menschen mit einer bestehenden oder kürzlich behandelten Krebserkrankung sind von der Blutspende ausgeschlossen. Selbst wenn vereinzelte Tumorzellen im Blut vorhanden wären, würden sie vom Immunsystem des Empfängers in der Regel erkannt und zerstört.

Während einer Schwangerschaft ist eine Übertragung von Krebs auf das ungeborene Kind extrem selten. In Einzelfällen wurden Tumorzellen über die Plazenta weitergegeben. Solche Fälle sind jedoch außergewöhnlich.

Das ist äußerst unwahrscheinlich. Menschen mit aktiver oder kürzlich behandelter Krebserkrankung sind in der Regel von einer Spende ausgeschlossen.

Wann ist Krebs ansteckend?

Krebs entsteht durch genetische Veränderungen in den körpereigenen Zellen. Sie werden weder über die Luft noch durch Berührung, Speichel oder alltäglichen Kontakt übertragen.

Anders als Viren oder Bakterien sind Krebszellen keine eigenständigen Krankheitserreger, die sich gezielt verbreiten können. Selbst wenn Tumorzellen in einen anderen Organismus gelangen könnten, würden sie vom Immunsystem in der Regel sofort als fremd erkannt und beseitigt. 

Für Mitmenschen stellt die Krebserkrankung einer anderen Person deshalb kein Risiko dar. Wer mit an Krebs erkrankten Menschen eng zusammenlebt oder sie pflegt, kann sich nicht anstecken. 

Ist Krebs ansteckend? Zwei seltene Ausnahmen

Doch auch wenn Krebs selbst nicht ansteckend ist, gibt es seltene Ausnahmen. Dabei geht es jedoch nicht um eine klassische Übertragung der Krebserkrankung im Alltag. Diese beiden Situationen sind medizinisch relevant: 

  • Bestimmte Krankheitserreger können das Krebsrisiko erhöhen und von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. In diesen Fällen ist nicht der Krebs selbst ansteckend, sondern das Virus oder Bakterium.

  • Selten werden Tumorzellen unbeabsichtigt übertragen. Gelangen bei einer Operation Krebszellen in andere Bereiche desselben Körpers, spricht man von einer Tumorzellverschleppung oder Implantationsmetastase. Eine Weitergabe von Tumorzellen auf eine andere Person ist nur in extrem seltenen Ausnahmefällen beschrieben, etwa bei Organtransplantationen oder schweren Zwischenfällen bei medizinischen Eingriffen. 

Dass Krebs grundsätzlich übertragbar sein kann, zeigen seltene Beispiele aus der Tierwelt. Beim Tasmanischen Teufel etwa wird ein bösartiger Gesichtstumor durch Bissverletzungen von Tier zu Tier weitergegeben. Dabei werden lebende Tumorzellen direkt übertragen und wachsen in dem anderen Tier weiter. Beim Menschen verhindert das Immunsystem eine solche Ausbreitung jedoch nahezu immer.

Ansteckende Erreger, die Krebs auslösen können

Schätzungen zufolge gehen weltweit etwa 10 bis 15 Prozent aller Krebserkrankungen auf Infektionen mit Krankheitserregern zurück. Fachleute sprechen von sogenannten onkogenen Erregern. Diese Viren oder Bakterien können von Mensch zu Mensch übertragen werden und unter bestimmten Bedingungen dazu beitragen, dass sich Krebs entwickelt. Ansteckend ist jedoch der Erreger, nicht der Krebs selbst. 

Es stehen allerdings nur einige wenige Krebsarten in Zusammenhang mit Krankheitserregern. Die häufigsten Krebsarten wie Brustkrebs oder Lungenkrebs betrifft das nicht. Eine Infektion führt zudem nicht automatisch zu einer Tumorerkrankung. Meist spielen weitere Faktoren eine Rolle, etwa genetische Veranlagung, Lebensstil oder die Dauer der Infektion.

Humane Papillomviren (HPV)

HP-Viren werden vor allem durch sexuelle Kontakte übertragen. Bestimmte Hochrisiko-Typen stehen in engem Zusammenhang mit Gebärmutterhalskrebs sowie mit Krebs im Anal-, Penis- und Rachenbereich. Die meisten HPV-Infektionen heilen jedoch unbemerkt aus. Nur ein kleiner Teil führt über Jahre hinweg zu Zellveränderungen, aus denen sich Krebs entwickeln kann.

Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren

Hepatitis-B- und C-Viren greifen die Leber an und können eine chronische Entzündung verursachen. Besteht die Infektion über viele Jahre, steigt das Risiko für Leberkrebs. Die Übertragung erfolgt unter anderem über Blut oder ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Epstein-Barr-Virus (EBV)

Das weit verbreitete EBV ist unter anderem Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers. In seltenen Fällen wird es mit bestimmten Lymphomen und anderen Tumoren in Verbindung gebracht.

Helicobacter pylori

Das Bakterium Helicobacter pylori gilt als Risikofaktor für Magenkrebs. Es wird meist innerhalb von Familien übertragen und kann eine chronische Magenschleimhautentzündung verursachen.

Wie lässt sich das Risiko von Infektionen verringern?

Gegen HPV und Hepatitis B stehen Schutzimpfungen zur Verfügung. Beim Geschlechtsverkehr senkt die Verwendung von Kondomen das Risiko einer Ansteckung. Helicobacter-pylori-Infektionen lassen sich in der Regel gezielt antibiotisch behandeln.

Übertragung von Tumorzellen bei medizinischen Eingriffen

Es sind nur sehr wenige Situationen beschrieben, in denen Tumorzellen unbeabsichtigt übertragen wurden. Dabei handelt es sich nicht um eine Ansteckung im klassischen Sinn, sondern um eine direkte Verschleppung von Krebszellen.

Gelangen während einer Operation einzelne Tumorzellen in andere Bereiche desselben Körpers, sprechen Fachleute von einer Tumorzellverschleppung oder einer sogenannten Implantationsmetastase. Dieses Risiko wird durch spezielle Operationstechniken so gering wie möglich gehalten.

Krebs: Risiko durch Biopsie?

Manche Menschen befürchten auch, dass Krebszellen während einer Biopsie verstreut werden könnten. Bei einer Biopsie wird mit einer dünnen Nadel Gewebe entnommen, um die Diagnose zu sichern. In sehr seltenen Fällen können dabei einzelne Tumorzellen in das umliegende Gewebe gelangen. Solche Ereignisse sind jedoch äußerst selten und moderne Techniken halten dieses Risiko sehr gering. Ohne eine Biopsie wären eine genaue Diagnose und damit eine gezielte Behandlung oft nicht möglich.

Übertragung auf andere Personen: äußerst selten

Eine Übertragung auf eine andere Person ist noch deutlich seltener. Beschrieben wurden Einzelfälle im Zusammenhang mit Organtransplantationen, wenn ein Tumor im Spenderorgan zuvor unentdeckt geblieben war. In diesen Fällen kommt hinzu, dass das Immunsystem bei Organtransplantationen unterdrückt wird und eventuell vorhandene Krebszellen nicht richtig beseitigen kann.

Vereinzelt kam es zudem zu Übertragungen nach Nadelstichverletzungen mit direktem Kontakt zu Tumorgewebe. Solche Ereignisse sind äußerst selten. Spenderorgane werden heute sorgfältig untersucht, und im medizinischen Alltag gelten strenge Sicherheits- und Hygienestandards.