Arteriosklerose: Anzeichen, Behandlung und Lebenserwartung
Arteriosklerose, umgangssprachlich Arterienverkalkung genannt, gehört zu den häufigsten Ursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Erkrankung entwickelt sich oft über Jahre unbemerkt. Welche Symptome als Warnsignale gelten, wie die Behandlung erfolgt und warum Arteriosklerose Einfluss auf die Lebenserwartung haben kann, erfahren Sie hier.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.
FAQ: Häufige Fragen und Antworten zu Arterienverkalkung
Arteriosklerose bezeichnet eine Erkrankung der Arterien, bei der sich Ablagerungen aus Fett, Kalk und Bindegewebe in den Gefäßwänden bilden. Dadurch werden die Gefäße enger und weniger elastisch, was den Blutfluss behindern kann.
Die Behandlung soll das Fortschreiten der Erkrankung bremsen. Wichtig sind vor allem ein gesunder Lebensstil sowie die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten oder Diabetes. Bei fortgeschrittener Gefäßverengung können auch Eingriffe notwendig werden.
Die Lebenserwartung hängt davon ab, wie stark die Gefäße betroffen sind und wie konsequent Risikofaktoren behandelt werden. Unbehandelt steigt das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich.
Was ist Arteriosklerose?
Arteriosklerose ist eine chronische Erkrankung der Arterien, also der Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut vom Herzen zu den Zellen des Körpers transportieren.
Die Krankheit wird auch Atherosklerose oder umgangssprachlich Arterienverkalkung genannt. Dabei lagern sich im Laufe der Zeit Fette, Kalk, Bindegewebe und andere Bestandteile in den Gefäßwänden ab.
Im Verlauf führen diese Ablagerungen (Plaques) dazu, dass sich die Gefäße verdicken und verengen. Dies beeinflusst mitunter den Blutfluss und kann verschiedene gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.
Arteriosklerose: Wer ist betroffen?
Erste Veränderungen der Gefäße können sich bereits im jungen Erwachsenenalter entwickeln. Mit zunehmendem Alter tritt die Erkrankung häufiger auf.
In Deutschland zeigt etwa jede fünfte Person über 65 Jahren bereits arteriosklerotische Veränderungen – oft noch ohne Beschwerden.
Arteriosklerose: Mögliche Symptome
In den meisten Fällen bleibt Arteriosklerose über lange Zeit unbemerkt. Symptome treten häufig erst auf, wenn der Blutfluss infolge der Gefäßverengung bereits behindert oder unterbrochen ist.
Welche Beschwerden eine Arteriosklerose bereitet, hängt davon ab, welche Arterien betroffen sind. Grundsätzlich kann die Gefäßerkrankung in allen Arterien entstehen. Besonders häufig betroffen sind jedoch die
- Hauptschlagader (Aorta),
- die Herzkranzgefäße und
- die Halsschlagadern.
Arteriosklerose der Herzkranzgefäße
Bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die Herzkranzgefäße (Koronararterien) durch Arteriosklerose verengt. Typische Anzeichen sind
- ein Engegefühl im Brustkorb oder
- Schmerzen in der Brust, häufig auf der linken Seite.
Diese Beschwerden werden als Angina pectoris bezeichnet. Sie entstehen, weil der Herzmuskel aufgrund der verengten Gefäße nicht ausreichend durchblutet wird.
Verschließt ein Blutgerinnsel ein solches Gefäß vollständig, kann es zu einem Herzinfarkt kommen.
Mögliche Folgen bei Arteriosklerose in den Halsschlagadern
Wenn die Halsschlagadern durch Arteriosklerose verengt sind, steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Warnsignale sind:
- plötzliche Muskelschwäche oder Lähmung einer Körperhälfte
- Sprachstörungen
- Sehstörungen
- Schwindel
- Verwirrtheit
- Benommenheit oder Bewusstlosigkeit
- plötzlich einsetzende, sehr starke Kopfschmerzen
Arterienverkalkung in Becken- und Beinarterien
Arteriosklerose betrifft häufig die Becken- und Beinarterien, was zu Durchblutungsstörungen in der Beinmuskulatur führen kann.
Typisch sind Schmerzen beim Gehen, die bereits nach kurzen Strecken auftreten. Die Betroffenen müssen dann stehen bleiben, bis die Beschwerden nachlassen. Verschlechtert sich die Durchblutung weiter, können die Schmerzen auch in Ruhe auftreten.
Weitere Folgen durch Atherosklerose
Arteriosklerose kann auch andere Körperregionen und Organe betreffen. Bei einigen Menschen führt sie zu einer Verengung der Nierenarterien. Das kann langfristig die NIerenfunktion beeinträchtigen. In schweren Fällen droht ein Nierenversagen.
Bei Männern können auch Erektionsstörungen eine Folge sein, wenn die Schwellkörper des Penis nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden.
Arteriosklerose: Das sind mögliche Ursachen
Arteriosklerose beginnt meist mit einer Schädigung der inneren Gefäßwand. An diesen Stellen können sich Fette aus dem Blut ablagern – vor allem LDL-Cholesterin.
Der Körper reagiert auf diese Ablagerungen wie auf eine Verletzung: Abwehrzellen wandern in die Gefäßwand ein und nehmen das Cholesterin auf. Dabei entstehen sogenannte Schaumzellen.
Mit der Zeit sammeln sich immer mehr dieser Zellen und weitere Stoffe an. Es bilden sich sogenannte Plaques. Diese verengen und verhärten die Gefäße und können den Blutfluss behindern.
Risikofaktoren: Was begünstigt Arteriosklerose?
Es gibt mehrere Faktoren, die die Entstehung von Arteriosklerose fördern. Dazu zählen:
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Rauchen
Darüber hinaus erhöhen auch folgende Einflüsse das Risiko:
- genetische Veranlagung
- höheres Lebensalter
- anhaltender Stress
- erhöhte Harnsäurewerte
Behandlung: Was hilft bei Arteriosklerose?
Die Behandlung der Arteriosklerose hat insbesondere das Ziel, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Komplikationen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verhindern. In der Regel ist eine vollständige Heilung nicht möglich.
Was bei verkalkten Blutgefäßen hilft
Betroffene können durch eine gesunde Lebensweise selbst einen großen Anteil leisten, um ihre Gefäße vor weiteren Schädigungen zu schützen. Dazu gehören:
- regelmäßige Bewegung
- ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie ein geringer Konsum von Fleisch und Fleischprodukten
- Rauchstopp
- Normalisierung des Körpergewichts
Medikamente bei Arteriosklerose
Es gibt bislang kein Medikament, das bestehende Ablagerungen in den Gefäßen vollständig beseitigt. Arzneimittel können jedoch das Fortschreiten der Arteriosklerose bremsen und Folgeerkrankungen verhindern.
Zum Einsatz kommen vor allem:
Blutgerinnungshemmer (z. B. Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel), um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern
Medikamente zur Senkung erhöhter Blutfettwerte (z. B. Statine), die das LDL-Cholesterin reduzieren
Darüber hinaus ist es wichtig, begleitende Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus konsequent zu behandeln.
Eingriffe und Operationen bei Arterienverkalkung
Bei stark verengten Gefäßen sind mitunter Eingriffe notwendig. Dazu zählen:
Katheterbehandlungen (Angioplastie): Dabei wird das verengte Gefäß mit einem Ballon gedehnt und häufig durch eine Gefäßstütze (Stent) offengehalten.
Operationen: Bei schweren Verengungen kann ein Bypass angelegt werden, um den Blutfluss umzuleiten.
Welche Behandlung infrage kommt, hängt vom Ausmaß der Gefäßverengung und den Beschwerden ab.
Arteriosklerose: So erfolgt die Diagnose
Bei Verdacht auf Arteriosklerose können sich Betroffene zunächst an ihre hausärztliche Praxis wenden. Um die Diagnose zu stellen, findet in der Regel zunächst ein Gespräch zur Krankengeschichte (Anamnese) statt und eine körperliche Untersuchung.
Da Arteriosklerose oft mehrere Gefäßbereiche gleichzeitig betrifft, werden verschiedene Körperregionen gezielt untersucht. Dazu gehören unter anderem:
- Abtasten des Pulses an verschiedenen Stellen
- Abhören der Gefäße, etwa an Hals oder Bauch
- Blutdruckmessung an beiden Armen
Zusätzlich lässt sich durch eine Blutuntersuchung feststellen, ob Risikofaktoren vorliegen, zum Beispiel eine Fettstoffwechselstörung oder Diabetes mellitus.
Weitere Maßnahmen zur Diagnose
Bei Anzeichen für eine Arteriosklerose können je nach betroffener Region weitere Untersuchungen erfolgen, um die Diagnose zu sichern.
Belastungs-EKG: liefert Hinweise auf eine koronare Herzkrankheit
Doppler- oder Duplexsonographie: macht Gefäßveränderungen erkennbar, etwa an den Halsschlagadern
Gehstreckentest: dabei wird gemessen, welche Gehstrecke Betroffene ohne Pause zurücklegen können
Angiographie (Katheteruntersuchung): macht arteriosklerotische Gefäße sichtbar und hilft, das Ausmaß der Durchblutungsstörung zu beurteilen
CT- oder MRT-Angiographie: ermöglicht eine Darstellung der Gefäße
intrakoronarer Ultraschall (IVUS): liefert eine detaillierte Darstellung der Herzkranzgefäße von innen
Arteriosklerose: Verlauf und Lebenserwartung
Arteriosklerose entwickelt sich sehr langsam. Oft beginnt die Erkrankung bereits im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter. Sie bleibt jedoch lange ohne Beschwerden.
Wie eine Arterienverkalkung verläuft und welche Folgeerkrankungen möglich sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa:
- welche Gefäße betroffen sind
- welches Ausmaß die Gefäßverengung hat
- ob bereits Folgeerkrankungen oder Begleiterkrankungen bestehen
Mögliche Komplikationen bei Arterienverkalkung
Eine fortgeschrittene Arteriosklerose kann zu akuten, teils lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Das ist etwa der Fall, wenn Plaques aufreißen und sich an dieser Stelle ein Blutgerinnsel (Thrombus) bildet. Je nach Ausmaß und betroffener Gefäßregion drohen etwa ein Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Sind Arterien in den Beinen stark verengt oder verschlossen, wird das Gewebe in schweren Fällen nicht mehr ausreichend durchblutet und stirbt ab. Dann kann schlimmstenfalls eine Amputation notwendig werden.
Arteriosklerose: Einfluss auf die Lebenserwartung?
Arteriosklerose kann die Lebenserwartung beeinflussen, vor allem wenn es zu Folgeerkrankungen kommt.
Wie stark die Lebenserwartung eingeschränkt ist, hängt vom Ausmaß der Gefäßveränderungen und den betroffenen Organen ab. Auch Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck spielen eine wichtige Rolle.
Eine frühzeitige Behandlung und die konsequente Kontrolle von Risikofaktoren können den Verlauf günstig beeinflussen und das Risiko für schwerwiegende Komplikationen senken.