Ein glückliches Paar liegt auf dem Bett
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Sex-Studie: Wie lieben die Deutschen?

Wer etwas über die Deutschen und ihr Sexleben erfahren möchte, muss dafür nicht in ihre Schlafzimmer schauen. Sexualforscher um Peer Briken vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf haben das für uns getan. Sie befragten 4955 repräsentativ für die Bevölkerung ausgewählte Männer und Frauen im Alter von 18 bis 75 Jahren. Mit der ersten umfassenden Studie zu Gesundheit und Sexualität in Deutschland (GeSiD) geben sie uns nun erste Einblicke in die Ergebnisse.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Wie und wie häufig haben die Deutschen Sex?

Wie häufig die Deutschen Sex haben, hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab: Alter, Gesundheitszustand und Beziehungsstatus.

Frauen und Männer zwischen 18 und 35 Jahren haben etwa 5 Mal pro Monat Sex. Bei den 36- bis 55-Jährigen sind es etwa 4 Mal im Monat. Mit zunehmendem Alter nimmt die sexuelle Aktivität deutlich ab. Im Alter zwischen 66 und 75 Jahren sind nur noch 26 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer sexuell aktiv. Sie haben nur noch durchschnittlich 1,1 Mal im Monat Sex.

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Wer in einer festen Partnerschaft lebt, hat deutlich häufiger Sex als Singles. Männer hatten bis zum Zeitpunkt der Befragung durchschnittlich 9,8 Sexualpartner/-innen. Bei den Frauen waren es 6,1. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass aufgrund sozialer Erwartungen Männer eher angeben, mehr Sexpartner-/innen gehabt zu haben. Frauen dagegen spielen die Zahl aus Angst vor negativer Beurteilung herunter.

Je besser der Gesundheitszustand der Befragten, desto häufiger hatten sie Sex. Erkrankungen bedeuten jedoch nicht gleich das Ende des Liebeslebens: Knapp die Hälfte aller Befragten, die ihren Gesundheitszustand als schlecht oder sehr schlecht beschreiben, hatte in den letzten vier Wochen Sex.

Die häufigsten heterosexuellen Sexualpraktiken sind der Vaginal- und der Oralverkehr. An ungewöhnlichen Sexualpraktiken nannten die Befragten vor allem: Sex an ungewöhnlichen Orten, gemeinsam einen Porno ansehen und den Gebrauch von Dildos und Vibratoren. Auch die Vielfalt der Sexualpraktiken nimmt mit dem Alter ab.

Sexuelle Orientierung

Von den Befragten geben...

  • 96,9 Prozent der Männer und 96,2 Prozent der Frauen an, heterosexuell zu sein.
  • 1,8 Prozent der Männer und 0,9 Prozent der Frauen an, homosexuell zu sein, und
  • 0,9 bzw. 1,8 Prozent an, bisexuell zu sein.

Leider ist sexuelle Diskriminierung auch heutzutage noch Alltag in Deutschland. Mehr als jeder zweite junge Mann im Alter von 18 bis 35 Jahren gibt an, aufgrund seiner Sexualität benachteiligt oder diskriminiert worden zu sein (63 Prozent).

Wie zufrieden sind die Deutschen mit ihrem Sexleben?

Menschen in Partnerschaften sind wesentlich zufriedener mit ihrem Sexleben als sexuell aktive Singles. Die Nähe, die Menschen in einer Partnerschaft erleben und der Sex sind wichtig für die Zufriedenheit in der Beziehung. Außerdem bedingt sich beides gegenseitig. Wer sich seinem Partner sehr nahe fühlt, ist in der Regel auch zufriedener mit dem Sex in der Beziehung.

Die ersten sexuellen Erfahrungen

Von den 66- bis 75-Jährigen hat ein Fünftel die ersten sexuellen Erfahrungen bis zum 17. Geburtstag gemacht. Unter den 18- bis 25-Jährigen sind es bereits 44 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen. Etwa drei Jahre, bevor sie das erste Mal Geschlechtsverkehr haben, erleben die meisten Menschen die erste Regelblutung beziehungsweise den ersten Samenerguss und die erste Selbstbefriedigung. 50 Prozent der Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren hatten ihren ersten Samenerguss bis zum Alter von 13 Jahren. 66 Prozent der Frauen bekamen ihre erste Regelblutung vor dem vollendeten 13. Lebensjahr. Bei den 66- bis 75-Jährigen waren es dagegen nur 22 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen. In der Tat scheint die körperliche sexuelle Reife heute früher einzutreten.

Auffällig ist, dass Männer aller Generationen den ersten Pornofilm sehen, lange bevor sie das erste Mal Sex haben. Bei den 18- bis 25-Jährigen haben 90 Prozent der Männer bereits vor ihrem 17. Lebensjahr einen Porno angeschaut. Bei den Frauen der gleichen Altersgruppe sind es nur 48 Prozent.

Sexuell übertragbare Krankheiten

Wir sprechen heute offen über sexuell übertragbare Infektionskrankheiten? Leider nein. Das zeigt zum einen die Zahl der Erkrankungen, die in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Zum anderen geben viele der Befragten an, weder mit ihrem Partner noch mit einem Arzt über das Thema offen zu reden. Jüngere Menschen sprechen jedoch eher darüber als ältere Menschen.

Zwischen 70 und 88 Prozent derjenigen, die eine sexuell übertragbare Infektion hatten, haben zum damaligen Zeitpunkt mit ihren Sexualpartnern darüber gesprochen. Während bei Frauen Chlamydieninfektionen besonders häufig genannt wurden, hatten Männer den eigenen Angaben zufolge vor allem mit Tripper/Gonorrhoe zu tun.

Von neun angegebenen sexuell übetragbaren Infektionen war HIV/AIDS mit Abstand den meisten Befragten bekannt. Dennoch gaben 22 Prozent der männlichen und 26 Prozent der weiblichen Singles an, beim Sex in den vergangenen 12 Monaten nie ein Kondom benutzt zu haben. Die Benutzung eines Kondoms ist also keineswegs selbstverständlich.

23 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen, die zum Zeitpunkt der Befragung in einer festen Beziehung lebten, waren in dieser Beziehung bereits einmal fremdgegangen.

Wie geht es weiter?

Die oben genannten Fakten sind nur die ersten Ergebnisse der Studie zu Gesundheit und Sexualität in Deutschland. Die Forscher wollen die Ergebnisse ihrer Studie weiter auswerten. Sie sollen dabei helfen, bestimmte Gesundheitsrisiken zu identifizieren und die sexuelle Gesundheit der Menschen in Deutschland einzuschätzen.

Die Befragungen sollen in einigen Jahren wiederholt werden, um Trends und Entwicklungen zu beobachten.