Eine Schwangere sitzt im Bett und trinkt Tee
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Himbeerblättertee in der Schwangerschaft

Himbeerblättertee soll unterstützend bei Kinderwunsch wirken und sanft auf die Geburt vorbereiten. Viele Hebammen empfehlen das Hausmittel und viele Frauen nutzen es bedenkenlos – schließlich ist es rein pflanzlich. Deshalb muss es allerdings noch längst nicht harmlos sein. Es gibt Hinweise darauf, dass Schwangere möglicherweise lieber auf den Tee verzichten sollten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Wirkung, Zubereitung und Dosierung

Wie soll Himbeerblättertee wirken?

Die getrockneten Himbeerblätter enthalten Gerbstoffe, Tannine, Ellagsäure, Flavonoide und Vitamin C. Der Tee soll den Muttermund erweichen und die Beckenmuskulatur lockern und damit in der späten Schwangerschaft die Wehen fördern, die Zeit der Wehen verkürzen und einem Dammschnitt oder-riss vorbeugen. Weil ihm zudem eine entkrampfende Wirkung nachgesagt wird, soll er auch helfen, die Wehen besser zu ertragen. Auch entzündungshemmend soll er sein und darüber hinaus helfen, den weiblichen Zyklus zu regulieren und die Gebärmutterschleimhaut aufzubauen.

Himbeerblättertee wird außer in der Schwangerschaft auch traditionell angewendet bei

  • Menstruationsbeschwerden
  • Durchfall
  • Kinderwunsch
  • Halsentzündungen und Zahnfleischentzündungen

Zubereitung von Himbeerblättertee

Der Tee ist in Apotheken und Drogerien erhältlich und wird als Aufguss zubereitet. Übergießen Sie dafür 1-2 Teelöffel der losen Himbeerteeblätter mit siedend heißem Wasser und lassen Sie den Sud 5-10 Minuten ziehen. Als Dosis werden 6 bis 8 Gramm der Blätter täglich empfohlen, das entspricht 3-4 Tassen täglich. Wer Halsschmerzen oder Zahnfleischentzündungen hat, kann auch mit dem Tee gurgeln oder ihn als Mundspülung verwenden.

In der Schwangerschaft: Ab wann und wie oft Himbeerblättertee trinken?

Nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt sollen Schwangere ab der 37. Schwangerschaftswoche täglich Himbeerblättertee trinken. Beginnen soll die Frau mit einer Tasse und die Dosis langsam auf bis zu vier Tassen pro Tag steigern. Seine geburtsvorbereitende Wirkung soll der Tee erst nach 2-3 Wochen entfalten. Da ihm nachgesagt wird, Wehen auszulösen, soll der Tee nicht in der früheren Schwangerschaft angewendet werden. Wer den Tee bei Kinderwunsch getrunken hat, sollte damit aufhören, sobald eine Schwangerschaft besteht.

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Ist die Wirkung von Himbeerblättertee wissenschaftlich belegt?

Nein. Es gibt keine Studie, die beweist, dass Himbeerblätter eine positive medizinische Wirkung haben. Die Wirkung von Himbeerblättertee ist also traditionell überliefert und nicht wissenschaftlich bewiesen.

Einer häufig zitierten Studie zufolge hatten Frauen, die regelmäßig vor der Geburt Himbeerblätter in Form von Tabletten zu sich genommen hatten, tatsächlich eine verkürzte Wehendauer und insgesamt weniger Eingriffe wie Zangengeburten und Kaiserschnitte. Allerdings haben an dieser Studie inklusive Kontrollgruppe nur 109 Frauen teilgenommen. Eine andere Studie mit 192 Schwangeren bescheinigte Frauen, die regelmäßig Himbeerblätterprodukte eingenommen hatten, ebenfalls eine um etwa zehn Minuten verkürzte zweite Wehenphase während der Geburt und eine etwas geringere Rate an Zangengeburten. Die erste Wehenphase war demnach jedoch nicht verkürzt. Signifikante Unterschiede stellen die Studienleiter nach eigenen Angaben nicht fest.

Andere Studien dagegen konnten überhaupt keine Unterschiede zwischen der Kontrollgruppe und der Gruppe feststellen, die Himbeerblätter eingenommen hatte. Eine Metastudie, die verschiedene Studien miteinander verglichen hat, kommt zu dem Ergebnis, dass die positive Wirkung von Himbeerblättern bislang nicht überzeugend dokumentiert werden konnte. Weil weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit von Himbeerblättern belegt sind, raten die Autoren schwangeren Frauen von der Verwendung ab.

Höhere Kaiserschnittrate nach Himbeerblättertee?

Eine Studie konnte sogar einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Himbeerblättertee und einer dreifach erhöhten Kaiserschnittrate zeigen. Allerdings ist nicht belegt, dass es auch einen ursächlichen Zusammenhang gibt. So könnte es beispielsweise sein, dass eher Frauen zu Himbeerblättertee greifen, die ohnehin Schwierigkeiten zum Beispiel mit ihrer Beckenbodenmuskulatur haben. In dem Fall wäre der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Himbeerblättertee und Kaiserschnitt zwar logisch, aber nicht ursächlich.

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Fazit: Himbeerblättertee in der Schwangerschaft – ja oder nein?

Der Empfehlung der Europäischen Behörde für Arzneimittelsicherheit (EMA) folgend muss die Antwort lauten: nein. Denn bislang gibt es keinen Beweis dafür, dass der Konsum von Himbeerblättertee in der Schwangerschaft für Mutter und Kind sicher sind. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, verzichtet also auf den Versuch mit dem Himbeerblättertee, auch wenn die Hebamme möglicherweise etwas anderes rät. Letztendlich muss jede Frau allerdings für sich selbst entscheiden, ob sie Himbeerblättertee zur Geburtsvorbereitung trinken möchte. Negative Wirkungen auf Mutter und/oder sind ebenso wenig belegt wie positive.