Jemand sitzt auf einem hölzernen Steg an einem See und hält seine Zehen ins Wasser.
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Blaualgen: Risiko erkennen und vermeiden

Blaualgen können sich massenhaft in Badegewässern ansammeln. Das unansehnlich aussehende Wasser verdirbt nicht nur den Badespaß, sondern kann sogar der Gesundheit schaden. Lesen Sie, wie Sie das Risiko erkennen und vermeiden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Problem Blaualgen

Was sind Blaualgen?

Blaualgen sind eigentlich gar keine Algen, sondern Bakterien – genauer: Cyanobakterien. Sie können sowohl in Binnengewässern als auch im Meer vorkommen.

Sind Blaualgen giftig?

Ja, einige Blaualgen bilden Cyanotoxine. Manche dieser Giftstoffe wirken als Nervengifte. Solche Neurotoxine aus Cyanobakterien kommen jedoch eher selten vor – und wenn doch, ist ihre Konzentration meist zu gering, um gesundheitsschädlich zu sein.

Andere Giftstoffe von Cyanobakterien schädigen die Leber. Diese Lebertoxine sind sehr häufig: Mehr als 50 Prozent aller Blaualgenblüten enthalten leberschädigende Giftstoffe.

Zudem stecken in den Zellwänden aller Blaualgen Verbindungen aus Lipid- und Zuckerbestandteilen: Diese Lipopolysaccharide (LPS) können vermutlich die Haut reizen und Allergien auslösen.

Wann sind Blaualgen ein Problem?

Wenn sie sich massenhaft vermehren: Denn während dieser Algenblüte (auch Wasserblüte genannt) ist die Konzentration der Cyanotoxine im Wasser besonders hoch.

Blaualgenblüten kommen in Europa vor allem in mitteleuropäischen Binnenbadegewässern vor (z. B. in Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik). Auch an der Ostsee können Blaualgen in Massen auftreten. An Badestränden der Nordsee bilden Cyanobakterien hingegen keine Algenblüten.

Wie kommt es zur Massenvermehrung von Blaualgen?

Blaualgen treten vor allem im Hochsommer in Massen auf. Neben hohen Wassertemperaturen können besonders eine hohe Nährstoffkonzentration (Überdüngung mit Phosphaten) und ein erhöhter Lichteinfall das Wachstum der Cyanobakterien begünstigen.

Wann werden die Behörden tätig?

Wenn abzusehen ist, dass sich Blaualgen in einem Badegewässer massenhaft vermehren könnten, überwachen die zuständigen Behörden das Gewässer entsprechend, um gesundheitliche Risiken rechtzeitig zu erkennen. Die Behörden schließen die Badestelle vorübergehend, sobald

  • die Cyanobakterien eine Wasserblüte bilden,
  • das Wasser stark eingetrübt ist oder
  • die Giftkonzentration einen bestimmten Wert überschreitet.

Woran sind Massenansammlungen von Blaualgen zu erkennen?

Wenn Blaualgen im See oder Meer in Massen auftreten, ist das meist anhand der folgenden Merkmale zu erkennen:

  • Das Wasser ist grünlich oder bläulich-grünlich verfärbt bzw. eingetrübt.
  • Die Sichttiefe im Wasser beträgt weniger als einen Meter.
  • An der Wasseroberfläche und im Uferbereich bilden sich Schlieren bis hin zu Algenteppichen.
  • Teils sind die Ansammlungen von Blaualgen wolkenartig im Wasser verteilt.
  • Das Wasser kann unangenehm riechen (nach faulen Eiern, Gülle und Ammoniak).

Ansammlungen von Blaualgen können – abhängig von Wind und Wasserströmung – innerhalb weniger Tage auftauchen und sich auch wieder auflösen. Wo und wann Cyanobakterien das Baden zum Risiko machen, ist nicht vorhersagbar. Auf die (meist monatliche) Überwachung von Badegewässern allein kann man sich also nicht verlassen. Darum: Augen auf und sich selbst ein Urteil bilden!

Wie gefährlich ist das Baden bei Blaualgenblüte?

Giftige Blaualgen sind hauptsächlich dann ein Gesundheitsrisiko, wenn man stark verseuchtes Wasser in größeren Mengen verschluckt oder versehentlich einatmet. Vor allem Kinder, die im Wasser planschen, bekommen schnell Wasser in Mund und Nase – besonders in den flachen Bereichen, in denen sich die dickste Algenblüte ansammelt. Aber auch bei Wassersportarten ist das kaum zu vermeiden – zum Beispiel beim Wasserskifahren, Windsurfen, Tauchen oder Segeln in stürmischem Wetter.

Gerade für Kinder kann das lebensgefährlich sein. Zur Verdeutlichung: 2006 sammelten sich in der Lübecker Bucht besonders viele Blaualgen an. Die damals gemessenen Giftkonzentrationen betrugen bis zu 30 Milligramm pro Liter Wasser. Hätte ein Kleinkind nur 30 bis 40 Milliliter davon verschluckt, hätte es vermutlich schon Anzeichen einer Vergiftung entwickelt.

Manche Wirkstoffe der Blaualgen können zudem die Haut reizen und Entzündungen oder allergische Reaktionen auslösen. Entsprechend können Cyanobakterien beim Menschen die unterschiedlichsten Symptome hervorrufen, wie:

Achtung: Die Giftwirkung kann sich steigern, wenn man an mehreren Tagen hintereinander blaualgenhaltiges Wasser schluckt. Wenn Sie also trotz vorhandener Blaualgen nach dem Baden keine Beschwerden bekommen, sollten Sie sich nicht dazu hinreißen lassen, erneut in dem belasteten Gewässer zu schwimmen.

Bei Menschen sind in Deutschland bisher allerdings noch keine schweren Vergiftungen durch Blaualgen in Badegewässern aufgetreten. Anders bei Hund & Co.: Bei Tieren gab es schon tödliche Vergiftungen durch Cyanobakterien – zum Beispiel, weil sie das vergiftete Wasser getrunken, nach dem Baden ihr Fell geleckt oder auch verrottendes Material der Blaualgenblüte am Ufer gefressen haben.

Tipps: So verhalten Sie sich richtig

Was tun bei Blaualgenblüten?

1. Gehen Sie nicht mehr schwimmen, wenn …

  • … das Wasser grünlich-trübe ist.
  • … blaugrüne Schlieren auf dem Wasser sichtbar sind.
  • … Sie bis zu den Knien im Wasser stehen und Ihre Füße nicht mehr sehen können.

2. Halten Sie kleine Kinder, die öfter und mehr Wasser als Erwachsene verschlucken, unbedingt von den Blaualgen fern. Gerade im seichten Ufersaum, in dem Kinder häufig planschen, reichern sich oft besonders viele Cyanobakterien an.

3. Wasser oder Blaualgen auf keinen Fall verschlucken! Vermeiden Sie es auch, feinen Sprühnebel einzuatmen. Planschen, Spritzen und Wassersport in den betroffenen Bereichen sollten also tabu sein.

4. Informieren Sie auch andere Badegäste über die Blaualgenblüte. Und beachten Sie die Anweisungen der Strandrettungswachen:

  • Eine gelbe Flagge am Strandbereich warnt vor dem Baden,
  • eine rote Flagge bedeutet allgemeines Badeverbot.

Was tun nach Kontakt mit Blaualgen?

Wenn man mit einer Blaualgenblüte in Kontakt kommt, bleiben die Blaualgen an der Bekleidung haften. Von dort können sie auch außerhalb des Wassers noch die Haut reizen. Darum sollten Sie sofort nach dem Verlassen des Wassers:

  • gründlich duschen und
  • die Badekleidung wechseln (oder zumindest gut auswaschen).

Wenn mit Blaualgen verseuchtes Wasser in die Augen geraten ist, spülen Sie sie am besten sofort mit sauberem Süßwasser aus.

Was tun, wenn man versehentlich Blaualgen verschluckt hat?

Wer nur ein bisschen verseuchtes Wasser verschluckt hat, muss nichts weiter tun. Sind jedoch größere Mengen Wasser mit Blaualgen in den Magen oder die Atemwege gelangt, sollten Sie vorsorglich einen Arzt aufsuchen – spätestens dann, wenn Sie Beschwerden entwickeln.

Tipp: Rufen Sie bei Verdacht auf eine Vergiftung durch Blaualgen beim Menschen eine Informationszentrale für Vergiftungen an.