Peginterferon beta-1a

Allgemeines

Der Wirkstoff wird zur Behandlung von erwachsenen Patienten angewendet, die an einer schubförmig verlaufenden multiplen Sklerose leiden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Hemmung der Ausschüttung von Entzündungsfaktoren
  • Verhinderung des Einwanderns von Entzündungszellen in das Gehirn
  • Förderung der Freisetzung entzündungshemmender Substanzen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Peginterferon beta-1a im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Peginterferon beta-1a nicht verwendet werden?

Peginterferon beta-1a darf nicht eingesetzt werden bei Überempfindlichkeit gegen natürliches oder gentechnisch gewonnenes Interferon beta oder Peginterferon sowie bei Patienten mit bestehender schwerer Depression und/oder Selbstmordgedanken.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch einen Arzt und unter seiner Kontrolle darf Peginterferon beta-1a angewendet werden bei
  • Patienten mit einer Vorgeschichte von depressiven Erkrankungen, weil diese durch die Therapie wieder auftreten kann
  • einem erhöhten Risiko einer Nierenerkrankung oder schwerer Nierenfunktionsstörung, weil der Wirkstoff eine solche auslösen kann
  • Funktionsstörungen der Schilddrüse in der Vorgeschichte, weil diese wieder aufflammen können
  • bei Patienten mit Krampfanfällen in der Vorgeschichte und solchen, die Antiepileptika einnehmen, insbesondere wenn deren Epilepsie nur unzureichend unterdrückt wird
  • vorbestehenden Herzerkrankungen wie Herzmuskelschwäche, Erkrankung der Herzkranzgefäße (Angina pectoris) oder Herzrhythmusstörungen, weil sich diese verschlimmern können
  • schweren Leberfunktionsstörungen, weil Peginterferon beta-1a die Leber angreift.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die wenigen verfügbaren Studien deuten auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Fehlgeburten hin. Daher sollte zu Beginn der Behandlung keine Schwangerschaft bestehen.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Therapie mit Peginterferon beta-1a eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Sollten Sie während der Anwendung schwanger werden oder planen, schwanger zu werden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Risiken. Er wird dann eine Beendigung der Therapie in Erwägung ziehen. Im Falle einer Schwangerschaft wird bei Patientinnen mit einer hohen Schubrate vor Abbruch der Behandlung das Risiko eines schweren Schubes nach Absetzen des Wirkstoffs gegen ein mögliches erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt abzuwägen sein.

Es ist nicht bekannt, ob Peginterferon beta-1a in die Muttermilch übergeht. Aufgrund möglicher schwerwiegender Nebenwirkungen beim gestillten Säugling sollte entweder abgestillt oder die Behandlung beendet werden.

Über die Auswirkungen von Peginterferon beta-1a auf die menschliche Fruchtbarkeit gibt es keine Studien. Bei sehr hohen Dosen wurde bei Versuchstieren beobachtet, dass der Eisprung ausblieb.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Peginterferon beta-1a bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre sind bei multipler Sklerose nicht in klinischen Studien erwiesen. Die Anwendung liegt daher im Ermessen des Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Peginterferon beta-1a haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Peginterferon beta-1a. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktion, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Grippe-ähnliche Erkrankung, Fieber, Schüttelfrost, Schwäche.
an der Injektionsstelle:
Hautrötung, Schmerzen, Jucken.

Häufige Nebenwirkungen:
Übelkeit und Erbrechen, Juckreiz, erhöhte Körpertemperatur, Schmerz, erhöhte Leberwerte (ALAT, ASAT, Gamma-GT), verminderter Gehalt des Blutes an Blutfarbstoff, verminderte Zahl weißer Blutkörperchen, Depression.
an der Injektionsstelle:
Schwellung, Wärme, Bluterguss, Ausschlag, Verfärbung, Entzündung.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Mangel an Blutplättchen, Kopfschmerzen, Krämpfe, Nesselsucht.

Seltene Nebenwirkungen:
Verstopfung feinster Blutgefäße durch Gerinnsel (einschließlich Unterhautblutungen und Auflösung von Blutzellen sowie Blut im Urin), Nierenerkrankung (nephrotisches Syndrom), Zerstörung der Nierenbläschen (Glomerulosklerose),
an der Injektionsstelle:
Gewebszerfall.

Besonderheiten:
Der Arzt wird die Patienten während der Behandlung sorgfältig auf eine Veränderung der Leberwerte und auch des Blutbildes hin beobachten.

Patienten, die Anzeichen einer Depression zeigen, sind während der Therapie auch durch ihre Angehörigen gut zu überwachen und müssen entsprechend behandelt werden. Es kann auch ein Abbruch der Therapie nötig sein.

Beim Auftreten schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen muss die Behandlung mit dem Wirkstoff beendet werden.

Um das Risiko von Reaktionen an der Injektionsstelle zu verkleinern, werden die Patienten über die Anwendung einer Injektionstechnik unter sterilen Bedingungen unterrichtet. Kommt es dennoch zu einer Hautschädigung, die von einer Schwellung oder einem Flüssigkeitsaustritt aus der Injektionsstelle begleitet sein kann, muss schnellstmöglich ein Arzt befragt werden.

Treten Einlagerung von Wasser in das Gewebe (Ödeme) auf, wird der Urin trübe oder verändert sich die Wasserausscheidung, muss gleich ein Arzt befragt werden. Eine mögliche Nierenerkrankung (nephrotisches Syndrom) bedarf der sofortigen Behandlung und vielleicht eines Therapieabbruchs.

Kommt es unerwartet zu Bluthochdruck, ist ein Arzt zu befragen. Es könnte sich eine Verstopfung feinster Blutgefäße durch Gerinnsel (thrombotische Mikroangiopathie) gebildet haben. Wird eine solche festgestellt, ist eine umgehende Behandlung mit Plasma-Austausch und ein sofortiges Therapie-Ende erforderlich.

Welche Wechselwirkungen zeigt Peginterferon beta-1a?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt. Die klinischen Studien deuten darauf hin, dass Patienten mit multipler Sklerose während der Schübe Peginterferon beta-1a und Glukokortikoide erhalten können. Von Interferonen weiß man, dass sie die Aktivität bestimmter Leber-Enzyme bei Menschen und Tieren verringern. So verzögert sich der Abbau anderer Substanzen und ihre Wirkung verstärkt sich. Das kann besonders bei Antiepileptika und manchen Antidepressiva von Bedeutung sein. Deren Blutkonzentrationen müssen vom Arzt dann während einer Behandlung mit Peginterferon beta-1a besonders überwacht werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung sind die Leberwerte und das Blutbild sorgfältig ärztlich zu überwachen.
  • Patienten, die Anzeichen einer Depression zeigen, sind während der Therapie auch durch ihre Angehörigen gut zu überwachen und müssen entsprechend behandelt werden.
  • Beim Auftreten schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen muss die Behandlung mit dem Medikament beendet werden.
  • Kommt es trotz steriler Bedingungen bei der Injektion zu einer Hautschädigung mit Schwellung oder Flüssigkeitsaustritt, muss schnellstmöglich ein Arzt befragt werden.
  • Treten Ödeme auf, wird der Urin trübe oder verändert sich die Wasserausscheidung, muss gleich ein Arzt befragt werden. Eine mögliche Nierenerkrankung bedarf der sofortigen Behandlung und vielleicht eines Therapieabbruchs.
  • Kommt es unerwartet zu Bluthochdruck, ist ein Arzt zu befragen. Möglicherweise sind eine umgehende Behandlung mit Plasma-Austausch und ein sofortiges Therapie-Ende erforderlich.
  • Nebenwirkungen wie Übelkeit können Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich machen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Peginterferon beta-1a?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Peginterferon beta-1a enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Peginterferon beta-1a

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Peginterferon beta-1a. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Peginterferon beta-1a gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Peginterferon beta-1a

Der Wirkstoff wird zur Behandlung von erwachsenen Patienten angewendet, die an einer schubförmig verlaufenden multiplen Sklerose leiden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Peginterferon beta-1a sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Peginterferon beta-1a

Der genaue Wirkmechanismus des Peginterferon beta-1a bei der multiplen Sklerose (MS) ist nicht bekannt. Der Wirkstoff bindet an einen speziellen Rezeptor für Interferon auf der Oberfläche der Zellen. Damit löst er innerhalb der Zelle eine Kaskade von Signalen aus, die bestimmte Gene an- oder abschalten. Man vermutet, dass Peginterferon beta-1a so die Ausschüttung entzündunghemmender Zytokine verursacht, während die Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine unterdrückt wird. Möglichwerweise unterdrückt es auch die Einwanderung von Fresszellen (T-Zellen) der körpereigenen Abwehr in das Gehirn, wo diese Entzündungsreaktionen hervorrufen. Es können jedoch auch noch weitere Mechanismen beteiligt sein.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.