Naltrexon

Allgemeines

Naltrexon dient als Teil eines umfassenden Therapieprogramms gegen Alkoholabhängigkeit und Abhängigkeit von opioiden Schmerzmitteln oder ähnlichen Drogen. Es mindert das Risiko eines Rückfalls, erleichtert unterstützend die Behandlung in der Phase der Alkoholfreiheit (Abstinenz) und mindert das Verlangen nach Alkohol.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • körpereigene Opioid-Rezeptoren besetzen
  • Anregung des körpereigenen Opioid-Systems durch Alkohol behindern
  • Entzug erleichtern
  • Rückfallrisiko vermindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Naltrexon im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Naltrexon nicht verwendet werden?

Naltrexon darf nicht angewendet werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • akuter Leberentzündung oder schwerer Lebererkrankung
  • schwerer Nierenerkrankung
  • Patienten, die opioide Schmerzmittel erhalten
  • opiatabhängigen Patienten ohne erfolgreichen Entzug, solchen, die einen positiven Opiat-Urintest hatten, oder solchen mit akuten Beschwerden eines Entzugs
  • Patienten, die schon nach Gabe von Naloxon mit Entzugsbeschwerden reagierten.
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Naltrexon bei Leber- und Nierenkranken angewendet werden. Die Leberfunktion sollte sowohl vor als auch während der Behandlung getestet werden.

Hinweis:
Die Therapie sollte nur von einem Arzt mit Erfahrung in der Behandlung alkoholabhängiger Patienten begonnen und überwacht werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Tierexperimente haben gezeigt, dass sich die Gabe von Naltrexon an trächtige Tiere schädigend auf die Nachkommenschaft auswirkt. Diese Studien sind nicht ausreichend, um auf den Menschen zu schließen. Auch ist nicht bekannt, ob Naltrexon oder sein aktives Stoffwechselprodukt in die Muttermilch abgegeben werden. Daher darf Naltrexon nur nach strenger ärztlicher Abwägung von Nutzen und Risiko und bei unbedingter Notwendigkeit bei schwangeren oder stillenden Frauen angewendet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Weil es mit Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren keine Studien zu Wirkung und Sicherheit von Naltrexon gibt, sollte diese Altersgruppe nicht mit dem Wirkstoff behandelt werden.

Welche Nebenwirkungen kann Naltrexon haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Naltrexon. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Unruhe, Nervosität, Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Erbrechen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Schwäche.

Häufige Nebenwirkungen:
gesteigerte Energie, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, Durst, Schwindel, Antriebslosigkeit, Schüttelfrost, vermehrtes Schwitzen, Tränenfluss, Schmerzen in der Brust, Durchfall, Verstopfung, Hautausschlag, Juckreiz, Harnverhaltung, verzögerte Ejakulation, verringerte Potenz, Appetitlosigkeit.

Seltene Nebenwirkungen:
Ängstlichkeit, Depressionen, Selbstmordgefährdung, Selbstmordversuch, Sehstörungen, Sprachstörungen, Ohrensausen, geringfügiger Blutdruckanstieg, Störungen der Leberfunktion (Erhöhung der Transaminasen).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Blutplättchenmangel ungeklärter Ursache.

Besonderheiten:
Naltrexon kann eine vorübergehende Erhöhung des diastolischen Blutdrucks ("unterer Wert") verursachen, gefolgt von einer Absenkung der Körpertemperatur und Verringerung der Atemzüge.

Welche Wechselwirkungen zeigt Naltrexon?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Zur Zeit gibt es nur wenige Erfahrungen zur Wirkung von Naltrexon auf das Verhalten anderer Substanzen im Körper. Daher sollte der Arzt die gleichzeitige Behandlung mit Naltrexon und anderen Wirkstoffen mit Vorsicht durchführen und sorgfältig überwachen.

Während der Therapie mit Naltrexon dürfen keine weiteren Opioide (zum Beispiel Codein gegen Husten oder Opioide in Mitteln gegen Durchfall) angewendet werden. Zur Behandlung von Schmerzzuständen dürfen ausschließlich nicht-opioide Schmerzmittel genommen werden. Keinesfalls darf man versuchen, durch Anwendung großer Opioiddosen die durch Naltrexon verursachte Wirk-Blockade wieder aufzuheben. Es kann nämlich nach Beendigung der Naltrexonwirkung zu einer akuten Opioidüberdosierung mit möglicherweise tödlichem Ausgang (Erstickungsanfälle) kommen.

Sollte ein Patient doch eine Schmerztherapie mit opioiden Schmerzmitteln oder in Notfallsituationen eine Narkose benötigen, kann die erforderliche Dosis größer sein, um die gleiche Wirkung zu erzielen. In diesen Fällen sind auch Atembeschwerden und Kreislaufstörungen stärker und länger andauernd. Auch kann es leichter zu Nebenwirkungen wie Schwitzen, Juckreiz und anderen Haut- und Schleimhauterscheinungen kommen. Der Patient benötigt in diesen Situationen besondere ärztliche Aufmerksamkeit und Überwachung.

Nach der Behandlung mit Naltrexon können Patienten empfindlicher auf die Gabe von Opioiden reagieren.

Da Naltrexon nicht eingesetzt werden darf, wenn ein Patient Opioide anwendet, wird der Arzt in unklaren Situationen möglicherweise einen sogenannten Naloxon-Provokationstest durchführen. Reagiert der Patient auf diesen schon mit Entzugserscheinungen, darf der Wirkstoff Naltrexon nicht gegeben werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Leberfunktion sollte sowohl vor als auch während der Behandlung mit dem Medikament vom Arzt getestet werden.
  • Das Medikament darf nur von Ärzten eingesetzt werden, die Erfahrung mit der Behandlung von Suchtkranken haben.
  • Das Medikament kann körperliche wie seelische Fähigkeiten beeinflussen, weswegen gefahrvolle Tätigkeiten wie Autofahren oder die Bedienung von Maschinen vermieden werden sollten.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Naltrexon?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Naltrexon enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Naltrexon

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Naltrexon. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Naltrexon gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Naltrexon

Naltrexon dient als Teil eines umfassenden Therapieprogramms gegen Alkoholabhängigkeit und Abhängigkeit von opioiden Schmerzmitteln oder ähnlichen Drogen. Es mindert das Risiko eines Rückfalls, erleichtert unterstützend die Behandlung in der Phase der Alkoholfreiheit (Abstinenz) und mindert das Verlangen nach Alkohol.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Naltrexon sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Naltrexon

Naltrexon ist ein Wirkstoff, der geschluckt werden kann und im Körper einen Gegenspieler zu Substanzen darstellt, die wie Opioide wirken (Opioid-Antagonist). Naltrexon verbindet sich langanhaltend und gezielt mit den Bindungsstellen (Rezeptoren) für Opioide im Gehirn und im übrigen Körper. Es verdrängt dadurch die Opioide, ohne deren Wirkungen hervorzurufen.

Die Behandlung mit Naltrexon führt weder zu körperlicher noch zu seelischer Abhängigkeit. Auch bei Langzeitbehandlung tritt keine Gewöhnung ein, die mit einer Dosissteigerung aufgefangen werden müsste.

Der Wirkungsmechanismus von Naltrexon ist nicht restlos wissenschaftlich geklärt. Es wird angenommen, dass der Wirkstoff eine Wechselwirkung mit dem körpereigenen Opioidsystem eingeht. Dieses System beruht auf Eiweißstoffen (sog. Endorphinen), die im Körper bei Belastungen durch Schmerzen oder tiefgreifende Ereignisse ausgeschüttet werden. Sie docken an den gleichen körpereigenen Bindungsstellen wie die Betäubungsmittel an und wirken ebenso schmerzstillend und stimmungsaufhellend. Man nimmt an, dass der Missbrauch von Alkoholoder Drogen beim Menschen dieses Opioidsystem grundlegend anregt. Jeder weitere Konsum führt dann zu einer Verstärkung, die letztlich in die Abhängigkeit mündet. Dann reichen schon geringe Mengen Alkohol oder Drogen, um nach dem Entzug einen kompletten Rückfall zu erleiden.

Der Haupteffekt einer Behandlung mit Naltrexon scheint ein vermindertes Risiko für einen solchen Rückfall zu sein. Naltrexon vermindert das Verlangen nach Alkohol oder Drogen während dem Entzug und nach Konsum derselben. Diese Abnahme des Verlangens senkt das Rückfallrisiko abstinenter und nicht abstinenter Patienten.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.