Johanniskraut + Baldrianwurzel

Allgemeines

Kombinationen aus Johanniskraut und Baldrianwurzel werden vor allem zur Beruhigung sowie Linderung von Nervosität und Unruhezuständen angewandt. Auch körperliche Beschwerden mit nervlicher Ursache (psychovegetative Beschwerden) lassen sich mit dieser Kombination gut behandeln.

Wie die Einzelstoffe kann die Kombination aus beiden Wirkstoffen außerdem bei nervös bedingten Schlafstörungen und leichten bis mittelschweren vorübergehenden depressiven Verstimmungen (so genannten atypischen Depressionen) sowie damit verbundenen Angststörungen eingesetzt werden. Die Baldrianwirkung steht dabei bei Einschlafproblemen im Vordergrund, während die Wirkung der Johanniskrautextrakte ihren Schwerpunkt bei der Verringerung depressiver und ängstlicher Symptome hat. Dabei unterstützt und verstärkt die jeweils andere Pflanze die Hauptwirkung des Einzelwirkstoffs.

Die Bestandteile der Kombination sind noch unter anderen Namen bekannt:
  • Johanniskraut (Hypericum perforatum) heißt auch Herrgottsblut, Hexenkraut, Jageteufel, Johannisblut, Konradskraut, Mannskraft, Tüpfel-Hartheu
  • Baldrian (Valeriana officinalis) wird auch auch Balderjan, Bullerjan, Katzenbaldrian, Katzenkraut und Stinkbaltes genannt.

Welchen Zwecken dient diese Wirkstoffkombination?

  • leichte bis mittelschwere vorübergehende depressive Verstimmungen (atypische Depressionen) sowie damit verbundene Angststörungen behandeln
  • Unruhezustände und Nervosität sowie nervös bedingte Schlafstörungen mindern
  • körperliche Beschwerden mit nervlicher Ursache lindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Johanniskraut + Baldrianwurzel im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann dürfen Johanniskraut + Baldrianwurzel nicht verwendet werden?

Wer gegen Johanniskraut oder Baldrianwurzel allergisch reagiert, darf die Kombination nicht verwenden. Baldrianwurzel ist ansonsten sehr gut verträglich. Alle weiteren Anwendungseinschränkungen sind durch den Anteil des Johanniskrauts bedingt.

Bei innerlich anzuwendenden Präparaten mit Johanniskraut müssen die folgenden Anwendungseinschränkungen vor allem dann beachtet werden, wenn die täglich eingenommene Dosis 200 Milligramm des Pflanzenmaterials beträgt oder, bei einem Extrakt beziehungsweise Öl, dieser Pflanzenmenge entspricht. So ist der innerliche Einsatz von Johanniskraut bei schweren Depressionen verboten. Auch eine Kombination mit anderen Antidepressiva ist nicht erlaubt.

Weiterhin darf Johanniskraut nicht gleichzeitig mit folgenden Wirkstoffen verwendet werden:
  • Immunmodulatoren wie Ciclosporin oder Immunsuppressiva wie Tacrolimus und Sirolimus
  • AIDS-Mitteln wie HIV-1-Proteasehemmern (beispielsweise Indinavir) oder reversen Transkriptasehemmern (beispielsweise Nevirapin)
  • Zytostatika wie Imatinib und Irinotecan
  • Antikoagulanzien wie Phenprocoumon und Warfarin
  • Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Da keine ausreichenden Untersuchungen vorliegen, wird die Anwendung dieser Wirkstoffkombination in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Bisher sind jedoch keine Hinweise auf eine Schädigung des Kindes bekannt.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Kinder unter zwölf Jahren dürfen nicht mit der Wirkstoffkombination behandelt werden, da keine ausreichenden Untersuchungen für diese Altersgruppe vorliegen.

Einige wenige Hersteller bieten allerdings Präparate mit Johanniskraut und Baldrianwurzel an, die schon für Kinder ab sechs Jahren zugelassen sind. Diese Eignung sollte immer vor der Gabe an das Kind genau durch den Arzt geprüft werden.

Welche Nebenwirkungen können Johanniskraut + Baldrianwurzel haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Johanniskraut + Baldrianwurzel. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Lichtempfindlichkeits-Zunahme (Photosensibilisierung), sonnenbrandähnliche Hautreaktionen, Blasenbildung.

Seltene Nebenwirkungen:
Allergische Reaktionen wie Hautausschlag, Mundtrockenheit, Müdigkeit, Benommenheit, Unruhe, leichte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Allergische Hautreaktionen wie Rötungen, Juckreiz.

Vereinzelt auftretende Nebenwirkungen:
Übersteigerte Hochstimmung (Manien).

Besonderheiten:
Während der Behandlung mit der Kombination sollte eine starke UV-Bestrahlung durch lange Sonnenbäder, Höhensonne oder Solarium vermieden werden.

Bei Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion darf die Wirkstoffkombination nicht mehr eingenommen werden.

Welche Wechselwirkungen zeigen Johanniskraut + Baldrianwurzel?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Durch den Kombinationsbestandteil Baldrianwurzel kann die Wirkung von Beruhigungs- oder Schlafmitteln verstärkt werden. Dies gilt auch in Verbindung mit Alkoholkonsum.

Ist eine Narkose geplant, sollte der Kombinationsbestandteil Baldrianwurzel vorher abgesetzt werden, weil sich durch den Wirkstoff möglicherweise auch die Wirkung von Narkosemitteln verstärken kann.

Mögliche weitere Wechselwirkungen der Kombination sind vor allem auf den Johanniskraut-Anteil zurückzuführen, vor allem wenn ein Patient von der Kombination täglich so viel einnimmt, dass die Johanniskraut-Menge einer Dosis von 200 Milligramm des Pflanzenmaterials oder der entsprechenden Menge des Extrakts beziehungsweise Öls entspricht. Folgende Wechselwirkungen können auftreten:
  • Johanniskraut, seine Extrakte oder sein Öl können eine Lichtüberempfindlichkeit der Haut hervorrufen. Diese Reaktion verstärkt sich im Zusammenwirken mit innerlich oder äußerlich anwendbaren Wirkstoffen, die ebenfalls eine Lichtempfindlichkeit (Photosensibilisierung) hervorrufen.
  • Eine gleichzeitige Einnahme anderer Antidepressiva, insbesondere aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer wie Paroxetin, Sertralin und Trazodon, ist verboten. Die Kombination kann ein lebensbedrohliches Serotonin-Syndrom mit Verwirrtheit, Zittern, Schwitzen, Fieber und Blutdruckabfall bis zum Koma auslösen. Daher sollten diese Wirkstoffe nicht gemeinsam mit Johanniskraut eingenommen werden.
  • Johanniskraut verringert die Wirkung von zahlreichen Wirkstoffen. Gegebenenfalls ist deshalb eine Dosisanpassung der beteiligten Wirkstoffe durch den Arzt nötig. Davon betroffenen sind:
    • Immunmodulatoren wie Ciclosporin oder Immunsuppressiva wie Tacrolimus und Sirolimus (Immunsuppressiva zur Unterdrückung der körpereigenen Abwehr)
    • AIDS-Mittel wie HIV-1-Proteasehemmer (beispielsweise Indinavir) oder reverse Transkriptasehemmer (beispielsweise Nevirapin)
    • das Herzmittel Digitoxin
    • das Asthma-Mittel Theophyllin
    • der Blutdrucksenker Verapamil
    • das Beruhigungsmittel Midazolam
    • die Antidepressiva Amitriptylin und Nortriptylin
    • Zytostatika wie Imatinib und Irinotecan. Monoklonale Antikörper sind davon ausgenommen.
    • Antikoagulanzien wie Phenprocoumon und Warfarin
    • Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung ("Pille"). Hier kann die Wirkungsabschwächung zu Zwischenblutungen und möglicherweise nicht mehr ausreichendem Empfängnisschutz führen.


Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Einnahme des Medikaments sollte intensive UV-Bestrahlung, also Sonnenbaden, Solarium oder Höhensonne, gemieden werden. Ein Lichtschutz kann durch entsprechende Kleidung oder Lichtschutzpräparate sichergestellt werden.
  • Die Wirkung von hormonellen Verhütungsmitteln kann durch das Medikament beeinträchtigt sein. Daher sollten zusätzliche Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung angewandt werden.
  • Die Reaktionsfähigkeit kann durch die Kombination so weit beeinträchtigt sein, dass die aktive Teilnahme am Straßenverkehr und das Führen von Maschinen gefährlich sind.
  • Alkohol verstärkt die Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Johanniskraut + Baldrianwurzel?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Johanniskraut + Baldrianwurzel enthalten sind.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Johanniskraut + Baldrianwurzel

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Johanniskraut + Baldrianwurzel. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher die Wirkstoffkombination Johanniskraut + Baldrianwurzel gehört.

Anwendungsgebiete der Wirkstoffkombination Johanniskraut + Baldrianwurzel

Kombinationen aus Johanniskraut und Baldrianwurzel werden vor allem zur Beruhigung sowie Linderung von Nervosität und Unruhezuständen angewandt. Auch körperliche Beschwerden mit nervlicher Ursache (psychovegetative Beschwerden) lassen sich mit dieser Kombination gut behandeln.

Wie die Einzelstoffe kann die Kombination aus beiden Wirkstoffen außerdem bei nervös bedingten Schlafstörungen und leichten bis mittelschweren vorübergehenden depressiven Verstimmungen (so genannten atypischen Depressionen) sowie damit verbundenen Angststörungen eingesetzt werden. Die Baldrianwirkung steht dabei bei Einschlafproblemen im Vordergrund, während die Wirkung der Johanniskrautextrakte ihren Schwerpunkt bei der Verringerung depressiver und ängstlicher Symptome hat. Dabei unterstützt und verstärkt die jeweils andere Pflanze die Hauptwirkung des Einzelwirkstoffs.

Die Bestandteile der Kombination sind noch unter anderen Namen bekannt:
  • Johanniskraut (Hypericum perforatum) heißt auch Herrgottsblut, Hexenkraut, Jageteufel, Johannisblut, Konradskraut, Mannskraft, Tüpfel-Hartheu
  • Baldrian (Valeriana officinalis) wird auch auch Balderjan, Bullerjan, Katzenbaldrian, Katzenkraut und Stinkbaltes genannt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Johanniskraut + Baldrianwurzel sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Johanniskraut + Baldrianwurzel

Das Wirkprinzip von Kombinationen aus Johanniskraut und Baldrianwurzel ist noch nicht abschließend erforscht. Beide Pflanzen zeigen Wirkungen auf Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn, wie sie auch bei den meisten chemischen Psychopharmaka vorhanden sind. Bei Johanniskraut ist die Wirkung auf die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin zumindest im Tiermodell nachgewiesen. Bei Baldrianwurzel weisen einige Ergebnisse auf den Botenstoff Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) hin, der im Gehirn dämpfend wirkt (an dessen Bindungsstelle auch die beruhigenden Benzodiazepine angreifen). Es werden aber auch andere Mechanismen diskutiert.

Die Tatsache, dass Johanniskraut und Baldrianwurzel bei den genannten Anwendungsgebieten wirken, ist unbestritten und auch wissenschaftlich belegt. Durch welche genauen Mechanismen allerdings diese Wirkungen im Körper zustande kommen, muss noch weiter erforscht werden.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.